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Humanisten gegen Antifa und Jungle World

Das Führen von Listen, in denen Gegner – echte und vermeintliche – kleinteilig notiert werden, hat eine lange Tradition, auch in Deutschland. Nur eben keine humanistische. Letzteres schickt sich die Kleinpartei „Partei der Humanisten“ nun an zu ändern – und erklärt Jungle World und Antifa-Gruppen zu ihren Feinden.
Bei der anstehenden Europa-Wahl schielen viele Wähler auf Klein- und Kleinstparteien. Auch die Enttäuschung über Uploadfilter macht CDU und SPD für viele unwählbar, die Grünen sind eben die Grünen, bei den Piraten distanzierte sich die eigene Flagschiffin von der Partei, und die FDP macht dank Moskau-Wolfgang und Profi-Christian derzeit auch keinen schlanken Fuß. Wieso also nicht mal auf die Kleinen schauen? Volt, DIE PARTEI oder auch die Partei der Humanisten (PdH).

Die PdH genießt dabei gerade unter Anhänger des wissenschaftlich-kritischen Denken viele Sympathisanten. Eine Partei, die sich für humanistische Ideale und Fortschrittsfreundlichkeit auszusprechen scheint, kann da mitunter punkten. Lange her scheinen da die Zeiten, in denen fremdenfreindliche und rassistische Töne bei der PdH ein Problem waren.

Und doch, so richtig will das alles nicht zünden. Mitte letzten Jahres gab es größere interne Streitigkeiten, die mit dem Rücktritt mehrer Vorstände endeten.

Doch zuletzt schien es besser zu laufen. Schickes Logo, schicker Werbespot, Mitgliederzuwachs. Es war wert, wieder genauer auf die PdH zu schauen. Denn genau das macht ja wohl die Partei aus, nicht zu glauben, sondern wissen zu wollen.

Und so fand man denn auch. Eine Unvereinbarkeitsliste der Partei. Diese wird eingeleitet mit einem Auszug aus der Bundessatzung:

„Die Mitgliedschaft in einer Partei, Vereinigung, Organisation oder Gruppe, deren Zweck oder Zielsetzung grundsätzlich dem Leitbild der Partei der Humanisten widerspricht oder deren Ziele und Aktivitäten sich direkt gegen die Partei der Humanisten richten, ist unvereinbar mit der Mitgliedschaft in der Partei der Humanisten.“

Was danach folgt, ist eine kleinteilige Auflistung von allem und jedem, was die PdH als unhumanistisch wahrnimmt. Eine teils gut geführte Liste zu Rechts- und Linksextremisten – die aber dann völlig entgleitet.

So gilt alles als linksextremistisch oder -radikal – man ist sich da nicht sicher – auf das die Beschreibung zutrifft:

Gruppen mit dem Namensbestandteil Antifa

Man bekommt den Eindruck, dass auch bei der PdH die taz-Satire von der Antifa e.V. als homogene Gruppe durchaus auf fruchtbaren Boden gestoßen ist.

Auch Mitglieder der „Falken“, einem (per namen) sozialistischen Jugendbund sind Feind der Humanisten – wer im Ruhrgebiet mit Kinder- und Jugendhilfe und den entsprechenden von den Falken betriebenen Einrichtungen, teils mit massiver kommunaler Förderung, zu tun hatte, wird schon hier aus dem Staunen nicht heraus kommen.

Vollends skurril wird es aber bei der Benennung der „Jungle World“, einer Zeitung, für die auch der Autor dieser Zeilen schreibt. „Jungle World“ ist also nicht vereinbar mit humanistischen Idealen. Nun. Was soll das bedeuten? Meint das alle Leser der Jungle, „nur“ die Autoren, alle Autoren – oder gibt es noch einmal verfeinerte Proskriptionslisten, für den Tag nach der humanistischen Revolution, wenn es dann „humanistische“ Bestrafungen für die „Inhumanisten“ gibt – und viel wichtiger: bin ich jetzt linksextrem?

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17 Kommentare zu “Humanisten gegen Antifa und Jungle World

  • #1
  • #2
    Macros

    Julia Reda begrüßt immer noch die Ideen der Piraten. Sie will nach eigener Aussage durch ihren Austritt nur verhindern, dass Gilles Bordelais gewählt wird.

    Sie hat sich nicht von der Partei an sich distanziert und ist sogar noch Mitglied der European Pirate Party.

  • #3
  • #4
    nonidit

    Wer den Unterschied zwischen einer ideologischen Differenz und einem "Feind" nicht versteht, disqualifiziert sich direkt selbst.

    Hätte von jemandem aus dem GWUP-Umfeld differenziertere Artikel erwartet. Schade.

  • #5
    Cyril Robert Brosch

    Pardon, aber die Diktion dieses Artikels hat bestenfalls BILD-Niveau. Wenn man mal vergleicht, was in der verlinkten Unvereinbarkeitsliste als Erklärung drinsteht und was dann hier daraus gemacht wird, schlägt man sich doch vor die Stirn.

    Egal, die Humanisten haben gerade eine Erläuterung rausgebracht, die der geneigte Leser vielleicht wahrnehmen möchte: https://diehumanisten.de/2019/05/07/zur-unvereinbarkeitsliste-was-bedeutet-unvereinbar/

  • #6
    Tim

    Danke für den Link Cyril Robert Brosch. Der bestätigt noch einmal, dass Die Humanisten sich vollkommen disqualifiziert haben als wählbare Partei, wenn sie antifaschismus und systemkritik ablehnen.

