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Geschichtsstunde auf taz.de: Annexion Jerusalems durch die 68er

Anlässlich der Anerkennung Jerusalems als Hauptstadt des Staates Israel durch U.S. Präsident Donald Trump wird, erwartungsgemäß, von sehr vielen deutschen Zeitungen sehr viel Falsches geschrieben. Kaum ein Texterzeugnis jedoch ist moralisch derartig verfehlt und inhaltlich so fehlerhaft, wie das Interview der taz-Nahostkorrespondentin Susanne Knaul mit Sami Adwan. Der Professor für Erziehungswissenschaften in Bethlehem, den taz.de aus unerfindlichen Gründen als „Historiker“ bezeichnet, hat anscheinend den Sechstagekrieg verdrängt und wünscht sich einen zweiten.

Das gesamte Interview – und dabei hat es kaum 2500 Zeichen – mutet mindestens so an wie ein 2/3-Lehrbuchbeispiel für den 3-D-Test für Antisemitismus. Ganz so, als ob ein jeder anerkannter Staat nicht auch in jedem anderen Fall seine Hauptstadt selbst bestimmen könne, wird die Entscheidung der U.S.-Regierung offenbar von beiden Gesprächspartnern als illegitim und provokatorisch angesehen, gar als „ein kolonialistischer Akt“. Als wäre es hingegen das normalste und verzeihlichste der Welt, parlieren sie über die Möglichkeit neuer Gewalt – und ob vielleicht mal wieder eine Intifada anstehen könnte:  Wie heftig und wie lang es dauert, hängt auch an der Haltung der arabischen Staaten. Die israelische Unabhängigkeit wird hiermit, wie so oft, aber infernalisch folgenschwer in Frage gestellt.

Lügen…

Doch damit nicht genug. Ohne von der Interviewenden korrigiert zu werden und ohne weitere Nachfragen, behauptet Prof. Adwan schon in seiner ersten Antwort: „Es stimmt, dass die illegalen Schritte mit der Annexion Ostjerusalems durch Israel 1968 anfingen, und sich vor Ort akut nichts verändert.“

Damit ist die Eroberung nicht einfach um ein Jahr falsch datiert, sondern aus dem historischen Kontext gerissen. Überflüssig sollte es sein, einen Palästinenser aus Hebron und eine deutsche Journalistin, die seit 1999 aus der Region berichtet, daran zu erinnern, dass die Annexion im Rahmen des Sechstagekrieges, 1967 erfolgte und 1980 offiziell gemacht wurde. Und freilich gibt es noch akute Veränderungen, selbst dann, wenn man vom letzten Gazakrieg und der Messerintifada absehen möchte und sich auf Verfehlungen seitens der israelischen Politik oder, warum eigentlich nicht, auf die zahlreichen, besseren Friedens-NGOs und Begegnungsprogramme konzentrieren wollte. Der übrigen Auslandsredaktion jedoch scheint all dies ebenfalls entgangen; vielleicht ist sie schon im Weihnachtsurlaub oder bereitet sich mental recht angestrengt auf das 50-jährige Jubiläum der Studentenproteste von 1968 vor.

Damals also, im Mai ’67, hatten sich drei Nachbarstaaten und insgesamt neun Regierungen aus der Region zusammen getan, um den noch jungen jüdischen Staat zu vernichten, beziehungsweise zu erobern.Israels Truppen haben alleine mit amerikanischer Unterstützung zurückschlagen müssen, ihrerseits die Kontrolle über befeindete Gebiete gewonnen, dann den Krieg selbst – und im Anschluss versucht, im Rahmen von Friedensverhandlungen einen Großteil jenes Landes wieder an die ursprünglichen Besitzer loszuwerden. Nota bene: Bis dahin war Ostjerusalem in der Gewalt Jordaniens.

Zur Folge hatte dieses Vorgehen Israels die Khartum-Resolution gegen Israel, die wiederum den Ausgangspunkt für den hinterlistigen und blutigen Jom-Kippur-Krieg darstellen sollte.

