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Keine Politik, nirgendwo: Warum ich nicht wählen werde.

Der Bundestag Foto: Robin Patzwaldt


Ich habe die Nase voll von all den kleineren Übeln in der aktuellen deutschen Parteienlandschaft. Ich kann mir weder Frau Merkel, noch Herrn Schulz länger als 3 Minuten anhören, ohne einzuschlafen. Mich nerven das nichtssagende Modernisierungsstakkato des auf cool getrimmten Mr. Lindner und das halb-linke Rumlavieren von Frau Wagenknecht. Von der moralisierende Weltuntergangs Rhetorik des Duos Özdemir/Eckard ganz zu schweigen. Der Rest war für mich mir immer schon nicht wählbar.

Besitzstandwahrung überall. Kein ernsthaftes Konzept, ja nicht mal eine Idee zur nachhaltigen Armutsbekämpfung, zur Flüchtlingsfrage oder zur Niederringung des neuen Faschismus. Nirgendwo eine klare Position zum religiös motivierten Terror. Kein Wort zur Finanzierung des unausweichlichen Schuldenschnitts für Griechenland. Kein Satz über die immer ungleicher werdenden Lebensverhältnisse in Deutschland und Europa. Stattdessen Schlaraffenlandparolen und Realitätsverweigerung.

Deutschland ist nicht reich, sondern ein paar Deutsche sind es, und das immer mehr. Der Rest hat als Steuerzahler riesige Staatsschulden vor der Brust und als Arbeitskraft absehbar immer größere Probleme ein dauerhaft gesichertes Einkommen und eine bezahlbare Wohnung zu kriegen. Das Land selbst hat horrende Infrastrukturreparaturen vor sich, deren Bezahlung die „Schwarze Null“ schon seit langem zur Illusionsnummer macht, während der Finanzminister seit vielen Jahren nicht das geringste Interesse zeigt, Steuerlöcher zu schließen und große Steuerbetrüger systematisch zur Rechenschaft zu ziehen.

Immerwährende Staatsschulden im XXL Format sind nämlich ein geradezu geniales Modell, immer vermögenderen Großgläubigern dauerhaft und krisensicher Zins- und Zinseszins zu gewährleisten, während die Allgemeinheit als staatlich verfasster Schuldner per Steuern und Abgaben nie mit dem Zahlungen aufhören kann, ohne die infrastrukturelle Basis und die allgemeine Sicherheit ihrer Existenz zu gefährden. Der steuerzahlende Bürger hat aus gutem Grunde immer noch mehr Angst vor dem Staatsbankrott als vor höheren finanziellen Belastungen.

Die Einkommens- und Unternehmenssteuern in Deutschland müssen aber runter, um die Wirtschaftsdynamik vor allem in der Mittelschicht und im unternehmerischen Mittelstand zu erhöhen. Das geht aber nur, wenn die Erbschaftsteuer ab einem angemessenen Freibetrag massiv erhöht wird, um die leistungslosen Einkommen der Oberschicht zumindest auf Zeit zu Gunsten von dringend notwendigen öffentlichen Investitionen zu senken. Nur so kann eine neue, nachhaltige und international wettbewerbsfähige Basis für eine sichere Zukunft aller Bürger geschaffen werden.

Ja, Erfolg muss sich wieder mehr lohnen. Aber als eigene Lebensleistung, und nicht für das Erben als Hauptberuf. Mäzenatentum hin oder her, volkswirtschaftlich ist es nur dann sinnvoll wenn damit Arbeitsplätze geschaffen werden. Einfach nur das geerbte Geld, weil es nun mal da ist und unausweichlich immer mehr wird, ausgeben ist das Gegenteil von Leistung. Dazu habe ich allerdings noch kein Wort vom Lindner gehört. Genauso wenig zu den gesetzlich gesicherten, unglaublich riesigen leistungslosen Vermögensvorteilen der deutschen Kirchen, zu denen sich demnächst auch geflissentlich die Islamverbände gesellen werden.

