Gefährlicher Pfusch am Bau in Duisburger Küppersmühle

Photograph by Christopher Peterson (via Wikipedia)

Nein, das ist nicht die Küppersmühle im Duisburger Innenhafen, und das wird sie auch nicht. Und: so soll oder wird sie auch in Zukunft nicht aussehen. Nur so ähnlich. Das ist nämlich der Neubau des Boston Institute of Contemporary Art, also des Museums für zeitgenössische Kunst in Boston. Und da Duisburg, wie wir aus anderen Zusammenhängen wissen, es grundsätzlich nicht unter dem Anspruch einer Weltmetropole oder so macht, ist man auch in der Stahlmetropole an Rhein und Ruhr auf die einzigartige Idee gekommen, sich ein „Wahrzeichen“ zu setzen, das Bostons Botched Box in nichts nachsteht. Eine verpfuschte Box, wie das Kunstmuseum in Massachusetts liebevoll genannt wird, das wäre es doch auch hier, dachte man sich am Rhein.

„Mit diesem Erweiterungsbau entwickelt sich der Duisburger Innenhafen zu einem der interessantesten Orte bildmächtiger Architekturen in unserem Land“, sprach der einstige NRW-Ministerpräsident Jürgen Rüttgers, und Werner Müller, einem größeren Publikum als Schröders Bundeswirtschaftsminister aus der Vor-Clement-Ära bekannt, ansonsten als Manager der großen Energiekonzerne beschäftigt, geriet ins Schwärmen: „Wer künftig zeitgenössische deutsche Kunst aller großen Namen erleben will, der kommt nach Duisburg.“ Wohin auch sonst, wenn nicht nach Duisburg, der Metropole von Weltruf.

Die Duisburger selbst, deren Verhältnis zur zeitgenössischen Kunst noch weiter verbessert werden muss, blickten stets ein wenig kritisch auf die verpfuschte Kiste, die ihnen im Innenhafen vor die Nase gesetzt werden soll. „Schuhkarton“ nennen sie die für sie geplante botched Box, was schon allein deshalb nicht ganz fair ist, weil das hübsche Evonik-Logo, das sie zieren soll, doch nicht für eine Schuhmarke wirbt, sondern für die gute alte Ruhrkohle AG, die mit dem neuen Kunstbegriff Evonik so ein tolles Image bekommen hat.

Und das passt ja auch so gut als Wahrzeichen für Duisburg! Nein, natürlich nicht so ein Museum für zeitgenössische Kunst, aber Evonik, das Wahrzeichen für die gute, alte Kohle. Man muss halt mit der Zeit gehen. „Come to RAG, we have a very good Betriebsklima“, wie dereinst der Werbeslogan des

verstaatlichten Verlustbringers lautete, war zu seiner Zeit freilich auch ganz schön fetzig. Doch vorbei ist vorbei. Heute macht man so etwas ganz anders. Ein erfundener Begriff für einen Konzern, der nicht mehr nach Kohle schmecken soll. Sein langweiliges Logo gepappt auf einen nicht minder langweiligen Schuhkarton, der irgendwie auf altes Gemäuer gepappt wird. Noch ein wenig moderne Kunst reingepappt und fertig ist die Lauge.

Wenn Duisburg nur nicht so pleite wäre! Dumme Sache; denn irgendjemand muss es ja bezahlen, das Draufpappen eines Schuhkartons auf altes Gemäuer. So etwas kann nämlich ganz schön ins Geld gehen! Aber gut, dafür wurde längst eine Lösung gefunden. Die ganze Sache läuft unter Regie der GEBAG, der städtischen Wohnungsbaugesellschaft, der ursprünglich eigentlich ganz andere Aufgaben zugedacht waren. Wie der Name schon sagt: Wohnungsbau, Sozialklimbim und so. Aber egal, irgendjemand musste dieses Projekt ja stemmen. Inzwischen schrappt die GEBAG ständig so haarscharf an der Pleite vorbei, lebt aber noch – genau wie das Schuhkarton-Projekt.

Pleite dagegen ist die ISS, das ist die Abkürzung der Firma Industrie- und Stahlbau Stadtlohn, und das ist die Firma, die dafür zuständig war, den musealen Riesenquader auf die gute alte Küppersmühle zu stemmen. Doch Anfang dieses Jahres ging es nicht mehr weiter für die ISS: Insolvenz. Dabei hatte das Management bis zuletzt mit allen Mitteln dafür gekämpft, den Konkurs zu vermeiden. Auf Teufel komm raus wurde gespart, insbesondere an den Schweißarbeiten für das Stahlgerüst, auf das der Schuhkarton gesetzt werden sollte. Ein Schweißer hatte ausgepackt, und so kam der ganze Pfusch am Bau ans Tageslicht.