…und noch mehr Doppelstandards

Dies ist wohl kaum, was Adwan meint, wenn er von „illegalen Schritten“ redet. Im Gegenteil: Während die Terrororganisation Islamischer Staat ihren Standort nach Ägypten verlagert, Syrien weiter unter der Kontrolle des Giftgas-Fetischisten Assad steht, der Iran mit seinen Milizen einen Landkorridor bis zum Mittelmeer errichtet und der Jemen weiter brennt, lautet seine bescheidene Vision:

„Eine unilaterale und so klar proisraelische Entscheidung muss die muslimischen Staaten zusammenschweißen und für die palästinensische Sache aktiv werden lassen.“

War dies denn nicht der Status Quo, schon vor 1967 und bis im Jahr 2011 die arabischen Bevölkerungen um Israel herum aufstanden, die Lügen ihrer muslimischen Diktatoren und Despoten nicht länger hinnahmen und endlich für ihre eigene „Sache“ aktiv wurden? In seiner letzten Antwort (auf die lapidare Frage „und Europa?“) gibt Adwan überdies klar zu verstehen, dass ihm die Tyrannei vor Ort nicht entgangen ist: „Wir würden uns natürlich wünschen, dass die EU eine klare Position einnimmt, aber Europa hat selbst gerade große Probleme mit den Flüchtlingen […]“ Und welche Staaten produzieren diese Flüchtlinge wohl?

Für Israel wird es unterdessen immer schwerer, den Palästinensern unter seinen Einwohnern auch nur halb so viel anzutun, wie taz.de der Nahost-Berichterstattung. Mercedes Nabert

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15 Kommentare zu “Geschichtsstunde auf taz.de: Annexion Jerusalems durch die 68er

  • #1
    discipulussenecae

    Dem ausgezeichneten Kommentar zum taz-Geschreibe kann mann nur vorwerfen, daß er zu kurz ist …

    "Nota bene: Bis dahin war Ostjerusalem in der Gewalt von Jordanien." Sehr richtig! Denn einen real existierenden palästinensischen Staat hat es in der Geschichte noch nie gegeben. Dagegen hat Jordanien Ostjerusalem annektiert, nachdem es am 15. Mai 1948 im Rahmen einer arabischen Allianz den von den UN völkerrechtlich anerkannten Staat Israel überfallen hatte. Nach dem Waffenstillstand vom 3. April 1949 wurden alle Juden aus dem östlichen Stadtteilen vertrieben.

    Die palästinensische Verblendung und Selbstüberschätzung zeigt sich u. a. auch darin, daß die PLO 1988 den Staat Palästina mit Jerusalem als Hauptstadt ausrief. Wer erinnert sich heute noch daran?

  • #2
    Gerd

    Das könnte für den einen oder anderen von Interesse sein. Trump’s Rede auf Deutsch.

    http://www.achgut.com/artikel/trumps_jerusalem_rede_auf_deutsch

    Klingt irgendwie … moderat und vernünftig?!?

  • #3
    Helmut Junge

    Wenn man sich die Analyse einfach machen will, kann man sagen, daß es seit ungefahr 70 Jahren keinen Fortschritt in der Beziehung zwischen Israel und den Arabern gegeben hat.
    Trump geht jetzt einen Weg, der von allen früheren US-Präsidenten vor ihm angedacht, vorbereitet, aber eben nicht umgesetzt wurde. Er macht es aber im Gegensatz zu seinen Vorgängern.
    Ist das gefährlich, wie viele Kommentatoren meinen?
    Kann sich das Verhältnis zwischen Israel und den Arabern verschlimmern?
    Wie sollten wir das erkennen, wenn es so käme?
    Das Verhältnis ist seit eben diesen 70Jahren am Tiefpunkt.
    Egal was Trump macht, dieses Verhältnis kann nur besser werden, niemals schlechter.
    Fakt ist, daß es bisher keinen Zeitpunkt gab, zu dem man hätte sagen können, daß schlimmer werden könnte.
    Auch jetzt kann man das nicht.
    Ich erwarte sogar, daß sich das Verhältnis verbessern wird. Ob das so kommt, werden wir vielleicht schon morgen abschätzen können. Der Aufruf der Hamas zur Intifada wird vielleicht gar nicht befolgt. Ich vermute, daß die Palästinenser eher an Wahlen interessiert sind, die sie schon sehr lange nicht mehr hatten. Abbas ist nur für 5 Jahre gewählt worden, regiert seit 2009 ohne Mandat, und bei Hamas sieht es ähnlich aus. Warum haben sie nie Wahlen ausgeschrieben, wenn sie sicher wären, wieder gewählt zu werden? Scheinen sie aber nicht zu sein. Ob es dann mit der Intifada klappt? Kann ich mir nicht denken.