Stattdessen wird in Deutschland Religionskritik zunehmend schwieriger. Der Nichtgläubige ist jetzt das Problem, obwohl er so gut wie Nirgendwo auf der Welt auf die Idee kommt, einen Gläubigen deswegen zu malträtieren, weil er ein solcher ist. Die Kanzlerin eines Landes, in dem gut ein Drittel der Bewohner keiner Kirche oder Glaubensgemeinschaft angehören, empfiehlt stattdessen allen Ernstes den Kirchgang als Hilfestellung und Niemand schüttelt den Kopf.

Frau Göring Eckard freut sich sogar auf die Stärkung des religiös fundierten Patriachats durch den Islam, als hätten wir nicht genug Christen die ihm immer noch inbrünstig anhängen, und damit systematisch die erzieherische Werte-Basis einer freien Gesellschaft torpedieren. Nirgendswo ein Wort mehr zur religiösen Beschneidung von Kindern, weil man sonst ja auch die Taufe und andere Rituale in Frage stellen müsste, mit denen noch nicht der Sprache fähige menschliche Wesen von ihren Eltern für ihre Religion vereinnahmt werden, anstatt zu warten, bis sie das selbst entscheiden können.

Ja, wir haben jetzt die Ehe für alle, aber es war mir schon immer egal wer wen heiratet. Dass damit jedoch die Vorteile des Ehegattensplittings auf eine weitere gesellschaftliche Gruppe ausgedehnt werden, während die Kinderförderung in Deutschland weiter darbt und die Kinderarmut immer weiter steigt, wird bei aller emanzipativen Begeisterung der Bevorteilten gerne vergessen. Können sie doch jetzt auf Kosten anderer die Einkommensunterschiede innerhalb des Paares leistungslos ausgleichen, und das erst recht, wenn sie keine Kinder haben, bzw. haben wollen.

Nach wie vor werden die völlig überdehnte Subventionslandschaft und das diesbezügliche Lobbysystem unangetastet gelassen. Niemand spricht ernsthaft über die gewaltigen Pensionslasten, die ein völlig überholtes Beamtensystem vor allem bei den gehobenen Positionen dem Rest der Bürger für die kommenden Jahrzehnte aufbürdet. Auch hierzu weder von der „alten“ SPD noch von „neuen“ FDP ein Wort und selbst die führenden Vertreter der Linken halten sich bedeckt, sind doch viele ihrer politischen Akteure selber die Profiteure diese halbfeudalen staatlichen Alimentationssystems.

Nein, nicht mehr Schulranzen verändern die Welt, sondern das was drin ist, einschließlich des Pausenbrotes. Bildung ist nicht nur eine Mengenfrage sondern vor allem eine des Inhaltes und der diesbezüglichen vor- und außerschulischen elterlichen Auswahl und Heranführung an diesen. Ohne diese Vor- und Begleiterziehung hat das öffentliche Schulsystem immer nur eine begrenzte Wirkung. Da wo sie versagt, scheitern in der Regel auch die Lehrer und Lehrerinnen. Vor allem wenn der größte Teil von ihnen weder darauf vorbereitet ist, noch etwas damit zu tun haben will.

Mehr Digitalisierung ist genauso zu kurz gegriffen, wenn nicht zugleich die Medienkompetenz erhöht wird. Die plakativ und flächendeckend zelebrierte Onlinepermanenz ist eben nicht nur ein Lösung für viele Probleme, sondern für viele zugleich das zentrale Problem: Verblödung und Verwirrung durch Informationsüberflutung von Kindesbeinen an. Mehr Informationen, vor allem wenn sie gar nicht, oder nur einseitig gefiltert sind, machen, so sagt die Empirie, die Gebildeten noch klüger und Ungebildeten noch dümmer.

