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Forderungen nach Veränderungen sind berechtigt, werden aber einmal mehr wirkungslos bleiben

Glückliche Schweine? Häufig sucht man sie vergeblich. Foto: Wikipedia, Lizenz: gemeinfrei

Die Corona-Krise deckt in diesen Tagen in vielen Gesellschaftsbereichen große Schwachpunkte auf. Immer häufiger hört man daher jetzt von Forderungen in Zukunft vieles anders, natürlich deutlich besser, zu machen als zuletzt.

Der Profifußball, der schon nach wenigen Tagen der Spielpause zu kollabieren droht. Das Gesundheitswesen, das systemrelevante Arbeitskräfte nach Strich und Faden auszubeuten scheint. Die Logistikbranche, die von ihren Mitarbeitern viel zu viel abverlangt und ihnen dafür zu wenig Lohn zahlt. Oder auch die Fleischproduktion, die offensichtlich auf Kosten des Tierwohls und der Arbeitsbedingungen von Mitarbeitern zuletzt riesige Gewinne erwirtschaftet hat.

Diese Kritik an den Zuständen, die in Wirklichkeit ja alles andere als wirklich neu ist, sie ist im Kern völlig berechtigt. Kaum jemand würde dem ernsthaft wiedersprechen wollen. Zahlreiche Dinge sind in den vergangenen Jahren aus dem Ruder gelaufen. Millionen wussten das. Getan hat bisher jedoch kaum jemand etwas dagegen.

Und, so traurig das ist, es wird auch diesmal nichts Entscheidendes passieren, wenn die aktuelle Krise erst einmal vorbei ist.

Dessen kann man sich jetzt schon ziemlich sicher sein. Warum? Weil es diese Empörungswellen auch schon in der Vergangenheit immer wieder gab, ohne dass sich nachhaltig etwas Entsprechendes getan hätte.

Die Menschheit hat halt in der großen Mehrheit ein nur sehr kurzes Gedächtnis. Wie häufig wurden in der Vergangenheit schon Wahlversprechen gebrochen, ohne dass es den Parteien nachhaltig geschadet hätte? Spätestens nach ein paar Jahren ist das Fehlverhalten der Parteien wieder vergessen, ist die Jagd nach Wählerstimmen mit den gleichen hohlen Phrasen erneut erfolgreich.

Das aufkeimende Interesse für Umwelt- und Klimaschutz der vergangenen Jahre droht aktuell ebenfalls wieder in die zweite Reihe der Prioritäten zurückzufallen.

Lehren aus vergangenen Kriegen und Krisen? Man sucht sie viel zu häufig vergeblich.

Kranken- und Altenpfleger, Post- und Paketboten, Erntehelfer und Hilfskräfte in den Schlachthöfen sollten sich besser rechtzeitig darauf einstellen, dass die vielen guten Worte und Versprechungen der Gegenwart am Ende nicht dauerhaft in gute Taten umgesetzt werden. Ähnliches kann man auch Fußballfans empfehlen, die derzeit auf eine nachhaltige Änderung des Profisports setzen. Auch diese wird es mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht geben, wenn Corona erst einmal wieder aus unseren Köpfen gewichen ist.

Auch die Tiere in der Massentierhaltung werden von unserem in der Not geweckten schlechten Gewissen nicht dauerhaft profitieren.

Wollen wir wetten?

Denn dafür hat man ganz ähnliche hohlen Phrasen und leeren Versprechungen im Laufe der vergangenen Jahrzehnte doch schon viel zu häufig gehört!

 

 

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9 Kommentare zu “Forderungen nach Veränderungen sind berechtigt, werden aber einmal mehr wirkungslos bleiben

  • #1
    Berthold Grabe

    Das ist völlig richtig hier beschreiben, und das sit so, weil die Interessenkonflikte am ende sich am geringsten Widerstand orientieren und nicht daran was sinnvoll wäre.
    Und der geringste Widerstand wird durch Parameter bestimmt, die sich nicht so leicht ändern lassen.
    da wäre dann die berühmte Phrase: "Das Hemd ist mir näher als die Hose" weil wirklich niemand bereit ist über den eigenen Gartenzaun hinauszusehen. Man merkt es daran, das immer Schuldige benannt werden , Empörte etwas fordern, aber nie was sie selbst zu tun gedenken außer von anderen etwas zu erzwingen oder zu fordern.
    Wenn es nämlich den eigenen Geldbeutel trifft sind wir alle korrumpiert.
    Man nehme das Beispiel Solardach.
    Theoretisch durchaus sinnvoll, wirtschaftlich jedoch nur durch hohe Subventionen.
    Ich habe selbst eines, weil es aus persönlicher ökonomischer Perspektive sinnvoll ist.
    Wenn dann jemand Subventionen streichen will, geht es nicht darum diese auslaufen zu lassen, sondern gleich zu streichen. Dann allerdings werden sich alle Investoren wehren, weil kalkulierbare Erträge aufgrund von festen Regeln die Grundlage für die Investition waren, entfallen.
    Die Investitionssicherheit geht verloren.
    Bei Befürwortern und Gegnern wird das instrumentalisiert, weil alle Agitatoren nur ans Geld wollen.
    Sie sagen den empörten Bürgern mit hohen Stromrechnungen nicht, das eine Abschaffung dauert, weil garantierte Regeln eingehalten werden müssen oder bei unbefristeten Regeln Auslaufzeiten gewährt werden müssten.
    Die Befürworter machen sich die ökonomische Macht der Betreiber zu nutze, seriös agiert fast keiner mehr. Weil schon die Möglichkeit einzuräumen, dass es im Gesamtgefüge besser wäre trotz Einzelbetrachtung auf etwas zu verzichten, Machtverlust bedeutet.
    Also werden die Tatsachen verdreht, verschoben und gemauschelt um Interessen zu schützen.
    Und die Interessen des großen Geldes oder mobilisierbarer Gruppen sind halt immer mächtiger als das Gesamtinteresse.
    Es wird zwar immer vermieden die Unwahrheit zu propagieren, aber immer darauf geachtet die Verhältnismäßigkeiten zu verschleiern.

