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Linker Bundestagsabgeordneter gegen US-Hilfe für Yeziden

Niema Movassat (Quelle: https://www.flickr.com/photos/niemamovassat )

Niema Movassat (Quelle: https://www.flickr.com/photos/niemamovassat )

Am Freitag Abend fand in Dortmund eine Demonstration von PKK-Anhängern gegen den Vormarsch des „Islamischen Staates“ (IS) statt. Gut 800 Menschen protestierten gegen den Terror von IS. Am Ende der friedlichen Demonstration sprach der Bundestagsabgeordnete Niema Movassat, der auch vor einigen Wochen in Essen auftrat, als eine Demonstration der NRW-Linken in antisemitischen Krawallen endete. (Die Ruhrbarone berichteten.) Bei seiner Rede sagte Movassat, dass der Einsatz von US-Streitkräften gegen die IS-Terroristen nicht zu unterstützen sei. Der Bundestagsabgeordnete brachte Beispiele von „westlichen“ Einsätzen in Krisengebieten und urteilte, diese hätten das Leben der Menschen immer verschlechtert. Die Aussagen von Movassat, der in seiner Rede das ganze Spektrum an Phrasen gegen Militäreinsätze äußerte, ist ein Schlag ins Gesicht für jeden Menschen im Nordirak. Dort verdursten Menschen oder werden von den islamistischen Terroristen umgebracht, und der nordrhein-westfälische Bundestagsabgeordnete der Linkspartei, hat nichts besseres zu tun, als seine abgedroschene Propaganda zu äußern. Der Internationalismus der NRW-Linken scheint nicht die Stimme der Betroffenen zu hören. Yezidische Organisationen fordern ein Eingreifen der USA, NATO oder der Vereinten Nationen. Die vereinzelten yezidischen Demonstranten heute in Dortmund begrüßten die Angriffe der amerikanischen Luftwaffe ausdrücklich.

An Politiker wie Niema Movassat muss ernsthaft die Frage gestellt werden, ob sie sich für Menschen einsetzen, oder diese missbrauchen um ihre eigene teils menschenverachtende Ideologie zu verbreiten.

Update: Das Manuskript der Rede von Niema Movassat

Liebe Freundinnen und Freunde, liebe Genossinnen und Genossen,

ich überbringe euch die solidarischen Grüße der Linken im Deutschen Bundestag. Wir sehen zurzeit dramatische und verstörende Bilder aus dem Norden Iraks: Die islamistische Terrororganisation Islamischer Staat (IS) hat weite Teile des Iraks überrannt. IS massakriert Zivilsten, vergewaltigt Frauen, verfolgt Andersgläubige. Alle, die sich nicht der Sharia beugen, die nicht in das begrenzte Weltbild des „Islamischen Staat“ passen, werden gejagt und ermordet. Die Steinzeit-Islamisten brüsten sich im Internet anschließend sogar mit ihrer unmenschlichen Grausamkeit. Zuletzt haben die so genannten Gotteskrieger die Stadt Shengal erobert. 3000 Menschen wurden massakriert, 5000 verschleppt, unzählige sind auf der Flucht vor den Islamisten verdurstet. Eine weitere humanitäre Katastrophe bahnt sich an, wenn nicht sofort Hilfe erfolgt. Die UNO muss den Menschen schnell humanitär helfen!

Die IS sind nicht nur Feinde der Jesiden, Christen, Kurden, Turkmenen, Aleviten und Schiitinnen – sondern Feinde der gesamten Menschheit. Weil sie alles verachten, was das Leben lebenswert macht. Weil sie skrupellose Gewalt gegen Menschen als Fortschritt feiern. Der Terror der IS muss gestoppt werden!

Auch Deutschland steht in der Verantwortung. IS war noch vor kurzem eine kleine Organisation. Sie hat am Anfang des Bürgerkriegs in Syrien faktisch keine Rolle gespielt. Sie wurde groß gemacht: durch Gelder, Waffen und Unterstützung aus der Türkei, Saudi-Arabien und Katar. Das sind alles Länder, in die Deutschland Waffen liefert. Die Türkei ist sogar ein NATO-Partner! Es muss Schluss sein mit deutschen Waffenlieferungen! Keine deutschen Waffenexporte mehr! Und schon gar nicht in den Nahen und Mittleren Osten! Zudem muss Deutschland seine Patriot Raketen und Soldaten aus der Türkei abziehen und deutliche Worte in Richtung der türkischen Regierung finden! Die Türkei muss ihre Unterstützung der IS endgültig und umgehend beenden und für die Folgen zur Verantwortung gezogen werden.

Ich sage aber auch ganz klar: Die Forderung nach einem Eingreifen der USA in diesen Krieg ist falsch! Die USA haben mit ihrem Irak Krieg und ihrer Unterstützung für den Aufstand in Syrien erst die jetzige Situation mitgeschaffen. Und amerikanische Luftschläge, die immer wahrscheinlicher werden, werden die Probleme nicht lösen. Überall, wo es westliche Interventionen gab, ging es den Menschen am Ende schlechter als vorher. Ob in Libyen 2011 oder im Irak 2003 oder aktuell in Afghanistan.

Wichtiger wäre es, die Menschen vor Ort zu unterstützen. Die kurdischen Truppen leisten tapfer Widerstand gegen die IS. Sie haben sie in Rojava zurückgeschlagen und 1,2 Millionen Flüchtlinge, die vor dem Bürgerkrieg geflohen sind, aufgenommen. Der Westen muss IS austrocknen, die Geldgeber in die Schranken weißen, humanitäre Hilfe für die Flüchtlinge organisieren. Es sind die kurdischen Milizen, die bislang tausenden von Jesiden die Flucht ermöglicht haben. Sie tragen die Hauptlast der Angriffe, während der irakische Zentralstaat im Kampf gegen IS völlig versagt. Es ist der blanke Hohn, dass die PKK dennoch auf der EU-Terrorliste geführt wird! Die PKK muss runter von der europäischen Terrorliste! Die Menschen vor Ort brauchen unsere Solidarität! Wir sind solidarisch mit dem Widerstand in Rojava, in Südkurdistan sowie mit allen demokratischen Kräften, die sich den Gräueltaten der Islamisten in den Weg stellen.

Hoch die internationale Solidarität!

Quelle: http://movassat.de/1737

RuhrBarone-Logo

43 Kommentare zu “Linker Bundestagsabgeordneter gegen US-Hilfe für Yeziden

  • #1
    Lars

    In diesem Fall sind Luftangriffe sinnvoll. Hier schlachten unmenschliche Islamisten unschuldige Menschen ab. Anders sind diese islamistischen Terroristen nicht aufzuhalten. In diesem Moment kämpfen PKK Einheiten um die Menschen aus der Region zu befreien. Auch in Deutschland greifen ISIS Symphatisanten Passanten an. Diese Salafisten, oder wie auch immer die sich nennen, sind die Feinde der ganzen Freien Welt und müssen erbarmungslos bekämpft werden. Diese Militäraktionen gegen die Jihadisten sind ethisch hundertprozentig vertretbar.

  • #2
    Fares Rahabi

    Wenn hier schon von der Demo berichtet wird bleibt ja schon die Frage offen: Wie haben denn die Demonstranten vor Ort auf diese Aussagen reagiert?

    Vielleicht kann das ja (jenseits des Erwähnens von Statements yesidischer Organisationen) noch nachgetragen werden?

    Und wieso waren eigentlich bei diesem Thema angeblich nur „vereinzelte yesidische Demonstranten“ dabei?

  • #3
    Herman Tilster

    Zumindest die New York Times ist auch kritisch was die US-Intervention angeht. Anscheinend gibt es gute sachliche Argumente, die mit Phrasen wenig zu tun haben. Es wäre doch schön, wenn die Ruhrbarone ansatzweise versuchen würden, sachlich zu berichten. Aber Linke-Bashing macht sich halt immer gut, ne;)?

    http://www.nytimes.com/roomfordebate/2014/08/07/a-return-to-the-fight-in-iraq/us-intervention-will-only-worsen-the-situation?smid=fb-share

  • #4
    Isaak

    Der Autor des Textes sollte sich mal die Frage stellen ob er seinen Tagesbedarf an Psychopharmaka schon genommen hat.. Anders kann man sich so ein nichtssagendes Geschwurbel mit dreisten Behauptungen nicht erklären. ..

