NRW: Das Land der verpassten Chancen

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NRW hinkt anderen, erfolgreicheren  Bundesländern wirtschaftlich hinterher meldet die Rheinische Post und zitiert eine McKinsey-Studie. Die Berater schlagen auch gleich Lösungen vor. Dafür werden sie bezahlt,  das wird erwartet, ist aber müßig. 

Der Rheinischen Post liegt eine Studie der Beratungsgesellschaft McKinsey vor. In ihr wird der Wirtschaftspolitik des Landes eine schlechte Note ausgestellt und das seit Jahrzehnten. Das ist keine Überraschung, aber immer mal wieder gut, sich in Erinnerung zu rufen: Spätestens seit der Ära Johannes Rau hinkt NRW der wirtschaftlichen Entwicklung hinterher und die Folgen sind in weiten Teilen des Landes, vor allem aber im Ruhrgebiet, sichtbar: Im schlimmste Fall Verfall, ansonsten Stagnation. Nur an wenigen Orten bekommt man ein Gefühl von Aufbruch. Und wieder ist die Situation im Ruhrgebiet, wo immerhin fast jeder Dritte Bürger Nordrhein-Westfalens lebt, am fatalsten: „Aufbruch“ scheint hier noch nicht einmal Teil des aktiven Wortschatzes zu sein.

Die Rheinische Post schreibt über die Studie:

Die Experten zeichnen dort ein trübes Bild von Nordrhein-Westfalen: „Die Wirtschaft in NRW fällt seit 1980 gegenüber anderen Bundesländern zurück.“ Seit der deutschen Einigung liegt das Inlandsprodukt pro Kopf in NRW unter dem Durchschnitt der westlichen Bundesländer. NRW-Bürger erwirtschaften im Schnitt 32.600 Euro im Jahr, in Bayern sind es 36 900 Euro. „Das Land schöpft sein Potenzial nicht aus“

McKinsey hat auch Vorschläge gemacht, wo neue Jobs herkommen können. Dankenswerter Weise schlossen sich die Berater dem Öko-Hype nicht vollkommen an, schwärmen nicht von Erneuerbaren Energien, sondern nennen Kreislaufwirtschaft, City-Logistik, bargeldlosen Handel und effiziente Pflege als Wachstumsfelder. Das meiste davon ist nicht weiter originell und wird, wie der bargeldlose Handel, sowieso kommen. 25.000 neue Jobs sollen allein in diesem Bereich  entstehen – wobei man die Arbeitsplätze gegenrechnen muss, die durch die Verlagerung des Handels ins Internet wegfallen werden. Der Handel wird also kaum ein Jobmotor der Zukunft sein – ob bargeldlos oder nicht.

Was fehlt ist ein Hinweis auf die Mentalität in NRW und vor allem im Ruhrgebiet. Hier werden die Auswirkungen der Ära Rau und seiner Wiedergängerin, Ministerpräsidentin Hannelore Kraft, am  deutlichsten: Eigeninitiative zählt wenig in NRW. Ständig wird in diesem Land etwas beschützt, verspricht die Politik den Wandel so zu gestalten, das ihn niemand spürt was nichts anderes bedeutet, als den Wandel zu bremsen, wenn nicht zu verhindern. In NRW schätzt man die Industriekultur mittlerweile höher als die Industrie, wird jede Veränderung als Bedrohung und nicht als Chance gesehen.  Diese Politik ist in NRW mehrheitsfähig und sie hat sich tief in das Bewusstsein der Menschen eingeschlichen – auch in diesem Fall ist die Lage im Ruhrgebiet am schlimmsten. Der Glaube, dass der Staat es schon richten wird, hat hier fast den Charakter einer Religion angenommen.  Dieser Glaube lähmt Eigeninitiative und Aufbruch, er führt dazu, das viele von denjenigen  gehen, die etwas bewegen wollen.  Egal, welche Initiativen das Land in Zukunft an den Start bringt – sie nutzen nichts, wenn das alte, lähmende Gift der Staatsgläubigkeit weiter wirkt.

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43 Kommentare

  1. #1 | Michael sagt am 23. Juni 2013 um 13:20 Uhr

    Gerade mit dem Niedergang der Stahlindustrie fällt die beobachtete Entwicklung zusammen. Aber gerade die Akteure der Stahlindustrie auf Arbeitgeber- wie auch auf Arbeitnehmerseite haben zusammen mit den in Düsseldorf regierenden Marionetten jahrzehntelang eine Entwicklung und Ansiedlung von anderen Gewerben systematisch verhindert. Sie wollten keine Konkurrenz auf dem Arbeitsmarkt, sondern eine Konkurrenz der ArbeitnehmerInnen…

  2. #2 | Jens Schmidt sagt am 23. Juni 2013 um 13:27 Uhr

    Besonders den letzten Absatz kann man sich nur dick an die Pinnwand hängen, er trifft den Nagel auf den Kopf!

  3. #3 | A-Punkt sagt am 23. Juni 2013 um 13:45 Uhr

    Ich wohne, seit ich denken kann, im ruhrgebiet, und mindestens in meiner generation und darunter hat noch nie jemand große erwartungen in den staat gesetzt. das hat uns die ära kohl, in der wir groß geworden sind, ausgetrieben. dieser schmu von einer „mentalität“, in der eigeninitiative nichts zählt, ist schlichtweg lächerlich. die einzigen, die (wie überall) besseren zeiten hinterhertrauern, sind die rentner. obwohl deren generation noch voll vom derzeitigen system profitiert.
    und wenn man von industriefeindlichkeit spricht, darf doch die frage erlaubt sein, welche industrie sich denn hier in den letzten 30 jahren ansiedeln wollte, aber von der politik daran gehindert wurde. und jetzt kommen sie mir bitte nicht mit übertriebenen umweltschutzgesetzen etc. da kann ich ihnen nur einen besuch z.b. in peking empfehlen, da könnten sie am eigenen leib erfahren, wie die auswirkungen einer ungezügelten industriepolitik in sachen umweltbelastung aussehen.
    fakt ist doch, dass das ruhrgebiet schlicht und einfach eine region ist, deren struktur, auch infrastruktur durch den wegfall der montanindustrie in teilen überdimensioniert bzw. komplett überflüssig geworden ist. das muss die politik seit 40 jahren irgendwie auffangen.
    ich mag den roten filz genau so wenig, aber wenn sie eine brillante idee haben, wie die lage zu verbessern wäre, dann her damit.
    ich dachte bis jetzt, dieser blog hätte unabhängige, interessante kommentare zu bieten. oder soll das eine bewerbung für spiegel, bild oder faz sein ?

  4. #4 | Udio sagt am 23. Juni 2013 um 13:54 Uhr

    Passend dazu:

    https://www.openpetition.de/petition/online/angekuendigte-streichung-der-landeszuschuesse-fuer-die-archaeologie-und-denkmalpflege-zuruecknehmen

    Die letzte Möglichkeit die Petition zur Rücknahme der Kürzungen bei der Denkmalpflege zu unterzeichnen !!!

  5. #6 | Jochen Hoff sagt am 23. Juni 2013 um 14:18 Uhr

    In meiner Zeit im Ruhrgebiet habe ich eine derartige Mentalität nicht verzeichnen können. Im Gegenteil. Als es bei Kohle und Stahl noch lief, wurden mengenweise andere Ideen realisiert, die aber natürlich vom Großkapital gebremst wurden, weil ja jeder Arbeitnehmer dort gebraucht wurde und eine Konkurrenz um die Arbeitnehmer die Kosten erhöht hätte.

    Das wirkte sich sogar bis in die Wirtschafts des Sauer- und Siegerlandes aus. Mittelstand war nicht wichtig weil es ja Großindustrie gab. Im übrigen war Bruder Johannes genau so eine Marionette wie die CDU-Hampelmänner und Frauen. Von der FDP wollen wir lieber nicht reden. Das der wirtschaftlich hochsubventionierte Lindner der aber zu dämlich wahr ein Unternehmen auch nur kurzfristig erfolgreich zu führen, sagt wohl viel über die herrschende Klasse aus.

