Junge Union unterstützt Umfragen-Absturz mit Holocaust-Entgleisung

Und die Fähigkeit zum Denken vielleicht mit dem Eintritt in die Junge Union.

Impfdesaster, Korruptionsaffären und immer noch kein Kanzlerkandidat. Was fehlt der Union jetzt noch um den Abstieg in den Umfragen perfekt zu machen? „Na klar, ein bisschen Holocaust-Verharmlosung!“ denkt sich wohl die Junge Union.

Die Union hat es im Moment wahrlich nicht einfach: Völlig überforderte Minister, ein Abgeordneter nach dem anderen verabschiedet sich wegen windiger Maskengeschäfte oder Aserbaidschan-Deals aus der Unionsfraktion und jetzt setzt die Junge Union noch einen obendrauf.

Man kann den Genderstern ja freilich kritisieren. Ihn gedanklich in die Richtung des „Judenstern“ zu rücken, der im Nationalsozialismus genutzt wurde, um Jüdinnen und Juden im öffentlichen Raum zu brandmarken, ist aber mehr als nur ein bisschen drüber.

Die Strategie ist dabei altbekannt und folgt dem Hundepfeifen-Prinzip: Gerade deutlich genug, dass automatisch jeder dran denken muss und gerade vage genug, damit man alles als Versehen abstreiten und sich dumm stellen kann.

Dass gerade in einer Zeit, in der Impfgegner auf deutschen Straßen mit selbst gebastelten „Judensternen“ herumlaufen und so den Holocaust verharmlosen, mit der Jungen Union ausgerechnet die Nachwuchsorganisation einer der tragenden Säulen der Nachkriegsdemokratie sich ähnlicher Vergleiche bedient, zeigt, dass in der Union derzeit grundsätzlich etwas ins Wanken gerät.

Aktualisierung 18:20 Uhr:

Die Junge Union hat den entsprechenden Beitrag auf Instagram und Facebook mittlerweile gelöscht und durch eine andere Variante ersetzt.

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16 Kommentare

  1. #1 | Bochumer sagt am 31. März 2021 um 18:32 Uhr

    Ich sehe da keine bewusste Herstellung eines Zusammenhangs und würde der SoMe-Praktikant:in bei Löbels Erben verzeihen. Es ist natürlich leicht die Verbindung zu ziehen und der Vergleich schlecht… aber, hey, es ist die Junge Union. Von denen ist nichts Geistreiches zu erwarten. Es sind Nieten, die Masken verkaufen wollen.

  2. #2 | Mawa sagt am 31. März 2021 um 19:51 Uhr

    Der Zusammenhang erschließt sich mir nicht. Wer da eine Verbindung ziehen will macht das absichtlich. Warum? Ich finde diesen Versuch völlig geschmacklos.

  3. #3 | Zim sagt am 31. März 2021 um 21:01 Uhr

    Der Zu­sam­men­hang ist mehr als offensichtlich und die JU naehert sich immer mehr der AFD, nicht nur sprachlich.

  4. #4 | ccarlton sagt am 1. April 2021 um 06:16 Uhr

    Der sogenannte Zusammenhang könnte nicht offensichtlicher an den Haaren herbei gezogen sein. Im Original ist bereits ausdrücklich vom Genderstern die Rede. Auch in der Symbolik ist eine Verbindung zum Judenstern nicht zu erkennen.

  5. #5 | EinLipper sagt am 1. April 2021 um 11:23 Uhr

    Man kann ja von der JU halten was man will, aber das ist wirklich an den Haaren herbeigezogen, dann müsste sich der "Stern" ja auch umbenennen!

  6. #6 | Berthold Grabe sagt am 1. April 2021 um 12:23 Uhr

    Man mag sich über die Gleichsetzung empören, doch methodisch ist es tatsächlich das Gleiche.
    Das die Motivation aus einer verqueren Denke heraus gegenteilig ist, ändert daran nichts.
    Gleichwohl muss man festhalten, das die deutsche Gesellschaft zu so viel nüchterner Wahrheitsliebe nach der emotionalisierten ideologischen Polarisierung aktuell nicht fähig ist.
    Und es disqualifiziert die Jungpolitiker schon im Ansatz, diese Tatsache einfach zu missachten.
    Es ist politisch unprofessionell und inkompetent Wahrheiten ohne Not zu verkünden. zu denen die Öffentlichkeit nicht Willens ist sie zu akzeptieren.
    So was muss genauso sorgfältig vorbereitet werden, wie das Narrativ, das heue für den empörten Reflex sorgt.