In Duisburg hätte das Bostoner Wort von der „botched Box“ eine ganz neue, jedoch sehr tragische Bedeutung bekommen können. Die verpfuschte Kiste hätte viele Menschen in den Tod reißen können. So sagt es der Schweißer, dessen Gewissen keine Ruhe gegeben hatte, und dessen Vorwürfe von der GEBAG und der SLV, der Duisburger Schweißtechnischen Lehr- und Versuchsanstalt, allesamt bestätigt werden. Jetzt ermittelt die Staatsanwaltschaft. Das Drama ein Jahr nach der Loveparade ist verhindert worden. Die größenwahnsinnige Grundmelodie mit dem Titel „Duisburg auf dem Weg zur Weltmetropole übernimmt sich in Sicherheitsfragen“ bleibt der Stadt erhalten.

Hoffentlich nicht in der Küppersmühle. Hier ist jetzt die Gefahr erkannt, der Hubtermin verlegt, ein neues Bauunternehmen gefunden und – na klar – mit weiteren Kostensteigerungen zu rechnen. Das Prestigeprojekt – einst mit 25 Mio. € veranschlagt – liegt gegenwärtig in doppelter Höhe, also bei 50 Mio. €. Duisburgs Botched Box sollte ursprünglich 2010 fertig sein, jetzt wird daraus wohl nichts vor 2013. Frage Nr.1: auf welche Höhe wird die Bausumme wohl noch steigen? 60 Millionen, 80 Millionen, 100 Millionen? Frage Nr. 2, noch spannender: wer wird dieses Geld aufzubringen haben? Die GEBAG? Die wäre dann ganz gewiss pleite. Wenn sie nicht alle Wohnungen an die Heuschrecken verschleudert.

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9 Kommentare

  1. #1 | Bürokratenfeind sagt am 8. April 2011 um 11:56 Uhr

    Haben die Politker nur noch Schmierseife an den Händen. Alles scheint ihnen zu entgleiten.
    Die politische Bühne ist das subventionierte Spielfeld der Nachtkappen und Flachzangen.
    Wie lange noch?

  2. #2 | Rambo sagt am 8. April 2011 um 12:36 Uhr

    Wenn die Küppersmühle die Preissteigerungsrate des anderen Herzog-de-Meuron-Projektes Elbphilharmonie knackt, könnte das aber durchaus das Image von Duisburg fördern.

  3. #3 | Arnold Voß sagt am 8. April 2011 um 12:57 Uhr

    Für den Pfusch am Bau können die Stadt Duisburg und ihre Politiker nun wirklich nichts. An dem Mut des Schweißers könnten sich sich allerdings ein Beispiel nehmen, was andere Vorkommnisse in der Stadt betrifft.

  4. #4 | Bürokratenfeind sagt am 8. April 2011 um 13:29 Uhr

    #3 @Arnold Voss

    Es geht darum, dass hier öffentliche Gelder verbaut werden. Da Politiker Menschen sind und nicht von allem Kenntnis haben können, sind sie auf Berater angewiesen. Und auf diese Berater kommt es an. Der Politiker sollte seine Berater kennen (Für wen arbeiten sie, bzw. womit verdienen sie ihr Geld. welchen Seilschaften gehören sie an, usw.) Sonst trifft er auf viel mehr Räuber, als dem Gemeinwesen lieb sein kann. Denn Räuber lieben unbedarfte Politiker.

  5. #5 | Helmut Junge sagt am 8. April 2011 um 13:39 Uhr

    Eigentlich haben die Politiker direkt keine Schuld am Baufusch, aber Kommunale Bauaufsicht findet doch noch statt, oder?
    Mich macht die Häufigkeit schlimmster Vorfälle in Duisburg durchaus stutzig, und ich habe so allmählich den Eindruck, daß sich die Hasadeure der ganzen Welt in Duisburg die Klinke in die Hand geben.
    Der OB würd bestimmt gerne selber gucken gehen. Aber leider traut der sich ja bekanntermaßen seit der LOPA nicht mehr überall hin.
    Und außerdem hat der bestimmt keine Schuld, denn er war nachweislich dienstlich weit außerhalb, in Florida.

  6. #6 | Katharina sagt am 8. April 2011 um 13:41 Uhr

    Gibt es da nicht eine Bauaufsicht ?

  7. #7 | Katharina sagt am 8. April 2011 um 13:43 Uhr

    Wem sein Leben lieb ist, sollte andere Städte besuchen.
    Nächste Katastrophe vorprogramiert.

  8. #8 | Katharina sagt am 12. April 2011 um 08:48 Uhr

    Duisburg
    Wurde Weltreisender Opfer eines Verbrechens?
    VON HILDEGARD CHUDOBBA UND CHRISTIAN SCHWERDTFEGER – zuletzt aktualisiert: 11.04.2011 – 17:37

    Duisburg (RP) Im Duisburger Stadtwald haben Passanten ein Fahrrad gefunden. Die Polizei ermittelte, dass es einem Koreaner auf Weltreise gehört, dessen Spur sich in Duisburg verliert. Die Polizei schließt ein Kapitalverbrechen nicht aus. Er war zuvor unter anderem schon in Großbritannien.

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