    Aber die Dinge ändern sich eben doch. Ich sehe überall kleine Lichter und es ist ein rumoren zu hören, dass im Getöse der einstürzenden Giganten zwar leicht untergeht, aber da ist Hoffnung, da ist Innovation. Überall. Aber der Herr Laurin hat natürlich Angst dass diese Indivitdualisten die Mutigen ein wenig subventioniert werden. Dann bleibt ja weniger für seine Auftraggeber vom Großkapital die nur zu prekären Löhnen bei totaler Rechtlosigkeit Gewinne erwirtschaften können. Er ist eben ein Journalist. Er schreibt die Stellen zwischen der Werbung voll.

  6. #7 | Klaus Lohmann sagt am 23. Juni 2013 um 15:29 Uhr

    Ich muss mal schnell nachgucken, ob das heutige McKinsey-Geschwurbel vielleicht 1:1 von den Vorlagen für das genauso schwabbelige „dortmund-project“ aus dem Jahr 2000 abgepinnt wurde. Allein für Dortmund wurden ja über fast 6 Jahre hinweg immer wieder 75.000 neue Arbeitsplätze propagiert, bevor man das Ding in 2006 auch offiziell als Pleite betrachtete.

    Das Problem damals ist wahrscheinlich maßgeblich auch das heutige Problem – sobald man im Ruhrgebiet Politiker, die häufig aus Arbeiter-Verhältnissen und nach Gewerkschaftsbildung fürs politische Geschäft rekrutiert wurden, mit solchen Meta-Visionen und -Plänen konfrontiert, wird bei diesen daraus eine krude Mischung aus fast schon beamtenmäßiger Abrackerei von möglichst simpel gehaltenen und nicht zu anstrengenden Listenpunkten und einem tief in der Arbeiterbewegung verwurzelten Misstrauen gegen solch akademische, „überkopfte“ Ideen. Der Bergmann erfüllt nur seine Pflicht, mault aber an Allem rum, was er nicht kapiert.

    Zumindest meine niederschmetternden Erfahrungen im besagten dortmund-project waren halt so. Und ThyssenKrupp als eigentliche Auftraggeber und „Erfinder“ solcher Visionsschmiedereien lachen sich wahrscheinlich heute noch scheckig, wenn sie an diese schöngefärbte, mit Engelszungen verkaufte „Ersatzinvestition“ für die knallharte Verlagerung der Großindustrie raus aus dem Ruhrgebiet denken müssen.

  7. #8 | Volker Steude sagt am 23. Juni 2013 um 15:59 Uhr

    Eigeninitiative zählt wenig in NRW. Jede Veränderung als Bedrohung und nicht als Chance gesehen. Den Eindruck teile ich.

    Allerdings besteht hier nicht nur der Glaube, dass der Staat es richten wird, sondern auch, dass nur wieder neue mächtige Konzerne angesiedelt werden müssen, die die Lage schon richten werden. Das Wirtschaft heute anders, u.a. viel kleinteiliger, strukturiert ist, wird nicht wirklich wahr genommen.

    Aber es gibt m.E. noch ein anderes großes Problem. Das Ruhrgebiet sieht immer nur sich selbst. Es gibt nur wenige Menschen, die mal in anderen Städten Metropolregionen gelebt oder diese studiert haben. Es wird daher auch nicht wahr genommen, wie krass runtergekommen Teile des Ruhrgebietes im Verhältnis zu anderen deutschen und europäischen Regionen bereits sind.

    Es besteht auch nicht die Bereitschaft vorbehaltlos zu analysieren, warum es woanders besser geht und dann entsprechende Konzepte angepasst auf unsere Region zu übertragen.

    Auch ist so ein Urgefühl verbreitet, dass man an der Misere nicht selbst Schuld ist, sondern andere, die einem die Finanzen vorenthalten, die für eine prosperierende Entwicklung erforderlich wären. Man hat den Eindruck, verantwortlich ist im Ruhrgebiet nie irgendjemand für irgendwas.

    Selbst die Entscheidungsträger, die seit 40 Jahren in Politik und Verwaltung die Weichen stellen, können immer wieder die alten Phrasen absondern, ohne das male einer sagt. „Wir haben die Schnauze voll und können es nicht mehr hören. Mach endlich Schluss. Deine Politik hat nicht zum Erfolg geführt. Sieh’s endlich ein. Du trägst eine Mitverantwortung für die Misere. Also trete bitte zurück und wir überlassen die Entscheidungen jetzt mal anderen, die es mal auf andere Weise versuchen.“

  8. #9 | Klaus Lohmann sagt am 23. Juni 2013 um 17:25 Uhr

    #8 | Volker Steude: Mehrere Vor-Kommentatoren hatten allerdings auf das Gegenteil der „kleinteiligen“ Visionen hingewiesen, siehe z.B. #1.

    Solange Unternehmen wie TK oder Mannesmann hier auf Riesenflächen, die z.B. für neue Logistikkonzepte benötigt werden, kleben bleiben, weil man es erstens so gewohnt war und zweitens die Kommunen damit zwingen will, ihnen die immensen Sanierungskosten zu erlassen und evt. sogar noch richtig was obendrauf zu zahlen, solange wird sich wenig ändern.

    Was die gewisse Unflexibilität der Lokal- und Regionalpolitik angeht: Wer über 60 Jahre in seiner Partei konditioniert wurde, der Altindustrie die Stiefel zu lecken, damit ihn der gleiche Stiefel möglichst sauber in den Ar… treten kann, der wird sich so schnell nicht ändern. Die SPD-Stamm-/Restwählerschaft in den Altenheimen und Zechenhäusken ist leider sehr zäh, wenn’s ums Wählen geht…

  9. #10 | Walter Stach sagt am 23. Juni 2013 um 18:53 Uhr

    1.
    Ich bin enttäuscht über die Ideen zu den Themenfeldern, die den Gutachtern zur wirtschaftlichen Entwicklung des Ruhrgebietes eingefallen sind.

    2.
    Nichts (!!) Neues.

    3.
    Interessant, daß kein einziges Themenfeld benannt wurde, das im herkömmlichen Sinne „industriell“ genannt werden kann.

    4.
    Bei den Ruhrbaronen -und anderswo-ist „bis zum geht nicht mehr“ über die Ursachen des Zustandes der „Wirtschaftsregion Ruhrgebiet“ und über deren Perspektive diskutiert worden, gestützt auf X-Gutachten und Studien.

    Z. B.über Ursachen,
    die mit der jüngeren Wirtschaftsgeschichte zu tun, also namentlich mit dem radikalen Abbau industrieller „Massenarbeitsplätze“ , und zwar relativ gut bezahlter -sh.Bergbau/Stahl/- und der objektiven Unmöglichkeit, diesen Abbau quantitativ und qualitativ auch nur annähernd ausgleichen zu können.

    Z.B. über Ursachen,
    die mit Mängeln der Infrastruktur zu tun haben – sh. z. B.Breitbandverkabelung im Revier, sh.das nachwievor absolut unbefriedigene Angebot des ÖPNV für die AN im Revier-

    Z.B. über Ursachen,
    die mit Mängeln in den sog. weichen Standortfaktoren zu tun haben, sh.z.B. Mängel bezüglich eines quantitativ und vor allem qualitativ hervorragenden -konkurrenzfähigen-Angebotes an Kinderbetreuungseinrichtungen,

    z.B. über Ursachen,
    die mit Mängeln bezüglich der Fähigkeit und des Willens von Arbeitgebern und Arbeitnehmer zu größtmöglicher Flexibilität zu tun haben können – räumlich, zeitlich,inhaltlich-

    z.B. über Ursachen,
    die mit Mängeln der öffentlichen Verwaltung zu tun haben können

    – „eine“ ruhrgebietsumfassende, effektive Struktur?
    – „verwaltungsinterne“ Optimierung von Effizienz und Effektivitä?
    – „interkommunale Zuammenarbiet“?

    z.B. über Ursachen,
    die mit „Mentalitätsproblemen“ zu tun haben können -in der Bürgerschaft, in der Politik -in allen (!!)Partein, Fraktionen, Räten-, in der Administration,in den Gewerkschaften, in den Betriebsräten, Probleme, die -sh.auch vorangegange Beiträge-mit einem im Revier besonders ausgeprägten Beharrungsvermögen zu tun haben könnten – „Beharren“ an herkömmlichen Strukturen, Organisatione,Prozessen, Personen, Produkten,Dienstleistungen-.

    z.B. über Ursachen,
    die zu tun haben mit einer im Revier besonders ausgeprägten „Kungelei“ von Politik (Gewerkschaften), Wirtschaft,Medien, die oftmals einem offen Wettbewerb von Gedanken, Systemen,Ideen im Wege steht, wenn herkömmliche Strukturen, wenn jahrelang „bewährte“ Machtverhältnisse, wenn gemeinsamen Interessen durch „Neues“ gefährdet erscheinen.

    z.B . über Ursachen,
    die zu tun haben könnten mit………………-ich könnte jetzt weitermachen-.

