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Katholische Mannsbilder & ihr Zusammenwirken mit Frauen – „Mich mangeln die Wörter“ (10)

Heutzutage wünschen sich selbst katholische Mannsbilder öffentlich mehr Laien-Frauen in neuen Positionen, auch führenden. Alles wird also gut, Frau muss nur dran glauben! Allerdings gilt dies eben nur für die Frau als Laiin. Deshalb entschied in der ‚heute show‘ gestern Kardinal Meisner der Kabarettistin Carolin Kebekus gegenüber strikt, dass er ihre Bewerbung als Päpstin nicht annehmen wolle: „Da haben Sie nicht die Figur dazu.“ Der alte Redefuchs wird sicher gemeint haben: „Da haben Sie nicht die Statur dazu.“ Ein schöner Freudscher Versprecher, auch Lapsus linguae genannt, eine sprachliche Fehlleistung also, bei der „ein eigentlicher Gedanke oder eine Intention des Sprechers unwillkürlich zu Tage tritt“.

Studientag
Ergänzend erklärte vorgestern die Deutsche Bischofskonferenz in einem von Erzbischof Zollitsch verfassten Pressebericht:
„Im Rahmen eines Studientages haben wir uns mit dem Thema ‚Das Zusammenwirken von Frauen und Männern im Dienst und Leben der Kirche’ befasst. (…) Wir wollten (…) konkrete Maßnahmen ergreifen, um das partnerschaftliche Miteinander von Frauen und Männern nachhaltig in die konkrete Wirklichkeit der Kirche umzusetzen und den Anteil von Frauen an den Leitungspositionen der Kirche, die allen Laien offen stehen, deutlich zu erhöhen.“
Jesses! Nur mal stilistisch, liebe Erz- und Bischöfe: Wie ergreift man „Maßnahmen“, um ein „Miteinander“ in „die konkrete Wirklichkeit“ umzusetzen? Großes Latinum und Graecum, gut und schön, aber Deutsch solltet ihr auch schreiben können, sonst werdet ihr am Ende noch missverstanden. Wie hieß es doch zum Pfingstwunder? „… und sie wurden alle erfüllt von dem heiligen Geist und fingen an zu predigen in andern Sprachen, wie der Geist ihnen gab auszusprechen.“

Kasper spricht
Kardinal Kasper aus Rom hat in Sachen ‚Die Frau und der Katholizismus‘ am Studientag deshalb gleich klargestellt, dass Mann auf jeden Fall die Kirche im Dorf lassen will und die Frau an ihrem Platz in der Schöpfung:
„Die Ebenbürtigkeit beider Geschlechter schließt jede Form von Diskriminierung aus. Zugleich sind aus schöpfungstheologischer Sicht Mann und Frau in ihrer Gleichwürdigkeit auch unterschieden.“
Und nicht nur aus „schöpfungstheologischer Sicht“, lieber Walter Kasper, nicht nur aus dieser Perspektive.

Warum sollten Frauen eine Päpstin stellen, wenn Päpste sowieso vergessen werden?
Kasper frauenfreundlich weiter: „Die Geschichte der Kirche zeige, dass etwa die heilige Elisabeth von Thüringen noch heute bekannt sei, die Päpste und Bischöfe ihrer Zeit aber vergessen sind. ‚Die Antwort auf die Zeichen der Zeit wird darum‘, so Kardinal Kasper, ,letztlich weder Rom noch die Bischofskonferenz geben; die Antwort werden prophetische, charismatische heilige Frauen sein, die Gott uns hoffentlich schenken wird.‘“
Wollen wir nur hoffen, dass Gott auch weiß, was für Frauen sich Bischöfe wünschen.

Frauen, die man(n) sich schenken kann
Mal unter uns: Die heilige Elisabeth von Thüringen? Wer kennt denn diese Schutzheilige der Bettler und Sozialarbeiter außerhalb von Erfurt und katholischen Biotopen sonst irgendwo? Und: Warum sollte der Christen-Boss der Kirche charismatische Frauen sponsern? Charismatische Männer rückt er ja auch nicht raus. Und: Päpste seien schnell vergessen? Na, wenn das der Benedikt XVI. hört.
Deshalb würdigt Erzbischof Zollitsch im selben Pressebericht sicherheitshalber gleich auch präventiv die ungeheuren Verdienst J.R.s: „Vor allem danken wir dem Heiligen Vater für seine wegweisenden Orientierungen in einem achtjährigen Pontifikat und für seine drei Besuche in der deutschen Heimat.“
Klar, wer könnte das vergessen?