  7. #8 | Berthold Grabe sagt am 1. April 2021 um 15:35 Uhr

    Immerhin ist es verfassungwidrig wegen fehlender Gendersternchen eine Arbeit nicht normal zu bewerten, sie gehören nicht zum rechtlich einforderbaren Schriftgebrauch.
    Es stellt sich die Frage, in wie weit Organisationen einen bestimmten Sprachgebrauch überhaupt vorschreiben können, der nicht fachlich oder rechtlich bedingt ist.
    Für meine dafürhalten ist das eine unzulässige Freiheitsbeschränkung und somit grundrechtswidrig.
    Dafür den unnützen Vergleich zu bemühen entspringt dem Zeitgeist mit maximaler Provokation Aufmerksamkeit zu erzielen. Schlau allerdings ist das nicht.

  8. #9 | paule t. sagt am 1. April 2021 um 19:18 Uhr

    Vielleicht sollten sich die Verteidiger der JU-Aussage erst mal darauf einigen, ob der kritisierte Zusammenhang an den Haaren herbeigezogen oder angemessen ist …

  9. #10 | abraxasrgb sagt am 1. April 2021 um 21:33 Uhr

    DAVBUB
    Da bin ich eine Ausnahme, ich benutze das generische Maskulinum bei Lehrveranstaltungen und benote nur den Inhalt, selbst dann, wenn Studenten(sic!) gendern. Sie müssen sich dafür nur ein paar provokante Sprüche anhören 😉
    Die neumodische Evaluation zeigt objektiv (subjektiv mMn.), dass die Studenten sehr gut damit leben können …

  10. #11 | Robert Müser sagt am 1. April 2021 um 22:34 Uhr

    Sorry,
    da habe ich bei den Ruhrbaronen schon geistreichere Beiträge gelesen.

    Vielleicht sollte der/die/das Schreibende bei der/die/das Ruhrbaronen/gräf*nnen aus dem Empörungsbunker herauskommen und Ursache <=> Wirkung von Artikeln hinterfragen.

  11. #12 | Andi sagt am 2. April 2021 um 11:26 Uhr

    Ich glaube, dass das hier tatsächlich schlichte Dummheit bzw. Ignoranz ist, und keine mehr oder weniger raffinierte Absicht.

    (Was an sich zweifellos auch schon problematisch genug ist. Herr, schmeiß Hirn!)

  12. #13 | Psychologe sagt am 2. April 2021 um 17:18 Uhr

    Alle, die hier mehr gewollt als gekonnt am Offensichtlichen vorbeisehen, machen sich auch die Hose mit der Kneifzange zu.

    Es ist mehr als klar, dass hier noch nicht mal vom "Sternchen", sondern eben vom "Stern" gesprochen wurde und was letztlich damit gemeint ist.
    Es ist eine bewusst eindeutig zweideutige Anspielung geistiger Minderleister, die auf den feigen Beifall unterhalb der Tischkante abzielt. Ein Testballon aus dem Rhetorik-one-o-one der AfD. Oder war alles nur ein Mausrutscher?

  13. #14 | EinLipper sagt am 2. April 2021 um 21:48 Uhr

    @Psychologe

    "Es ist mehr als klar" ist mal ein richtig überzeugendes Argument. Wort- und metaphernreiche Unterstellungen sind eben auch nur Unterstellungen.

  14. #15 | Psychologe sagt am 3. April 2021 um 08:33 Uhr

    @ EinLipper:

    Es gibt Menschen, die sind eben noch nicht mal durch das Offensichtliche zu überzeugen und da braucht man auch keine Argumente mehr. Davon ab enthält mein Beitrag auch ein Argument, sie haben dieses jedoch nicht zitiert.
    Was ist denn die Erklärung dafür, dass der Beitrag von der JU noch mal geändert wurde?
    Kennen wir das nicht gut aus den AfD-Kreisen, die erst ein Häppchen hinwerfen, um dann im zweiten Schritt zu betonen missverstanden zu werden und im dritten daraus zu stricken, es seien böse Kräfte bei der orchestrierten Verunglimpfung am Werke?

    Anders gefragt: Muss man sich ernsthaft Sorgen machen, weil gerade bei den Bewahrern des "wahren Deutschseins" Sprachverständnis und Sprachgefühl unter die Räder gekommen sind?
    Wohl kaum.
    Ja, hier ziehe ich mich auch axiomatisch zurück und sage: Ich glaube es denen schlicht und ergreifend nicht, dass es nur ein Unfall war.
    Bei der erodierenden CDU wittern jetzt einfach einige ewig Gestrige Morgenluft und laufen sich schon mal für ihre Form der Endlösung (Entgleisungs-alert) warm. Man hat ja mancherorts auch Maaßen exhumiert: https://www.spiegel.de/politik/deutschland/hans-georg-maassen-will-in-thueringen-kandidieren-cdu-ler-reagieren-entsetzt-a-7dcaa5e4-1615-40d2-abe2-3dd425c77495

  15. #16 | JPjea sagt am 3. April 2021 um 09:49 Uhr

    Ich finde den Zusammenhang schon sehr deutlich. Krass und geschichtsvergessen. Typisch CDU/JU. Es wäre schön, wenn die Politik die Bildungskurse der hervorragenden eigenen Stiftung mal besuchen würden.

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