    Und wie immer, wenn all das ‚mal wieder aus aktuellem Anlaß zu einer Diskussion führt,
    hier im Blog, vermutlich für ein/zwei Tage auch in anderen Medien, vermutlich aus aktuellem Anlaß -sh.Wahlkampf- für einige Tage mehr in der Politik,

    wird ansonsten wie immer alles bleiben wie es ist.

    Anderes zu erwarten, scheint utopisch zu sein.

    Es mag vielmehr so sein, daß es ein Jahrhundert braucht, damit sich ein System in seinen vielen tausend Bausteine, in seinen vielschichtigen Strukturen von ganz allein -ungesteuert, nicht gelenkt, unbewußt- fundamental erneutert oder sich selbst gänzlich abschafft und aus sicher heraus ein neues System erzeugt, trotz der oben angesprochenen Probleme, wider alle Widerstände, wider alle Unzulänglichkeiten personeller, gesellschaftlicher,organisatorischer Natur.

    Darf man, kann man, sollte man darauf bauen oder nicht doch……………?

  10. #11 | Thorsten Stumm sagt am 23. Juni 2013 um 18:55 Uhr

    @volker steude
    „Aber es gibt m.E. noch ein anderes großes Problem. Das Ruhrgebiet sieht immer nur sich selbst. Es gibt nur wenige Menschen, die mal in anderen Städten Metropolregionen gelebt oder diese studiert haben. Es wird daher auch nicht wahr genommen, wie krass runtergekommen Teile des Ruhrgebietes im Verhältnis zu anderen deutschen und europäischen Regionen bereits sind. “

    Danke, danke….endlich mal jemand der das auch so sieht. Diese Haltung macht mich wahnsinnig…..diese anderswo is auch scheisse Haltung….eben nicht rufe ich da immer und schau nur in tumbe Gesichter die ihren Ruhrgebietsopfermythos leben…Danke !!!!

  11. #12 | Volker Steude sagt am 23. Juni 2013 um 19:53 Uhr

    @ W. Stach: Ich bin enttäuscht über die Ideen zu den Themenfeldern, die den Gutachtern zur wirtschaftlichen Entwicklung des Ruhrgebietes eingefallen sind.

    Stimmt, sehr innovativ ist das nicht, was McKinsey da vorschlägt. Da wird alles auf 4 Themenfelder vereinfacht. So sind Unternehmensberatungen… , einfacher lässt sich halt besser verkaufen.

    Ja, eigentlich sollte man keine weiteren Studien und Gutachten benötigen, um zu erkennen, woran es krankt. … wenn man hier einige Kommentarthreads liest, sollte das eigentlich genügen ;-).

    Aber, ich glaube nicht, dass sich die Strukturen über ein Jahrhundert hinweg sukzessive ändern. Wie es aussieht, fahren wir das Ruhrgebiet einmal griechenlandmäßig gegen die Wand und dann kommt die Radikalkur. …. hat aber dann natürlich keiner vorher wissen können… und wir sind ja nur Opfer von Entscheidungen, die andere getroffen haben… .

    Das Problem, eine gesellschaftliche Explosion, die mit einem solchen Crash einhergehen wird, wird im Ruhrgebiet von den Populisten ausgenutzt werden. Das Ergebnis ist dann offen… .

    @Th. Stumm: Ja, „Ruhrgebietsopfermythos“ ist ein treffender Begriff. „Woanders ist auch Scheisse“, ist bei manchen zur Haltung geworden.

    Auch wenn ich mir bei den Journalisten jetzt wieder Feinde mache, auch in den Lokalblättern wird beständig ein Bild erzeugt, das mit den wahren wirtschaftlichen Verhältnissen und den Entwicklungen nicht annähernd übereinstimmt. Man muss ja nicht gleich alles schwarz malen, aber… .

    Da werden einem z.B. in Bochum die alarmierenden Leerstände von Prestigebauten wie dem Exzenterhaus ohne jeden Hauch von Hinterfragen noch ungeniert als Erfolgsprojekt verkauft. Dass der Vermieter zum 3. Mal den Beginn der Vermarktung verkündet, fällt dem Lokalreporter offensichtlich gar nicht auf… !

  12. #13 | TuxDerPinguin sagt am 23. Juni 2013 um 20:57 Uhr

    ist die negative Grundhaltung in den Kommentaren jetz wieder „typisch Ruhegebiet“? Was wäre erst los, wenn das Ruhrgebiet so hässlich und arm wie Berlin wäre?

    Es wurden nun mal in der Vergangenheit Fehler gemacht, die dazu führten, dass das Ruhrgebiet von den Wirtschaftsdaten her eher mit dem Osten Deutschlands vergleichbar ist.
    Das Ruhrgebiet müsste sich zum Einen gesundschrumpfen, zum Anderen bestimmte Grenzen aufgehoben werden, um die Zusammenarbeit zu stärken und zu verbessern, sodass sich die Infrastruktur verbessert. Das sind Sachen, die sich deren Erfolge dann in Jahrzehnten sichtbar werden…

    Solange kann man als Akademiker von den niedrigen Lebenshaltungskosten profitieren. Die höheren Löhne in Hamburg oder München werden von den dort erhöhten Lebenshaltungskosten eigentlich mehr als weggefressen. Dazu hat man das ganze Ruhrgebiet betrachtend auch eine genug Kultur und Naherholungsgebiete für den intellektuellen, freizeitliebenden Akademiker von heute. Deshalb bleibe ich erstmal hier.
    Zumal ich in Deutschland keine besseren Wohnort kenne. International schon… z.B. Kopenhagen.. zumindest für mich Stadt-Kind.

    ps: „Ständig wird in diesem Land etwas beschützt, verspricht die Politik den Wandel so zu gestalten, das ihn niemand spürt was nichts anderes bedeutet, als den Wandel zu bremsen, wenn nicht zu verhindern“
    Dass Stefan mal für hohe Strompreise zur Förderung Erneuerbare Energien wirbt… 😉

  13. #14 | Helmut Junge sagt am 23. Juni 2013 um 21:44 Uhr

    @Thorsten Stumm (11),
    Zitat „Diese Haltung macht mich wahnsinnig…..diese anderswo is auch scheisse Haltung….eben nicht rufe ich da immer und schau nur in tumbe Gesichter die ihren Ruhrgebietsopfermythos leben…Danke !!!!“
    Wenn es so ist,
    wo kommt das dann her?
    Und ist diese Haltung überhaupt schlecht?
    Wäre es denn besser, wenn sie sagen würden, dass hier verglichen mit woanders alles supergut sei?
    So war das früher. Das habe ich häufig gehört.
    Dieses „woanders ist auch scheiße“ ist auf jeden Fall einen Schritt davon weg, zu sagen, daß hier alles supergut sei.
    Das ist doch was, finde ich.
    Du bist nur zu ungeduldig. Eines Tages werden Deutsche, Männer und Frauen keinen Spaß mehr daran haben, alle 10 bis 11 Jahre Sandsackketten zu bilden. Dann werden sie von ihren Regierungen verlangen, daß die Deiche bauen läßt.
    Wenn das geschieht, beginnt das vorausdenkende Handeln. Vorher nicht.
    Aber wir sind kurz davor.