Heilige Mehrfaltigkeit
Ja, die katholische Kirche befindet sich im Umbruch, rasender Stillstand ist nichts dagegen. Zwar wird der Zölibat nicht aufgehoben und Frauen werden nicht Priesterin, dennoch soll ernsthaft erwogen werden – so hört man aus ungewöhnlich gut unterrichteten Kreisen –, die Heilige Dreifaltigkeit (Trinitas) von Vater, Sohn und Heiliger Geist im Sinne einer Frauenquote radikal aufzustocken von 0 auf 25 % und so die Heilige Vierfaltigkeit einzuführen: Vater, Maria, Sohn und Heiliger Geist.

Mamma mia
Könnte so auch das Vaterunser, das sogenannte Herrengebet, vielleicht bald upgedatet werden und als ‚Vierfaltigkeitunser’ Einzug in christliche Kulträume halten? Luther muss ja nicht der letzte Reformator bleiben.

Vierfaltigkeit unser im Himmel,
geheiligt werde euer Name.
Euer Reich komme,
Euer Wille geschehe,
wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gebt uns heute.
Und vergebt uns unsere Schuld,
(…).
Und führt uns nicht in Versuchung,
(…)
Amen.

Keinesfalls auf Potential verzichten: Auch junge Frauen brauchen Bischöfe
In seinem Pressebericht lässt Zollitsch schließlich und endlich auch eine Glaubensschwester zu Wort kommen:
„Prof. Sr. Dr. Margareta Gruber OSF (Jerusalem) analysierte den gegenwärtigen Wandel im Geschlechterverhältnis. (…) Junge Frauen erwarten, dass sie sich mit ihren Begabungen und Fähigkeiten in die Kirche ebenso wie in die Gesellschaft einbringen können. Die Kirche kann – auch um unserer eigenen Glaubwürdigkeit willen – nicht auf das Potential verzichten, das die Frauen darstellen. ‚Um die Gotteskrise heute zu bestehen, braucht die Kirche die Frauen, und die Frauen brauchen vor allem Sie, die Bischöfe“, so Sr. Margareta.‘“

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2 Kommentare zu “Katholische Mannsbilder & ihr Zusammenwirken mit Frauen – „Mich mangeln die Wörter“ (10)

  • #1
    Achim

    Auch der nächste Papst wird viel Mist erzählen, aber muss ich deswegen aus der
    evangelischen Kirche austreten?

    Achim

  • #2
    Gerd Herholz

    Der Humanistische Pressedienst schreibt über einen Artikel in der ‚Welt‘, http://hpd.de/node/15170:
    „Das Video des Interviews, das Carolin Kebekus im Auftrag der „heute-Show“ des ZDF führte, sorgt bereits seit einigen Tagen für Aufregung im Internet und wurde in diversen Blogs und Foren bereits diskutiert.

    Die WELT berichtet nun allerdings auch über das, was nicht gesendet wurde. Nach Kardinal Meisners Antwort, dass die Reporterin „nicht die Figur dazu habe“, Papst zu werden, „soll ein Sprecher der Deutschen Bischofskonferenz beim ZDF angerufen und versucht haben, die Ausstrahlung der Szene zu verhindern.“
    Das ZDF ließ sich davon jedoch nicht abhalten und sendete den Beitrag.
    Wichtiger als dieser Miniskandal ist jedoch ein ganz anderer Aspekt, auf den der Artikel hinweist: vor einigen Jahren wäre es noch undenkbar gewesen, dass zum einen ein öffentlich-rechtlicher Sender Witze auf Kosten des Klerus gemacht hätte. Und wenn, dann hätte die Kirche darauf nicht mit „Für uns ist die Angelegenheit im übrigen erledigt“ reagiert.“

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