Das Letztere ist allerdings den Eltern der Mittel- und Oberschicht nur in Sonntagsreden ein Dorn im Auge. Sorgt es doch dafür, dass die eigenen Kinder, egal wie intelligent und begabt, immer weniger Arbeitsmarktkonkurrenz von Aufsteigern aus der Unterschicht zu befürchten haben, weil es immer weniger davon gibt. Auch hier ist Deutschland zunehmend eine Klassengesellschaft alter Schule, während die ökonomischen Folgen dieses Desasters die Allgemeinheit zu tragen hat. Insbesondere jedoch die auch in diesem Land immer mehr zunehmende Gruppe der „Working Poor“ und vor allem alle die, die nicht von einem in jeder Weise ungerechten Steuersystem und seine vielfältigen Schlupflöcher profitieren.

Stattdessen scheißt in Deutschland der Teufel auf allen Gebieten immer mehr auf den größten Haufen während die öffentlichen Medien immer mehr als zwangsfinanzierte kollektive Riesenschlaftabletten funktionieren. In allen Sparten bestückt mit einem personellen Promi-Oligopol das vor keiner Vetternwirtschaft zurückschreckt und sich gegenseitig bespielt und belabert, während der Rest davon träumt, auch mal dazu zu gehören. Und sei es nur als Gegenstand ihrer Ablenkungs- und Bespaßungsspielchen, die vor allem auf die Schadenfreude und die Sensationslust der Zuschauer zielen.

Ja, in einer Demokratie hat das Volk genau die Regierung und die öffentlichen Medien, die es verdient, und Deutschland ist als Demokratie nicht der schlechtesten einer. Nur das ich mit diesem Volk schon länger nichts mehr zu tun haben will, denn es möchte mehrheitlich nicht mehr und nicht weniger als seine Ruhe. Oder es will wütend protestieren und das auch gerne mal, in dem es eine Partei wählt, die mit dieser Demokratie nicht viel am Hut hat. Nur ändern möchte die mehr oder weniger schweigende Mehrheit eigentlich nichts, und, wenn sie über Privilegien verfügt, schon gar nicht für sich selbst.

Dagegen anzuwählen ist objektiv sinnlos, denn auch die, die am meisten der Veränderung bedürfen, würden, sofern sie wirklich an die Macht kommen, das gleich tun, wie die, die jetzt dran sind: Sich Privilegien besorgen und sie verteidigen. Ein irgendwie geartetes fair und demokratisch zu erarbeitendes Gemeinwohl ist der Mehrzahl der Deutschen bis heute nämlich genauso fremd wie Selbstverantwortung und Mut zum Risiko. Nicht mal die Revoluzzer Darsteller vom Schwarzen Antifa-Block verfügen darüber, sonst würden sie keine Masken tragen.

Deswegen setze ich einfach mal eine Bundestagswahl aus, uns schaue was ohne mich dabei rauskommt. Natürlich ist das verantwortungslos, denn in anderen Ländern kämpfen die Menschen um eben dieses Recht, das ich auch selbst für in jeder Weise verteidigungswert halte. Ich weiß nur nicht, was ich wählen soll, ohne mich selbst an der Nase herumzuführen. Ich bin genauso wenig gegen demokratische Kompromisse wie gegen den kapitalistischen Privatbesitz. Aber beides hat für mich auch etwas mit der Verpflichtung zum Gemeinwohl, zumindest aber mit einer Idee davon zu tun, und die fehlt in diesem Land zu Zeit komplett.

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12 Kommentare zu “Keine Politik, nirgendwo: Warum ich nicht wählen werde.

  • #1
    Steven

    Ich stehe vor der Wahl: Christian Lindner, oder Nico Semsrott.