  14. #15 | Links anne Ruhr (24.06.2013) » Pottblog sagt am 24. Juni 2013 um 06:14 Uhr

    […] NRW: Das Land der verpassten Chancen (Ruhrbarone) – Siehe auch den Bericht über die entsprechende Studie. […]

  15. #16 | Walter Stach sagt am 24. Juni 2013 um 11:17 Uhr

    -12-
    Volker Steude -sh.Ihre abschließende Meinung mir gegenüber-:

    Dass konkret die soziale Spaltung in den Ruhrgebietskommunen, dass die sog.Segregation -sh.dazu vor allem das soziale Gefälle zwischen den nördlichen und den südlichen Stadteilen der Ruhrgebietskommunen nebst den Migrationsproblemen- dazu führen können, daß die „abgehängten Menschen“, daß vor allem jungen Menschen ohne jegliche Perspektive aus diesen Segregationsräumen, das Potential haben, gewaltsam gegen „alles Andere und gegen alle Anderen“ zu rebellieren -sh.beispielsweise die Aufstände in den Randgebieten von Paris-ist nicht zu bestreiten. Ob dieses Potential unter bestimmten Bedingungen ‚mal zur Entfaltung kommen kann und mit welchen Folgen? Darüber sollte zumindest nachgedacht werden. Derzeit sehe ich diesbezüglich kein akutes Gefährdungspotential für „die übrige kommunale Bürgergesellschaft“ oder?

    Volker Steude,
    ich habe zu dieser Problematik bei den Ruhrbaronen schon ‚mal mein immer währendes Erstaunen darüber formuliert, wie friedfertig, wie gesellschaftskonform sich die „abgehängten“, die „ausgesonderten“, die nach ihrem sozialen Status und nach ihrer Herkunft separierten Menschen in den Kommunen in Deutschland insgesamt -sh.u.a.Berlin-,aber eben auch in den Kommunen des Ruhrgebietes, bisher verhalten haben. Das kann daran liegen, daß sie überwiegend sozial immerhin deutlich besser gestellt sind als vergleichbare Bevölkerungsgruppen in Frankreich oder in England.

    Ich jedenfalls habe meine Zweifel,ob ich z.B. als 18 Jähriger, ohne jegliche Perspektive in der Nordstadt Dortmunds wohnend, in der Lage wäre, stets gewaltfrei mein Schiksal hinzunehmen.

    Volker Steude,
    die hier angesprochen Problematik ist bekanntlich eine weltweite und gilt für alle großen Ballungsräume. Sie ist also nicht ruhrgebietsspezifisch. Gleichwohl und unbestritten, gehört diese Problematik mit in jede Diskussion, die sich mit der Gegenwart und der Zukunft der Wirtschaftsregion Ruhrgebiet und damit mit den Perspektiven des Ruhrgebietes schlechthin befaßt.

    Aber auch das ist ja nicht Neues.

    Diese Problematik ist wissenschaftlich hinreichend erforscht, bearbeitet, begutachtet.

    Die Ruhrgebietskommunen verkennen allesamt nicht diese Problematik .

    Sie sind seit Jahren allesamt dabei, Problemlösungen zu finden und umzusetzen, allerdings ohne substantielle Erfolge.

    Ich weiß nicht, ob es zur Aufgabenstellung der jetzt hier diskutierte Studie hätte gehören können, ‚mal aufzuzeigen, ob und wie es gelingen kann, auch angesichts des demogr.Wandels und einer Verknappung des Angebotes an Arbeitskräften,ganz spezielle Produktbereiche, Dienstleistungsbereiche zu benennen, die konkret für diese Segregationsräume, für die dort lebenden Menschen bedeutsam sein könnten..

  16. #17 | Jochen Hoff sagt am 24. Juni 2013 um 11:34 Uhr

    Die Gefahr eines Aufruhrs besteht nur deshalb nicht, weil die Jugendlichen sich nicht solidarisieren. Sie haben das Ausgrenzen soweit verinnerlicht, dass sie sich selbst in kleine und kleinste Gruppen aufspalten, die den Gegner nur in der anderen Gruppe sieht. Der Kampf findet also nur untereinander ab und der Dampf der dort abgelassen wird, fehlt für jeden anderen Aufstand.

    Im Grunde genommen sollten wir glücklich darüber sein, weil das die Chance des Handelns weiter offen lässt. Die Möglichkeiten wären da. Zahlen wir doch Hastz IV + X für einen Schulbesuch der 16 – 30 jährigen. Helfen wir den kleinen Handwerksmeistern bei der Ausbildung, mit Geld aber auch mit weniger Papierkram. Es gäbe vieles zu tun. Wenn wir den Menschen ein Gefühl für ihren Selbstwert vermitteln könnten wäre viel gewonnen. Da die FDP eh aus dem Bundestag fliegt, wäre das doch die Gelegenheit schlecht hin.

    Übrigens das ist kein Problem des Ruhrgebiets. Frankfurt und München haben die gleichen Probleme. Da ist es nur noch nicht so deutlich, weil niemand die Slums in ihren Anfängen sieht.

  17. #18 | Walter Stach sagt am 24. Juni 2013 um 11:44 Uhr

    Ich lese soeben in der neuesten Studie der Bertelsmann-Stiftung, daß es in ganz Deutschland -graduell unterschiedlich- nach wie vor k e i n e gleichen Chancen für alle Kinder in der Bildung/Ausbildung gibt.

    Ich habe hier bereits mehrfach erklärt, ausgehend von der Annahme dessen, was die Bertelsmann-Studie jetzt erneut belegt, daß das größte Versagen des Sozialstaates Bundesrepublik Deutschland sich für mich in diesem Mißstand niederschlägt -und nicht nur, aber auch nicht primär in (zu-)niedrigen HartzIV Sätzen, in Kleinstrenten, in Minijobs, in Niedriglöhnen. u.ä.mehr.-

    Es wäre ja ‚mal was, wenn das Ruhrgebiet, die Ruhrgebietskommunen erklären würden:

    „Wir wollen in spätestens 1o Jahren die Region sein, die vom Kindergarten bis zur Uni nachweislich jedem Kind,jedem Jugendlichen die gleichen Bildungs-/Ausbildungs-/Fortbildungschancen bietet. Wir sind die Region der Chancengleicheit in der Bildung für alle KInder.“

    Wir, die weltweite Modellregion für Chancengleichheit aller Kinder in der Bildung/Ausbildung/Fortbildung?

    Abgesehen von dem prioritären Ziel, nämlich damit einer Pflicht nachzukommen, die dem Sozialstaatsprinzip innewohnt, würde das auch für die „Wirtschaftsstandregion Ruhrgebiet“ im weltweiten Wettbewerb von Vorteil sein.

    Aber……………
    – Vision oder gar nur Utopie eines Träumers? Wahrscheinlich ist das so.-

    (PS
    Immerhin freue ich mich, daß „meine “ SPD mit dem Ziel, allen Kindern die unentgeltliche Nutzung einer Kindertagestätte ermöglichen zu wollen, in den Wahlkampf zieht;ein Anfang auf dem richtigen Weg zu mehr Bildungsgerechtigkeit.)

  18. #19 | Klaus Lohmann sagt am 24. Juni 2013 um 11:47 Uhr

    @#14 | Helmut Junge: Überspitzt formuliert hoffe ich, dass deutsche Politik in Zukunft nicht so verblödet ist und dem tumben Aufschrei „Mehr Deiche!“ erliegt, denn das verschärft die Hochwasserproblematik noch viel schlimmer, als es bislang schon mit Flächenversiegelung und Flussbegradigung passiert ist.

    Zum Thema „woanders is auch scheiße“ möchte ich die hier gestellte Frage nach den einzelnen Erfahrungen in anderen Regionen und Städte doch bitte mal ernsthaft wiederholt sehen. Wenn man hier in einem in DE einzigartigen *Ballungsraum* auf wenigen Kilometern Distanz immer wieder die gleichen Ex-Industriequartiere – sowohl Industrie- als auch Wohnbauten – findet, dann bedeutet das keinesfalls, dass man sowas nicht auch *vereinzelt* in anderen Metropolen sieht.

    Ich zumindest kenne ausreichend Ecken in Hamburg, Berlin, FFM, selbst in München oder auch in kleineren Städten wie Saarbrücken oder Stuttgart, hinter denen sich die Dortmunder Nordstadt bestimmt nicht verstecken müsste. Vom Osten oder anderen EU-Ländern wie z.B. Belgien, England oder Nordfrankreich fang ich erst gar nicht an…

  19. #20 | Walter Stach sagt am 24. Juni 2013 um 12:14 Uhr

    -19-Klaus Lohmann -u.a.-

    Meine Beiträge zum Thema „Gegenwart und Zukunft des Ruhrgebietes“, hier konkret zu den Perspektiven der Wirtschaftsregion Ruhrgebiet, resultieren nicht aus einem persönlichen Unwohlsein mit meinem Leben im Revier, am Nordrande des Reviers, sie resultieren auch nicht aus einer denkbaren Erkenntnisse, daß die Kommunen, daß die Poltiker, daß die Bürgerschaft im Ruhrgebiet grundsätzlich versagt, wenn es um die Lösungen von Problemen des Reviers geht.

