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Frontal21: Nahverkehrs-Versager im Ruhrgebiet verweigern den Dialog

Banhof Wanne-Eickel

Jeder, der im Ruhrgebiet den Nahverkehr nutzt weiß es und die Leser dieses Blogs sowieso: Das Angebot an Bussen und Bahnen im Ruhrgebiet ist eine Katastrophe, die Preise sind zu hoch, es gibt über ein Dutzend Nahverkehrsgesellschaften die vor allem dazu dienen, abgehalfterte Politiker und ihre Freunde zu versorgen und auch im VRR gibt es zwar viele Gremien in denen viel und teuer herumgelungert, aber wenig geleistet wird.

Das alles zeigte mit vielen Beispielen gestern auch ein Bericht des ZDF-Magazins Frontal21. Erneut machte sich die selbsternannte  „Metropole Ruhr“, die doch nicht mehr ist als ein Haufen zusammengewürfelter Städte minderer Bedeutung, lächerlich.

Kläglich wird es aber, wenn niemand sich dem Gespräch mit den Journalisten von Frontal21 stellt: Der RVR verweigerte dies mit der Begründung, schon seine Verkehrsstudie vom vergangenen Jahr hätte für zu viel Ärger mit den Verkehrsbetrieben gesorgt. Im kommenden Jahr will der RVR, dass die Menschen im Ruhrgebiet erstmals ein Ruhrparlament wählen – warum soll man seine Stimme für einen Verband abgeben, der sich nicht für die Interessen der Region einsetzt sondern feige den Schwanz einzieht, wenn es darauf ankommt?

Auch vom VRR und den Verkehrsbetrieben mochte niemand mit Frontal21 reden. Ich kann es ja verstehen, dass niemand sein Gesicht für den seit Jahrzehnten fabrizierten Dilettantismus in die Kamera halten will – aber wer viel Geld für wenig Leistung erwartet, wie es bei den Berufsversagern beim VRR und den Nahverkehrsunternehmen der Fall ist, sollte zumindest dafür genug Rückgrat haben.

So belegt Frontal21 erneut das Dilemma des Ruhrgebiets: Kirchturmdenken und Nieten an der Spitze sind die Markenzeichen des Reviers.

Hier der Bericht von Frontal21:

Auswahl zu dem Thema auf den Ruhrbaronen:

Um zu bemerken was mit den ÖPNV im Ruhrgebiet nicht stimmt braucht es keine RVR-Studie

Nahverkehr im Ruhrgebiet: Teuer aufs Abstellgleis

VRR-Nahverkehrsversager wehren sich gegen Regionalverband Ruhr

Das U-Bahn Desaster

RuhrBarone-Logo

10 Kommentare zu “Frontal21: Nahverkehrs-Versager im Ruhrgebiet verweigern den Dialog

  • #1
    alltag

    In den Gelsenkirchener-Geschichten gibt es ein längeres Textfragment zum Thema. Manches ändert sich wohl nie.

    Titel: "Versager der Verkehrstechnik"
    https://www.gelsenkirchener-geschichten.de/viewtopic.php?p=484739#484739

  • #2
    Bebbi

    Das Basler Stadtbahn wird gleich von zwei Betrieben betrieben und fährt meist im 7,5 Minuten-Takt mit dichtem Haltestellennetz. In der Stadt sind sogar Busse aus zwei anderen Staaten unterwegs, neben mehreren schweizer Unternehmen. Und funktioniert trotzdem. Das Problem hinsichtlich der Funktionsfähigkeit ist sicherlich nicht die Zahl der Unternehmen. Viel entscheidender sind politische Entscheidungen – auch auf Bundes- und Landesebene. Was nicht gewollt ist, wird auch nicht gefahren.

  • #3
    HepCat

    Wohl wahr, mickriges Angebot zu überhöhten Preisen.
    Der Pott wäre m. E. gut vergleichbar mit Bärlin. Hier kostet die Strecke Gelschenkirchen – Duisburg bei ca. 25 km Luftlinie, auf der Straße ca. 30 km Preistufe C 12.80 €.
    Mit der Preistufe C komme ich in Berlin von Erkner bis Potsdam, ca. 50 km Luftlinie, auf der Straße ca. 70 km für schlappe 3,40 €. Also für die halbe Strecke den 3,76 fachen Preis….

  • #4
    Stefan Laurin Beitragsautor

    @Bebbi: Weder Bund noch LAnd würden sich daran stören, wenn die Unternehmen zusammen gelegt werden. Siehe Rhein-Main. Und in Basel bedient ein Unternehmen mehrere Städte: https://www.bvb.ch/de/unternehmen/portraet/

  • #5
    Wolfram Obermanns

    Die Bahn ist auch ein Gegenbeweis dafür, es würde besser, wenn die Dinge unter einem Dach organisiert sind. Da kann man auch bewundern, wie neu gestaltete Bahnsteige schon wieder nicht mehr zu den Zügen neuester Bauart passen.
    Wichtig sind Standards und die können und müssen manchmal an ganz anderer Stelle formuliert werden.