  • #5
    Martin Behrsing

    Seit wann löst Gewalt Gewalt?, liebe Ruhrbarone? Wäre es nicht an der Zeit ganz massiv gegen die Waffenliferaten der IS vor zugehen? Und da sitzen ganz bestimmt einige bei uns in Deutschland. Aber da hängen ja angelbich wider Arbeitsplätze von ab.Also muss die die nächste Gewaltspirale los gehen. Gewalt wird niemals mit Gewalt gelöst werden können. Allein das Geld, was die USA für ihre militärischen Operationen ausgeben, könnte für humanitäre Einsatze das hundertfache bedeuten. Aber die Ruhrbarone hetzen ja lieber gegen Line, als gegenüber vernünftige und friedvolle Mittel nach zu denken. Was maast Ihr Euch eigentlich im Eurem Linkenbashing an?
    Martin Behrsing

  • #6
    Peter B.

    Auf die diesbezügliche Scheinheiligkeit zahlreicher Linker wies kürzlich auch die Antifa Essen Z hin:

    „Bedauerlich ist, dass außerhalb von Essen diese wie auch weitere jesidische Kundgebungen in NRW von antifaschistischen Gruppen nicht besucht und unterstützt werden. Geradezu bezeichnend ist dieser Umstand allerdings vor allem für jene deutschen “Friedensfreunde” und Linken, die jederzeit auf die Straße gehen, wenn man aus ihrer Sicht den Staat Israel als Aggressor ausmachen kann, die sich aber Ausschweigen, wenn Islamisten ganze Landstriche einnehmen und die dort lebenden Menschen verfolgen und massakrieren. Diese Heuchelei entlarvt deren “Friedensliebe” wenn nicht als offen antisemitisch, so doch mindestens als verlogen.“

    http://wordpress.antifa-essen.de/2014/08/demo-gegen-islamischen-staat-in-essen/

  • #7
    Sebastian Weiermann Beitragsautor

    @ #2 Fahres Rahabi:

    Zu dem Zeitpunkt der Rede waren nur noch gut 100-150 Menschen vor Ort. Unter anderem Vertreter der stalinistischen MLPD. Die restlichen Anwesenden waren Anhänger Abdulah Öcalans und des kurdischen „Befreiungsnationalismus“. Die Rede wurde, wie jede andere bejubelt. Vermutlich wäre man auch bejubelt worden, wenn man die Bestandteile einer Tütensuppe vorgelesen hätte, und zwischendurch „Hoch die Internationale Solidarität“ gesagt hätte.

  • #8
    Harald

    @5
    Seit wann Gewalt hilft?
    Seit es Leute gibt die nur Gewalt verstehen.Mit Islamisten kann man nicht reden die machen weiter bis zum Sieg oder Tod!

    Die Kurden und die Iranische Regierung begrüßen die Hilfe,also wo ist das Problem?
    Kannst ja runterfliegen und mit IS mal ausdiskutieren was für Fehler sie so machen…

  • #9
    Herman Tilster

    Was ist denn eigentlich damit, dass heute auch das christliche Hilfswerk Miseroer US-Luftschläge kritisiert hat? Sind das auch „menschenverachtende Ideologen“?
    Ich verstehe auch insgesamt nicht, warum nicht über die Demo berichtet wird, sondern über eine einzige Rede? Was sagten die anderen Redner? Wie war die Stimmung insgesamt auf der Demo? Gab es während der Demo den Ruf nach US-Luftschlägen und entsprechende Sprechchöre?

  • #10
    Jörn Vanselow

    Allerdings eine Rede aus dem Phrasenbaukasten Marke „Extrabillig“. Um es mal festzuhalten: Wenn kurdische Verbände (was durchaus lobenswert ist) sich dem Terror des IS entgegenstellen ist das gut, wenn amerikanische Truppen dies tun sollten nicht, weil es den Menschen dann immer schlechter ging? Mal ganz abgesehen davon, dass Movassat hier an einem ganz entscheidenden Punkt eine Geschichtsblindheit zeigt, die man sonst nur aus einer anderen politischen Ecke kennt, offenbart sich hier ein Weltbild von bemerkenswerter intellektueller Schlichtheit. Aber vielleicht ist es ja auch anders. Wie der Autor in einem Kommentar ergänzt hat, waren wohl fast aussschließlich nur noch MLPDler und PKK-Anhänger bei seiner Rede anwesend. Beides Organisationen, die echte „Aushängeschilder“ einer stalinitischen Linken sind inklusive des aus der SU unter Stalin bekannten Personenkults. Dann war das nämlich ganz einfach die zielgruppengerechte Rede eines zynischen und abgeklärten Politprofis wie man sie aus allen anderen Parteien auch kennt. Wenn man vor dem heimischen Schützenverein spricht, wird’s halt schon mal etwas grobschlächtiger… 😉

  • #11
    der, der auszog

    @Sebastian Weiermann

    Wer so blöd ist wie Niema Movassat, der das US Amerikanische Eingreifen im Irak verurteilt, nur weil es US Amerikanisch ist, der sich gleichzeitig aber für eine Stärkung der kurdischen Truppen ausspricht, die auch von den USA aufgebaut wurden und bis heute von den USA gestützt und mitfinanziert werden, über den muss einfach berichtet werden.

    Deine letzten Beiträge waren übrigens absolute klasse. Lass Dich von den Kritikern nicht kirre machen und bleib am Ball.

  • #12
    keineEigenverantwortung

    Es zeigt sich doch hier und auch in vielen Teilen Afrikas, dass relativ kleine Gruppen mit viel Gewaltpotenzial in der Lage sind, schwache Staaten zu stürzen.

    Nach einer Anschubfinanzierung kann durch Rohstoffe, Plünderungen, Erpressungen etc. der eigene Reichtum und der Bestand gesichert werden.

    Für ein Stoppen der Anschubfinanzierung ist es zu spät, und wenn ganze Städte finanziell übernommen werden, ist auch Vermögen da.

    Dass Gruppen, nach welchem Kriterium sie sich auch immer zusammensetzen, diese Techniken nutzten, gab es in der Geschichte immer wieder. Die Muster wurden aber wieder zu spät erkannt bzw. ignoriert. Dies gilt besonders auch für Deutschland.

    Jetzt hilft wirklich nur Internationale Solidarität, um Schwache vor Gewalt zu schützen. Da ist militärische Unterstützung ein Punkt. Es kommt aber schon der Eindruck auf, dass sich die Welt und die lokale Bevölkerung zu sehr auf die USA verlässt. Dauerhafte Änderung muss auch aus dem Inneren kommen. So viele Kämpfer hat die IS auch nicht.

    Es wird zu wenig darauf hingewiesen, dass viele Terror-Kämpfer auch aus Deutschland kamen und insbesondere das Wegsehen bzw. eine optimistische Grundhaltung der Behörden und Justiz auch zu dem Aufstieg beigetragen hat. Hier ist erst langsam ein Umdenken zu erkennen.

    Insgesamt hat die Rede viele richtige Anteile, aber leider auch wieder den Versuch, alles in ein Standard-Weltbild zu packen. Das charakterisiert viele Reden von Politikern (siehe inhaltsleere Landtagsdebatte über den Polizeieinsatz in der Dortmunder Wahlnacht).

    Jeder, der grundsätzlich gegen Krieg und Gewalteinsatz von Staaten ist, muss erklären, wie lange er zuschauen kann, wenn Gruppen Gewalt einsetzen. Hierfür sehe ich keine moralische Rechtfertigung, und mir war immer unklar, wie dies bspw. damalige Verweigerer mit ihrem Gewissen vereinbaren konnten.

    Die Demonstrationen und die Medienarbeit der Yeziden in Deutschland beeindruckt mich sehr.

