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Diese Jugendwiderständler haben versucht Journalisten einzuschüchtern

Diese beiden Jugendwiderständler (links: „Taktikka“) haben am 8. April erfolglos versucht, Journalisten einzuschüchtern
Diese beiden Jugendwiderständler (links: „Taktikka“) haben am 8. April erfolglos versucht, Journalisten einzuschüchtern
Diese beiden Jugendwiderständler (links: „Taktikka“) haben am 8. April erfolglos versucht, Journalisten einzuschüchtern

Diese beiden Jugendwiderständler (links: „Taktikka“) haben am 8. April – erfolglos – versucht, Journalisten einzuschüchtern

Am vergangenen Sonntag hatte ich eine mindestens unangenehme Begegnung, als diese beiden jungen Männer aus der maoistischen Gruppierung Jugendwiderstand versuchten, zwei Fotojournalisten und mich einzuschüchtern. Der Versuch ging in die Jogginghose.

Der Jugendwiderstand ist anders als die meisten linken Gruppen. Er scheut sich nicht auszusprechen, dass die Durchsetzung seiner Ideologie Gewalt erfordern würde. Entsprechend martialisch sind Auftritt und Rhetorik. Unter den linken Gruppen in Berlin ist er sicher die männlichste.

Wann ist ein Mann ein Mann?

Der Jugendwiderstand inszeniert sich immer wieder, indem linke Tabus gebrochen werden. Statt auf eine möglichst gleichberechtigte Repräsentation von Freuen zu achten wird ein sehr möchtegern-maskuliner Sport-, Muskel- und Körperkult gepflegt. Auf ein männlich souveränes Benehmen legen die Jugendwiderständler allerdings weniger wert.Auf Demonstrationen skandieren sie Parolen und zeigen Transparente, die sich an ihre Neonazi-Gegenstücke anlehnen und sich nur in kleinen Details unterscheiden

  • Alles für Volk, Klasse und Partei!
    (Alles für Volk, Rasse und Nation!)
  • Ruhm und Ehre den Märtyrern!
    (Ruhm und Ehre der Deutschen Nation!)
  • Die Straße frei der roten Jugend!
    (Die Straße frei der deutschen Jugend)

In Antifa-Kreisen kursiert auch deshalb das Gerücht, bei einem Teil der Jugendwiderständler handele es sich um ehemalige Neonazis aus dem ostdeutschen Cottbus.


Demonstrationen

Seit einigen Jahren dokumentiere ich immer wieder Demonstrationen in Berlin. „Bärgida“, „Merkel muss weg“, der „Marsch gegen Chemtrails“, Exil-Syrer, „Al- Quds-Tag“, „Revolutionärer 1. Mai“ und so weiter.

Diese Demonstrationen sind speziell. Die Wut, ob berechtigt oder nicht, ist groß. Und sie richtet sich oft auch gegen Journalisten.

Dass Aktivisten des jeweiligen Teilnehmerspektrums Portraitaufnahmen von Journalisten machen, gehört zum so üblichen wie unangenehmen Prozedere. Wenn ich nun bei einer Demonstration einem aggressiven Teilnehmer gegenüber stehe, habe ich nicht viele Möglichkeiten zu reagieren. Ich bin Journalist, kein Strassenkämpfer. Was tun?

Zuhören und nachfragen. Das ist das Handwerk. Auch wenn es bedeutet, dass mir ein aufgebrachter älterer Herr mit sich überschlagender Stimme mitteilt, ich als „Lügenpresse“ solle mich „in Grund Boden schämen“ und nichts was ich schreibe könne ihn umstimmen. Mehr Abstand halten. Dazu raten die eingesetzten Polizisten sowieso, wenn Demonstrationsteilnehmer aggressiv werden.

Ich habe von Stinkefingern arabischer Jugendlichen, über Schimpftiraden rechter Rentner und Lügenpresse-Sprechchören bis zum Greifen nach der Kamera und Rempeleien eines NPD-Funktionärs erlebt, was das bedeuten kann.