  • #4
  • #5
    nussknacker56

    Dass die taz seit Jahren der Israel"kritikerin" Knaul Raum für ihre Zeilen gibt, sagt einiges über dieses Blatt und seine politische Ausrichtung aus.

    Sollte Trump es gelingen, Bewegung in die festgefahrene Situation zu bringen, wäre dies eine respektable Leistung. Nicht, dass man ihn unkritisch sehen muss, doch die einhellige Dämonisierung seiner Person ist in ihrer Breite nicht selten abstossender, als das, was ihm vorgeworfen wird. Erst recht gilt das, wenn man sich vergegenwärtigt, dass viele seiner Gegner ansonsten eine Nähe zu autoritären Staaten und Bewegungen keineswegs scheuen.

    Ja, die Rede ist gut – und mutig.

  • #6
    Christian Perzl

    Zu den Raunen im größten Teils des deutschen Blätterwald, und insbesondere der Taz, ist ja im Kommentar schon genügend geschrieben worden. Fast möchte man dafür Trump gratulieren… aber um ehrlich zu sein, die Reaktionen waren auch vorher schon klar abzusehen.
    Von denen in der arabischen Welt ganz zu schweigen.

    Ich will aber auch genau deswegen etwas allgemein anmerken:

    Was für einen Sinn hat die Anerkennung Jerusalems genau?

    Fühlt sich jetzt der Iran beeindruckt und zieht seine Truppen aus den Iran ab?
    Denkt die Hamas um, und kommt zum Schluss das man Israel auch nur mit eisigen Schweigen und nicht beachten strafen kann?
    Bringt es Erdogan zur Besinnung, und er lässt seinen feuchten Traum vom Pascha des Osmanischen Reichs 2.0?

    … die Liste kann man sehr lang weiterführen, und bei den überwältigen Teil dürfte die Antwort klar sein: Nein, wird überhaupt nichts bringen.

    Ich würde also die Frage von Helmut Junge negativ beantworten:
    Die Beziehungen zwischen Israel und der arabischen Welt können sich immer und sehr weit verschlimmern.

    Ich frage mich z.B was jetzt ein Saudi Arabien macht?
    Hier auf Ruhrbarone gab es ja das Interview mit Thomas von der Osten-Sacken:
    https://www.ruhrbarone.de/der-iran-ist-israels-todfeind/142777

    Wenn man das so ließt, kann man jetzt zu den Standpunkt kommen, das Trump mit dieser Entscheidung den Saudis und den Israelis ein Entgegenkommen nicht gerade leichter gemacht hat.
    Das Königshaus, aber auch der schwache Mann von Ankara und die anderen Herrscher müssen halt doch auf den möglichen Volkszorn Rücksicht nehmen um zu überleben.

    Allgemein würde ich sagen: Das jetzt ist wohl eins der dümmsten und niederträchtigsten Dinge die Trump durchbekommen hat.
    Oder um es mal zu umschreiben, das ist so als würde man seinen Freund ein "Fuck Nazi" Tshirt anziehen und ihn so in ein Nazi-Hool/Skinhead Vereinsheim schubst.
    Es muss nichts passieren, aber man braucht sie nicht wundern wenn es kracht, aber ist anscheinend egal, der Leidtragende ist man ja nicht selbst.

  • #7
    Christian Perzl

    Nachtrag:
    Natürlich sollte es "zieht seine Truppen aus Syrien ab" heißen… wobei das jetzige iranische Militär sich gerne komplett selbst auflösen darf.

  • #8
    discipulussenecae

    " Abbas ist nur für 5 Jahre gewählt worden, regiert seit 2009 ohne Mandat, und bei Hamas sieht es ähnlich aus. Warum haben sie nie Wahlen ausgeschrieben, wenn sie sicher wären, wieder gewählt zu werden? Scheinen sie aber nicht zu sein. Ob es dann mit der Intifada klappt? Kann ich mir nicht denken." …

    Es gibt im sogenannten ’nahen Osten‘ nur ein Land, in dem regelmäßig und an der Verfassung orientierte Wahlen ohne Eingriff des Militärs stattfinden.