  • #13
    Hallöchen

    Die USA versuchen Stellungen im Irak der IS zu bombadieren. Im Irak wohlgemerkt. Seit wann ist es keine Kriegshandlung wenn ein Staat einen anderen mit Bomben heimsucht?
    Unabhängig von der Gefährlichkeit der IS. Der Linkenabgeordnete hat recht, wenn er auf die Hintergründe hinweist wer IS mit Waffen angefüttert hat: Die Verbündeten der USA, wie so oft in der Vergangenheit. Und was lernen wir daraus? Ruhrbarone offensichtlich nix.

  • #14
    Thomas Weigle

    Es ist dies die Logik von Leuten, die sich an ihrem Pazifismus begeistern, aber früher jede noch so obskure und menschenverachtende nationale Befreiungsorganisation abgefeiert haben, wenn diese nur gegen die „Lakaien des US-Imperialismus“ gekämpft hat. Ich weiß wovon ich rede, ich habe mich mal in und an diesen Kreisen in den 70ern bewegt und war bass erstaunt, als ich in der PdL GT erneut auf diese Denkungsart traf. Ich hatte dieses Denken nun wirklich nur noch in sektenähnlichen Kleinstgruppen vermutet, nicht aber wirklich in einer im Bundestag vertretenen Partei. Ein schwerer Fehler von mir.
    Was Gewalt gegen Gewalt angeht und diese niemals wirkliche Probleme löse, nun, da kann ein Blick zurück hilfreich sein. Es war die Gewalt der Angelsachsen, die diese gegen Nazideutschland ausgeübt haben, die es uns heute erlaubt, auch hier bei Ruhrbarons freimütig und unbehindert über die Rolle von Gewalt zu plaudern. Oder glaubt wer, in einem von Nazis oder Kommunisten beherrschten Land wären solche Freiheiten gestattet? Ich jedenfalls glaube dies nicht.

  • #15
    Erdgeruch

    Ich kann die Kritik der Kurden durchaus verstehen, allerdings ist sie natürlich unscharf und zu ideologisch formuliert, aber nicht alles daran ist gleich falsch. Es lohnt sich durchaus jenseits der üblichen Rhetorikkritik an einem Kindergartenlinken sich damit auseinander zu setzen.

    Man kann durchaus zu dem Schluss kommen, dass Luftschläge hier kaum mehr als ein symbolischer Akt sind, denn was wollen die amerikanischen Flugzeuge den bombardieren? Die gerade eroberten Städte? Die Versorgungseinrichtungen? Dann kehren die Leute also im Zweifel in ein Trümmerfeld zurück und die darauf eingerichtete ISIS ist längst weg. Man kann also durchaus argumentieren, dass Luftschläge selten bis nie etwas bringen. Denn ohne Bodentruppen wird man die Versorgung der Flüchtlinge kaum sicherstellen können, geschweige denn ihre Häuser sichern.

    ISIS und seine Vorläufer (die sind ja nicht über Nacht vom Himmel gefallen und waren auch nie klein, sondern sind nur unter anderen Namen entstanden) sind ein Kind der amerikanischer Invasion, die ein riesiges Beirut geschaffen hat. Aber der Irak ist wohl keinen weiteren amerikanischen Soldaten wirklich wert. Und man kann durchaus das Fazit ziehen, dass das militärische Eingreifen des Westens seit 2001 nichts gebracht hat, weil man zwar „gewonnen“, aber nichts gewonnen hat, da man nirgends einen stabilen Staat geschaffen hat. Verloren hat dabei immer die Zivilbevölkerung.

    Wenn man den Kurden im Irak schnell helfen wollen würde, hätte man doch Druck auf die Regierung in Baghdad ausgeübt, den Anteil der Öleinnahmen für die kurdische Provinz auszuzahlen, was seit Monaten in Baghdad verweigert wird, wobei diese wiederum in Reaktion seitdem versucht selbst Öl zu verkaufen. Die USA haben nicht nur keinen Druck ausgeübt, sondern stattdessen hat das amerikanische Außenministerium das ganz offiziell den Verkauf von kurdischem Öl unterminiert. So liegt beispielsweise ein kurdischer Tanker im Golf von Mexiko ganz offiziell wegen Embargo fest. Dadurch gewinnt man nicht gerade den Eindruck als wollte die US-Regierung den Kurden wirklich helfen.

    Und dann taucht eben die PKK wieder auf – man ist glatt überrascht, das es sie noch gibt – und füllt das Vakuum. Aber es ist halt aus Sicht der Kurden auch niemand sonst da mit Soldaten oder will man einen Einmarsch der Türkei wirklich sehen (oder hat sonst noch jemand Bodentruppen in der Region)? Man darf sich also nicht wundern, wenn sowas in einer Rede wieder alles auftaucht.

    Am Ende bleibt aber eines. Die Amerikaner haben einen Krieg im Irak angezettelt und dann komplett versagt. Und nun sollen sie die großen Retter sein? Da kann man doch verstehen, wenn da einige den Kopf schütteln angesichts der Jubelrhetorik in manchen Medien.

  • #16
    Helmut Junge

    @Jörn Vanselow,
    mir als praktisch Szenefremden fällt auf, daß der Aufbau der Rede, Isis ist Terrororganisation, macht schlimme Sachen, muß bekämpft werden, usw. so ausgearbeitet ist, daß dann konsequent folgen müßte, daß jeder aufgerufen wäre, sich an diesem Kampf zu beteiligen. Eigentlich müßten sogar die Amerikaner nach dem Verursacherprinzip als Erste verpflichtet werden, die Ergebnisse ihrer Politik zu korrigieren. Aber genau da kommt dann die 180 Grad Kehrtwende. Ziemlich überraschend sogar. Kaum zu fassen.
    Da kann man tatsächlich nur raten, woher das kommt. Vielleicht haben Sie mit dem Gleichnis vom heimischen Schützenverein Recht.
    Ich bin jedenfalls ratlos, wie ich diese Argumentationskette mit der merkwürdigen Schlußfolgerung geistig einordnen soll.

  • #17
    Thomas Weigle

    Es ist natürlich naheliegend auf den unseligen Krieg der USA gegen den Irak als allein Schuldigen zu verweisen. Ich habe da mittlerweile so meine Zweifel. Erstens war Saddam kein Friedensfürst, sondern hat ziemlich schlimm morden und foltern lassen. Meine Vermutung ist, dass spätestens nach seinem wie auch immer gearteten Ableben, die Konflikte im Irak in ähnlicher Schärfe ausgebrochen wären. Wenn man sich die innerislamischen Konflikte in Afrika, im Nahen. Mittleren und Fernen Osten vor Augen hält, wo man sich häufig und zahlreich gegenseitig den Eintritt ins Paradies verschafft, scheint mir diese Überlegung zumindest diskussionswürdig. Natürlich ist es einfacher auf die oft recht fragwürdige Politik der USA, des Westens und des “ westlichen Imperialismus“ zu verweisen, wie es bei den Linkwesten und Rechten u.a. gerne getan wird. Als Erklärung reicht mir das schon lange nicht mehr aus. Wer „Ungläubige“ abschlachtet, braucht keine USA als Wegbereiter. Es gibt ein hübsches Büchlein von ky, HEIßT DU WITKLICH HASSAN SCHMIDT?, erschienen um 1982, in dem er aus in deutschen Moscheen ausliegenden Schriften zitiert. Friedlich und tolerant geht, verdammt noch mal, anders. Wie da über uns und unsere Lebensweise hergezogen wird, ist schwer zu ertragen. Wie gesagt, vor mehr als 30 Jahren….

  • #18
    Erdgeruch

    @Thomas Weigle

    Sicher, die Bevölkerung sind alles radikale Islamisten, das ist ziemlich vereinfacht, nicht? Wenn man die Geschichte der arabischen Bewegungen studiert, kann man auch Wandel beobachten vom Panarabismus über Sozialismus zum Islamismus. Wozu haben im Ruhrgebiet doch an der RUB die Orientalistik? Vielleicht lohnt es sich da mal um einen Gastkommentar anzufragen zur Geschichte der politischen Bewegungen im arabischen Raum seit dem 19. Jahrhundert bis heute.