  • #2
    Wolfram Obermanns

    In den Schlachtereien wird sich etwas ändern. Der Lebensmittelskandal in Hessen und die Hygieneprobleme heute schaffen nachhaltigen Handlungsdruck. Eine Lösung des Problems hat Habeck bereits angeboten. Leider hat natürlich Mario Thurnes mit seinem Kommentar auch Recht, profitieren werden nicht vor allem die Lohnsklaven und Niedriglohnkunden.

  • #3
  • #4
    Helmut Junge

    Wildfleisch! Haha, ein Mammutjäger! Wieviel Amseln mußt du schießen, um einmal satt zu werden, abraxasrgb?
    Aber die Jagd läuft ja heutzutage so. Da wo tagsüber die Kinder die Enten füttern, kommen abends die modernen Jäger, füttern weiter an, bis die Enten direkt vor der Flinte nach Futter suchen. Aber statt mit einem Kescher oder mit bloßer Hand danach grabschen, benötigt ein Jäger natürlich einen Schuß. Das womöglich noch mit einer automatischen Waffe. Hahaha.
    Zwille oder Wurfholz würd ich ja noch gelten lassen. Messer auch. Aber dann hätten wir hungertote Jöger in Deutschland. Wer würde das aushalten? Ein Dauerthema in den Reichenvierteln würde das wohl.

  • #5
    abraxasrgb

    @Helmut … Ein Wildschwein (kein Frischling) gibt schon Fleisch für ein paar Tage / Familie 😉
    Amseln dürfen übrigens nicht bejagt werden! Die Jagdzeit für das meiste (essbare) Wild endet 1,5 Stunden nach Sonnenuntergang @Nachtjagd.

    Veget-Arier = altes indianische Sprichwort für: Bleichgesicht, dass zu blöd zum Jagen ist?

    Jagd ist schon seit langer Zeit kein Privileg der Vermögenden … und selbst, wenn dem so wäre? Sozialneid macht auch nicht satt.

    Einige Hegeringe haben die Strecke, zu der sie ja gesetzlich verpflichtet sind(sic!) an soziale Einrichtungen gespendet, weil die üblichen Abnehmer durch die Corona-Sanktionen (Gastronomie vor allem) wegfielen.
    Über waidgerechte Waffen unterhalten wir uns mal beim nächsten Kaffee? @Wurfholz, Zwille …
    Automatische, zumindest vollautomatische, Waffen sind Privatpersonen in Deutschland nicht erlaubt, wie könnte es auch anders sein?

    Nicht Dein "Revier" die Jagd, hmmm? 😉

  • #6
    abraxasrgb

    Ach, BTW: Enten füttern ist eigentlich auch verboten (für Eltern und Kinder), google mal z.B. Botulismus …

  • #7
    ke

    Zuerst wird wieder ein Corona-Auto-Kaufprämie kommen müssen, damit die Familien möglichst ohne großen Kontakt mit anderen Menschen mobil sind.

    Corona, Klima – Final wird doch jedes Hype-Thema für den wirtschaftlichen Vorteil genutzt, wenn mal wieder Gelder nach Windrichtung verteilt werden. Die Auto-Kaufprämie ist dabei immer besonder dumm. Sie verlagert nur die Käufe in den Prämienzeitraum.

  • #8
    Helmut Junge

    @abraxasrgb, ich hab in jungen Jahren mal geangelt. Leider nicht besonders erfolgreich. Mein größter Fisch hat sich kurz vor dem Ufer befreit. Vermutlich ein riesiger Hecht.
    Aber gemeinsamer Kaffee? ok. Mach mal einen Vorschlag.
    Wurfholz- ältestes Wurfholz kürzlich in Braunkohle in Deutschland entdeckt, wo schon drei Speere gefunden wurden.
    Die hiesige Gegend hat wohl schon die Ahnen der Neanderthaler waffentechnologisch kreativ beeinflußt.

  • #9
    Berthold Grabe

    @2
    Sicher hat Habeck einen Vorschlag gemacht, doch ob er sinnvoll ist oder Unsinn hängt von den Details ab.
    Letztlich hängt es davon ab, ob die deutsche Fleischindustrie damit wettbewerbsfähig bleibt oder nicht.
    Solange aber Importeure diesen Preisanstieg der damit verbunden ist, nicht mitmachen müssen, was bei dem harten Wettbewerbsdruck in der Fleischbranche so zu sein scheint, wird das Problem mitsamt den Arbeitsplätzen nur exportiert.

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