  • #9
  • #10
    Helmut Junge

    @Christian Perzl, alle Kommentatoren öffentlicher Medien in Deutschland sehen diese Angelegenheit anders als ich. Allerdings hatte ich gestern gute Gründe, mich so mit meiner Vermutung aus dem Fenster zu legen. Natürlich kann ich völlig danaeben liegen.
    Aber zwei Dinge haben sich mittlerweile ereignet, die dafür sprechen, daß es nicht zu blanken Haßexzessen kommen wird, wie es bei den beiden zurückliegenden Intifadas der Fall war.
    Abbas setzt auf Diplomatie und Hamas auf Gewalt. Die Palästinenser sind also uneins. Das hatte ich gestern noch nicht absehen können, weil anfangs auch Abbas von einer Kriegserklärung durch Amerika sprach.
    Zweitens sind die Freitagsgebete beendet, und wir sehen jetzt ob es zu einem Aufstand kommen wird. Noch scheinen aus meiner Sicht keine größeren Aktionen in Gang gesetzt worden zu sein. Kommen die zustande, liege ich falsch. Dann hätten Sie und viele Andere Recht und ich stände blöd da. Das bleibt abzuwarten. Ich habe hauptsächlich die unterdrückten Wahlen als feste Größe für meine "Prognose" und die Tatsache, daß es der US-Präsident ist, dessen einsamen Beschluß es zu intifadisieren gäbe. Mehr nicht. Aber Wahlen zeigen immer den Grad der Unterstützung für eine Regierung an. Wer die verhindert, wird seinem Volk in dieser Hinsicht nicht über den Weg trauen. Neue Frage; Glauben Sie, daß es sicher ist, daß eine Regierung, die keine Wahlen zuläßt, ihr Volk in einen lebensgefährlichen Opfertod senden kann?
    Und da hakt es bei mir. Das kann ich mir einfach nicht vorstellen. Aber noch ist diese Frage nicht geklärt. Da müssen wir uns durch die kommenden Ereignisse belehren lassen.

  • #11
    Gerd

    Was zum Schmunzeln:

    Russland hat bereits im April Jerusalem als Hauptstadt Israels anerkannt. Medienecho und Proteste = 0

  • #12
    Thorsten Stumm

    @Christian Perzl
    Trump musste da gar nix "durchbekommen"….der Kongress hat dies bereits 1995 (!) so beschossen, übrigens mit breiter Mehrheit aller Parteien. Und der Senat dies sogar noch kürzlich abermals einstimmig (!) bestätigt….was sie da faseln ist Nonsense…..übrigens Putin hat im April diese Jahres genau denselben Entschluss gefasst, Jerusalem als ungeteilte Hauptstadt Isreals anzuerkennen….und was passiert ?

    Sinn …hmmm…vielleicht ist es besser mal die Realität anzuerkennen als jahrzehntelang rumzueiern…..macht den Kopf frei…so wie Brandt ,mit der Abkehr von der Hallsteindoktrin oder Kohl mit der Anerkennung der Oder-Neiße Grenze….Potemkinische Dörfer am Leben zu erhalten ist auch keine Politik oder gar Diplomatie…..

  • #13
    thomas weigle

    Thorsten Stumm Das mit der Anerkennung Jerusalems als Israels Hauptstadt durch Putin stimmt SO nicht, denn der Kreml äußerst sich durchaus nicht zustimmend zu Trumps Entscheidung. Und wenn unsere Medien nicht unisono lügen, sind die USA im Sicherheitsrat in dieser Frage isoliert. M.W.n. hat Putin lediglich "West-Jerusalem" als Hauptstadt anerkannt, nicht aber ganz Jerusalem. Ein kleiner, aber sehr entscheidender Unterschied, denn dieser Teil Jerusalems ist seit 48 integraler Bestandteil Israels und Hauptstadt. Es geht um Ost-Jerusalem, in dem die "heiligen Stätten" der muslimischen und der anderenAberglaubensgemeinschaften liegen(u.a.Grabeskirche, Klagemauer). West-Jerusalem ist, was solche Orte angeht, eher unbedeutend.

  • #14
    Christian Perzl

    Guten Tag, hoffe ein jeder von den werten Mitdisskutanten hat ein ruhiges und erholsames Wochenende gehabt.