    Ich glaube, ich entscheide mich für Semsrott, der nimmt die Sache ernster als Lindner:

    https://die-partei-berlin.de/plakate-unseres-spitzenkandidaten

  • #2
    GMS

    @Arnold Voss,
    Wenn ich die Aussage "Ich wähle nicht" mit der Analyse der Probleme in diesem Land vergleichen merke ich eine große Diskrepanz zwischen der unendlichen Dummheit der "ich wähle nicht" Aussage und dem Rest.
    Diese Haltung entspricht nämlich der "ICH will den Laden brennen sehen, weil sich für mich nichts ändert" Haltung vieler Anhänger von Trump und Gauland. Dass es darüber hinaus von Bildungsferne und mangelndem Weitblick zeugt, brauche ich wohl nicht etwa zu betonen. Ebensowenig wie ich betonen muss, dass sie diesen Personen gerade ein Geschenk gemacht haben.
    Auch wenn es gut durchgekaut ist: Politik lebt vom mitmachen, im Kleinen noch sehr viel mehr als im Großen. Sie haben die Nase von der Naivität einer Göring-Eckard? Sammeln sie Argumente und überzeugen sie Menschen! Sie wollen das Religion kritisiert werden kann? Sie kann, und ich tue das, und zwar alle Formen des Islam, des Christentums, Hinduismus und sonstigen Quatsch wie Globoli und Pastafari.
    Belgien hatte Anfang der 2000er Jahre mehr als ein Jahr lan keine Regierung, das hat das Land nicht behindert. Soviel zum REALEN Einfluß der Politik auf unser Leben. Den auch wenn Hanni und Nanni in NRW eine grottenschlecht Regierungsarbeit geleistet haben. Der Alltag von vielen Menschen war eher selten davon betroffen.

  • #3
    Gerd Herholz

    Arnold, ich habe aus ähnlichen Gründen auch immer mal bei einer Wahl ausgesetzt, weil Programme und Personal schlicht unwählbar waren. Viele deiner Argumente kann ich gut nachvollziehen. Zudem das Land von Politikern nur sehr bedingt ‚geführt‘ wird. Vor, während und nach der Wahl regieren ja vor allem auch die Lobbyisten und ihre Auftragsgeber. Diesmal wähle ich allerdings doch, nur um die Wahlbeteiligung zu erhöhen – in der Hoffnung , dass damit die Stimmen für die Scheiß-Nazis etwas weniger ins Gewicht fallen. Aber das Zähneknirschen bei dieser Wahl müsstest du bis nach Dortmund hören.

  • #4
    Max Adelmann

    Arnold Voss und #3 Gerd Herholz

    Arnold Voss spricht mir aus der Seele. Trotzdem habe ich bereits per Briefwahl meine Wahl getroffen. Und zwar genau aus dem Grund, den Gerd Herholz genannt hat.

  • #5
  • #6
    Walter Stach

    Arnold Voss,
    1.
    Deine inhaltliche Kritik an den Parteien und den Parteiprogrammen teile ich in vielen -nicht in allen- Punkten.

    Zudem "nervt mich", wie bekannt, da mehrfach in den letzten Jahren u.a. hier bei den Ruhrbaronen vorgetragen, die Art und Weise des Regierens von Frau Merkel, die für mich das demokratische System in seinem Kern gefährdet -Abschaffung jeglichen politischen Diskurses , Regieren nach Umfragewerten und ein geradezu zynischer Umgang mit dem in jeder Demokratie wichtigem Prinzip "Glaubwürdigkeit" als Basis für "Vertrauen" des Volkes in seine Repräsentanten –
    heute für die Atomenergie -morgen Ausstieg aus; heute für die Wehrpflicht -morgen für ihre Abschaffung; heute gegen den Mindestlohn -morgen für ihn; heute gegen die sog. Ehe für Alle-morgen dafür; heute gegen die sog. Maut -morgen dafür……….
    Ich denke, das ein gehöriger Teil allgemeiner politischer Verdrossenheit auch mit dem merkelschen (Un-)Verständnis von Demokratie, von einer parlamentarischen Demokratie zu tun hat.

