Fußball: Leverkusener ‚Phantomtor‘ sorgt für Gesprächsstoff



Inzwischen dürfte es jeder Fußballinteressierte ja längst mitbekommen haben: Das Freitagspiel in der Bundesliga zwischen 1899 Hoffenheim und Bayer 04 Leverkusen wurde von einen skandalösen ‚Phantomtor‘ überschattet. Der Treffer zum zwischenzeitlichen 2:0 in der 69. Minute war kein Tor, der Ball rutschte durch ein Loch im Netz vom Außennetz in den Torinnenraum. Schiedsrichter Dr. Felix Brych gab den ‚Treffer‘ von Stefan Kießling trotzdem. Am Ende siegten die Gäste aus dem Rheinland mit 2:1.

Das Ganze ähnelt dem Phantomtor von Thomas Helmer aus dem Jahre 1994, als der FC Bayern durch dieses irreguläre Tor, am Ende den 1.FC Nürnberg mit 2:1 besiegte. Damals wurde das Spiel wiederholt. Die Bayern siegten im Widerholungsspiel gar mit 5:0, der 1.FC Nürnberg musste danach absteigen.

Im aktuellen Fall kann es wohl ebenfalls nur ein Wiederholungsspiel geben. Alles andere wäre ‚verrückt‘. Die Hoffenheimer haben bereits unmittelbar nach Spielende Protest gegen die Spielwertung eingelegt. Dem Vernehmen nach wird der DFB noch im Laufe des heutigen Tages eine Stellungnahme abgeben. Das DFB-Sportgericht wird am Wochenanfang zusammentreten und den Fall behandeln. Das Ergebnis dürfte klar sein, es wird eine Spielwiederholung geben. Hoffenheim und Leverkusen dürfen nicht anders behandelt werden als der FC Bayern und der 1. FC Nürnberg damals.

Erfrischend und wohltuend übrigens die Reaktionen der Beteiligten nach dem Spiel. Vertreter beider Mannschaften reagierten besonnen und fair. Nur die Reaktionen von Dr. Felix Brych waren leider wenig selbstkritisch. „Ich habe mich mit Stefan Kießling ausgetauscht. Aber niemand, auch er nicht, hat mir gesagt, dass es kein Tor war. Der Ball lag im Netz, für alle auf dem Platz war es ein regulärer Treffer.“, sagte er nach der Begegnung. Dem Schiedsrichter hätte es besser zu Gesicht gestanden den Fehler klar einzuräumen statt zu erklären er hätte sich von den Reaktionen der Spieler beeinträchtigen lassen.

Das schrieb u.a. ‚Torschütze‘ Stefan Kießling auf seiner Facebookseite: „Liebe Fans, Freunde und alle, die mir gerade schreiben. Ich kann die Reaktionen von vielen von Euch hundertprozentig verstehen und bin selbst ganz aufgewühlt. Nach den Wiederholungen im Fernsehen sehe ich es eindeutig so: es war kein reguläres Tor. Im Spiel habe ich nach meinem Kopfball und dem Drehen des Kopfes nicht genau gesehen, ob der Ball korrekt ins Tor gegangen ist oder nicht. Irgendwie lag der Ball im Tor. Genau das habe ich auch dem Schiedsrichter gesagt. Es tut mir leid für alle Sportfans und den Verlauf des Spiels. So zu gewinnen ist natürlich nicht schön. Fairness ist wichtig für den Sport, bei uns im Verein und für mich ganz persönlich.“

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16 Kommentare

  1. #1 | Klaus Lohmann sagt am 19. Oktober 2013 um 12:38 Uhr

    Robin, vergiss nicht, dass die FIFA damals nach Hellmers Lügentor (was ihn den letzten Respekt seiner ehemaligen BvB-Fans kostete) den DFB wegen des Wiederholungsspiels schon kräftig rüffelte – Tatsachenentscheidung sollte aus Sicht der FIFA Tatsachenentscheidung bleiben.

    Und nein, ich weiß auch nicht, wie man die übers gesamte Spiel grottenschlechte „Leistung“ von Brych am besten ungeschehen machen sollte. So einen Müll hat sich ein DFB-Schiedsrichter sehr selten zusammengepfiffen.