    Ich selbst versuche meine Erwiderung auf einige der Kommentare im einen einzigen Fließtext zu formulieren:

    @Helmut Junge

    Es geht nicht einmal so sehr um die, mittlerweile von arabischer Seite her ritualisierte, Straßengewalt, damit kommt Israel immer besser zurecht.
    Würde Israel und das Palästinensergebiet in luftleeren Raum existieren würde ich gar sagen das einfach Israel vollendete Tatsachen machen könnte und jeglichen Widerstand ausschalten sollte(Immer noch eine bessere Alternative als der Zustand jetzt).
    Also, ja, sie haben recht, die Palästinenser werden nicht voll auf Angriff schalten, und das ist auch schon ein Erfolg.

    Aber es geht leider nicht nur um den Mob am Tempelberg, Gaza und sonstigen Gebieten, es geht um das ganze Umfeld.

    Ich habe schon Saudi Arabien und seine Herrscherdynastie erwähnt, die sich gerade in einen Balanceakt zwischen geopolitischen Machtinteressen und den Antisemitismus ihres wahhabitischen Klerus befinden. Man mag jetzt von der Saudisch-Israelischen Kooperation halten was man will, Trumps Verkündung hilft bei den weiteren Normalisierungsversuchen beider Staaten kein Stück. Den auch wenn die Forderungen der Saudis für ein Art Bündnis moderat für Araber sind, sind diese halt da, und Trump hat wieder mal ein wenig Verhandlungsmasse draufgelegt..

    Was ist mit den stark schauspielenden, aber eigentlich schwachen, Sultan von Ankara? Der braucht solche Steilvorlagen, um als Ablenkungsmanöver verbal, in Zukunft vielleicht sogar mehr, von den Zuständen in seinem Land abzulenken. (Gerade seinen Kindermörder-Vergleich mitbekommen… unterbietet sich immer wieder selbst.)

    Wie kommt so was in einem Ägypten, wo man es gerade geschafft hat den muslimischen Volkswillen wieder zu bändigen, an?

    Schlussendlich, Russland, das gerade versucht sein nahöstliches „Great Game“ zu gewinnen. Putin wird sich auch stark überlegen wie lange er Israel z.B in Syrien beim eindämmen des Irans nur zuschaut, wenn immer mehr Mächte, aka Spielfiguren, in der Region eine härtere Gangart gegen die Demokratie Israel fordern, weil diese für die Herrscher „unzumutbare“ Fakten schafft.

    Was mich auch zu

    @Gerd

    bringt.

    Ja Russland hat hat (West)-Jerusalem als Hauptstadt anerkannt, ein guter Einschub Ihrerseits. Nur wie, sagt viel aus.

    Zu lesen ist die Mitteilung hier:
    http://www.mid.ru/en/foreign_policy/news/-/asset_publisher/cKNonkJE02Bw/content/id/2717182?p_p_id=101_INSTANCE_cKNonkJE02Bw&_101_INSTANCE_cKNonkJE02Bw_languageId=de_DE

    Das russische Auswärtige Amt hat also in ihrer Mitteilung eher darüber geredet das sie Ost-Jerusalem als Hauptstadt eines zukünftigen Palästinenserstaates anerkennt.
    Die, anderes kann man es nicht beschreiben, hingeworfene Brotkrumme, das Israel damit doch den Rest als Hauptstadt hernehmen kann, ist nur die Schlussfolgerung daraus.
    Der gewollte Empfänger und die zu erzielende Wirkung war also eine völlig andere als bei der jetzigen Trumprede.

    Außerdem spricht es Bände, das ein gewisser Erdogan sofort mit Putin darüber spricht, wie man am besten die Anerkennung Jerusalems als Hauptstadt Israels verdammen kann.

    Weiter also bei:

    @ Thorsten Sturm

    Erst einmal, ja natürlich haben Sie recht das die Anerkennung durch die Vereinigten Staaten schon lange dafür stattfand und immer wieder bestätigt wurde.
    Nur, ich frage da Sie direkt:
    Wann haben dann sämtliche Regierungen, egal ob demokratisch oder republikanisch, diese Tatsache öffentlich groß verkündet?

