Ruhr hoch n wird Open-Source Kampagne

Der große Kritiksturm ist vorbei. Nun hat die Detailarbeit an der neuen Ruhrgebietskampagne des Initiativkreises Ruhr begonnen.

Als Anfang April nach erste Details der neuen Ruhrgebietskampagne des Initiativkreises Ruhr an die Öffentlichkeit drangen, war die Aufregung groß: Sowohl in den Medien als auch in den Internetforen stieß der von der Düsseldorfer Filiale der Werbeagentur Grey kreierte Slogan „Ruhrn -Teamwwork orkCapital“ auf einhellige Ablehnung. Selbst die Oberbürgermeister des Ruhrgebiets – in Fragen der internationale Präsentation ihrer Städte nicht gerade erfolgsverwöhnt – bemängelten die mangelnde Volkstümlichkeit der Kampagne, die indes vom Initiativkreis Ruhr, dem neben RWE, E.ON und Evonik die Hochkaräter der deutschen Industrie gleich dutzendweise angehören, im Kern als internationale Investorenkampagne geplant war.

An einen Abbruch der Kampagne denkt indes innerhalb der Initiativkreises niemand. Die Gerüchte über ein Ende der Kampagne seien falsch. Die in diesem Kreis versammeltem Unternehmenschefs, unter anderem Müller, Grossmann und Bernotat, seien Steher und keine Zurückweicher, so ein Beobachter des Initiativkreises. „Rückenwind kennen die eigentlich nur vom Segeln.“
 Überarbeitet werden soll die Kampagne allerdings schon:  Aus In einem internen Protokoll der gemeinsamen Sitzung der Kommunikationsverantwortlichen aus den Mitgliedsunternehmen des Initiativkreises Ruhrgebiet vom 9. April 2008 bei RWE in Essen, heißt es: „ Die von Grey vorgestellte Dachmarkenmechanik stieß auf breite Zustimmung. Die Notwendigkeit einer Dachmarkenstruktur für das gesamte Ruhrgebiet wurde von keinem der beteiligten Fachleute in Zweifel gezogen…“ Hauptkritikpunkt der Sitzungsteilnehmer war der Zusatz „hoch n“ im Logonamen „Ruhr“. Hierzu wurden auch mögliche Alternativen diskutiert. Von Grey wurde ausdrücklich betont, dass „hoch n“ eine Platzhalterfunktion habe, die man durch verschiedene Begrifflichkeiten oder Zeichen modifizieren könnte.”
Die Revierwerbung soll nun zu einer Open- Source- Kampagne weiterentwickelt werden. Das kritisierte n – in der Mathematik ein Zeichen für eine unendliche Menge in Potenz – soll künftig nur noch ein Platzhalter sein. „Anstatt n kann dann Kultur verwendet werden, IT oder, für ganz leidensfähige, RWE für Rot Weiß Essen“, so ein Kommunikationsverantwortlicher aus einem der Mitgliedsunternehmen des Initiativkreises.

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5 Kommentare

  1. #1 | el-flojo sagt am 13. Mai 2008 um 15:09 Uhr

    „Die Revierwerbung soll nun zu einer Open- Source- Kampagne weiterentwickelt werden.“
    Das glaub ich ja erst, wenn ich die Photoshop-Dateien runterladen kann, um damit rumzuspielen.
    Aber man weiß ja nie…

  2. #2 | Jochen Hoff sagt am 13. Mai 2008 um 15:34 Uhr

    So lange der Bürger den Scheiß im Endeffekt bezahlen muss sind Unternehmenschefs des Inititivkreises, wie Müller, Grossmann und Bernotat ganz sicher Steher und keine Zurückweicher.

    Schließlich ist es ja nicht ihr Geld sondern unser Geld. Damit sind die großzügig, bis es alle ist.

  3. #3 | Stefan Laurin sagt am 13. Mai 2008 um 15:51 Uhr

    @Jochen: Der Initiativkreis bezahlt die Kampagne – er hat aus den Mitteln seiner Mitglieder auch die Agentur bezahlt, die die Kampagne entwickelt hat.

  4. #4 | Franka sagt am 14. Mai 2008 um 17:22 Uhr

    Endlich tut mal einer was für uns, ohne das wir es zahlen.
    Und wie sagt man so schön: „einem geschenkten Gaul…“

  5. #5 | Ralf Wasselowski sagt am 15. Mai 2008 um 11:16 Uhr

    Ich sehe das Problem bei dieser und ähnlichen Kampagnen, dass sie am grünen Tisch ausgedacht werden und dass es meistens versäumt wird, alle Beteiligten – die Leute, die hier wohnen und agieren, Institutionen, Politiker, Wirtschaftsförderungen u.a. – an der Entwicklung partizipieren zu lassen. So kommt immer etwas heraus, was die meisten nicht haben wollen. Es müsste im Vorfeld einer solchen Markenbildung ein breit angelegter Prozess der Diskussion im Ruhrgebiet quer durch alle „Schichten“ stattfinden. Dabei würde kein kreatives Ergebnis herauskommen, aber die Initiatoren könnten dafür sensibilisieren, dass es notwendig ist, so eine Marke zu schaffen, wie schwierig das ist und auch inhaltlich die Dimensionen des Ruhrgebiets abzuklopfen: Was bedeutet es den Bürgern, den Politikern, den Unternehmen?

    Zum Logo selbst: Das Bildzeichen verweist in seiner Machart auf das Logo der Kulturhauptstadt 2010. Hier sind es Punkte, dort waren es Flächen. Den Wunsch, alle beteiligten Partner durch die Punkte irgendwie abbilden zu wollen, zeugt von einem falschen Verständnis der Möglichkeiten von Abstraktion.

    Rein handwerklich ist das Bildzeichen schlecht gemacht. Durch die Überlagerung der Punkte ergeben sich partiell neue Teilformen – Teilstüche der ohnehin vielen kleinen Punkte -, die unmotiviert sind und das Bildzeichen in kleinen Abbildungsgrößen noch unklarer wirken lassen.

    Die Verbalisierung „Ruhr hoch n“ – wobei das „n“ aktuell gegen ein „T“ im Kreis für „Trademark“ getauscht wird – ist eine reine Kopfgeburt einer Agentur, die offensichtlich nicht auf die Menschen hier schaut, sondern in ihrem Agenturkosmos lebt, der nichts mit der Ruhrgebiet zu tun hat. Verhandelt wird der Name für das „Kind Ruhrgebiet“ von den Eltern, den großen Unternehmen der Region, und der Hebamme Werbeagentur Grey. Die Leute, die dieses Ruhrgebiet ausmachen, erfahren dann in der Presse, wie ihr Lebensraum jetzt heißt. Gut gemacht!

    Es kann schon sein, dass jeder Name für das Ruhrgebiet zu einem Aufschrei vieler führen wird und man sollte es begrüßen, dass endlich etwas getan und entschieden worden ist. Andererseits sollten im Vorfeld einer solchen Entscheidung die Medien, die Blogs und andere Kommunikationsformen intelligent genutzt werden, um mehr Akzeptanz zu erzeugen.

    Springer und Jacoby hat den Fehler mit „Der Pott kocht“ gemacht, Grey hat ihn „hoch n“ wiederholt – und keiner lernt offenbar.

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