    Ich diskutiere, ich bringe Ideen ein, ich kritisiere, weil ich meine, daß Manches, -daß Vieles? -noch- besser angepackt werden könnte und angepackt werden müßte. Und das gehört doch dazu, wenn man sich seiner Heimat, den Menschn die hier leben, verbunden und verpflichtet fühlt.

  20. #21 | Helmut Junge sagt am 24. Juni 2013 um 13:09 Uhr

    @Klaus Lohmann,
    Sie glauben also, dass „die Hochwasserproblematik durch Deiche, bzw. „mehr Deiche“ verschärft wird?
    Wie denn? Voodoozauber, wenn ich Deiche baue, dann regnet es?

  21. #23 | Helmut Junge sagt am 24. Juni 2013 um 15:05 Uhr

    Durch die Überflutung der Stadtgebiete an der Elbe hat das Wasser sich selber Tetentionsflächen riesigen Ausmaßes geschaffen.
    So, wie in Ihren Links mit flotten Überschriften Deiche nicht als Lösung des Problems bezeichnet werden, könnte ich sagen, daß wir durch die riesigen, vom Wasser selbst geschaffenen Retentionsflächen sehen, daß die auch keine Lösung darstellen. Das wäre allerdings genau so ein Quatsch. Bei den Deichen ist es aber so, daß in Sachsen durch vergangene durchgeführten Maßnahmen „im fluß gehalten“ wurde, dadurch aber im flußabwärts gelegenen Magdeburg, wo solche Maßnahmen nicht durchgeführt worden sind, das Wasser dann überlaufen konnte.
    Man muß schon auf ganzer Flußlänge die Deichen anheben.
    Sonst nützt das nichts. Überhaupt sollte man davon ausgehen, daß das nächste Hochwasser noch höher steigen wird.
    Das war noch keine Jahrhundertflut, wie immer wieder behauptet wird. Die Jahrhundertflut kommt noch.
    Was wir bisher hatten sind mittlerweile normale Hochwasser, die sich alle 10-12 Jahre, manchmal schneller wiederholen.
    Alle Maßnahmen, die geeignet sind, das Wasser langsamer bergabfließen zu lassen, sind erst einmal gut.
    Die in Deutschland üblichen Flußbegradigungen sind neben dem Regen, den wir nicht verhindern können, die Hauptursache. Selbst kleinste Bäche rauschen heute die Hügel, weil begradigt, rasend herunter. Das muß geändert werden.
    Was die Bodenversiegelung betrifft, denke ich, dass die den allergeringsten Einfluß hat, wenn man damit den Boden in den Städten meint. Das Wasser fließt an den Berghängen zu schnell ab. Da gab es früher mehr Bewaldung, mit Böden, die Wasser aufsaugten. Wenn es erst mal in den Innenstädten ist, spielt die Bodenversieglung überhaupt keine Rolle mehr.
    Also: Deiche sind letzter Schutz, den Regen werden wir nicht verhindern, aber in den Bergen sind durch Bodenreformen seit den 60iger Jahren komplett falsche Maßnahmen eingeleitet worden. Dort sind Retentionsflächen angebracht.
    Da da anscheinend keiner dran will, werden wir leider an den Flußunterläufen, Deiche rückbauen bis nach weiteren 6-12 Überflutungen ernsthafter über das Problem nachgedacht wird.
    Ach, für Maßnahmen an den Flußunterläufen gibt es in den Niederlanden Experten, die wir fragen könnten. Deutschland müßte weiter Flußaufwärts Erfahrungen sammeln.
    Und damit sind wir in NRW! Wir haben die Kurve gekriegt.
    NRW könnte da Maßgebende erste Forschungen durchführen. Maßnahmen natürlich auch.

  22. #24 | Helmut Junge sagt am 24. Juni 2013 um 15:09 Uhr

    Statt „Bodenreformen“ sollte eigentlich „Flurbereinigungen“ stehen.

  23. #25 | Klaus Lohmann sagt am 24. Juni 2013 um 16:15 Uhr

    „Alle Maßnahmen, die geeignet sind, das Wasser langsamer bergabfließen zu lassen, sind erst einmal gut.“

    Jo, dann scheiden ja Deiche per se aus.

    Der Generaldenkfehler der letzten 60 Jahre ist halt, dass man Deiche bauen müsste, weil ganz woanders die Kommunen nur an sich denken würden. „Spirale des gegenseitigen Volllaufen-Lassens“, sozusagen.

    Wissen Sie eigentlich, wieviel Fläche eine einzige Autobahn quer durch eine Kommune so an Retentionspotential vernichtet?? Ein neues Wohn- oder noch schlimmer: Industrie-/Gewerbegebiet? Anscheinend nicht, sonst würden Sie das Problem und die Schuld nicht der Bergbevölkerung in die Schuhe schieben wollen…

  24. #26 | Klaus Lohmann sagt am 24. Juni 2013 um 16:20 Uhr

    @Helmut Junge, noch was apropos „Erfahrungen“ und Holländer: Die Deichbauten des Emschersystems sind so ein holländisches Erfahrungsprojekt, was die letzten 100 Jahre ganz gut hielt. Die Sturzflut 2008 in Dortmund hat dem Jubel darüber aber schon leichte Dämpfer versetzt, wie auch Prof. Grünewald in seinem Gutachten ausführte. Und das Grundwasser im Ruhrgebiet steigt beständig…

  25. #27 | Helmut Junge sagt am 24. Juni 2013 um 17:36 Uhr

    Nein, Herr Lohmann, Deiche scheiden nicht aus. Die brauchen wir als Schutz in den Städten. Das andere muß zusätzlich geschehen.
    Wollen Sie jetzt alle Autobahnen schleifen lassen, weil die Retentionspotenzial vernichtet? Oder warum halten Sie die in diesem Zusammenhang für erwähnenswert? Neh, ich habe keine Ahnung, wieviel Retentionsfläche die wegnehmen. Ist mir auch egal, weil die nun mal da sind und gebraucht werden.
    Nochmal zum mitschreiben Herr Lohmann: Es ist das Wasser aus den Berggebieten, was viel zu schnell in die Bäche strömt, weil es heutzutage über Betonrinnen dort abgeleitet wird. Wenn das alles auf einmal in die größeren Flüsse gespült wird, können Sie die Tage und Stunden berechnen, bis es an bestimmten kritischen Stellen an den größeren Flüssen ankommt. Dann hoffen alle, dass der Pegel nicht zu hoch ansteigt. Alles, was dann kommt ist fast jährlich sich wiederholende Flickschusterei. Dann werden Sandsäcke geschleppt.
    Das ist dann erforderlich, weil man verhindern will, dass die Menschen absaufen.
    Wenn Sie keine Deiche wollen, müssen Sie es den Leuten sagen, die von den Überflutungen betroffen sind. Das wäre das richtige Publikum für Sie.
    Aber weil niemand versteht, dass Sie die Autobahnen abschaffen wollen, um damit zu verhindern, dass die Menschen am Fluß in der Flut zu ertrinken, werden Sie es schwer haben mit Ihrer Argumentation.
    Ich würde Ihnen jedenfalls nicht freiwillig meine Sicherheit anvertrauen. Glauben Sie mir das wenigstens?

  26. #28 | Jochen Hoff sagt am 24. Juni 2013 um 18:34 Uhr

    #27 | Helmut Junge

    Ich weiß nicht warum Sie eine solche Extremposition einnehmen. Fas fürht doch zu nichts. Ja, es wereden sowohl Autobahnkilometer als auch Bahnstrecken, sowie Wohnsiedlungen und Industriegebiete verlegt werden müssen um dem Wasser Raum zu geben in dem es die Fließgeschwindigkeit senken kann. Selbstverrständlich muss dazu auch landwirtschaftliche Fläche zumindest zeitweilig geopfert werden Gleichzeitig werden Deiche benötigt um die Menschen und ihr zu Hab udn Gut zu schützen.