Der große Marsch

Am Sonntag begleitete ich nun die „Demonstration in Solidarität mit dem Großen Marsch der Rückkehr“, zu der die Gruppierung BDS Berlin aufgerufen hatte. Insgesamt 250 Personen kamen auf den Hermannplatz in Berlin-Neukölln, um zum Kottbusser Tor in Kreuzberg zu ziehen. Unter den Teilnehmern wann einschlägig bekannte Organisationen wie „Revolution”, die Kleinstgruppe „Jewish Antifa Berlin“ und eben der Jugendwiderstand.

Ich war vor Ort und streamte Impressionen der Demonstration für die Ruhrbarone.

Demonstration der pro-palästinenschen Organisation BDS in Berlin

Gepostet von ruhrbarone am Sonntag, 8. April 2018

Die Teilnehmer machten mit der Parole „From the River to the Sea, Palestine will be free“ klar, dass sie einen jüdischen Staat zwischen Jordan und Mittelmeer, dem israelischen Staatsgebiet, nicht akzeptieren. In einem Lied vom Lautsprecherwagen wurden Raketen aus dem Gazastreifen auf zivile Ziele in Israel gerechtfertigt.

So weit, so normal. Auch wenn ich diese vertretenen Standpunkte und Meinungsäußerungen wegen ihres teils offensichtlich antisemitischen Gehalts ablehne, war die Demonstration bis dahin typische Berliner-Demo-Folklore an einem schönen Frühlingsabend.

Was sich dann  während der Abschlusskundgebung am Kottbusser Tor abspielte, hatte eine andere Qualität, als alles das ich bisher kannte.

Zwei Fotojournalisten, die ich von solchen Demonstrationen kenne, wollten den Heimweg antreten. Da lösten sich diese zwei Personen die dem Jugendwiderstand zuzurechnen sind aus der Menge und rannten auf sie zu.

Der kurzgeschorene rothaarige junge Mann tritt auch als Rapper „Taktikka“ auf und beschwört in einem seiner Tracks hinter einer roten Maske die linken Primärtugenden „Ehre, Stolz, Disziplin”.

Der Jugendwiderstand hat sich bereits einen Namen dadurch gemacht, dass er schnell und entschlossen körperliche Gewalt gegen tatsächliche und vermeintliche Gegner einsetzt. Entsprechend verständlich war die Sorge der Journalisten, dass es nun sie treffen könnte.

Nachdem ich diese Situation mitbekommen hatte, entschieden wir gemeinsam mit meinem Auto den Ort zu verlassen. Währenddessen verfolgten die beiden Jugendwiderständler uns, fotografierten das Kennzeichen ab, versuchten uns zu fotografieren und bauten sich vor dem Auto auf.

Aber offenbar hatten Polizisten diese Situation bereits erfasst und richtig bewertet. Mehrere Beamte der eingesetzten Bereitschaftspolizei erschienen, drängten den überraschten Taktikka und seinen Kompagnon ab und setzten sie fest. So konnten wir sicher vom Kottbusser Tor abfahren.

In der Nachbetrachtung fällt auf, dass die Berliner Polizei offensichtlich den Jugendwiderstand beobachtet und bei Bedarf durchgreift. Es läuft genug falsch im Verhältnis der Ordnungsmacht zu den Medien. Da ist ein Lob angebracht, weil die Beamten hier die Sicherheit von Medienvertretern gewährleistet hat.

Der Einschüchterungsversuch des Jugendwiderstands ging jedenfalls in die Jogginghose.

RuhrBarone-Logo

16 Kommentare zu “Diese Jugendwiderständler haben versucht Journalisten einzuschüchtern

  • #1
    Michael

    "Entsprechend verständlich war die Sorge der Journalisten, dass es nun sie treffen könnte."

    Haben Sie schon einmal über Selbstverteidigung nachgedacht? Bei diesen Strolchen – man sollte nicht soweit gehen, die als linke Gruppe zu bezeichnen – würde ich Krav Maga empfehlen. Passt seht gut zu Nazi & Co.

  • #2
    Bebbi

    Kann es sein, dass die Ruhrbarone sich etwas wegbewegen vom Blog über’s Ruhrgebiet, zu merken auch an der steigenden Bedeutung von Debatte in der täglichen Linksammlung?

