Fletch Bizzel: „Das Ding ist durch“


„Das Ding ist durch“ heißt es unter Kollegen, wenn eine Story sich erledigt hat. Der Skandal im „Theaterverein Fletch Bizzel e.V.“ sollte eigentlich auch „durch“ sein.  Am 19. August hat das Arbeitsgericht entschieden: die vom Verein ausgesprochene fristlose Kündigung der Theaterleitung Cindy Jänicke und Till Beckmann ist rechtsunwirksam. Von unserer Gastautorin Sabine Brandi.

Alle gegen Cindy Jänicke und Till Beckmann erhobenen Vorwürfe wurden fallengelassen. Stattdessen wurde die Einflussnahme des Vermieters auf die Kunst vor Gericht deutlich.

Der Fletch-Bizzel-Vereinsvorstand, der im Wesentlichen aus Horst Hanke-Lindemann, seiner Tochter und einem abhängig Beschäftigten besteht, hat dem Leitungsteam Beckmann/Jänicke dann zum nächstmöglichen Zeitpunkt fristgerecht gekündigt.

Trotzdem streitet Horst Hanke Lindemann nach dem Prozess gegenüber der Presse die Einmischung des Vermieters weiterhin ab: „Der Vermieter hat in 35 Jahren noch nie Einfluss auf die Kultur hier genommen und wird es auch nicht tun.“

Zur Erinnerung:

Vor Gericht ist der wahre Kündigungsgrund benannt worden. Der Vermieter war mit dem Konzept der Theatermacher nicht einverstanden. Er war  nicht bereit, den Mietvertrag zu verlängern, solange Jänicke und Beckmann das Fletch-Programm machen.

Das geht aus einem Mailverkehr hervor, der dem Gericht vorlag. Am 15. März schreibt Vermieter Niemeyer an Hanke Lindemann:

„Wir haben euch ganz klar gesagt, dass eine Vertragsverlängerung frühestens in einem Jahr verhandelbar ist.

Zudem hatten wir uns über die neue Ausrichtung in Bezug auf das Konzept ,,Tanztheater“ und Frau (…) unterhalten.

Da weiterhin in den sozialen Netzwerken und den Printmedien mit Tanztheater geworben wird und nach Tänzern gesucht wird, ist für uns nicht erkennbar, dass Ihr das ,,alte“ Theater Fletch Bizzel als Schauspielort weiterführen wollt. (…)

Solange wir kein greifbares und vernünftiges Konzept erkennen können, können bzw. wollen wir uns vertraglich nicht festlegen.“

Auch der als Vermittler eingesetzte Anwalt Alexander Publick erkannte laut mail die Einmischung des Vermieters. Ihn zitierte Beckmanns und Jänickes Anwalt Fricke vor Gericht:

 

„Lieber Horst, (gemeint ist hier Horst Hanke-Lindemann,

vielen Dank für die weiteren E-Mails (von Vermieter Jochen Niemeyer Immobilienagentur Niemeyer) und unser ausführliches Telefonat in der letzten Woche.

Die weiteren E-Mails des Vermieters erwecken den bei mir als außenstehenden Betrachter Eindruck (sic), dass sich jener nicht nur als Grundstückseigentümer, sondern auch als Programmverantwortlicher sieht oder fühlt.“

 

Bei dem Vermittlungstermin im April, im Beisein von Vertretern der Stadt und dem Fletch-Bizzel-Vereinsvorstand, wurde von allen Vorstandsmitgliedern geäußert: „Till und Cindy und ihr Konzept müssen weg, sonst gibt es für uns keinen neuen Mietvertrag“
Der Vermieter Niemeyer wolle das alte Fletch mit den alten Künstlern und Ensembles fortgeführt wissen.

Das ist alles am 19. August 2021 vor Gericht klar geworden. Das Ding ist durch.

 

 

 

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