  2. #2 | Robin Patzwaldt sagt am 19. Oktober 2013 um 12:49 Uhr

    @Klaus: Ja, Dr.Brych war völlig neben der Spur am Freitag. Auch dieser ‚Konzessionselfmeter‘ an Hoffenheim war dann ein Witz. Und das angebliche Abseitstor von Hoffenheim, was völlig regelgerecht erzielt wurde, in Hälfte 1 auch nicht zu vergessen. Und der Mann ist seines Zeichens immerhin international tätig.

  3. #3 | Walter Stach sagt am 19. Oktober 2013 um 15:02 Uhr

    Ja,ja, so ist das mit unseren international tätigen Spitzenschiedsrichter. Es gibt also nicht nur den Herrn Stark, mit seinen regelmäßigen katatrophalen Fehlentscheidungen,sondern jetzt auch Dr.Brych.

    Gebotener Respekt vor dem schwierigen „Job“ der Schiedsrichters im allgemeinen, mithin auch vor der Person des jeweiligen Akteure: darüber bestehen keine Zweifel. Damit lassen sich jedoch eklatante Fehlentscheidungen bei „Wiederholungstätern“ nicht entschuldigen, schon gar nicht rechtfertigen. Auch nicht durch den Ex-Schiedsrichter Fandel, der jetzt so etwas wie der „Oberschiedsrichter“ ist und der volles Verständnis für Dr.Brych erklärt hat.

    Ich hätte von Dr.Brych und seinem „Chef“ Fandel zumindest eine Äußerung größten Bedauerns erwartet, insbesondere gegenüber den krass benachteiligten Hoffenheimern.
    Ähnliches hätte ich im übrigen auch von den Verantwortlichen aus Leverkusen erwartet. Oder habe ich diesbezüglich ‚was verpaßt?

    Anerkennung eines „Nicht-Tores“ als Tor?

    Ich weiß um die Fußballregel sog.Tatsachenentscheidungen. Ich weiß also von einer „Regel“. Wenn eine solche Regel von den Fußballfunktionären begriffen wird als ein umumstößliches Dogma, das keine Ausnahme zuläßt, dann ist das generell „irre“ und wenn diese Regel dann konkret so angewandt wird , daß selbst ein vom Schiri als Tor anerkanntes „Nichtor“ -unbestritten, nachgewiesen,belegt-nicht nachträglich zu Konsequenzen führt -da bleibt nur die Spielwiederholung-, dann ist das schlicht und ergreifend absoluter Unsinn, dann ist das wider die sportliche Fairniss, dann ist das wider jede Vernunft, dann äußert sich darin auch die Arroganz verantwortlicher Fußballfunktionäre gegenüber dem Fußballfan, der das nicht begreifen kann, nicht begreifen will und auch gar nciht begreifen sollte.

    Ich lese so eben, Robin, daß entgegen Deiner Erwartung die „Chancen für eine Wiederholung des Spieles“ als gering eingeschätzt werden.

    Wir streiten uns hier bei den Ruhrbaronen oftmals über den Sinn oder Unsinn staatlicher Regel und über deren Auslegung/Anwendung im konkreten Einzelfall. Es sieht so aus, daß Behörden bei der Auslegung und Anwendung staatlicher Regeln im Vergleich zu den Fußballfunktionären geradezu vorbildlich flexibel und einzelfallgerecht entscheiden.

  4. #4 | Robin Patzwaldt sagt am 19. Oktober 2013 um 15:05 Uhr

    @Walter: Ja, das habe ich gerade auch gelesen. Der DFB steht offenbar unter ‚Druck‘. Wenn das Spiel so gewertet würde, dann bin aber mal auf die Reaktionen gespannt. Meiner Meinung nach kann ich 1994 nicht das Spiel wiederholen und nun trotzdem so werten. Mal abwarten was in den nächsten Tagen passiert…

  5. #5 | Robin Patzwaldt sagt am 19. Oktober 2013 um 16:30 Uhr

    Andreas Rettig von der DFL hat gerade auf Sky gesagt, dass die endgültige Entscheidung über das weitere Vorgehen in der Angelegenheit wohl erst in der übernächsten Woche und unter Einbindung der FIFA fällt…. Na dann.

  6. #6 | Walter Stach sagt am 19. Oktober 2013 um 17:02 Uhr

    Robin,
    einfach Wahnsinn, daß über die Konsequenzen eines als Tor bewerten Nicht-Tores Gremien der FIFA zu befinden haben. Hat wahrscheinlich auch zu tun mit dem Autoritätswahn eines Sepp Blatter.