  • #7
    ke

    Mir ist das Programm zu sehr auf internationale Organisationen ausgelegt . Wie das Programm sich in einem internationalen und auch europäischen Umfeld durchsetzen soll, bleibt mir aktuell schleierhaft.

    Ja, Kleinparteien mit steigender Tendenz ziehen viele Personen aus anderen Parteien mit teilweise extremen Ansichten an. Dieser Weg der Unvereinbarkeitsliste in einem solchen Umfang ist für mich nicht nachvollziehbar.

  • #8
    UIrich

    @Cyril Robert Brosch:

    Das ist kein Humanismus, das ist das Vorprodukt von Humus.

  • #9
    nonidit

    @ke

    "Dieser Weg der Unvereinbarkeitsliste in einem solchen Umfang ist für mich nicht nachvollziehbar."

    Warum? Die Liste gibt eine Orientierung vor, sowohl für den Anwärter als auch für die Partei. Wenn dort etwas problematisch ist, wird danach im Einzelfall geprüft. Das meiste ist ja kein hartes Ausschlusskriterium.

    Wenn ein Mitglied erstmal aufgenommen ist, ist es enorm schwer dieses wieder aus der Partei auszuschließen, wenn man merkt, dass es radikale Ansichten hat, die nicht zu der Partei passen. Siehe Sarrazin. Es wurde dreimal versucht ihn aus der SPD auszuschließen, ohne Erfolg. Da ist es doch besser beim Eintritt genauer hinzuschauen.

  • #10
    Budderberg

    Ich musste erst mal schauen was Jungle World denn ist, verstehe aber wieso die auf der Liste steht. Und das alles was Antifa im Namen trägt auf der Liste steht sollte selbstverständlich sein.

    Wieso man sich als Linker/Rechter nicht als solcher einordnen kann, bzw nicht erkennt, wieso das mit den Humanisten unvereinbar ist, kann ich mir nicht erklären. Realiätsverlust?

  • #11
    heftighuman

    @Tim

    "wenn sie antifaschismus und systemkritik ablehnen."

    Vielleicht sollten Sie die Liste und die Erläuterung erneut lesen? Keine einzige Formulierung deutet weder auf Ihre Aussage hin noch spricht sie diese eindeutig aus.

  • #12
    Frank

    @ heftighuman

    warum sollte man "die Liste und die Erläuterung erneut lesen"?

    weiß doch jeder jetzt schon, wen er nicht wählt: "Die Humanisten"

  • #13
    Stefan Laurin

    @Frank: Auf über 99,9 Prozent der Wähler wird das sicher zutreffen 😀

  • #14
    Jan

    @nindit
    »Die Liste gibt eine Orientierung vor, sowohl für den Anwärter als auch für die Partei. Wenn dort etwas problematisch ist, wird danach im Einzelfall geprüft. Das meiste ist ja kein hartes Ausschlusskriterium.«

    »Die folgende Unvereinbarkeitsliste enthält eine Aufzählung von Organisationen, die in eklatanter Weise dem Leitbild der Partei der Humanisten, ihrem Eintreten für eine säkulare, vernunft- und faktenbasierte offene Gesellschaft entgegenstehen. Daher kann ein Beitrittsgesuch einer Person abgelehnt werden, wenn:
    – Sie einer der folgenden Organisationen angehört
    – Einer der folgenden Organisationen in der Vergangenheit angehörte und sich nicht klar vom Gedankengut dieser Organisation distanziert
    – Sie inhaltliche Positionen dieser Organisationen aktiv und befürwortend (bspw. durch Teilen in sozialen Medien) bewirbt und verbreitet«

    Ich dürfte mich also vom Antifaschismus vor einem Parteigremium distanzieren. Der Wahl-O-Mat hat mir ihre Partei zu 80% empfohlen, aber eine Distanzierung von jeder Art des Antifaschismus ist für mich zu 100% unvereinbar mit meinem Humanismus.

    Ich wünsche ihnen maximale Niederlage, und werde sie politisch auf jede Weise bekämpfen, die notwendig ist.

  • #15
    ab

    @all

    Entschuldigung! Ich habe mich gestern kurzfristig umentschieden und "Die Humanisten" gewählt! Ich bin Humanist und ordne mich politisch – sofern machbar – Mitte-links ein.

    Das Parteiprogramm gefiel bzw. gefällt mir im Großen und Ganzen, aber nachdem ich nun diesen Artikel zum Thema "Unvereinbarkeitsliste" und auch den Artikel "(Landes)-Vorstände treten zurück" gelesen habe, ärgere ich mich darüber und schäme mich sogar ein wenig dafür, diese Partei gewählt zu haben!

    Hätte ich mich doch intensiver informiert – was ich normalerweise immer mache – und die beiden Artikel gestern schon entdeckt und gelesen! Bei den nächsten Wahlen passiert mir das nicht noch einmal! Versprochen!

  • #16
    Macros

    @ab

    Du hast mit deiner Stimme nichts angerichtet. Nicht mal die Hürde für die Parteienfinanzierung haben die Humanisten überwunden. Schau dir mal die Arbeit der Piraten im Parlament an (Patrick Breyer hat es knapp hinein geschafft) Die Humanisten haben damals ihr Programm von den Piraten kopiert, doch Patrick wird für die Grundideen dahinter kämpfen. Er ist Gründungsmitglied bei den Piraten gewesen und hat sich schon einen guten Namen gemacht. Dann kannst du das nächste mal eine Informierte Entscheidung treffen.

  • Pingback: Partei der Humanisten und NS-Relativierung | Ruhrbarone

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