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Manager-Magazin beschreibt die Krise der Funke-Mediengruppe

Funke-Zentrale in Essen


Ein Beitrag in der aktuellen Ausgabe der Manager-Magazins dürfte auf der Chefetage der Funke-Mediengruppe für wenig Begeisterung sorgen.

Massiv, groß und schwarz: Die Zentrale der Funke-Mediengruppe (u.a. WAZ) am Berliner Platz in Essen erinnert an einen Grabstein. Nur die Inschrift „Hier ruht der einst bedeutendste Verlag von Regionalmedien“ fehlt noch. Folgt man einem Beitrag im aktuellen Manager-Magazin, ist vielleicht sogar das Ende abzusehen. Akribisch listet Autor Christoph Neßhöver die Fehler der Vergangenheit auf. Die beiden Besitzerstämme Funke und Brost zogen dreistellige Millionenbeträge aus dem Konzern, von Investitionen in ihr Unternehmen waren sie weniger begeistert. Als dann die Funke-Seite die Brost Linie ausbezahlte und von Springer zahlreiche Titel übernahm, wuchs zwar der Verlag, aber nach Angaben des Manager-Magazins belasten ihn heute über 800 Millionen Euro Schulden – für ein Unternehmen, das in einem zweistelligen Millionenbereich Verluste macht, eine gefährliche Lage.

Dass die neue Chefin, Jakob Funke Enkelin Julia Becker, folgt man Neßhöver, weder besonders kompetent noch durchsetzungsstark ist,  macht die Lage der angeschlagenen Mediengruppe, die seit Jahren massiv Personal abbaut, nicht besser. Immerhin will man weiter wachsen und die Zeitungen des Kölner DuMont-Verlages (u.a. Kölner Stadtanzeiger)  übernehmen. Das Manager-Magazin kommentiert skeptisch: „Zu den eigenen schlecht laufenden Blättern neue schlecht laufende Blätter hinzufügen?  klingt schon sehr speziell. Vom Wünschenswerten zum Machbaren ist es eben oft ein weiter Weg.“

Die Aussichten für die Funke-Mitarbeiter sind trübe. Die schlechte Stimmung unter ihnen hat gute Gründe.

Allein wegen dieses Artikels lohnt der Kauf des Manager-Magazins.

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9 Kommentare zu “Manager-Magazin beschreibt die Krise der Funke-Mediengruppe

  • #1
    Max Muster

    Der Funkemedien Konzern versucht nun mit aller Sparmaßnahmen durchsetzen in dem soger versucht wird den Boten für die Tageszeitung und den kostenlosen Anzeigenblätern die Zeiten für die Verteilung zu Kürzen. Wo erst 2017 eine Kürzung der Zeit kam. Vielleicht sollten die Manager auch mal ein Opfer bringen anstatt den kleinen Leuten noch mehr weg zu nehmen.

  • #2
    Robert Müser

    Danke für den Artikel und den Hinweis – ja die lokale Zeitungslandschaft im Ruhrgebiet ist unter der Funke-Ägide zu einem besonderen Trauerspiel verkommen. Mir sind immer mehr Fälle in meinem Umfeld bekannt, wo langjährige Abonnenten nach Jahrzehnten frustiert ihre Zeitung kündigen. Der Preis des Abo steht für viele nicht mehr in einem vertretbaren Verhältnis zu den gelieferten Leistungen.

    Schade, aber der weitere Niedergang von WAZ und Co. ist scheinbar nicht mehr aufzuhalten.

  • #3
    Robin Patzwaldt

    @Robert Müser: Das ist aber leider auch kein WAZ-Phänomen. Ich bin langjähriger Abonnent einer Lokalzeitung des Medienhauses Bauer aus Marl. Im Kreis Recklinghausen ist es ein vergleichbares Trauerspiel. Der Lokalteil enthält fast keine lesenswerten Artikel mehr. Der Abopreis steht da ebenfalls in keinem sinnvollen Verhältnis mehr zur erbrachten Leistung. Wenn nicht immer noch meine Eltern mit in die Zeitung schauen würden, für mich alleine würde sich das so schon lange nicht mehr lohnen.

  • #4
    Klaus Lohmann

    Pleiten, Pech und Pannen – wobei Pech ja eigentlich relativ wenig vorkam, denn soviel Pleite und Panne in einem Unternehmen ist kein Pech mehr, sondern schiere Unfähigkeit. Springer wusste ganz genau, warum man seine Schund- und Bunt-Blätter an die WAZ-Gruppe verhökerte und für das Geld gut und langfristig sein Digitaldasein fütterte.

    Leute wie Katharina "Lyssa" Borchert und die nachfolgenden digital-unerfahrenen Geschäftsführer haben das eigene Online-Biz gegen die Wand gefahren (machen andere Verlage zwar auch, aber nicht mit solch einem Riesengetöse vorneweg), regional heißt nur noch "Zentrale Berlin schreibt über Aliens und fremde Planeten, den Rest liefert dpa" und die ganzen "dottet lines" in die Landespolitik ala Oberlobbyist und Nur-noch-halber-Minister Holthoff-Pförtner oder Bodo Hombach sind nix mehr wert.

    @Robin: Der Digitalbereich im Hause Funke wird von Andreas Schoo geleitet, der vom Bauer-Verlag kam – und so’n bisschen nach einer Mischung aus "Bravo", "Tina" und "Neue Post" sieht das Digital-Portfolio zumindest im News-Bereich ja auch aus;-)

  • #5
    Robert Müser

    @ Robin Patzwaldt / @ Klaus Lohmann

    Es ist ein Trauerspiel. Die anderen verbliebenen Blätter außerhalb der Funke-Gruppe sind auch nicht mehr gerade eine Pflichtlektüre. Sehr schade, denn die Kontrollfunktion der Presse gegenüber der Politik ist in den letzten Jahren dem Ruhrgebiet schleichend verloren gegangen.