    Ihr Hinweis auf die bösen Bergvölker nützt übrigens gar nicht. Es war die bayrische Staatsregierung die das Wasser möglichst schnell aus den Bergen heraushaben und dort Hotels haben wollte, die heute in Passau steht und staunt wenn der Inn sich an der eh schon übervollen Donau staut.

    Deiche alleine nützen nichts. Zwei oder drei „Jahrhundertunwetter“ hintereinander und die Deiche müssten zwischen 17 und 23 Metern hochsein. Dabei wäre die Fließgeschwindigekeit dann so hoch, dass die Deiche unterspült und in den Fluss fallen würden.

    Aber das wissen sie natürlich auch. Es geht wie immer darum Geld in die Hand zu nehmen und mit der Natur zu arbeiten. Es gibt ja schon ein paar erfolgreiche Beispiele die übrigens viel billiger sind als die Schäden die vorhergegangene Überschwemmungen verursacht haben.

    Der Herr Laurin wird zwar niemals zugeben, dass es einen Klimanwandel gibt, aber die ‚Dinge werden in der nächsten Zeit erst einmal noch schlimmer, auch wenn sich die Geschwindigkeit des Wandels abzusenken scheint. Für eine Entwarnung ist es auf jeden Fall noch viel zu früh.

  27. #29 | Stefan Laurin sagt am 24. Juni 2013 um 18:38 Uhr

    @Jochen: Klimawandel? Ich war vom ersten Tag an dafür 🙂

  28. #30 | Helmut Junge sagt am 24. Juni 2013 um 19:11 Uhr

    @Jochen Hoff,
    nicht ich habe die Bergvölker erwähnt, sondern @Klaus Lohmann.
    Ich habe gesagt, dass durch die Flurbereinigungen seit den 60igern stattgefunden haben, betonrinnen gebaut wurden, um das Wasser schneller abfließen zu lassen. Vorher ging das nicht, weil es mehrere Eigentümer gab, denen die Grundstücke gehört hatten. Aber durch die Zusammenführung der Grundstücke in wenige Hände war der Bau solcher Kanäle leichter durchzuführen.
    Natürlich sind diese Gesetze durch die jeweiigen Landesregierungen beschlossen worden und nicht von den „Bergvölkern“.
    Wenn die bayrische Landesregierung sogar das Wasser besonders schnell aus den Bergen raus haben wollte, um dort Hotels bauen zu lassen, wie Sie schreiben, und was ich Ihnen glaube, wird sie mir nicht symphatischer, obwohl da viel Platz nach Oben bei mir in der Symphatiekurve wäre.
    Ich denke, da sind wir mal nahe zusammen.
    So, jetzt kommt aber ein Satz, den ich nicht verstehe. Sie schreiben „Deiche alleine nützen nichts. Zwei oder drei “Jahrhundertunwetter” hintereinander und die Deiche müssten zwischen 17 und 23 Metern hochsein. Dabei wäre die Fließgeschwindigekeit dann so hoch, dass die Deiche unterspült und in den Fluss fallen würden. “ Ja, stimmt vermutlich. Nur Sie nicht, niemand fragt, wo das ganze Wasser herkommt. Alle schauen auf den Pegel, wissen die Zeit, die noch bleibt, bis das Wasser kommt. Und da setzt mein Hinweis doch ein!
    Wollen Sie das nicht sehen, oder haben Sie meine Kommentare nicht gelesen?
    Dieser Pegel kommt nicht aus dem Nichts, sondern kumuliert, wenn man das bei Wasser so nennen darf, bereits in den vielen Bächen und Zuflüssen.
    Und ich sage und habe gesagt, dass dort die besten Retentionsflächen, die die Natur selbst gebildet hatte, durch die Betonrinnen, die das Wasser schnell aus den Bergen herausbringen, vernichtet worden sind. Dieser Prozeß war, da wiederhole ich mich noch einmal, durch die „Flurbereinigungen“ möglich geworden.
    Und ich bin der Meinung, dass wir da, wenn wir schon die getroffenen Maßnahmen nicht zurücknehmen können, neue Möglichkeiten für neue Retentionsflächen durchführen müssen.
    Ich sehe in Ihrem Kommentar keine wirklichen Widerspruch zu meinen Aussagen.
    Auch die Aussage, dass es wirkungsvolle Maßnahmen gibt, die viel billiger sind, als die bisherigen Schäden, teile ich voll und ganz.
    Herr Hoff, aus meiner Sicht sind wir in dieser Sache einer Meinung!
    Da sind Sie vermutlich nicht drauf vorbereitet?

  29. #31 | Jochen Hoff sagt am 24. Juni 2013 um 19:59 Uhr

    #30 | Helmut Junge

    Natürlich sind wir nah bei einander. Ich will nur darauf hinaus, dass im Gebirge die Retentionsflächen bereits sehr weitgehend zugebaut sind, genau wie die Auwälder an den Flüssen vielfach der Industrie und der Wohnbebauung weichen mussten. Natürlich können wir den Bächen im Gebirge einiges an Fläche wieder zurückgeben, aber das wird nicht reichen. Wir müssen überall solche Flächen herstellen wo auch nur ein wenig Platz ist. Das wird viel Geld kosten, ist aber die einzige Möglichkeit.

    Ich glaube übrigens das sich die massiven Regenfälle häufen werden. In den Siebzigern gab es mal eine Modellrechnung, als die ersten primitiven Klimamodelle gerechnet wurden. Ich glaube es war an der TU. Aber das ist nicht mein Fachgebiet. Trotzdem glaube ich mir die Vermutung erlauben zu können, dass das Abschmelzen des Eises nicht nur den Meerespiegel ansteigen lässt, sondern auch die Feuchtigkeitsmenge in der Luft erhöht, was dann automatisch zu mehr Regen führt. Aber wie gesagt ich bin da Laie.

    Für Herrn Laurin. Ich kenne die Daten über die Zunahme des Eises in der Antarktis. Aber schon in Patagonien haben die Gletscher die gleichen Probleme wie unsere.

  30. #32 | Klaus Lohmann sagt am 24. Juni 2013 um 20:04 Uhr

    @#30 | Helmut Junge: Warum müssen Sie eigentlich immer Ihre früheren Kommentare derart entwerten, dass Sie erst Stunden und mehrere Antworten später, wenn Ihre Position langsam in den Fakten-Fluten wegschwimmt, zur Sache kommen wollen??

    „Das Wasser fließt an den Berghängen zu schnell ab. Da gab es früher mehr Bewaldung, mit Böden, die Wasser aufsaugten“ – das war Ihre #23.

    Darf ich zunächst mal daran erinnern, dass die Starkregenfälle der letzten Wochen in Bayern und Tschechien, die u.A. zu den Donau-Hochwassern führten, beileibe nicht auf Berge und Berghänge beschränkt waren, sondern natürlich gerade im Flachland zu erheblichen Pegelanstiegen im gesamten Einzugsgebiet beitrugen?

    Und natürlich sind es unsere „Bergvölker“ inkl. deren Landesregierungen, die die Hauptbranche Tourismus durch überdimensionierte Bauprojekte fördern und dabei einfachsten Umweltschutz verdrängen. Aber all dies ist nicht die Hauptursache für die jetzigen Flutschäden, denn wir haben ebenso regelmäßig strengere Winter mit viel mehr Schnee in den Alpen, in denen trotz mehr Schmelzwasser (und Gletscherschmelze nicht vergessen) nichts passiert.

    Das, was Sie aus meinen Links überlesen hatten und was mittlerweile Einheitsmeinung der Experten ist, betrifft höchstens die Rückverlegung von bestehenden Deichen, keinen Neubau.