    Zum Imperialismus: Sykes-Picot hat doch infolge des Zusammenbruchs des osmanischen Reiches diese ganzen künstlichen Staaten geschaffen, die von Diktatoren kontrolliert wurden – oder noch werden (oder was sind die Golfstaaten sonst?). Diese Strukturen hat der Kolonialismus nunmal geschaffen und aufrechterhalten. Also verantwortlich sind einige Länder (die Briten haben mehr Mist gebaut als die USA) weitaus mehr als sie heute noch wahr haben wollen. Aber ich folge da auch nicht der Logik, dass man da einfach aufhören kann und dann wird schon alles gut. Wahrscheinlich wird man zynischerweise zur Stabilisierung entweder die Muslimbrüder schlucken oder einen neuen Diktator finden müssen. Alternativen sind realistisch keine da. Und für die Bevölkerung ist keines von beiden gerade eine schöne Perspektive.

    Zur Entwicklung: Nach dem Zusammenbruch dieser künstlichen Strukturen blieben nur die alten Stammesstrukturen übrig, wie man derzeit in den Konfliktherden überall beobachten kann. Insofern sehe ich wenig Unterschiede zu dem schlimmen Abschlachten in Afrika oder Asien, die uns hier auch nicht meistens großartig interessieren, wo aber keiner gleich nach dem Islamismus als Ursache rufen kann. Da gewinnen die Stämme, die am meisten Geld haben oder mit dem meisten Geld gekauft werden. Das haben nunmal die radikalen Islamisten dank der Golfdiktaturen, die ja unsere „Freunde“ sind. Daher gewinnen die Verrückten derzeit.

    Wenn jemand den Islamismus also wirklich austrocknen wollen würde, müsste er an dessen Geldquellen gehen, aber hat schonmal jemand vor der Botschaft Saudi-Arabiens protestiert? Zumal die meisten komischen Einrichtungen und Publikationden der Salafisten – auch die Moscheepamphlete – aus diesem Land finanziert werden. Aber da passiert nichts….

  • #19
    Herman Tilster

    Wen genau sollen denn Bombardements der USA treffen? Also was soll das Ziel dabei sein? IS hat Städte erobert. Die werden so schlau sein, sich in den Städten zu verschanzen. Das heißt im Ergebnis, dass US-Bombardements Zivilisten treffen werden. Es wird sich kaum unterscheiden lassen, wen man da trifft. Das es gezielte Angriffe nicht gibt, zeigt der US-Drohnenkrieg in Pakistan und Afghanistan seit Jahren.
    Wenn man aber nun Zivilisten trifft, wird das IS nützen. Sie werden sagen: Schaut her, der Westen greift euch an.
    Sie werden damit Zulauf erhalten von Islamisten, weiter wachsen. Die Taliban sind nach 13 Jahren Afghanistankrieg auch so stark wie nie.

  • #20
    der, der auszog

    @Erdgeruch

    Du schreibst: „Ich kann die Kritik der Kurden verstehen, allerdings ist sie natürlich unscharf und zu ideologisch formuliert…“ Welche Kurden meinst Du, wenn Du von Kurden redest? Meinst Du die Kurden der PKK, meinst Du die Kurden der Peschmerga oder meinst Du die Kurden, die da derzeit auf dem Sindschar sitzen und zu verhungern und verdursten drohen? Ich frage deshalb, um ein wenig Schärfe in Deine Aussagen zu bekommen.

    Auf Deine Frage „was wollen die amerikanischen Flugzeuge denn bombardieren?:

    Die Amerikaner bombardieren die Füße und Täler des Sindschar Gebirges. Dort stehen die IS Milizen und schlachten jeden Yesiden ab, der es wagt das Gebirge zu verlassen und der nicht bereit ist zum Islam zu konvertieren. In den Tälern gibt es Wasser. Darüber hinaus sind die Täler besser geeignet für den Abwurf von Nahrungsmitteln und anderen Hilfsgütern als das verkarstete Sindschargebirge, wo ein Großteil der von der UN in der letzten Woche abgeworfenen Hilfsgüter an den Berghängen zerschellt oder in unzugänglichen Schluchten gelandet ist. Gut wäre es, wenn auch noch ein Korridor freigeschossen würde, damit man die eingeschlossenen Kurden auch über den Landweg versorgen könnte. Ob die Amerikaner soweit gehen werden, steht allerdings noch in den Sternen. Die Regierung Obama hat lange gezögert, bis sie sich entschlossen hat zu helfen. Das hängt mit dem Nato-Partner Türkei zusammen, dem das Schicksal der Kurden egal ist. Das hängt aber auch mit dem Umstand zusammen, dass Obama seine Präsidentschaft der Tatsache zu verdanken hat, dass er den Irakkrieg beenden wollte. Was der US-Präsident gerade macht ist ein Drahtseilakt, der auch innenpolitisch eine Menge Sprengstoff birgt. Er handelt nämlich im Alleingang an den Parlamentarischen Gremien vorbei, denn wie bei uns in Deutschland ist auch in den USA gerade Sommerpause und die meisten Politiker im Urlaub. Aber würde er warten, hätte einen Genozid mitzuverantworten. Wir reden hier nicht über kleine militärische Scharmützel, Erdgeruch. Wir reden hier über einen anstehenden Völkermord, der jetzt noch verhindert werden kann.

    „Wenn man den Kurden im Irak schnell helfen wollen würde, hätte man doch Druck auf die Regierung in Baghdad ausgeübt…“ Die irakische Armee funktioniert nicht, insofern kann Bagdad nicht helfen. Nach dem Krieg ist das meiste Geld im Irak in den Aufbau der Infrastruktur gesteckt worden und nicht ins Militär. Ein Umstand, der jeden Friedensaktivisten erst einmal Freude bereiten dürfte, der sich mittlerweile aber als großer Fehler herausstellt und sich in Zukunft voraussichtlich ändern wird. Wenn man den Kurden wirklich helfen will, dann geht das nur langfristig und dann sollte man sich Gedanken machen, inwieweit sich der von Kurden seit Generationen herbeigesehnte und immer wieder geforderte Kurdische Staat nicht verwirklichen ließe. Die autonome Region Kurdistan im Nordirak bietet sich an. Sie ist die am weitesten entwickelte Region weit und breit mit einer parlamentarischen Demokratie als Staatsform, welche die anderen Regionen des Irak, aber auch die Nachbarländer Syrien und Iran in den Schatten stellt, vermutlich sogar demokratischer ist als die Türkei. Daraus ließe sich durchaus etwas machen, wenn Saudi-Arabien, Kathar und die Türkei das nicht zu verhindern wüßten. Das ist übrigens der einzige Punkt, bei dem ich mit Niema Movassat einer Meinung bin. Druck nicht auf die Regierung in Bagdad, dafür aber auf die drei letzt genannten Ländern, denn das sind die Finanziers der ISIS-Terrormiliz.
    ——

    Erdgeruch, Vergiss einfach mal für einen Moment den Irakkrieg und das ganze viele Öl, mit dem sich eine Menge Geld verdienen ließe. Stell Dir einfach nur vor, Du sässest bei 40 Grad mit zigtausend anderen über mehrere Tage ohne Nahrung auf einem Berg, von dem Du nicht herunter kannst, weil Du unten erschossen würdest. Was würdest Du machen?