  • #3
    Sara

    @Bebbi

    Zum Glück, Antisemitismus, Israel-Hass und Antizionismus muss überall entschlossen entgegengetreten werden. Nicht nur im Ruhrgebiet.

  • #4
  • #5
    discipulussenecae

    "Unter den linken Gruppen in Berlin ist er sicher die männlichste." Diese grammatische Konstruktion begreife ich nicht.

    Was ich aber auch mal wieder nicht verstehe: Warum sollten linke Allmachtsphantasien nur Männersache sein?

    Siehe: www.ruhrbarone.de/linke-nrw-bundestagsnachrueckerin-und-chefin-des-jugendverbandes-tritt-aus-der-partei-aus/151783

  • #6
    Ines C.

    Hier ist er also, der so oft zitierte Qualitätsjournalismus. Der, den wir für das Überleben der Demokratie brauchen. Ganz herzlichen Dank für Ihre Sachlichkeit und Ihren Mut, Herr Fallenstein.

  • #7
  • #8
    Ernst

    Wir stellen also fest, dass der „viel zitierte Qualitätsjournalismus“ Nazi-Demos mit zb denen des revolutionären 01. Mai vergleicht, Portrait-Fotos veröffentlicht von jenen, die deutlich andere Vorstellungen haben (sicher nicht meine) und die Cops lobt. Und passiert ist nix.

    Antideutsche sind so deutsch wie mein Nachbar mit Dackel und Gartenzwerg.

  • #9
    Bebbi

    @ #3

    Hmm, aber deswegen auf Lokalberichterstattung verzichten bzw. diese zurückfahren?

  • #10
    Daniel

    @#8: und was soll jetzt der Unterschied zwischen den 1.mai- und Nazi-Demonstrationen sein?
    Warum sollte man keine Bilder von gewaltaffinen faschisten veröffentlichen?
    Und was hast du gegen Dackel?

  • #11
    nussknacker56

    #8 Ernst

    Warum so herablassend gegen Nachbarn mit Dackel und Gartenzwerg – gehören diese per se nicht zu Ihrer Zielgruppe? Sind diese besonders beschränkt oder reaktionär? Wenn ja, haben Sie sicher ein paar Statistiken, die das belegen?

    Im Gegensatz zu den oben gezeigten "rotlackierten Faschisten" besteht gegen Dackelfreunde – bei nüchterner Betrachtung – nicht einmal ein Anfangsverdacht in Sachen „besondere Anfälligkeit für totalitäre Ideologien“.

  • #12
  • Pingback: Berliner Initiative gegen politische Gewalt fordert Verbot des Jugendwiderstandes | Ruhrbarone

  • #14
    Unpartei

    Der jugendwiderstand wird ja auch von Journalisten provoziert indem sie unzensierte Fotos hochladen oder Artikel in welchen die Sachlage komplett übertrieben dargestellt wird ins Netz stellen. Dass kann man in einem Artikel auch erwähnen dass selbst wenn nicht mal ein diskreter Anlass existiert gern mal gehetzt wird und somit auch provoziert. Es ist ein Teufelskreis der Jugendwiderstand macht eine Aktion die Presse bringt was dazu raus was dem Jugendwiderstand nicht gefällt und dann gibt es beim nächsten mal wieder eine Aktion.
    Überlegt doch mal warum die Presse und irgendwelche Fotografen so verhasst sind und arbeitet auch an eurem Verhalten.

  • #15
    Klaus Lohmann

    @Unpartei: Arbeiten Sie bitte erst mal an Ihrer Rechtschreibung und erklären Sie uns danach, weswegen "unzensierte Fotos" irgendwas Schlimmes darstellen sollten.

  • #16
    thomas weigle

    @ Klaus Lohmann Es ist das alte Lied von Kommis aller Schattierungen: sie können nichts für ihre Handlungen, denn letztlich sind immer der Imperialismus und seine "Tintenkulis" schuld an dem, was sie anstellen.
    @ Arnold Voss hat letzthin dankenswerterweise bei einem ähnlichen Fall in Sachen RS darauf hingewiesen, dass wir hier nicht in der Schule sind.

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