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Fußballberichterstattung: FDP-Mann Wolfgang Kubicki von ‚Sky‘ in Fußballdebatte platziert

Wolfgang Kubicki. Quelle: Wikipedia Foto: Λοῦκας Lizenz: cc

Wolfgang Kubicki. Quelle: Wikipedia Foto: Λοῦκας Lizenz: cc

Talkshows werden bekanntlich mehr als häufig von Politikern besucht. Gestern allerdings gab es, zumindest meines Wissens nach, eine Premiere: Der TV-Sender ‚Sky‘ lud mit Wolfgang Kubicki (FDP) erstmals auch einen Politiker in seine Fußballdiskussion ‚Sky 90‘ ein und beschritt damit, aus meiner Sicht, einen gefährlichen Weg.

Mit Beginn der Bundesliga-Saison 2009/2010 startete der Pay-TV-Anbieter die Fußballdebatte ‚Sky90‘. Moderator Patrick Wasserziehr spricht darin jeden Sonntag ab 19:30 Uhr, sozusagen zum Abschluss des jeweiligen Spieltages mit Sportlern, Funktionären und Medienschaffenden über aktuelle Geschehnisse der Bundesliga und des abgelaufenen Spieltages.

Die Sendung empfinde ich seit Jahren als angenehm sachlich und informativ, so dass ich mir bisher fast alle Ausgaben angesehen habe. Interessant dabei ist, zumindest aus meiner Sicht, auch gerade die stetig wechselnde personelle Besetzung der Diskussionsrunde. Hierdurch bekommt das an sich immer gleiche Format stets einen wechselnden Charakter, abhängig halt von den jeweiligen Gästen aus der Szene und ihrem Temperament.

Gestern brachte der Pay-TV-Sender nun erstmals mit Wolfgang Kubicki einen Politiker in die Runde, den außer seinem Fußballinteresse, welches er mit Millionen Bürgern gemeinsam hat, scheinbar gar nichts Besonderes für diese Sendung qualifizierte.

Zwar hatte der Sender zuletzt schon häufiger Schauspieler, Kabarettisten und ähnliche Prominente anstelle des sonst üblichen Medienschaffenden in die Sendung gesetzt, welche mit der Bundesliga eigentlich nichts weiter zu verbinden schien, erst in der Vorwoche war beispielsweise Dieter Hildebrandt dort zu Gast, die Wahl eines FDP-Spitzenpolitikers droht nun aber eine ganze Lawine von Nachahmern in die doch eigentlich als Sportsendung gedachte Debatte folgen zu lassen.

Man kann sich nun als Zuschauer eben allzu leicht ausmalen, dass demnächst auch Mitglieder anderer politischer Organisationen im Rahmen dieser Diskussion auftauchen dürften.

Eine Vorstellung, welche mich jetzt schon mit Schaudern und innerer Ablehnung erfüllt. Eine Fußballdebatte sollte eben nicht zur Wahlkampfbühne für Politiker werden. Dazu gibt es nun wirklich schon ausreichend andere TV-Formate.

Zwar gab es in der Vergangenheit in der Sendung ‚Doppelpass‘ (vom Sender ‚Sport1‘/bzw. ‚DSF‘) schon häufiger Auftritte von politischen Funktionsträgern (u.a. Edmund Stoiber (CSU)), doch waren diese dann zumindest in der ein oder anderen Rolle auch im Profifußball engagiert (Stoiber z.B. als Funktionär des FC Bayern München).

Dies traf bzw. trifft auf Wolfgang Kubicki so eben nicht zu.

Dementsprechend waren leider am Sonntag auch einige seiner Wortbeiträge in ‚Sky 90‘. Eher platte Formulierungen wie ‚Ich mag Eintracht Braunschweig, deren Vereinsfarben sind ja Blau-Gelb.‘, oder ‚Obwohl ich als Norddeutscher ja eigentlich den HSV mag, habe ich auch Sympathien für Borussia Dortmund, schließlich sind die Schwarz-Gelb…‘ haben mich auf der Couch vor dem TV regelrecht erschaudern lassen.

So etwas möchte ich einfach nicht sehen und hören, wenn ich in einer Sendung eigentlich etwas Interessantes über Fußball zu erfahren erwarte.

Ich kann daher nur hoffen, dass man diesen ‚Fehlgriff‘ auch bei Sky bemerkt hat und solche Gäste in Zukunft besser komplett ‚vermeidet‘. Prominente aus dem Bereich der Politik bringen Sportsendungen in gefährliches Fahrwasser. Deutlich besser geeignete Gäste für eine Fußballdebatte gibt es zu hunderten. Auf Politiker jedweder Richtung sollte daher dort in Zukunft möglichst komplett verzichtet werden.

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11 Kommentare zu “Fußballberichterstattung: FDP-Mann Wolfgang Kubicki von ‚Sky‘ in Fußballdebatte platziert

  • #1
  • #2
    Walter Stach

    Robin, das war kein Fehlgriff, das war gezielte Wahlkampfhilfe von Sky für die FDP.

    Ich verzichte seit einiger Zeit auf alle diese Quatschrunden, egal ob in Sachen Politik oder in Sachen Fußball, weil sie mir in der jeweiligen Sache keine neuen Erkenntnisse bringen, nur ganz, ganz selten einmal eine fundiert begründete Meinung, über die es sich nachzudenken lohnt, aber auch „Spaß an der Freud“ gibt es selten, z.B. über witzig ironische Wortbeiträgen.
    Robin, wer hart im Nehmen ist, wer sich gerne ärgert, wer Befrieidigung findet in oberblächlichem Gequatsche Anderer und sich selbst darin gerne einbringt, dem wird dazu ganz sicher auch in diversen Sky-Gesprächsrunden immer wieder etwas geboten werden.