  31. #33 | Helmut Junge sagt am 24. Juni 2013 um 20:57 Uhr

    mir ist ein langer Kommentar abgestürzt und ich habe keine Zeit ihn neu zu schreiben. Deshalb hier eine stark abgespeckte Wiederholung

    Faktenlage am Beispiel von Köln
    1374: 10,35 Erster überlieferter Hochwasserstand in Köln.
    1784: 13,55 Das höchste jemals in Köln gemessene Hochwasser. In Köln und Mülheim starben 63 Menschen in den Fluten.
    1926: 10,69 In diesem Jahr regnete es im Januar fünf mal so viel wie im Durchschnitt. Das Ereignis ging als Jahrhunderthochwasser in die Geschichte ein.
    1948: 10,41 Die Reste der zerbombten Brücken behinderten damals den Abfluss des Reinwassers.
    1983: 9,96 Eines der seltenen Hochwasser im Sommer, die nur ca. alle 290 Jahre zu erwarten sind.
    1993: 10,63 Jahrhunderthochwasser zur Weihnachtszeit. Nicht die Schneeschmelze sondern Regenrekorde im Monat Dezember führten zu diesem Hochwasserrekord.
    1995: 10,69 Jahrhunderthochwasser im Januar. Anhaltende Regenfälle und die beginnende Schneeschmelze in den Mittelgebirgen in den ersten Tagen des neuen Jahres ließen den Rhein auf die Rekordhöhe des 20. Jahrhunderts steigen.
    1998: 9,49 Hochwasser Anfang November aufgrund von ausgiebigen Regenfällen in Süd- und Südwestdeutschland.
    2001: 9,38 Hochwasser im März. Der Grund: Tauwetter in den Alpen und Mittelgebirgen und ausgiebige Regenfälle.
    2002: 8,56 Hochwasser Ende Februar wegen ausgiebiger Regenfälle.
    2003: 9,71 Trotz schlimmer Befürchtungen wurde die Altstadt Anfang Januar nicht überschwemmt. Im September wird in Köln mit 80 cm der historisch niedrigste Rheinwasserstand gemessen.
    2011: 8,91 Im Januar führen die einsetzende Schneeschmelze bei Temperaturen von bis zu 14 Grad und starke Regenfälle im Moselgebiet zu Überschwemmungen.

    https://www1.wdr.de/themen/infokompakt/wetter/extras/hochwasserchronik/rheinpegel100.html
    Die statistik zeigt, dass es sich in den letzten Jahrzehnten normalisiert hat, Alle paar Jahre „Jahrhunderthochwasser“ zu haben.

  32. #34 | Hans sagt am 24. Juni 2013 um 21:02 Uhr

    Das opportunistische Rum-Geeiere von VDI-Funktionären hat mich schon seit vierzig Jahren peinlich berührt.
    Als ob Ingenieure solche Fach-Volldeppen wären, die nicht kostengünstige konstruktive Konzepte, von utopischem wirtschaftlich völlig destruktivem Blödsinn unterscheiden könnten, nur weil ihre VDI-Standesvertreter auf politischen Bühnen Ringelrein spielen, als könnten sie nicht bis drei zählen, statt logisch Tacheles zu reden.
    Das bringt nicht nur einen Berufsstand in Verruf, sondern ermutigt auch noch Scharlatane zum Betrug an der Realität und der Vernunft.
    Elektrische Energie vorsätzlich durch eine Vervielfältigung der Anlagen und Netze, in den Erzeugungskosten zu verteuern, kann logischerweise doch nur zu einem entsprechenden Gesamtschaden für eine Volkswirtschaft führen.
    Sich daran zu beteiligen ist vorsätzliche Sabotage am allgemeinen wirtschaftlichen Wohlergehen auch der Ingenieure, weil leichtfertig ungeheure Mengen an Kapital und Kaufkraft nutzlos in Öko-Land verbrannt werden.
    Da nutzen auch keine akademischen Titel, um Tatsachen verstecken zu wollen, es macht das Versagen des ehrlichen, persönlichen Menschenverstand nur noch peinlicher.
    Mich ärgert diese Wendehals-Mentalität, mit der im jeweils modischen Mainstream wider besseres Wissen, nur um der Eitelkeit zu gefallen, die technische Wirklichkeit und die wirtschaftlichen Folgen eiskalt ignoriert werden.
    Ingenieure sorgen praktisch für Sicherheit auf die sich die Bevölkerung verlassen kann, nehmen diese Verantwortung an, und sind konstruktiv dabei Probleme zu lösen, die den Menschen helfen, das Leben erleichtern und verbessern. Diesen positiven, konstruktiven Aspekt der den „Genius“ ausmacht, den lässt der VDI vermissen.

  33. #35 | Klaus sagt am 24. Juni 2013 um 21:03 Uhr

    Tja Herr Stach, da kann man nix drann machen, wenn dem Einen oder Anderen sein Spezialthema durchgeht, dann geht`s aber ab wie die Luzy.

    Ein Industrie-Revier, in dem Kohle, Stahl und Chemie sowie die dazu notwendigen Kraftwerke die wirtschaftlichen Verhältnisse prägte und wo erbitterte Gegner sowohl dieser Industrie-Arbeitgeber wie auch der marktwirtschaftlichen Strukturen, sich in einem revolutionären persönlichen Kampf zu befinden scheinen, da geht`s natürlich stramm bergab.
    Wenn der Erfolg so mancher im Ruhrgebiet aufgewachsener darin besteht, das die Industrieunternehmen als Arbeitgeber verschwinden, das Kraftwerke nicht ans Netz gehen, dann ist das doch nur ein ideeller Sieg, um als „Robin Hood von der Halde“, vielleicht mit dem Gleitschirm in seine Revier-Idylle abzufliegen in der man sich das Geld zum Leben selber druckt.

    Ich meine die Studie sieht zu recht keine Chancen für wertschöpfende neue Arbeitsplätze, sondern eher in kaum produktiven Dienstleitungsbereichen, denn die Strompreisentwicklung ist auf lange Sicht völlig dramatisch, so dass auch nicht nur alle Branchen an den steigenden Energie-Kosten leiden, sondern die Konsumenten durch die hohen Energiepreise (Strom und Gas) tüchtig Kaufkraft verlieren, was sich wieder im Handel negativ auswirkt.

  34. #36 | Volker Steude sagt am 24. Juni 2013 um 23:29 Uhr

    @Walter Stach: Genau, hier müssen sich die Kommunen im Ruhrgebiet engagieren. Etwas provozierend hatte ich für Bochum schon mal die Verdoppelung des Schuletats vorgeschlagen.

    Die aktuelle Schulpolitik der Städte ist eine Farce, ungeplant und es ist nicht zu erkennen, dass man gewillt ist gleiche Bildungschancen zu verwirklichen. Man schließt Schulen um beim Bildungsetat sparen zu können, mit der Folge das weiterhin 28-30 Kinder in den Grundschulklassen lernen müssen, statt max. 20-23… .

    Die von Ihnen wieder gegebene Erklärung sollte man an jedes Rathaus tackern !!!!:

    Es wäre ja ‘mal was, wenn das Ruhrgebiet, die Ruhrgebietskommunen erklären würden:

    “Wir wollen in spätestens 1o Jahren die Region sein, die vom Kindergarten bis zur Uni nachweislich jedem Kind,jedem Jugendlichen die gleichen Bildungs-/Ausbildungs-/Fortbildungschancen bietet. Wir sind die Region der Chancengleicheit in der Bildung für alle KInder.”

    Wir, die weltweite Modellregion für Chancengleichheit aller Kinder in der Bildung/Ausbildung/Fortbildung?

  35. #37 | Klaus Lohmann sagt am 25. Juni 2013 um 03:18 Uhr

    @#35 | Klaus: Lieber Vornamensvetter, die Diskussion über großindustrielle Hinterlassenschaften ist keine Diskussion über „Brauchen wir das oder kann das weg?“, sondern über „Will ich diesen bedeutungslosen Dreck noch inhalieren müssen oder muss der Konzern für die Beseitigung blechen?“ Wir leben in einem Rechtsstaat, ob das nun den Beitz’en, Clements oder Raus des Reviers passt oder nicht.