  • #6
    walter stach

    "Man" setzt sich zusammen, "man" berät und "man" läßt sich beraten ,um herauszufinden, wie am besten -am effektivsten, am effizientesten, am kundenfreundlches- der ÖPNV im Ruhrgebiet organisiert werden sollte. Und das hat vorbehaltlos und ergebnisoffen zu geschehen.
    Große Einheiten sind nicht von vornherein allein wegen ihrer Größe effektiver, effizienter , kundenfreundlicher als kleiner -und umgekehrt.
    Eine große Einheit -wie eine Holding organisiert- kann sich auf Wesentliche -z.B. auf strategische Ziele (Zielfindung/Zielerreichung/Zielkontrolle-) konzentrieren und auf operative Aufgaben , die "alle Töchterunternehmen" gleichermaßen betreffen -z.B. im Beschaffungsbereich-.
    Und die in dieser Holding "dezentral" existenten und dezentral arbeitenden Töchterunternehmen wären zuständig für alles Andere, was näher zu definierend wäre.
    Und da "man" das Rad dieserhalb nicht neu erfinden muß, sollte man international nach den "besten Modellen" suchen und das Ergebnis dieser Suche in den eigenen "Findungsprozess" einbeziehen.

    Simple Erwägungen (!!) in Unternehmen, in öffentlichen Verwaltungen, wenn diese….

    Warum wird ein solcher Prozess nicht unverzüglich eingeleitet? Befürchtet "man" Ergebnisse, die "man", aus welchen Gründen auch immer nicht will?
    Das führt jedenfalls bei mir dazu, daß ich wieder einmal wie in den letzten 3o (?) Jahren zu registrieren habe, daß ‚mal wieder mit viel "Getöse" über die richtige Organisation" des ÖPNV im Revier -geprägt von "Vorurteilen" , bestimmt von "ideologischen" Vorstellungen über richtig/falsch – gestritten wird.

  • #7
    Robert L

    Wenn man sich mal die Stadt Wuppertal anschaut, eine Stadt entstanden aus mehreren kleinen Städten verbunden durch ein effizientes Nahverkehrssystem, der Schwebebahn. Die gesellschaftliche Akzeptanz der Verbindung der einzelnen Städte zur "Metropole Wupper" – Wuppertal ist auch stark durch die verbindende Schwebebahn unterstützt worden.

    Es ist zwar ein Rhein Ruhr Express (Endergebnis, eines innovativen gescheiterten Verkehrsmittels, dem Metrorapid) im Aufbau, aber der Verknüpft ja auch nur Bahnhof mit Bahnhof, und was nützt es wenn der Zug kurz nach zwölf eintrifft und die letzte Bahn kurz vor zwölf abfährt? Gar nichts.

    Ein funktionierendes Prägendes System wäre maßgeblich von Vorteil, wo ein Zahnrad ins nächste greift ohne dass man dauernd Angst haben muss einen Anschluss zu verpassen und ne übliche Halbe Stunde zu warten, oder im schlimmsten Fall am Bahnhof übernachten kann.

  • #8
    Björn Wilmsmann

    Ja, schönen Tach noch. Damit wäre echt alles gesagt …

    Solche Beiträge in überregionalen Medien, die das kleine gernegroße Ruhrmetropölchen und ihre Verantwortlichen der wohlverdienten Lächerlichkeit preisgeben, müsste es viel häufiger geben.

    Dann würde sich vielleicht doch mal etwas mehr bewegen. Denn dort trifft man diese Leute scheinbar, wo es sie wirklich kümmert.

    Seit Jahrzehnten groteske Fehlplanung, miserable wirtschaftliche Entwicklung und keinerlei Ideen für die Zukunft? Egal. Aber wehe der Tatort – jener Inbegriff deutscher Provinzialität – zeigt Leute in Jogginghose mit Bierpulle anne Bude in Dortmund stehen. Dann kreist aber der Hammer …

  • #9
  • #10
    Bebbi

    @Stefan:

    Das Basler Stadtbahnnetz wird von BVB und BLT gemeinsam befahren. Das eine sind gelbe, das andere grüne Wagen. Wenn man da lebt, interessiert das ziemlich wenig, wenn man an der Haltestelle steht. Den Fahrgast interessiert vielmehr, wie häufig die Bahn kommt, ob sie pünktlich ist, ob sie sauber ist usw. usf. Das eine Unternehmen gehört dem Halbkanton Basel-Stadt, das andere dem Halbkanton Basel-Land. (Übrings gibt es auch hier Städte wie Castrop-Rauxel, in den mit DSW 21 und HCR das Netz von zwei Unternehmen betrieben wird.)

    Die Anzahl der Unternehmen ist nicht das entscheidende Problem. Auch in einer großen Verkehrs-AG des Ruhrgebiets wäre man abhängig von politischen Wünschen und Abteilungen könnten nicht gut zusammenarbeiten. Das Fusionen nicht ganz billig sind, habe ich noch gar nicht erwähnt.

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