#1 | Barbara Underberg sagt am 5. Juni 2009 um 00:03 Uhr

„Menschen, Bilder, Emotionen“ – heißen nicht die Fernsehjahresrückblicke so? Und so funktioniert sie wohl, die Medienmaschine, eine Gratwanderung, mal mehr, mal weniger zynisch.

Mir fällt dazu ein ganz anderes Beispiel ein, das aber glaube ich psychologisch ähnlich läuft: Die traurigen schwarzen Babys, mit denen zu Weihnachten immer um Spenden geworben wird. Wenn ich ehrlich bin, rührt mich das auch mehr an, als wenn ich eine Zahl lese „so und soviel Millionen Kinder sterben jedes Jahr an Unterernährung“. Ganz automatisch und obwohl mir der Mechanismus vollkommen klar ist.

Mit den Bildern wird ja Meinung gemacht und werden Interessen verteidigt. Und eine weinende Nokianerin oder ein fluchender Opelaner hinterlassen einen bleibenderen Eindruck als eine simple Zahl von wieder so und soviel tausend Entlassenen. Vielleicht liegt’s auch mit an den fehlenden Bildern, dass sich für Hertie und Karstadt nicht so viele Retter finden.

Irgendwie haben wohl alle was davon. Und wie bei jeder Gratwanderung können sich auch alle Beteiligten in gewissem Maße entscheiden, wie weit sie gehen wollen.
Das war mein Wort zum Freitag. 🙂