  36. #38 | Klaus Lohmann sagt am 25. Juni 2013 um 03:28 Uhr

    @#33 | Helmut Junge: Warum Wasserwirtschaftsexperten von „Hw100“ oder „Hw50“ oder sogar „Hw200“ sprechen und warum das nix mit Ihren historischen Daten zu tun hat, sondern mit einem statistischen Mittelwert:
    https://vds.de/fileadmin/vds_publikationen/vds_3521_web.pdf

  37. #39 | Helmut Junge sagt am 25. Juni 2013 um 08:23 Uhr

    @Klaus Lohmann,
    Wir sind dabei diese Diskussion über NRW-Wirtschaft mit einem Nebenthema zu überfrachten. Das ist nicht gut. Aber ich will noch einmal auf Ihren Kommentar 38 eingehen und dann steig ich aus.
    Also, Ihr Link führt zu einer Seite, in der Versicherungsexperten mit statistischen Methoden versuchen, Modelle für ihre Zwecke als Risikoabwegungen zu entwickeln.
    Da geht es nicht um Ursachenforschungen, sondern um Gefahrpotenzialerkennung und Schadensverhinderungen. Deren Statistiken beruhen durchaus auf den real beobachteten Hochwasserständen der Vergangenheit, und sind keine Phantasiewerte, sind aber in der Versicherungssprache in Größenordnungen sortiert. Das dürfen die machen, hat aber keinen Einfluß auf die vielen gleichzeitigen strittigen Fragen um die Ursachenforschung.
    Was meine Überlegungen betrifft, suche ich einen schlüssigen Weg um die zur Zeit zu beobachtenden Wettergeschehnisse für mich persönlich vertändlich zu machen. Da mache ich Anleihen aus vielen Gedanken, die andere vor mir schon ausgesprochen haben. Dass die nicht immer mit dem gerade aktuellen Vorstellungen der Grünen übereinstimmen, bitte ich zu entschuldigen.

  38. #40 | Arnold Voss sagt am 25. Juni 2013 um 10:44 Uhr

    Wilde und zugleich interessante Diskussion hier. Was das zunehmende Hochwasser betrifft, so liegt für das Ruhrgebiet eine Strategie auf der Hand, die zwar erst einmal verwegen klingt, letztlich aber machbar wäre: Das Schrumpfen der Bevölkerung mit dem Ausdehnen der Wasserfläche zu verbinden.

    Das jetzt absehbare Maß des Schrumpfens erlaubt selbst bei zunehmender Wohnfläche pro Einwohner mittel- bis langfristig eine Wohnflächenreduzierung einschließlich der darauf bezogenen Verkehrsinfrastruktur. Voraussetzung wäre aber ein gesamträumlich konsequent gesteuerter Reduzierungsprozesse von bebauten respektive versiegelten Flächen.

    Die zunehmenden Wasserflächen wären zugleich mit einer Steigerung der Wohnqualität für die verbleibenden Bewohner verbunden, ja sie könnten längerfristig sogar für Zuzug sorgen, bzw. die Zahl der Bevölkerung auf einem dann erheblich niedrigeren Stand stabilisieren.

    Das Ruhrgebiet wird erst dann wieder interessant für Neuansiedlungen, wenn andere zur Zeit attraktivere Gebiet in Deutschland voll gelaufen sind, bzw. die dortigen Siedlungskosten die Gewinnchancen und Lebensvorteile übersteigen. Bis dahin allerdings muss die Bildungsmisere und die soziale Spaltung des Ruhrgebietes überwunden sein.

    Größere städtebaulichen und landschaftliche Qualitäten nützen nichts, wenn die soziale Schieflage und die damit verbunden sozialräumlichen Konflikte zunehmen. Die Menschen wünschen sich in der Mehrzahl eine friedfertige und sozial integrative Umgebung, erst recht wenn sie ihren Lebensort (relativ) frei wählen können.

  39. #41 | Klaus Lohmann sagt am 25. Juni 2013 um 11:47 Uhr

    #40 | Arnold Voss: Damit sind wir ja gottseidank wieder am Ausgangspunkt, bei den völlig abgehobenen Kommunalpolitniks, die lieber dutzende Neubaugebiete für angeblich Zuzugswillige für ihre Kommune ausweisen, um durch derart steigende Schlüsselzuweisungen bei den Einwohnerzahlen Geld zu generieren.

    PS: Das Ruhrgebiet sackt in Teilen weiterhin ab und gleichzeitig steigt das Grundwasser. Insofern brauchen wir gar nix selber tun, um in Zukunft mit vielen Seen und weniger Bebauung „gesegnet“ zu sein. Allerdings wird man dort dann eher keine Grundstückspreise in den schwindelnden Höhen wie z.B. am Phoenixsee ausrufen, sondern das Geld besser in „versinkungssichere“ Häuser stecken müssen…

  40. #42 | Walter Stach sagt am 25. Juni 2013 um 15:48 Uhr

    Klaus -35-

    Tja, Klaus, und exakt das Denken, das sich in Ihrem Beitrag m.E. abbildet, ist leider nach wie vor typisch für viele Macher im Revier -in der Politik, in der Administration, in den Medien, bei Arbeitgebern und Gewerschaften; und d i e -nicht ich-, deren Denken, nicht das meine, haben die Wirtschaftsregion Ruhrgebiet dahin gebracht wo sie heute leider ist.

    Und wenn dieses Denken weiterhin bestimmend ist für das Handeln „maßgeblicher “ Akteure im Revier wird es nichts mit der „modernsten Wirtschaftsregion Europas“.

    Ich habe leider auch noch nie gehört,daß die „maßgeblichen Macher“ im Revier sich überhaupt vorstellen können, daß ein solches Ziel “ modernste Wirtschaftsregion Europas“ werden zu wollen, überhaupt ein anzustreben sein könnte.

    Solange für all diese Macher ihr wichtiges Ziel für die Wirtschaftregion Ruhrgebiet darin zu bestehen scheint, das Revier mit weiteren zusätzlichen Kohlekraftwerken zu bestücken, solange bleibt das Revier „dem gestern,ja dem vorgestern“ verhaftet.

    -36- Volker Steude
    Man darf ja ‚mal außerhalb des Hergebrachten, wenn es um die Bildung geht, wenn es um da Thema Bildung im Ruhrgebiet geht, nicht nur, aber eben auch mit Blick auf die Zukunft der Wirtschaftsregion Ruhrgebiet, ein Idee vortragen, ein strategisches Ziel formulieren.

    Mich freut es, daß ich dazu Ihre Zustimmung gefunden haben.

    Ich habe noch nicht die Hoffnung aufgegeben, daß z.B. „meine“ Partei, die SPD, erkennen könnte, daß es sinnvoll wäre, wenn sie sich ein solches strategische Ziel setzen würde;bundesweit gibt es in diese Richtung immerhin einen ersten angekündigten Schritt -kostenlose Nutzung der Kindertagesstätten für alle-.

    Mir ging es in meinem Beitrag -18- darum, klar zu machen, daß das dort formulierte Ziel eines sein könnte, was das Ruhrgebiet bundesweit, europaweit, weltweit aus- und kennzeichnen könnte und damit auch als Wirtschaftsregion von anderen Regionen positiv abheben würde.

    Ich befürchte allerdings, daß die Idee, ein solch visionäres Ziel könnte durch die Politik aufgegriffen, diskutiert und sogar umgesetzt werden, ehe in anderen Regionen – z.B.Großraum München, Großraum Frankfurt- Chancen hätte als im Ruhrgebiet.
    Wie hier gedacht wurde und weiterhin gedacht zu werden scheint: -sh. ua.-35-Klaus-:
    Statt über die Idee einer weltweit anerkannten Modellregion „Chancengleichheit in der Bildung für alle Kinder“ nachzudenken , scheint es weiterhin in altindustriellen Denkkategorien vornehmlich darum zu gehen, z.B. anerkannt „größter europäischer Standort an nahe beieinander liegenden moderen“ Kohle- Großkraftwerken“ zu werden“.

  41. #43 | Jens Schmidt sagt am 2. Juli 2013 um 08:58 Uhr

    Einige haben hier geschrieben: „meine Partei, die SPD“. Ich denke, wenn wir davon abkommen: „Meine Hannelore Kraft lässt mir mein Kind schon nicht zurück, die kümmert sich um alles.“, und auch andere Parteien bei der Wahl in Betracht gezogen werden, kommt die Botschaft „oben“ an, dass sich etwas ändern muss. Und nein, Wolfgang Clement, Peer Steinbrück und Bodo Hombach, die sich gegenseitig in Arroganz und blindem neoliberalem Fortschrittsglauben überbieten, sind ebenso wenig die bessere Alternative wie ein „Arbeiterführer“ Jürgen Rüttgers oder ein Adolf Sauerland!

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