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Hitze könnte unsere Zukunft sein oder: Der Zusammenhang von Temperatur und Barbarei

Die Sonne über dem Arc de Triomphe. Foto: Sonia Jacinto de Oli Lizenz: CC BY-SA 3.0


Oh ja, es war heiß bislang. Aber so richtig erst seit gut einer Woche. Davor war es herrlich warm und das auch am Abend. Und nachts wurde es kühler, und es gab dazu fast immer erfrischenden Wind, wenn man sich außerhalb der eigenen vier Wände aufgehalten hat. Die Dürre, die in diesem Jahr das eigentliche Problem darstellt, haben wir  als Konsumenten kaum wahrgenommen.  Es wird auf jeden Fall in einigen Bereichen geringere  Ernten, aber auf keinen Fall eine irgendwie geartete Lebensmittelrationierung  geben.

Wo also liegt das Problem dieses zweifellos überdurchschnittlich warmen Sommers, außer dass er zu trocken war? Das waren nämlich andere vor ihm auch schon, ohne dass das in den letzten 50 Jahren in Europa zu einer ernst zu nehmenden Katastrophe geführt hat. Ist es die zweifellose Tatsache, dass es schon zwei weitere Sommer ähnlicher Art seit Beginn des neuen Jahrtausends gegeben hat? Dass es sich also um ein ungewöhnliche Häufung innerhalb von nur 20 Jahren handelt?

Das allerdings kann man statistisch valide erst feststellen, wenn man weitere 20 Jahre Sommer dieser Art mit einer ähnlichen Frequenz erleben würde. Sprich erst im Jahre 2040. Noch sicherer erst im Jahr 2050. Es könnte also gut sein, dass zwei oder drei so verregnete und relativ kühle Sommer in Folge, wie sie die Mehrzahl in den letzten 18 Jahren waren, unsere diesbezügliche Aufregung über diesen „Jahrhundert-“ oder sogar „Jahrtausend-“ Sommer schneller verpuffen lässt, als wir uns jetzt vorstellen können.

Es könnte aber auch sein, dass die direkte Wiederholung dieses Sommers in 2019 diese Aufregung ins hypertrophe zu steigern in der Lage sein wird. Nur, dass wir dann immer noch nicht wüssten, ob es sich um die gefährliche Häufung handelt, die wirklich ein objektiver Grund für eben diese Aufregung darstellen würde, oder nur ein statistischer Ausschlag, der in einer 30 jährigen Rückbetrachtung zwar extrem, aber nicht wesentlich war. Der das Lamentieren vom Jahrhundert- oder Jahrtausendereignis dem Reich der Angst und nicht dem der Rationalität zuordnet.

Keine Frage, es gibt eine kontinuierliche und zunehmend exponentielle Erderwärmung, was die weltweite Durchschnittstemperatur pro Jahr betrifft, und damit einhergehend auch eine Erhöhung des Meeresspiegels. Es ist auch ziemlich klar, was passiert, wenn sie bis zum Ende dieses Jahrhunderts drei plus Grade überschreitet. Was nicht klar ist, ob das wirklich passieren und ob das ausschließlich menschengemacht sein wird. D.h. ob das durch menschliches Handeln überhaupt aufgehalten werden kann.

Diese Unklarheit ist allerdings kein Grund nichts zu tun, oder, als Alternative, in Panik zu verfallen. Nicht in diesem und auch nicht im nächsten Sommer, wenn er denn so oder noch heißer wird als dieser. Die Hitze ist vielmehr als Übungsfeld zu betrachten, wie man damit, ökonomisch, ökologisch und vor allem energietechnisch umgeht. Wesentlich ist dabei ein neuer, gesellschaftlich breit verankerter sparsamer Umgang mit Wasser, dem eigentlichen und natürlichen Gegenmittel gegen jede Form der Überhitzung und Trockenheit, egal ob menschengemacht oder nicht.

Die dazu kommenden, nach wie vor unverzichtbaren, technischen Hilfsmittel werden bei mehr Hitze entsprechend mehr Energie verbrauchen. Das, sofern diese Carbon basiert ist, wird allerdings das Problem weiter vergrößern. Wird jedoch die vermehrte Sonneneinstrahlung selbst als Energiespender forciert, dezentral gespeichert und intelligent verteilt, könnte energetisch die zusätzliche Hitze selbst für ihre Bekämpfung sorgen. Eine Technologie, die es glücklicherweise schon gibt, und die problemlos ausgebaut werde kann.

Sollte die Erderwärmung dann doch nicht so groß werden, wie von vielen Klimawissenschaftlern angedroht, bzw. prognostiziert, würden sich die neuen Wasser- und Energiemaßnahmen so oder so als höchst produktiv auf die Wohlstands- und Klimaentwicklung der kommenden 100 Jahre auswirken. Sollten die Prognosen allerdings eintreffen und sich die Menschheit gleichzeitig weiter so vermehren wie bisher, wird das alles sowieso nicht helfen. Vielmehr wird dieses Jahrhundert dann eines der exzessiven biologischen Auslese werden.

Eins, dass dieses Mal auch die menschliche Spezies selbst massiv betreffen wird.  Denn genau auf der unmittelbar physischen Ebene unseres Körpers kommt die zunehmende Hitze in ihrer ganzen Extremität bei uns selbst an. Genauer gesagt auf unsere Haut. Dort brennt sie im wahrsten Sinne des Wortes, wenn wir uns nicht vor ihr schützen (können). Wir, die wir wesentlich mehr technische Hilfsmittel gegen zu viel Hitze kennen als alle Menschheitsgenerationen zuvor, sind diesbezüglich körperlich noch genauso empfindlich wie die Menschen der Urzeit.

Ab einer bestimmten Wärmestufe werden wir innerlich und äußerlich geröstet und nicht gebräunt, was übrigens genetisch auch für nicht weiße Menschen gilt. Neben der Wasserversorgung waren deswegen Sonnenschutz und körperliche Fitness die Mittel, die unsere frühen Vorfahren vor dem dehydrieren geschützt haben. In den Ländern, in denen immer schon die Hitze die dominante Wetterkategorie war und ist, hat das zu einer entsprechenden Körperkultur geführt. Aber auch die hat Grenzen bei denen, die aus welchem Grunde auch immer, zu schwach dafür sind.

Erst recht, wenn die Menschen vor der Hitze fliehen und um die Orte kämpfen müssen, an denen sie vor ihr relativ geschützt sind. Von der Meeresküste kann man sich, bei steigendem Wasserspiegel auf immer noch riesige und vor allem höher gelegene Landmassen zurückziehen.  Die Ausbreitung der Hitze und der Trockenheit ist dagegen wesentliche flächendeckender und lässt weitaus weniger resistente Gebiete über, in denen einen Überleben dauerhaft möglich ist. Erst recht, wenn die Menge der Menschen weiter zunimmt.

Die Kernfrage ist dann, wie wir mit dieser Auslese umgehen werden. Ob das Recht des Stärkeren sich wieder einmal durchsetzt, oder ob die zwischenzeitliche geschehene Zivilisierung der Menschheit ausreichen wird, diesen massiven Angriff auf eine mehr oder weniger solidarische Kultur zu überstehen. Betrachtet man die Gesamtentwicklung, so kann man mit Fug und Recht annehmen, dass das Erste wahrscheinlicher ist als das Zweite. Das die Zwänge des unbedingten eigenen Überlebens erneut die Barbarei und nicht die Zivilisation befördern werden.

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