    2.
    Bei Kommentierungen des Wahlkampfes und bei der Kommentierung der Positionen der wahlkämpfende Parteien, bei Prognosen über den Wahlausgang und bei Wiedergaben der eigenen derzeitigen politische Befindlichkeit -der politischen Frustration?-ist zu bedenken, daß alle einschlägigen Umfragen u.a.zwei Erkenntnisse belegen:
    a.) Rd. 6o % der Deutschen sind mit ihrer derzeitigen Lebenssituation zufrieden.
    b.)Rd. 60 % der Deutschen beurteilen ihre Lebensperspektive positiv.
    Warum sollten diese 60 % nicht erneut Frau Merkel als Kanzlerin wollen? Warum sollen diese 60% nicht erneut die SPD als den kleinen Partner in einer großen Koalition wollen? Warum sollten diese 60% sich auf Experimente -aus ihrer Sicht- einlassen?

    Und die verblieibenden 4o % der Deutschen sind ja nicht allesamt "wild entschlossen", einen totalen Politikwechsel anzustreben. Im Gegenteil; auch sie scheinen mehrheitlich "besten- oder schlechtestenfalls" bereit zu sein, sie persönlich betreffende Korrekturen in Teilbereichen der Politik zu wollen, aber nicht den "radikalen Wechsel", der sich in Deutschland ja schon manifestiert in der Forderung "Merkel muß weg".

    Ich will mich hier mit dieser "Grundstimmung" nicht näher auseinandersetzten -mit ihren Ursachen, mit denkbaren langfristigen Folgen für Deutschland und für die demokratische Verfaßung der Gesellschaft, sondern lediglich auf sie hinweisen, da ich dann und wann den Eindruck gewinne, daß sie beim Verfassen kritischer politischer Kommentare zum Wahlkampf, zu den wahlkämpfenden Parteien und bei von Frust gezeichneten Wahlprognosen angesichts der Aussichten auf 4 weitere Merkel-Jahre nicht immer mit bedacht zu werden scheint.

    3.
    Ich denke, daß es trotz alldem sinnvoll sein kann, wählen zu gehen:

    a.) Demokratien sind bekanntlich nicht die "ideale Staatsform", sondern die unter allen denkbaren
    am wenigsten schlechte. Diese allgemeine Einsicht könnte dazu beitragen, den Frust über
    politisches Versagen der Parteien in einer Parteiendemokratie abzubauen also trotz allem "dieser" Demokratie wegen" wählen zu gehen. Trivial, aber m.E. trotzdem erwähnenswert.
    b.)
    Parteien sind bekanntlich keine Ideale, ihre Repräsentanten keine Idole. Es gibt nicht "die richtige" oder die "falsche" Partei -abgesehen von einigen, nicht von allen Parteimitgliedern, die das meinen, die das glauben. Es gibt folglich auch nicht "das richtige oder das falsche Partei – bzw. Wahlprogramm.
    Es gibt in der Regel in jedem Partei – Wahlprogramm Aussagen, die man teilen kann und solche die man ablehnt. Hier gilt es abzuwägen , zu werten, zu gewichten. Und dann, ja, auch wenn es ein Stereotyp ist, sich ggfls. für das kleinere Übel zu entscheiden.
    c.)
    Nicht wählen mit der Folge einer niedrigen Wahlbeteiligung nutzt der AFD.
    Will jeder potentielle Nichtwähler das?

    d.)
    Aus meinen Aussagen zu b.) und c.) folgere ich:
    Da die AFD -jedenfalls für mich- das größte aller denkbaren Übel unter den Parteien ist, sollten diejenigen, die sich ähnlich kritisch gegenüber der AFD positionieren wie ich -und das scheinen rd. 90 % der Wahlberechtigten zu sein – wählen gehen und sich für irgend eine Partei entscheiden, nur eben nicht für die AFD.
    e.)
    Und zudem könnte der potentielle Nichtwähler sich möglicherweise auch deshalb doch noch für eine Wahlbeteiligung entscheiden, wenn er darüber nachdenkt, daß die Politik in vier weiteren Merkel-Jahren wesentlich (mit-) geprägt sein wird durch den Koalitionspartner/die Koalitionspartner der merkelschen CDU.