  7. #7 | Robin Patzwaldt sagt am 19. Oktober 2013 um 18:15 Uhr

    Heute Abend kommt Hoffenheim-Coach Markus Gisdol übrigens als Gast ins Aktuelle Sportstudio des ZDF.

  8. #8 | Klaus Lohmann sagt am 19. Oktober 2013 um 18:28 Uhr

    @#3 | Walter Stach: Die Tatsachenentscheidung ist nun mal keine einzelne Regel, sondern *das* Regel-Dogma des Weltfußballverbandes und somit auch für die unteren Verbände verbindlich. Solange wir keine millisekunden- und flächendeckende elektronische Realtime-Regelkontrolle in den Stadien aller Ligen haben, ist der Schiri eben Gott. Und auch mal ein Sch..ßgott.

    Wer jetzt ein angeblich „korrektes, gerechtes“ Ergebnis dieses Spiels nur ohne dieses Phantomtor sieht, der hat die restlichen Fehlentscheidungen Brychs unterschlagen, die keinesfalls eine Wiederholung implizieren.

  9. #9 | Walter Stach sagt am 19. Oktober 2013 um 20:43 Uhr

    -8-Klaus Lohmann,
    ja, das ist ja das für mich groteske, daß es im Fußball ein Dogma gibt -unumstößlich, realitätsfremd, kontrolliert von Oben bis in die untersten Ebenen.

    Vermutlich ist die kath.Kirche unter Papst Franziskus ehe auf dem Weg, sich trotz aller Dogmen der Lebenswirklichkeit zu stellen als die FIFA.

    Aber, Klaus Lohmann, es ist ja doch ‚was Schönes, daß uns der Fußball immer wieder Möglichkeiten bietet, über solche Skurrilitäten zu diskutieren.

    Meine Meinung über die Gesamtleistung von Dr.Brych habe ich geäußert.

    Daß es nichts bringt, im nachhinein darüber zu reden “ was wäre gewesen, wenn der Schiri in mehreren Szenen anders entschieden hätte als er es gemacht“ ist müßig.
    Darum geht es mir hier auch gar nicht, sondern es geht mir lediglich darum, daß der denkbar krasseste Fall einer Schiedsrichter-Fehlleistung nicht mit dem Bemerken „Tatsachenentscheidung“ als erledigt angesehen werden sollte.

  10. #10 | TuxDerPinguin sagt am 19. Oktober 2013 um 22:11 Uhr

    ich bin gegen ein Wiederholungsspiel.

    Warum sollte eine solche Fehlentscheidung ein Wiederholungsspiel nach sich ziehn, aber all die Schwalben, die zu Elfern führen nicht? Oder Henrys Handtor in der Quali für Frankreich? Oder Tore nach Abseits?

    Alles sind Fehlentscheidungen.
    Man kann argumentieren, dass das Tornetz ja zu den Spielgeräten hören und das in Ordnung sein muss… bei dem Relegationsspiel der Düsseldorfer als die Fans zu früh den Platz stürmten und den Elfmeterpunkt klauten gabs auch keine Wiederholung. Störte ja nicht.
    Loch im Netz benachteiligt/bevorzugt beide Teams auch gleich.
    Zudem hat das Heimteam mMn für die Ordnungsmäßigkeit des Netzes zu garantieren. Die Auswärtsmannschaft darf für den Fehler der Heimmanschaft auch nicht bestraft werden.

    Mit Fehlentscheidungen muss man nunmal leben. Würde man für alles Wiederholungen einberufen, bräuchte man 10 Jahre für eine Saison 😉
    Aber ich bin sowieso Befürworter von alles an Technik, was verfügbar ist, um Fehlentscheidungen einzudämmen… auch Videobeweis. Dann wäre so ein Phantomtor nicht passiert. Aber wenn die Dinosaurier der Sportfunktionäre sowas nicht einführen wollen und die Teams nicht drauf drängen: Pech gehabt.