  • #21
    Marie

    Mag ja sein das „Menschenfreunde“, wie die Autoren der Lügen- verzeihung Ruhrbarone Luftangriffe vom Übervater und Heilsbringer USA immer als richtigen Weg sehen. Ernstzunehmende, seriöse Journalisten (also nicht solche die in ihrer Freizeit einen auf Blogger machen) sehen dieses Vorgehen allerdings auch eher kritisch. Man schaue sich nur den Artikel der NY Times an(einem echten Magazin, mit echten Journalisten und auch noch Amerikanische)!
    http://www.nytimes.com/roomfordebate/2014/08/07/a-return-to-the-fight-in-iraq/us-intervention-will-only-worsen-the-situation?smid=fb-share

    Mein Vorschlag: Postet doch lieber euer „Outfit of the Day“! Wird bestimmt suuuuuupi <3

  • #22
    Thomas Weigle

    @ Erdgeruch Nein, natürlich sind es eben nicht alles radikale Islamisten, aber diese Gruppierungen beherrschen nun mal die Szenerie, finanziert aus dubiosen Quellen, u.a. aus Saudi-Arabien, wie sie richtig bemerken. Die Europäer haben da auch ziemlich viel Mist gebaut, wie sie ebenfalls völlig richtig anmerken. Das uns auch anderes Abschlachten wenig aufregt, wer kann das ernsthaft bestreiten wollen?
    Genauso wenig wie die Tatsache, dass man sich auch schon vor Ankunft der Europäer dort gegenseitig nicht grün war, einige mächtig am Sklavenhandel profitiert haben. Stammesstrukturen sind, wie wir aus unserer eigenen Geschichte wissen, nicht unbedingt friedensfördernd.
    Ich meine aber, dass das Ausmachen eines Hauptschuldigen, des Westen in seiner vielfältigen Zusammensetzung, nicht weiterhilft. Ob das Austrocknen der Geldquellen hilft? Ein Beseitigen der feudalen Regimes? Ein erster Schritt vielleicht, mehr nicht. In einem stimme ich ihnen vorbehaltlos zu: Hier darf es nicht sein, dass in islamischen Moscheen und Vereinen oder in sog. Koranschulen darf kein Hass gepredigt werden, da haben die Behörden nicht nur das Recht, sondern die Pflicht, verbietend einzugreifen. Spätestens hier muss MultiKulti ein Ende haben. Leider ist diese Einstellung vor allem im linken Parteilager, aber nicht nur dort, noch nicht wirklich angekommen.
    Wer andere abschlachten will, weil sie ungläubig sind, gehört nicht zu Deutschland!!

  • #23
  • #24
    keineEigenverantwortung

    @18: Jedes Land hat historisch bedingte Grenzen. Noch heute zeigt sich doch auf der deutschen Landkarte, dass irgendwelche Adeligen geheiratet oder Kriege geführt haben.

    Die Kolonialzeit ist lange vorbei und war nur eine kurze Episode. Die Bevölkerungen der genannten Gebiete sind extrem jung, d.h. es sind oft schon mehrere Generationen, die in den neuen Staatsstrukturen leben. Ebenso haben sich viele Länder, die vom Kolonialismus betroffen waren, sehr unterschiedlich entwickelt.

    Es liegt also in der Verantwortung der lokalen Bevölkerung, was sie macht.

    Auch die Geldgeber werden gemerkt haben, dass sie das, was sie geschaffen haben, nicht mehr kontrollieren können. Todesurteile bspw. wegen Hexerei etc. sind nun mal sehr beliebig, was wir ja auch in unserer Geschichte gemerkt haben. Wer Geld hatte, war schnell ein Hexer, wenn man so an das Geld kommen konnte.
    Die Terrorgruppen haben auf den Erorberungszügen genug geplündert und kassiert. Hier wird genügend Geld vorhanden sein.

    Wie mit Geld Meinung/Macht gemacht wird, erleben wir ja im Fußball.

  • #25
    Helmut Junge

    dda (20), du hast dich wieder gut eingelesen, und ich kann deine Argumentation komplett nachvollziehen. Was mir aber fehlt, ist die Information, wie die PKK sich so einen Quatsch, wie Amis dürfen nicht helfen, anhören kann. Movassat soll doch lt. (10) vor Mlpd und PKK gesprochen haben.
    Immerhin ist das nicht „ihr“ Gebiet, auch wenn sie mitbetroffen ist.
    Da die Peschmerga m.W. froh ist, daß die Amis jetzt Isis schwächen, würde die PKK, wenn sie im Gleichgang mit Movassat stünde, genau ihren Gastgebern in den Rücken fallen.

  • #26
    Klaus Lohmann

    @#21 | Marie: Dein schönes Artikelbeispiel für angebliche „Kritik“ spielt einfach nur wieder die altbekannte Terrorangst-Karte neu. Was daran „seriös“ sein soll – vor allem, wenn ein miltärisches Eingreifen per Bodentruppen überhaupt nicht auf der US-Agenda steht – weiß wohl nur Jemand, der Ruhrbarone geradezu zwanghaft lesen muss, obwohl die doch immer lügen…

  • #27
    Jörn Vanselow

    @16 Helmut Junge: Logisch wird diese überraschende Volte in der Rede Movassats, wenn er perspektivisch einen unabhängigen kurdischen Staat im Nordirak im Auge hat und diesen als neue Ordungsmacht in dieser Region adressiert.

  • #28
    Gerd Pfisterer

    Ich kann der Kritik an der tendenziösen Berichterstattung zur Demonstration in Dortmund nur zustimmen. Sebastian Weiermann nutzt die Berichterstattung lediglich für seine tendenziöse und unsachliche politische Auseiandersetzung mit bestimmten Vertretern der Linkspartei. Die Argumentation erinnert mcih doch sehr stark an die Argumentation der GRÜNEN und SPD zur Begründung des Eingreifens der Bundeswehr in Jugoslawien.
    In dem Bericht wird u.a. völlig unterschlagen, dass ein kurdischer Sprecher zum Schluss ausdrücklich die kritschen Aussagen zu den USA begrüßt und unterstrichen hat. D.h. unter den Betroffenen gibt es keine einheitliche Meinung. Ganz unterschlagen hat S. Weiermann das Grußwort des Kreisverbandes der MLPD, in dem auch zu der Situation im Nahen und Mittleren Osten eingegangen wurde:
    „Liebe Freundinnen und Freunde, liebe Genossinnen und Genossen,

    die MARXISTISCH LENINISTISCHE PARTEI DEUTSCHLANDS, MLPD Kreisverband Dortmund unterstützt Eure Demonstration gegen die Massaker der Bevölkerung in Südkurdistan/Nordirak durch die faschistisch-islamistische IS, früher ISIS.
    Aufgrund der Furcht vor Massakern durch die Islamisten befinden sich zehntausende Menschen der kurdischen Religionsgemeinschaft der Yeziden aus der Region Sindschar auf der Flucht. Viele der Menschen flüchten in Richtung Norden nach Dihok (Dohuk) in die Autonome Region Kurdistan. Andere flüchteten zu Fuß auf die an die Stadt angrenzenden Sindschar-Berge. Auch rund 20.000 turkmenische Schiiten, die nach der Einnahme ihrer Heimatstadt Tal Afar nach Sindschar geflohen waren, flüchteten weiter in dasselbe Gebirge. Durch die knappen Lebensmittelvorräte droht eine humanitäre Katastrophe für die Menschen in den Sindschar Bergen.
    Zur gleichen Zeit greift die IS befreite Gebiete in Westkurdistan/Nordsyrien an und ermordet Hunderte kurdischer Kämpfer und Zivilisten!
    Hunderttausende Menschen sind inzwischen auf der Flucht vor diesen mordenden Faschistenbanden, die sich völlig zu Unrecht auf den Islam berufen!!
    Wir verurteilen die Angriffe der islamischen Faschisten als Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit und fordern ihr sofortiges Ende!