    Neben der CSU
    -als feststehender Partner der CDU-,

    die ja bewiesen hat, was eine kleiner Partner auch gegen den Willen der merkelschen CDU erreichen kann -sh.Maut, sh. das Abrücken der Kanzlerin von ihrer Flüchtlinspolitik "dank" Seehofer bis hin zur Anerkennung einer de facto Obergrenze im Sinne der CSU-Flüchtlingspolitik–

    kommen als Koalitionspartner für Frau Merkel nach allen ihren Bekundungen in Betracht die S PD, die Grünen, die FDP , dh., derjenige, der nicht CDU/CSU, sondern einen der denkbaren Koalitionspartner wählt, wirkt dadurch wesentlich auf das ein, was die merkelsche Kanzlerschaft in den nächsten 4 Jahren bringen bzw. nicht bringen wird , und zwar sowohl im politischen Tagesgeschäft als auch mit Blick auf die im Kommentar von Arnold Voss angesprochenen "strategischen Themen" , also z.B. darauf, ob und wie sie angegangen werden –
    in der Steuerpoltik -Einkommensteuer, Vermögenssteuer, Erbschaftsteuer-, in der Haushaltspolitik -"schwarze Null, keine Schulden oder ggfls. ein schuldenfinanziertes milliardenschweres Investitionsprogramm- oder in der Europa-Politik -"mehr Europa, weniger Europa" oder in der Russland-USA Politik oder in der China-Politik -mit Blick auf das Jahr 2o30?- oder in der Bildugungspolitik -mehr Chancengerechtigkeit in der Bildung, Milliardeninvestitionen im Bildungsbereich, drastische Erhöhung der Anzahl der Lehrkräfte von der KITA bis zur Uni, unentgeltlicher Zugang zu allen Bildungseinrichtungen oder mehr Elite-förderung, Begabtenförderung, erhöhte Entgelte in jedem Bildungsbereich oder in der kurz- mittel- und langfristigen angelegten Energiepolitik im Widerspreit ökologischer und ökonomischer Interessen.

    D. h. wählen gehen und SPD wählen oder FDP wählen oder Grüne wählen kann Konkretes bewirken, auch dann oder dann ganz besonders, wenn "man" sich auf 4 weitere Merkel-Jahre einzurichten hat. Das gilt auch für das Wählen der Links-Partei, keinem potentiellen Koalitionspartner der CDU/CSU, aber eine Partei, deren parlamentarische Existenz nicht wirkungslos war und nicht wirkunslos sein wird.

    Insofern bin ich mit meiner Meinung also ehe bei denen, die wählen gehen und potentielle Nichtwähler zu überzeugen versuchen, rotz nachvollziebarer Frustration wählen zu gehen.

    Ich würde mich jedenfalls über jeden Nichtwähler am Wahlabend maßlos ärgern, wenn ich zu registrieren hätte, daß auch seinetwegen die AFD die 1o % Hürde überspringt.