  11. #11 | Robin Patzwaldt sagt am 20. Oktober 2013 um 09:07 Uhr

    @TuxDerPinguin: Das letzte Phantomtor (von Helmer 1994) in der Bundesliga wurde mit einem Wiederholungsspiel aus der Welt geschafft. Es wäre doch völlig merkwürdig, wenn das diesmal dann nicht auch der Fall sein würde.
    Richtig, Tatsachenentscheidungen gibt es häufiger. Und dann werden diese häufig mit in die Spielwertung einbezogen.
    Aber ein ‚Phantomtor‘, also wenn der Ball eindeutig neben dem Tor landet, ist eine eigene Kategorie. Und zuletzt, also 1994, gab es da ein Wiederholungsspiel. Welchen nachvollziehbaren Grund sollte es da also geben das Spiel diesmal zu werten? Von der Logik her kann es also nur ein Wiederholungsspiel geben. Wenn ich die Diskussionen im TV vom gestrigen Samstag so mit hinzuziehe, dann scheint mir das gar nicht mehr so sicher zu sein, was ich, ich kann mich da nur wiederholen, in Anbetracht der Historie total unverständlich finde.

  12. #12 | Bob der Bayer sagt am 20. Oktober 2013 um 09:45 Uhr

    1994 gab es das Wiederholungsspiel doch nur, weil das Phantomtor zu Gunsten von Bayern gefallen ist. Wäre es für einen anderen Verein gefallen (oder gar gegen Bayern), wäre nichts wiederholt worden. DFB und Schiris benachteiligen den FC Bayern doch wo sie können und tun alles dafür, um die Vormachtstellung der Bayern irgendwie einzudämmen.
    Es wird in diesem Fall kein Wiederholungsspiel geben.

  13. #13 | Klaus Lohmann sagt am 20. Oktober 2013 um 10:44 Uhr

    @Bob der Bayer: Vielleicht müssen solche Phantomtore auch deswegen vorkommen, damit sich jeder Fan so seine eigenen Legenden stricken kann. Der eigene Verein als Opfer finsterer Mächte ist eben genau so schauerlich schön wie 9/11 verursacht durch die jüdische Weltverschwörung oder kleinen amerikanischen Zwergen, die jede einzelne unserer Mails lesen – ausgedruckt, natürlich.

    Zum eigentlichen Thema muss man wohl tief in die manische Versessenheit der Fans einer solchen Freizeitbeschäftigung mit Eventcharakter eintauchen, um deren Hadern mit angeblichen „Ungerechtigkeiten“ zu kapieren. Manche von ihnen haben wahrscheinlich in ihrer Kindheit dem Spielkamerad schon mal mit dem Halmabrett nen Scheitel gezogen, so verbissen wirkt das zeitweise.

    Wann werden Schiedsrichter eigentlich mit ihrem vollen Vermögen für „falsche“ Spielergebnisse haftbar gemacht?

  14. #14 | keineEigenverantwortung sagt am 20. Oktober 2013 um 13:29 Uhr

    Es wird auf eine Tatsachenentscheidung hinauslaufen.

    Der DFB wird weiterhin mit „Fair geht vor“ etc. werben und vielleicht noch mehr Schiedsrichter einsetzen, die im Ernstfall alle nichts sehen.

    Spätestens als nach wenigen Minuten klar war, dass dies eindeutig kein Tor war, hätte ein Hoffenheimer ohne Gegenwehr ein Tor schießen müssen.

    Aber in der BL gibt es Fairness nur in der Werbung.

    Schlitzohren und „schlaue“ Schwalben sind wohl der Normalfall.

  15. #15 | TuxDerPinguin sagt am 20. Oktober 2013 um 23:16 Uhr

    @Robin: vielleicht war es 1994 ja falsch entschieden 😉

    Ich denke, 1994 hat man so entschieden, weil es am Saisonende war… für das eine Teams gings um die Meisterschaft, für die andere um den Abstieg… da bekam der DFB Angst, dass sich irgendwer benachteiligt fühlen könnte.

    die FIFA wird sich einschalten und ein Wiederholungsspiel schon verhindern.
    Phantomtore passieren selten. Sind qualitativ aber eine Fehlentscheidung wie Schwalben die zu Elfern führen, Abseitstore, Tore mit der Hand etc.

  16. #16 | Robin Patzwaldt sagt am 21. Oktober 2013 um 13:21 Uhr

    @TuxDerPinguin: Bisher habe ich aktuell in den letzten Tagen noch von niemandem (außerhalb der FIFA) gehört, dass es falsch gewesen wäre das Spiel 1994 wiederholen zu lassen. Ich bin aber echt gespannt wie die Diskussionen im aktuellen Fall jetzt weiterlaufen.

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