    Man kann man also feststellen, das erst Trump diese Anerkennung groß angekündigt, und ergo durchgebracht(Sowohl als Wahlversprechen als auch als Veröffentlichung) hat.
    Ich entschuldige mich aber für eine falsche Wortwahl. Durchbrachte ist eindeutig mit anderen Assoziationen belegt. Fehler meinerseits.

    Zu der Russischen Anerkennung sie oben mehr.

    Zu ihren Einschub das ist halt Realität.
    Ich kann da nicht anderes und fühle mich an Christian Linders außenpolitischen Einschübe erinnert. Das die Krim jetzt russisch ist(Und ja die meiste Zeit war) ist auch Realität, ich weigere mich dennoch daraus eine Anerkennung der Annektierung zu machen.
    Übrigens, das der Irak fast schon ein Vasallenstaat des Irans ist, ist auch Realität… also das reine „Es ist halt so“ führt uns auf ein diplomatische Glatteis.

    Schlussendlich, um zu ihren Einschub welche politischen Realitäten Deutschland alle anerkannt hat.
    Ich kann es soweit nicht ganz verstehen, wurden diese Beispiele doch vor allem deswegen getätigt um erwartbare oder handfeste Vorteile für Deutschland auszuhandeln.

    Die jetzige Situation wäre folgendermaßen vergleichbar:
    Es ist 1960, und Eisenhower verkündet in einer Rede das die DDR und die an Polen abgetretenen Regionen ureigenstes Gebiet der BRD und man das auch so Anerkennt, der Teufel wäre, nicht nur in den kommunistischen Länder, los gewesen.
    Natürlich, und da sind wir uns hoffentlich einige, die staatspolitische Realität ist im Falle Israels eine andere, die Gefühlte der arabischen Welt aber ziemlich nahe an dem Beispiel.

    Das alles wäre immer noch verkraftbar. Lasst die Araber sich empören.
    Das dumme ist jedoch, Trump fährt bis jetzt, bei allem Maulheldentum, fast die gleiche Nahostpolitik wie sein Vorgänger Obama.
    Oder um das Beispiel von 1960er zu erweitern:
    Nach dieser Rede Eisenhowers wird der BRD auch noch klar gemacht, das die US-Army Truppen aus Deutschland abzieht. Kommt allein aus und Tschüs.

    Genau das macht Trump mit Israel.
    Das Problem mit der iranischen Einflussnahme in Syrien, egal lieber handelt man einen Deal mit Putin aus.
    Das mögliche Saudisch-Israelische Bündnis ist auch egal, man legt lieber diplomatische Steine auf den Weg. Genauso wenig hört man über die Alternative, nämlich gegen Saudi-Arabien vorzugehen… sind ja dann doch alles großartige Menschen.
    Selbst das Poltern gegen den Iran direkt ist ehrlich gesagt kein Grund zum hoffen. Wenn man nämlich Trumps Reden und Handeln vergleicht, auch im Beispiel Nordkoreas… müssten wohl erst die ersten Raketen in Israel aufschlagen das gehandelt wird.

    Genau deswegen finde ich also das ganze so lächerlich:
    Diplomatische Anerkennung Jerusalems als Hauptstadt Israels ist schön und gut, aber erst dann wenn die arabischen Nationen ebenfalls dazu bereit sind.(Da ist es mir auch ziemlich egal ob die diplomatische, wirtschaftliche oder militärische Daumenschraube angewandt werden muss)
    Das jetzt ist schädliche Symbolpolitik

    @thomas weigle

    Zum Schluss geht noch wegen ihrer Richtigstellung zur Sache „ russische Anerkennung“ ein Dank an Sie.

  • #15
    Helmut Junge

    @Christian Perzl 14, diese Bedenken kann ich nicht ausräumen. Bei der Bündnispolitik im Nahen und Mittleren Osten kann niemand für nichts die Hand ins Feuer legen. Zur Zeit werden die Karten wieder mal neu gemischt und es sind viele Akteure mit unterschiedlichen Motiven im Spiel. Da weiß ich nicht Freund und Feind wirklich auseinander zu halten. Wer auf Stärke setzt, über die er nicht wirklich verfügt, wird lang oder mittelfristig die A..karte ziehen müssen, weil keine andere Karte mehr im Spiel ist. Soviel zur Spielstrategie, die ich jedem Spieler empfehlen kann.

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