Linker Liedersommer: Bandbreite vergrault Rosa-Luxemburg-Stiftung

Sänger Wojna, Foto: (CC BY-NC-SA 2.0), Benefiztour 2008/flickr
Sänger Wojna, Foto: (CC BY-NC-SA 2.0), Benefiztour 2008/flickr

Die Rosa-Luxemburg-Stiftung Rheinland Pfalz (RLS) hat sich als Mitveranstalterin des Linken Liedersommers auf Burg Waldeck zurückgezogen. Hintergrund waren Uneingkeiten über den Umgang mit der Verschwörungsband Die Bandbreite. Diese hatte trotz ausdrücklicher Ausladung durch die RLS angekündigt, dort auftreten zu wollen. RLS-Leiter Salvador Oberhaus hat dazu eine Erklärung veröffentlicht:

Die umstrittene Band DIE BANDBREITE hatte sich offensichtlich selbst eingeladen, um einen kurzen Beitrag zum Kulturprogramm zu liefern. Es war nicht das erste Mal, dass die Band am Linken Liedersommer teilnehmen wollte und sollte. Die Rosa Luxemburg Stiftung hatte daher bereits in der ersten Planungsphase des Liedersommers 2013 ausdrücklich darauf hingewiesen, dass ihr DIE BANDBREITE als Beiträger auf dem Liedersommer nicht willkommen ist.

Da entgegen unserer Erwartung mit den Kooperationspartner*innen kein gemeinsamer Standpunkt zur Auftrittsankündigung der Band formuliert werden konnte, wurde diese durch die Stiftung am Donnerstag offiziell ausgeladen.

Dessen ungeachtet traf DIE BANDBREITE am späten Samstagnachmittag am Veranstaltungsort ein und begann mit den Vorbereitungen für ihren Auftritt. Nachdem der Band nun entgegen noch im letzten Jahr getroffener Vereinbarungen mit den Kooperationspartner*innen ein Forum geboten wurde, hat sich die Rosa Luxemburg Stiftung Rheinland-Pfalz am Samstagabend als Mitveranstalterin des Linken Liedersommers 2013 zurückgezogen.

Den Teilnehmer*innen und Kooperationspartner*innen der Veranstaltung hat Salvador Oberhaus, Leiter des Büros der Stiftung in Rheinland-Pfalz, diesen Entschluss unmittelbar vor Beginn des Abendprogramms in einem kurzen Redebeitrag u. a. wie folgt begründet:

Nach unserer Auffassung darf einer Band, die es zumindest bewusst in Kauf nimmt, nach rechts hin anschlussfähig zu sein, auf einer linken Veranstaltung nicht die Möglichkeit geboten werden, ihr krudes Weltbild zu propagieren. Aktueller Anlass unserer Kritik ist die von der Band getextete, komponierte und eingespielte Hymne für die Rechtspartei „Neue Mitte“. Diese Partei schließt programmatisch an verschiedene gegenwärtige Verschwörungstheorien und Ideologien der Ungleichwertigkeit an. Die Partei tritt u. a. für eine rigide Einwanderungs- und „Integrations-„ Politik ein. Wer sich hier näher Informieren möchte, kann dies unter http://www.neue-mitte.net/

Werk und Geschichte der Band DIE BANDBREITE sind nach unserer Auffassung nicht mit linken Idealen in Einklang zu bringen. DIE BANDBREITE ist uns nicht willkommen, weshalb wir uns als Mitveranstalterin zurückziehen.“

An der Band scheiden sich schon lange die Geister. Ihre Basis haben die Duisburger vor allem bei der reaktionären „Friedensbewegung“ und den dazugehörigen Linkssekten. Aber auch Rechtsradikale wie die „Reichsbürger“ und die NPD gehören zu ihren Fans:

bbnpd

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3 Kommentare

  1. #1 | Tina Gewehr sagt am 23. Juni 2013 um 21:31 Uhr

    Hallo Ruhrbarone,
    ich bin froh die erste zu sein, die hier einen Kommentar ablässst!
    Ich bin weder „Freidenkerin“, noch bin ich Mitglied der RLS.
    Wenn auch DFG-VK-Mitglied, war ich einfach nur „Gast“. Ich wollte bewußt Leute treffen, die eben nicht aus „meinem“ -„originären“ Spektrum sind. Und… und das bedeutet der Linke Liedersommer für mich – ich wollte etwas über die Entstehung von Liedern wissen und sie singen!
    Das mag jetzt erstmal naiv klingen, aber ich habe schon mit 14 meinen ersten Kurs über Arbeiterlieder bis 1970 gemacht. Da hab ich mich doch gefreut, einen Workshop von ’70 bis heute zu finden. Musik als Waffe fand ich auch sehr interessant. … und dann diese Grummelstimmung… Bandbreite kommt/kommt nicht, ist aus/eingeladen…
    Irgendjemand behauptete sogar, dass die Nerother die Bandbreite ausgeladen hätten!!!
    DANN: Der Auftritt von Salva. Managermässig versucht er einen Text von seinem i-Phone abzulesen. Das Publikum (die unbeteiligten Exklusive), pfiffen, schrien, drohten… Keine schöne Szene!
    Von
    Den Teilnehmer*innen und Kooperationspartner*innen der Veranstaltung hat Salvador Oberhaus, Leiter des Büros der Stiftung in Rheinland-Pfalz, diesen Entschluss unmittelbar vor Beginn des Abendprogramms in einem kurzen Redebeitrag u. a. wie folgt begründet: …
    Kann KEINE Rede sein! Vielleicht hätte er das gewollt, aber ich saß in zweiter Reihe und alles was ich mitbekommen habe, war dass Salva irgendwann wütend, verzweifelt, hilflos oder sonst irgendwie mit großen Schritten weggegangen ist.

    „Da entgegen unserer Erwartung mit den Kooperationspartner*innen kein gemeinsamer Standpunkt zur Auftrittsankündigung der Band formuliert werden konnte, wurde diese durch die Stiftung am Donnerstag offiziell ausgeladen. “

    WER ist „die Stiftung“? Und was bedeutet „offiziell“??? Noch Sonntagsvormittags hat jemand von der RLS freiwillig Thekendienst gemacht und mir eine Flasche Sekt für den Abend zu Hause verkauft.
    Die Bandbreite, die nur mit drei Songs aufgetreten ist, war mir neu. Bislang kannte ich nur difuse Gerüchte, dass es Diskussionen über die Band gibt. Was ich gesehen habe, vor allem der Antikriegssong mit den gut ausgewählten Bildern, hat mir sehr gut gefallen. Anklänge an Verschwörungstheorien finde ich so lange witzig, bis ich veri- oder falsiviziert habe. Den Song, „du bist mein Freund“ hätte ich dann nicht gebraucht, aber ich konnte den Trotz durchaus verstehen.
    Dies ist keinesfalls ein Statement pro oder kontra der Bandbreite, der Freidenker oder der RLS. Ich bin nicht sicher, ob Salva da wirklich im Einvernehmen mit der Stiftung sprach, dazu fehlen mir alle Infos.
    Ich möchte nur „kritteln“, dass der Abend in meinem Erleben und mit allen Infos die ich habe, nicht genau SO war.
    In meinen Ohren bedeutet Kommunikation immer noch MITEINANDER zu reden, nicht GEGENEINANDER und nicht auf der offenen Bühne eines Festivals.
    … ok, und jetzt vergrab ich mich mal in den Ursprung des Streits.
    Ich fand ihn, als Gast, einfach nur störend und unausgegoren.

    Liebe Grüße aus MZ

    Tina

  2. #2 | Manuel Böhm sagt am 24. Juni 2013 um 12:57 Uhr

    da „die bandbreite“ auch im bundestagswahlkampf der niedersächsischen linken zum einsatz kommen soll, ein link zu einem beitrag auf unserem blog: https://www.potemkin-zeitschrift.de/2013/06/24/dokumentiert-schreiben-an-den-landesvorstand-niedersachsen-im-bezug-auf-die-bandbreite/

  3. #3 | Richard sagt am 18. Juni 2017 um 17:55 Uhr

    Vier Jahre später, wie klug die Entscheidung der RLS war, sieht man nun. Festival lebt, Bandbreite tritt auch dieses Jahr wieder da auf. Der Spaltungsversuch war wohl doch nicht so eine gute Idee. Wie sieht wohl die neue Strategie aus, die verhindert, dass reaktionäre Pseudolinke und Verschwörungtheoretiker sich zusammenfinden und zukünftiges wirres Geschwurbel vorbereiten.

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