    Wenn jetzt das Eingreifen der USA und der westlichen Regierungen gefordert wird, dürfen wir nicht vergessen, dass es die machtpolitischen und wirtschaftlichen Interessen der verschiedenen imperialistischen Länder wie die USA und EU sind, die jahrzehntelang die Völker im Nahen und Mittleren Osten unterdrückt, ihnen das Selbstbestimmungsrecht verwehrt und blutige Diktaturen unterstützt haben, wenn es ihren Machtinteressen genutzt hat. Die Verschärfung der Kriegsgefahr, die kriegerischen Auseinandersetzungen auf dem Rücken der Völker in dieser Region ist eine Folge des Scheitern von Bush’s New War, der u.a. den faschistischen Islamisten in die Hände gearbeitet hat. Es ist auch eine Folge der verschärften Konkurrenz der verschiedenen imperialistischen Kräfte als Ergebnis der Verschiebung des Kräfteverhältnisses im Zuge der jetzt zu Ende gehenden bislang längsten und tiefsten Weltwirtschafts- und Weltfinanzkrise.
    Die Zukunft der Völker in Nahen und Mittleren Osten liegt nicht darin, sich unter den Schutzschirm einer der um Vorherrschaft kämpfenden imperialistischen Länder zu begeben. Die Zukunft liegt im gemeinsamen für Demokratie und Freiheit mit der Perspektive des Kampfs um die internationale sozialistische Revolution!

    Schluss mit dem Völkermord durch die islamischen-Fundamentalisten!
    Schluss mit der Bombardierung des Gaza-Streifens durch die israelische Regierung!
    Solidarität mit dem Befreiungskampf der Völker! Freiheit für Palästina und Kurdistan!
    Proletarier aller Länder und Unterdrückte, vereinigt Euch!“

  • #29
    Helmut Junge

    @Jörn Vanselow, die Luftangriffe können eine militärische Struktur schwächen, aber reichen nicht aus, um sie zu vernichten. Das ist den Amerikaner in Afghanistan und eben im Irak selbst mit zusätzlichen Bodentruppen nicht gelungen. Nur wer am Boden operiert, kann Macht ausüben. Wenn die irakischen Kurden nach einem Sieg über Isis, einen eigenen Staat durchsetzen wollten wäre das ohnehin nicht die Angelegenheit der türkischen Kurden. Wenn die etwas anderes wollten als die gastgebende Peschmerga, wäre es hochgradig dusselig seitens der Gäste jetzt schon darüber zu reden, wobei wir wieder beim Thema wären. Denn dann wäre die Volte einfach das, was Stefan Laurin kürzer und treffender benennen kann, und auch immer wieder benannt hat kann als ich das machen würde.

  • #30
    keineEigenverantwortung

    @28:
    Es gab in allen angesprochenen Länder Möglichkeiten die Systeme, die einen starken Herrscher mit Geld und Waffen haben, zu ändern. (siehe Aghanistan)
    Warum klappt das nicht?
    Hier immer wieder auf externe Einflüsse zu verweisen ist doch zu einfach.

    Vielleicht wollen viele Gesellschaften keine Demokratie.
    Sozialistische Systeme sind gescheitert, da einige Grundannahmen nicht zutreffen.
    Es geht immer um Macht und Reichtum. Wie man ihn verpackt, um ihn durchzusetzen, kann variieren. Selbst bei vielen Kämpfen sitzen die Anführer doch häufig in sicheren Umgebungen mit viel Luxus. Idealisten werden im Regelfall schnell abgelöst oder ändern sich.
    Geschichte wiederholt sich, da die Grundmuster immer gleich sind.

  • #31
    Ingo

    @#5 | Martin Behrsing:

    Nö, die Waffenlieferanten sitzen in Saudi-Arabien, wurde doch schon belegt.

    Die Frage ist nur, warum gibt es für Saudi-Arabien keine Sanktionen wie für Russland ?

  • #32
  • #33
    Helmut Junge

    @Gerd Pfisterer, der Bericht von Sebastian Weiermann enthält die komplette Rede des Bundestagsabgeordneten Niema Movassat. Fairer kann eine Berichterstattung überhaupt gar nicht sein. Um den ging es nämlich. Über Sie und die (Ihre?) Mlpd zu berichten, hielt er wohl nicht nötig, kann man aber auch nicht verlangen. Übrigens kann ich in der langatmigen Begrüßungsansprache dieser Partei, die ich Ihrem Kommentar, der übrigens in einem Blog wie diesem mit zur Berichterstattung gehört, entnehmen kann, gar keine Stellungnahme für oder gegen die derzeitigen US-Angriffe gegen IS finden, nur massiv historische Erinnerungshinweise, die keinen Hinweis auf die derzeitigen Entscheidungen enthalten. Und in der Zukunft, da sind wir uns einig, sollen diese Völker selbst über ihre Angelegenheiten entscheiden. Heute ist aber ein neuer Tag, an dem man neu nachdenken muß. Guten Morgen.
    Über den Kopf der irakisch-kurdischen Peschmerga hinweg, die die US-Unterstützung begrüßt, setzt sich eigentlich nur Herr Movassat hinweg. Von der auch anwesenden PKK kenne ich keine Stellungnahme.

  • #34
    Arnold Voss

    Was die US-amerikanische Regierung auch macht, sie macht es falsch. Greift sie nur aus der Luft ein, ist es den Interventionisten in Sachen Humanität zu wenig. Kommt sie auch mit Bodentruppen, überschreitet also unmittelbar und ausdauernd die Landesgrenzen, ist es den völkerrechtlich Argumentierenden zuviel.

    Entschließt sie sich obendrein nach einem Krieg im Land zu bleiben um eine neue Ordnung zu errichten, ist sie der imperial-aggressive und kulturuniversal-westliche Weltpolizist der sich, weil er natürlich auch noch korrupt ist, seine Interessen an was auch immer sichern will. Geht sie bevor sie das geschafft hat, ist sie der Verursacher der nachfolgenden Kämpfe und Bluttaten der rivalisierenden Ethnien, Religionen und Machthaber.

    Unterstützt sie aber nur die Feinde ihre oder ihrer Verbündeten Feinde durch Waffen, d.h. greift sie selber überhaupt nicht ein, ist sie für die Pazifisten natürlich auch Schuld und für den Rest dann, wenn sich am Ende herausstellt, dass sie aus deren Sicht die Falschen bewaffnet hat.

    Will sie, falls sie selber diesen Fehler einsieht,ihn durch eigenes Eingreifen, d.h unter Opferung eigener Soldaten wieder korrigieren, in dem sie die von ihnen selbst Armierten wieder zu entwaffnen versucht, was natürlich Krieg bdeutet, wenn diese das nicht freiwillig tun, sind wir wieder am Anfang der Geschichte.

    Greift sie dann, selbst wenn der größte Teil der Weltöffentlichkeit dafür ist, auf Grund des oben aufgezeigten Dilemmas und der sich daraus ergebenden Dauer-Arschkarte nicht konsequent genug ein, wird auch wieder gemotzt, während die UNO, obwohl die sich wiedermal als völlig handlungsunfähig erweist, weiter zu den Guten zählt.

  • #35
    Klaus Lohmann

    @#28 | Gerd Pfisterer: „Tendenziös“ ist jede Berichterstattung oder Hetzrede oder „Grußwort“-Polemik, die die Existenz der Hamas und deren permanente Kriegstreiberei grundsätzlich verschweigt. Danke übrigens für den Beleg, was Ihr für kritik-unfähige und nicht-diskussionswürdige Sonderlinge seid.

  • #36
    Arnold Voss

    KLaus, hätten die Jungs und Mädels der MLPD aus Versehen den Islam als Lösung für alle Weltprobleme entdeckt, dann würden sie uns hier für die IS anzuheuern versuchen und den Yeziden erkären, dass die Unterwerfung unter ihren Gottestaat auch für sie der einzig wahre Weg zur Erleuchtung ist.

  • #37
    Thomas Weigle

    #28 G.P. Könnte es sein, dass zwischen ihrer obigen Erklärung und den 24219 Stimmen, die die MLPD bei der letzten BW erhielt, zwar kein direkter, aber doch ein gewisser Zusammenhang besteht?

