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Lieberknecht und die Braunschweiger Eintracht: Eine große Fußballromanze mit tragischem Ende

Torsten Lieberknecht. Quelle: Wikipedia, Foto: Steven Schaap, Lizenz: CC BY-SA 4.0

Häufig wird in letzter Zeit in ganz großem Stil der allgemeine Werteverfall und die fortschreitende Kommerzialisierung im Profifußball kritisiert. Auch hier bei uns im Blog.

Es wird also einmal wieder Zeit auf ein positives Beispiel aufmerksam zu machen, das eindrücklich belegt, dass es durchaus noch immer die guten alten Werte im modernen Fußball zu bestaunen gibt, auch wenn diese kleinen Sportmärchen leider eher selten wirklich auf den ganz großen Bühnen aufgeführt werden.

Genau aus diesem Grunde, möchte ich heute einmal auf die eigentlich nicht unbedingt in unserem traditionellen Kernbereich beheimatete Eintracht aus Braunschweig aufmerksam machen.

Der Klub, der am Sonntag als Tabellenvorletzter neben dem 1. FC Kaiserslautern aus der zweiten Liga abgestiegen ist, trennte sich einen Tag später, also gestern, offiziell von seinem langjährigen Trainer Torsten Lieberknecht.

Eigentlich soweit nichts besonderes, sollte man meinen, wenn ein ursprünglich als Aufstiegsaspirant gestartetes Team am Ende sogar absteigen muss. Dass der Übungsleiter in so einem Falle überhaupt bis zum Saisonende bleiben durfte, das ist in solchen Fällen alleine schon eher ungewöhnlich.

Doch die Personalie Lieberknecht ist in Braunschweig eben längst keine ganz normale Trainerentscheidung mehr gewesen. Genau das macht den Niedergang der Eintracht ja jetzt auch so traurig und erwähnenswert.

Der Klub hielt dem Trainer inzwischen seit zehn Jahren und zwei Tagen die Treue, stieg mit ihm zunächst von der dritten in die erste Liga auf, und ging nun auch den umgekehrten Weg mit dem inzwischen 44-jährigen Ex-Spieler der Braunschweiger bis zum bitteren Ende gemeinsam.

Diese Abläufe zeigen uns allen auf die gute alte ‚fußballromantische‘ Art, dass es Vereinstreue und gegenseitiges Vertrauen im Jahre 2018 durchaus noch gibt, selbst wenn man als Beobachter inzwischen tatsächlich solche Positivbeispiele mit etwas Mühe heraussuchen muss.

Doch wer in den letzten Tagen und Wochen gesehen hat, wie emotional Lieberknecht auf den sportlichen Niedergang seiner Truppe reagiert hat, schon bevor der Abstieg des Vereins endgültig klar war, wie er in Tränen aufgelöst von Fans und gegnerischen Trainern getröstet werden musste, wer gesehen hat, dass die Braunschweig-Fans ihn noch in der Woche vor dem Abstieg mit einer aufwändigen Choreographie zu seinen Ehren vor dem letzten Heimspiel ausgiebig gefeiert haben, trotz der großen sportlichen Krise, dem ging dabei zwangsläufig das Fußballherz auf. Auch wenn ihn sonst nichts weiter mit der Eintracht verbindet.

Das sind die noch immer das Herz ergreifenden Geschichten, die der Profi-Fußball in modernen Zeiten aktuell so dringend benötigt. Umso bitterer dann jedoch die Erkenntnis, das es für Lieberknecht und seine große Fußballliebe eben leider kein ‚Happy End‘ gab, sondern das die Langzeitbeziehung spektakulär und reichlich tragisch beim 2:6 bei Holstein Kiel mit Abstieg und anschließender Trennung in die Brüche ging, nachdem sich der sportliche Kreis tatsächlich mit der Rückkehr in Liga 3 quasi mustergültig wieder geschlossen hatte.

Trotzdem werden zahlreiche Fußballfreunde in diesem Lande, weit über Braunschweig und unmittelbare Umgebung hinaus, auf Dauer mit Sicherheit das Positive dieser emotionalen Langzeitbeziehung in Erinnerung behalten, wenn sich der aktuelle Schmerz über den bitteren Saison-Ausklang erst einmal wieder etwas gelegt hat. Einer davon werde mit Sicherheit ich sein!

Chapeau, Torsten Lieberknecht!

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6 Kommentare zu “Lieberknecht und die Braunschweiger Eintracht: Eine große Fußballromanze mit tragischem Ende

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    Robin Patzwaldt Beitragsautor

    @Aquii: Ich antworte einfach mal ernsthaft darauf: Menschlich könnte das durchaus passen. Ist sicherlich eher ein Trainer vom Typ Klopp als es Favre wäre. Bei den Fans käme er folglich mit Sicherheit gut an. Allerdings wirkte Lieberknecht zuletzt ja so fertig, dass er garantiert erst einmal ne Pause brauchen wird. Abgesehen davon wäre ein in die 3. Liga abgestiegener Trainer sicherlich für einen Top-Klub nur schwer zu vermitteln. Es soll ja schnellstmöglich Aufbruchstimmung her. Aber vom Typ her gefällt mir der Gedanke sogar.

  • #3
  • #4
    Robin Patzwaldt Beitragsautor

    @KlausW: Die Saison ist rum. Der BVB hat sich so gerade noch in die CL gemogelt. Ich bin also aktuell wieder milde gestimmt 😉 😀

  • #5
    Aquii

    @Robin
    ich bleibe dabei, Favre passt nicht, lasse mich aber gerne eines Besseren belehren. Aber ich gehe von mächtig Theater aus, Sammer auf der einen Seite und Favre auf der Anderen. Dazu ein entmachteter Zorc und der gerne mal dazwischengrätschende Watzke. Da Der Vorstadtclub von der Elbe ja abgestiegen ist. muss ja jemand in diese Lücke, sonst wird die Liga ja zusehends langweilig.

    Und nach den positiven Erfahrungen mit Drittligatrainern in diesen Breitengraden, hätte die Anstellung eigentlich Potential. Aber ich gebe dir Recht, der braucht erstmal etwas Pause, also vielleicht wieder kurz vor Weihnachten. Jetzt erwarte ich nur noch die Gruppenauslosung PSG und BvB in einer Gruppe. Das könnte auch viel zu einer guten Unterhaltung beitragen.

  • #6
    Walter Stach

    Robin,
    finde ich prima, daß Du hier bei den Ruhrbaronen Trainer Lieberknecht würdigst.

    Und zu den Trainer ansonsten:
    Löw bliebt bis 2o22. Darauf gehst Du ja in einem separten Beitrag ein. Kommentiere ich nicht, da für mich belanglos.

    Und Favre beim BVB?
    Ähnlich wie Aquii habe ich hier bei den Ruhrbaronen schon mehrfach meine Bedenken geäußert. Ich bin mir zumindest nicht sicher, daß er " der Richtige" für den BVB ist.
    Abwarten; es kann ja mit ihm gutgehen.

    Und Tuchel bei PSG!
    Toll fürTuchel. Ich wünsche ihm größtmöglichen Erfolg. Es wird Watzke nachdenklich stimmen -stimmen müssen-, daß ein Trainer, den für den BVB für ungeeignet hielt und rausgeschmissen hat, jetzt durch PSG engagiert wurde.

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