    Und wenn der potentielle Nichtwähler sich "auf dem letzten Drücker" entscheiden sollte, wählen zu gehen, wird er -falls er dann nicht Merkel, also CDU/CSU wählen sollte, mit seiner Entscheidung für die SPP , für die FDP, für die Grünen bei einem angenommen Wahlsieg der merkelschen CDU doch ganz wesentlich je nach Koalitionspartner einwirken auf das Ob und das Wie konkreter merkelschen Politik in den nächsten 4 Jahren,
    PS
    Als langjähriger SPDler habe ich per Briefwahl "meine" Partei gewählt, nicht in der Hoffnung, daß sie stärkste Partei wird, auch nicht in der Hoffnung, daß sie wieder Koalitionspartner der CDU/CSU und damit erneut den "Merkel-Wahlverein" unterstützt, sondern in der Hoffnung, daß die SPD die mit Abstand größte Oppositionspartei bilden wird und so als wirksamer und wirkmächtiger parlamentarischer Widerpart einer CDU/CSU/FDP -und Grünen?- Koalition ihre politische Pflicht erfüllen kann..

  • #7
    Wolfram Obermanns

    Puh, der Artikel kommt mit geradezu pegidaischer Larmoyanz daher:
    Phantomschmerzen verrührt mit politischem Narzissmus ergibt weder Analyse noch politisches Konzept.

  • #8
    Helmut Junge

    Programmen traue ich längst nicht mehr, Reden auch nicht und ich habe Kritik an allen Parteien, an allen Politikern die ich kenne, oder von denen ich jemals was gelesen habe, manche mag ich auch schon nicht, wenn ich sie nur sehe, Aber ich habe keine Wahl und werde wählen, irgendwie. Und danach ärgere ich mich wieder.

  • #9
    ke

    Habe ich das Thema Renten/Pensionen überlesen oder wurde es nicht genannt.

    Ja, das Einlullen und Ignorieren von Problemen nervt. Dennoch werde ich die Partei mit der größtmöglichen Übereinstimmung mit meinen Ideen direkt im Wahllokal wählen.

    Wir müssen wirklich darüber nachdenken, die Amtszeiten zu begrenzen. Denn das würde zu mehr Innovation führen. Andererseits geht es uns wirklich nicht schlecht, obwohl es langsam kaum noch übersehbar ist, dass wir insbesondere im Westen seit mehreren Jahrzehnten aus dem Bestand leben.

  • #10
    Klaus Lohmann

    Wenn man mit "dem Volk" nichts mehr groß gemein hat, dann sind Wahlen natürlich sinnlos.

    Nach ein paar ähnlich entgeisterten Wahlen mit meiner Absenz in der Vergangenheit wähle ich jetzt wieder, weil ich nichts *groß* verändern, aber selbst bestimmen möchte. Egoismus vor Gemeinwohl ist *auch* eine demokratische Grundhaltung, wenn man sie in einer Gemeinschaft begründen kann und Andersdenkende nicht per se ausschließen will.

  • #11
    EinLipper

    Ich finde diesen politik- und parteienfeindlichen Furor vollkommen übertrieben (und auch ein bischen typisch deutsch). Natürlich kann Frau Merkel nerven, wenn sie alles aussitzt, natürlich ist Herr Schulz (und seine Partei) taktisch, strategisch und inhaltlich ein Flop, natürlich kommt Lindner oft zu nassforsch-jugendlich rüber, Frau Wagenknechts Dauerprasenz auf dem Bildschirm steht in umgekehrten Verhältnis zu ihrer Bereitschaft zur Übernahme von politischer Verantwortung und die Grünen suchen verzweifelt nach Inhalten und Personal. Aber mal ganz ehrlich: es läuft doch gut in D, wer Weltuntergangsstimmung verbreitet hilft nur den Extremisten. Wählen IST Bürgerpflicht.

  • #12
    Arnold Voss

    Ich bin weder ein Parteien Feind, noch halte ich Wahlen grundsätzlich für sinnlos. Ich sehe nur keinen Sinn darin, auch dann zu wählen, wenn mir keine der aussichtsreichen Parteien, respektive Spitzenkandidaten für wählbar erscheint. Politisch engagiert habe ich mich immer und werde das auch weiterhin tun. Und was "das Volk" betrifft, wohne und lebe ich schon mein ganzes Leben mit ihm mehr Tür an Tür als die meisten Politiker. 🙂

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