  • #38
    der, der auszog

    @Helmut Junge (25)

    PKK ist kein einfaches Thema. Politisch betrachtet fühlt sich diese Partei dem Marxismus verbunden, somit besteht auf jeden Fall eine ideologische Verbindung zu der Linken in Deutschland, der ja auch Niema Movassat angehört, Stichwort: „Hoch die internationale Solidarität!“ am Ende seiner Rede. Innerhalb des Marxismus gibt es die unterschiedlichsten Strömungen von gemäßigt bis radikal und die gibt es natürlich auch in der PKK. Was diese Gruppe zusammenhält ist allerdings auch ihre Volkszugehörigkeit. Ein Kurde ist ein Kurde und kein Türke, oder Syrer oder Iraner. Die nationale Idee würde ich als wesentlich stärker einschätzen, als die politische Ideologie, wobei ich hoffe, dass ich mich da nicht irre. Ein Grund für die Radikalität dieser Partei ist sicherlich das Schicksal des kurdischen Volkes, das in der Türkei immer wieder diskriminiert, mißhandelt und gedemütigt wurde. Ein Volk dem nach dem ersten Weltkrieg zwar ein Staat versprochen, aber aus geostrategischen Gründen dann doch nicht zugestanden wurde.
    Die Kurden waren im letzten Jahrhundert das größte Volk auf dieser Welt, das ohne eigenen Staat leben musste. Im Irak könnte sich das demnächst ändern. Aber selbst wenn aus der autonomen Region Kurdistan einmal ein souveräner Staat Kurdistan werden sollte, dann kann das nicht darüber hinwegtäuschen, dass die meisten Kurden immer noch in der Türkei leben und nicht in Kurdistan.
    Ziel der PKK ist es, in den überwiegend von Kurden besiedelten Gebieten der Türkei Autonomie zu gewinnen, wobei auch hier das Spektrum von einer autonomen Region, ähnlich wie der im Irak, einem eigenen Staat oder aber eine Angliederung der türkischen Kurdengebiete an die autonome Region Kurdistan reicht.
    Bedauerlicherweise gibt es in der PKK nicht nur Strömungen, die das auf politischem Wege versuchen. Viele Anhänger schreckten auch vor Gewalt nicht zurück, wobei man höllisch aufpassen muss, dass man die Umstände betrachtet, unter denen ihre Aktionen stattfanden. Es macht einen Unterschied ob man in Köln einen Fernsehsender besetzt oder ob man Menschen erschießt; ob man in Syrien gegen ISIS kämpft oder im Libanon gegen Israel; ob wir uns in den 1980er bewegen oder in der Gegenwart, ob in der Türkei, während dort Bürgerkriegsähnliche Zustände herrschten, oder in Deutschland, wo es solche Zustände für Kurden nie gegeben hat. Fakt ist, dass es in der über 40 jährigen Geschichte der PKK einige Gründe gab, sie als terroristisch einzustufen. Fakt ist aber auch, dass sich die Lage der Kurden in der Türkei in den letzten Jahren zunehmend verbessert hat, was nicht heißt, dass die Situation optimal ist. Aber die Radikalität schwindet. Offiziell hat die PKK dem Terror abgeschworen. Galt es nach ihrer Gründung in den 1970er Jahren noch einen sozialistischen, eigenständigen Staat zu errichten, fordern sie heute nur noch eine kurdische Autonomie, zumindest ist so die offizielle Lesart und es bleibt abzuwarten, ob sich an der Einschätzung der Europäer und Amerikaner nicht vielleicht auch etwas ändert, wenn man die Krise im Nordirak und Syrien in den Griff bekommen sollte. Seit knapp zwei Monaten kämpft auch die PKK erfolgreich gegen ISIS, was international sehr viel Beachtung und Anerkennung findet und ihr Ansehen durchaus aufwerten dürfte.

    Interessant ist übrigens, dass es in der nordirakischen Autonomen Region Kurdistan auch einen Ableger der PKK gibt und zwar die „Partei für eine politische Lösung in Kurdistan“, PCDK. Die Menschen in Kurdistan können sicher leben und haben es in den letzten Jahren dank des Öls zu einem beachtenswerten Wohlstand gebracht, mit dem Ergebnis, dass die marxistische PCDK nicht der Rede wert ist. Sie blieb bei den Wahlen stets unter 1%.

    Um auf das von Dir beschriebenen Wirrwarr Movassat, PKK, USA zurückzukommen: Niema Movassat ist eines dieser verwöhnten deutschen Rotzblagen; wohlbehütet im kapitalistisch-imperialistischen Deutschland aufgewachsen und über seine Partei nach dem Studium gleich in den Bundestag gerutscht ist. Wer wie Movassat gegen den Kosovokrieg war, müsste eigentlich auch gegen den Krieg gegen ISIS sein, denn da geht es auch „nur“ um die Verhinderung eines Völkermordes. Aber weil die Marxistische PKK jetzt auch gegen ISIS kämpft und man sich als deutscher Marxist der kurdischen Arbeiterpartei verbunden fühlt, ist Movassat natürlich auch gegen ISIS und ausnahmsweise dafür, einen Krieg zu führen – Hoch die internationale Solidarität! Das einzige, was Movassat stört, sind die Amerikaner. Gegen die muss man als Linker aus Prinzip sein, egal was die machen, denn das was sie machen, kann nur falsch sein, schliesslich sind es Amerikaner.
    Jeder Kämpfer, egal ob Peschmerga, PKK und wer da sonst noch als Kurde seinen Arsch hin hält, um ISIS zu stoppen, wird froh sein, wenn er Unterstützung aus der Luft bekommt. Und die Amerikaner, die aufgrund ihrer Irakkriege eine besondere Verantwortung haben, werden froh sein für jeden, der da unter ihnen kämpft, denn solange sich genügend Bodentruppen rekrutieren, brauchen sie da selber nicht runter, was der Auseinandersetzung eine völlig neue Qualität geben würde, weil nämlich Obama, der u.a. deshalb Präsident wurde, da er den US-Bürgern versprach den Irakkrieg zu beenden, einen neuen, nämlich den dritten Irakkrieg an der Backe hätte. Anders ausgedrückt: Ob Amis oder PKK – allen Kämpfern da unten dürfte so ziemlich egal sein, was ein Niema Movassat denkt, findet und fordert. in diesem militärischen Konflikt geht es um Leben oder tot und um einiges andere mehr.

    Aber Movassat muss es wissen, schließlich kommen seine iranischen Eltern da unten aus der Ecke, was ihn zu einem ausgewiesenen Experten macht.

  • #39
    Helmut Junge

    dda, wenn einmal die Waffen sprechen, hat die Politk vorher gewaltige Fehler gemacht. Und dann gibt es auch solange keine politische Lösung, bis die Kriegslage für beide Seiten eine derartige Lösung erforderlich macht.
    Und damit bringst du es auf den Punkt: „Jeder Kämpfer, egal ob Peschmerga, PKK und wer da sonst noch als Kurde seinen Arsch hin hält, um ISIS zu stoppen, wird froh sein, wenn er Unterstützung aus der Luft bekommt.“
    So einfach ist das, wenn man nicht völlig verblendet ist.
    Und politische Verblendung, egal ob sie als Pazifismus wie bei Käßmann oder als Antiamerikanismus, wie bei Movassat beschrieben werden kann, nützt immer denen, die besonders aggressiv agieren. Faktisch kommt das allerdings einer Parteinahme für die widerlichsten Aggressoren gleich. Und weil ich das so krass, wie ich es jetzt formuliert habe, auch tatsächlich einschätze, sehe ich leider die Notwendigkeit meinerseits, mich mit solchen Auffassungen zu beschäftigen. Früher, als es auf dem Planeten ruhiger zuging, habe gedacht, daß dieser Typus Welterklärer im Prinzip harmlos wäre. Aber guck dir mal die riesige Zahl der Brandherde auf einer Landkarte an, die trotz der Theorie von Pazifismus und Nichteinmischung früher geschwelt haben, jetzt aber lichterloh brennen. Und da sind doch tatsächlich etliche Kriegsherde dabei, an denen die USA gar nicht beteiligt sind, und man selbst bei großzügigster Verdachtsanalyse nicht mal Israel die Schuld geben kann. Daß das bei einigen Leuten für Verwirrung sorgt, kann ich gut nachvollziehen. Aber ich meinerseits tue jetzt was, damit diese Leute solche verwirrenden Gedanken nicht so leicht verdrängen können, indem ich darüber meine Kommentare schreibe.