    Robin,
    nicht ärgern, nicht wundern, aber auch nicht hoffen, daß Auftritte wie von Kubicki zu verhindern sind -auch nicht Auftritte von Claudia Roth,Stefan, die ja angeblich ‚was vom Fußball kennt.Ihre Auftritte sind doch immer wieder Erlebnisse der besonderen Art, und deshalb offenkundig unverzichtbar im heutigen Politik- und Medienbetrieb. Was liegt also für die Sky-Macher näher als Claudia Roth ‚mal einzuladen.

  • #3
    Robin Patzwaldt

    @Walter: Deine Beurteilung der Fußballtalkshows finde ich jetzt aber etwas hart. Sooo oberflächlich und übel sind sie häufig gar nicht. Natürlich erfährt man dort keine Wunderdinge, aber zur Abrundung eines Spieltages finde ich diese Runden ganz nett und entspannend. Aber bitte zukünftig lieber wieder ohne Politiker und Parteienwerbung.

    Politische Talkshows schaue ich auch schon seit einigen Jahren kaum noch an. Früher habe ich die jahrelang recht intensiv verfolgt.
    Das liegt aber mehr an meiner derzeitige Frustration in Sachen Politik. Und das ist ein ganz anderes Thema. 😉

  • #4
    Walter Stach

    Nachtrag:
    Gestern gab es -wo,weiß ich nicht mehr-ein Fernsehgespräch zwischen……und Koch, dem ehemaligen MP des Landes Hessen und heutigem Vorstandsvorsitzenden von Bilfinger-Berger.

    Das Gesprächsformat -zwei Journalisten, ein Gast-, die Gesprächsführung, der erkennbare gegenseitige Respekt-waren die Basis dafür, daß ich nach dem Gespräch mehr über den Menschen Koch weiß, daß ich mehr darüber weiß, wie er politische Führungsverantwortung verstanden und wahrgenommen hat, wie er seine Verantwortung als Vorstandsvorsitzender eines weltweitaktiven Unternehmens wahrnimmt und wie viele Gemeinsamkeiten es in Sachen Führungsverantwortung, Organisation von Führung, strategische Zielfindungen,Controlling zwischen Politik und Wirtschaft gibt.
    Und wenn er so nebenbei etwas über die organisierte Korruptionsbekämpfung in seinem Unternehmen erzählen konnte und darüber, wie sehr er in seinem Unternehmen in Sachen Bekämpfung der Diskriminirung von Mitarbeitern präventiv und repressiv auf die Zuständigkeit und Verantwortlichkeit des Betriebsrates, der Betriebsräte setzt, dann war auch das für mich sehr interessant.

    Also, ich kritiisiere -sh.mein Beitrag -3-, nicht Gespräche in diversen Fernsehsendungen, weil ich a priori das Fernsehen, die dort Verantwortlichen dafür für untauglich halte. Es geht auch anders.

    (Vielleicht werte ich das Gespräch mit Koch auch deshalb so positiv, weil ich nach diesem Gespräch nicht umhin komme, mein (Vor-)Urteil über Koch zu revidieren, ohne daß ich damit m.E. gravierende politische Fehlleistungen von ihm im nachhinein für richtig halten kann.)

  • #5
    Stefan Laurin

    @Walter Stach: Was sollen die Sender machen? Steinbrücks Honorare sind einfach zu hoch 🙂

  • #6
    Walter Stach

    Robin, ist doch klar, daß jeder sehr subjektiv diverse Gesprächsrunden über Fußball pp.wertet.
    Ich habe mir vor längerer Zeit gelegentlich ‚mal die Sendung mit Waldemar Hartmann angesehen und am Sonntagmorgen die Sendung mit Wontorra (??) -Sport 1- ;das reicht mir -zumindest für längere Zeit!

  • #7
    Walter Stach

    -Stefan, Du bist doch augenscheinlich bestens für die „Karnevals-Bütt“ geeignet; so ‚was wie zu Steinbrück gehört doch in eine gute Büttenrede -muß ‚man ja erst einmal drauf kommen-.
    Also doch: „Hellau“ -oder was sagt man in Bochum?

  • #8
  • #9
    Walter Stach

    Prost, Stefan -vielleicht ja ‚mal vor Ort in BO.-

    -sehe und höre bei Phönix zur Zeit alles über den Papst-Rücktritt.-.

  • #10
    Ulrich

    Der Wahlkampf steht vor der Tür, und da geht es für die FDP um jedes Prozent. Brüderle kann man am Sonntag Abend nicht mehr los schicken, da liefe man Gefahr dass der ein paar Promille zu viel in die Sendung mit bringt. Also musste Kubicki ran. Und ich befürchte, er ist nicht der letzte Politiker dieser Partei die wir in den nächsten Monaten abseits der üblichen Polit-Talkshows im Fernsehen sehen werden.

  • #11
    Winnie

    Steuerfreiheit für Abo-TV kommt wahrscheinlich hinten raus, falls der Einsatz bei sky der FDP hilft, die „Macht“ zu behalten 🙂

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