  • #40
    Arnold Voss

    Es geht den meisten Pazifisten nicht um den Frieden sondern um Identitätswahrung. Sie wollen so bleiben wie sie sind, egal wie sich die Verhältnisse um sie herum ändern. Die einmal gewonnen Einstellung, die in der Regel auch bei ihren Freunden und Bekannten auf Zustimmung trifft, wird so zum bestimmenden Merkmal ihres Selbstbildes, das natürlich ein positives ist, weil wir von uns selbst einfach kein negatives haben wollen.

    Der inneren Frieden des Pazifisten ist der eigentliche Gegenstand seiner Friedensbemühungen. Diesem hat sich der äußere anzupassen. Die Welt hat für ihn friedlich zu sein, damit er nicht kriegerisch zu sein braucht. Egal zu welchen Bedingungen. So wird der Friede zum Heilsversprechen statt zum Gegenstand politischer Auseinandersetzungen, die notfalls auch mit Waffengewalt geführt werden.

    Selbst in Religionskriegen b e t e n dann die darunter Leidenden für den Frieden, während die Waffen beiderseits gesegnet und/oder der Sieg Gott gwidmet werden. Die nicht persönlich betroffenden Theologen und Priester faseln zur gleichen Zeit im Namen Gottes von der Pflicht, nicht mit Waffen einzugreifen und die sonstigen Pazifisten schweigen.

  • #41
    Thomas Weigle

    „Identitätswahrung“ Arnold, ein hübscher Begriff, der mich an eine Geschichte von B.B. erinnert.
    Herr K trifft einen alten Bekannten, dieser sagt: „Sie haben sich ja überhaupt nicht verändert!“- „Oh“, sagte Herr K und erbleichte. Unsere Pazifisten würden und wollen nicht erbleichen.

  • #42
    der, der auszog

    @Helmut, @Arnold

    es gibt auch so etwas, wie einen gesunden Pazifismus. Auf den bin ich gestoßen, als mich Thomas Weigle neulich auf einen möglichen Atombombenabwurf auf das Ruhrgebiet ansprach. Dieses Horroszenario hat denselben Ursprung wie die Morgentau-Legende und spukt auch schon genauso lange in den Köpfen der German-Angsthasen herum. Denn: Jeder halbwegs gebildete Mensch weiss, dass die Bombe von Robert Oppenheim gebaut wurde. Oppenheimer stammt wie Morgenthau aus einer deutsch-jüdischen Einwandererfamilie und jeder halbwegs ungebildete Menschen glaubt, die Atombombe sei eine Erfindung Albert Einsteins, was natürlich absoluter Blödsinn ist, aber Einstein war halt auch Jude. Eine Waffe, mit der man die ganze Welt vernichten kann, kann natürlich nur eine jüdische Erfindung sein… Spätestens jetzt dürfte es „Klick“ machen

    Was Einstein auf jeden Fall war: Er war überzeugter Pazifist, was man spätestens dann bemerkt, wenn man sich mit seinem politischen Engagement beschäftigt. Die Leistung Einsteins hinsichtlich der Atombombe bestand darin, Präsident Roosevelt davon zu überzeugen, den Bau einer Atombombe in Angriff zu nehmen, nachdem Otto Hahn 1938 erstmalig eine Kernspaltung gelungen war, für die Hahn 1944 den Nobelpreis bekommen sollte. Einstein war in der Lage zu erkennen, dass dieses Phänomen nicht nur friedlich, sondern auch miltärisch genutzt werden würde, womit er absolut richtig lag, Stichwort: Uranprojekt.

    Ein überzeugter Pazifist drängte damals den amerikanischen Präsidenten, in den Wettlauf um den Bau der Atombombe einzusteigen und zwar nicht, um sie über Deutschland abzuwerfen (wir sind noch in 1938, über ein Jahr vor Beginn des Krieges), sondern um Deutschland in Schach zu halten, für den Fall, dass es den Nazis gelingen sollte, eine solche Waffe zu entwickeln. Diese Aufgabe der Abschreckung haben Atombomben übrigens bis heute.

    Einstein meinte zu seinem Apell, den er 1938 als Brief an Roosevelt richtete, rückblickend: „Ich glaubte, wir müssten die Möglichkeit Deutschlands vermeiden, unter Hitler im alleinigen Besitz dieser Waffe zu sein. Das war die wirkliche Gefahr dieser Zeit.“

    und noch ein interessantes Zitat Einsteins zum Thema Faschismus und Pazifismus:

    „Bis 1933 habe ich mich für die Verweigerung des Militärdienstes eingesetzt. Als aber der Faschismus aufkam, erkannte ich, dass dieser Standpunkt nicht aufrechtzuerhalten war, wenn nicht die Macht der Welt in die Hände der schlimmsten Feinde der Menschheit geraten soll. Gegen organisierte Macht gibt es nur organisierte Macht; ich sehe kein anderes Mittel, so sehr ich es auch bedaure.“

    Auch Pazifismus hat seine Grenzen, nämlich genau da, wo Menschen aufgrund ihrer Rasse, Religion, Lebensführung, Meinung etc. durch fanatische Spinner bedroht sind. Das war im Nationalsozialismus der Fall und das erleben wir auch derzeit, wo Armenier, Yeziden und viele andere Menschen vor der menschenverachtenden Idee islamischer Gotteskrieger in ihrer Existenz bedroht sind.

    Den Fehler, den die Margot Käßmanns dieser Welt und viele andere Friedenstauben machen: Sie halten sich selbst für Gott, denn Gott ist etwas reines, perfektes, der/die/das frei von jeder Sünde und Schuld ist, und genau so stellen sie sich selber in ihrer pazifistischen Grundhaltung dar. Aber genau das ist der Mensch eben nicht und darin unterscheidet er sich von allem göttlichen. Der Mensch soll nicht töten, heißt es im 5. Gebot Mose. Aber er muss es hin und wieder, nämlich dann, wenn es gilt eine Katastrophe zu verhindern. Ein Mensch ist nunmal kein Gott.

    ——-

    Ich hoffe, dass ich die Zeit finde, zu dem Thema der Atombombe über Deutschland an anderer Stelle – als Kommentar oder Gastbeitrag – noch etwas ausführlicher eingehen zu können. Das Thema ist total spannend, die Materie allerdings nicht ganz einfach und mir fehlt an vielen Stellen noch der naturwissenschaftliche Verstand von Helmut.

  • #43
    Thomas Weigle

    DDA Das Zitat von Einstein kannte ich nicht, es beschreibt das Dilemma, es ist eindeutig in seiner Zielrichtung. Es kann und darf da kein Wackeln geben.
    Was die Atombombe angeht, fiel mir bei den Gedenkfeiern einmal mehr auf, dass niemand diejenigen Millionen erwähnt, denen durch den doppelten Abwurf Tod, Verletzung und Zerstörung der Heimat erspart geblieben ist. Man muss gewiss nicht Beethovens Ode an die Freude anstimmen, aber dass diese eigentlich logische Folgerung nie angesprochen wird, erstaunt mich schon, auch wenn es ziemlich heikel ist.
    Was Deutschland angeht, argumentieren ja viele im Blick auf einen erfolgreichen 20. Juli, dass Europa vieles erspart geblieben wäre. Ich habe da meine Zweifel. Die bedingungslosen Kapitulation war doch für die meisten Verschwörer nicht zu akzeptieren, oder gar dieser Wunschtraum zusammen mit den Alliierten gen Osten zu ziehen…..
    Ein weiterer, ungern bedachter Punkt ist, dass erneut eine Dolchstoßlegende entstanden wäre, entfacht und weiter getragen von immer noch Millionen überzeugter Nazis. Ein Vernichtungsschlag gegen das verwaltungsmäßige Zentrum und/oder gegen ein Rüstungszentrum des raubkriegenden Nazisreiches hätte wohl viele einsichtig gemacht, von den materiellen Folgen eines solchen Schlages auf die Kriegsführung ganz abgesehen. Ein Ende des Krieges ohne Wenn und Aber in Europa im Sommer 44…

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