    Erschreckend ist auch inzwischen die Form der präsentierten Texte, die scheinbar direkt vom Textautor in die Produktion eingehackt werden. Die Häufung von Schreibfehlern bzw. Stilblüten hat nach meinem Empfinden deutlich zu genommen. Dort würde der Leser sich manchmal einen Uploadfilter wünschen, der die gröbsten Dinge glattbügelt. Gut informierte Kreise raunen da etwas von Autokorrekturfunktionen in der Textverarbeitung, aber vermutlich sind diese neuzeitlichen Spielzeite dem Kostendruck der Verlagsführung zum Opfer gefallen.

    Die Einschätzung der digitalen Neuländer auf Verlagsseite kann ich bestätigen, denn in meinem Umfeld haben manche Bekannte entnervt auch ihr digitales Abo gekündigt, da der vermeintliche Mehrwert sehr überschaubar war bzw. die Bedingungen mal wieder geändert wurden. So mancher dieser Bekannte ist durchaus bereit ein digitales Zeitungsabo zu halten, nur fließt das Geld nun in die überregionale Presse, die scheinbar ihre digitalen Angebote besser mit einem Mehrwert füllen können.

  • #6
    ke

    @5 R Müser:
    Ich hatte bisher mit meinen digitalen Zeitungsabos wenig Spaß. Ich nutze gerne mehrere End-Geräte und im Regelfall wird der wertvolle "Premium"-Content so gut gesichert, dass ich ihn nie so nutzen konnte, wie ich es wollte.

    Dann bleibe ich bei Foren, Gruppen, Blogs etc. die exakt meine Interessen treffen in Kombination mit frei zugänglichen Angeboten.

    Die einfache Nutzung von digitalen Medien sehe ich bisher nur bei einem Zeitschriften Flat Anbieter. Wenn die kreativen Urheber so besorgt um ihr Geld sind, könnten sie auch mal dafür sorgen, dass man ihre digitalen Angebote überall einfach natürlich gegen Bezahlung nutzen kann.
    Ich will bspw. nur einfach Musik hören, die ich auswähle. Im Auto lande ich immer zuerst bei den Angeboten, die einem Radio-Programm ähneln. Da gehe ich dann lieber direkt zum Radio.

  • #7
    Klaus Lohmann

    @#5 Robert Müser: Einzelne Lektoren oder gar komplette Lektorate sind bei den allermeisten Zeitungen längst dem Rotstift zum Opfer gefallen. Das merkt man schon seit vielen Jahren an der arroganten Schludrigkeit, mit der Schnelligkeit zum Nachteil von Qualität erkauft wird.

    Und diese neue "Rechenart" der größeren und großen Verlage merkt man dann auch an anderen Kleinigkeiten: Kaum ein Leser, der dies nicht explizit so ab 2013 mitgeteilt bekommen hat, glaubt heute, dass der Content der "Geisterseiten" der WAZ aus Dortmund (die ja bis damals von der Westfälischen Rundschau stammten) zu 99% vom lokalen Konkurrenten, dem Lensing-Wolff-Verlag mit seinen Ruhr-Nachrichten stammt. Früher waren beide Lokalzeitungen (politisch) klar in "schwarzes" und "rotes" Lager trennbar, heute alles ein und derselbe Klump, sprachlich und inhaltlich – selbst die Online-Ableger beider Verlage, derwesten.de und ruhr24.de sind kaum mehr unterscheidbar.

  • #8
    Robert Müser

    @ Klaus Lohmann:

    Die erwähnte Fake-WAZ (mit RN-Inhalt) in Dortmund hat in meinem Bekanntenkreis zu einer großen Verärgerung geführt, welche dann in fast allen Fällen auch in Abo-Kündigungen mündeten.

    Der auf den Redaktionen liegende Kostendruck ist mir sehr wohl bekannt.

    Neben der textlichen Schludrigkeit (Ursache bekannt) lassen aber in der letzten Zeit die Inhalte der WAZ immer mehr zu wünschen übrig. So wird in den letzten Wochen in den Premien-Inhalten diversen schrägen Mitbürgern eine Bühne gegeben, die scheinbar überfordert sind z.B. auf Supermarktparkplätzen ihre Parkscheibe einzustellen (gefühlt etwa alle zwei Wochen), ihr Ticket nicht im Bus stempeln wollen bzw. bewusst Verkehrsbeschilderungen ignorieren und dann mit den Konsequenzen ihres Handelns konfrontiert werden (gefühlt auch etwa alle zwei Wochen).

    In einer der letzten Diskussionen zu einem dieser schrägen Artikel fragten einige Kommentatoren sich nach dem vermeintlichen Mehrwert ihres WAZ-Plus-Abos, wenn sie nur noch Boulevard für Selbstdarsteller bekommen, siehe hier:

    https://www.waz.de/staedte/bochum/anwohner-nach-knoellchen-parkverbot-macht-gar-keinen-sinn-id216728995.html#community-anchor

    Besser kann den Niedergang dieser Zeitung besser nicht dokumentieren

  • #9
    ke

    Zum Thema Regionalzeitungen:
    Ich war heute irritiert, dass ich beim kurzen Blick in die Dortmunder Regionalzeitung keinen Bericht über die Abstimmung zur Urheberrechtsreform gefunden hatte.
    – Übersehen?
    – Interessiert nicht?

    Ist das überall so?

    Für mich würde das passen. Jugend interessiert die Konzerne nicht. Das alte Geschäftsmodell wird gefördert.

    Die Rolle der Presse sehe ich bei diesem Thema kritisch. Der Lobbyismus der Medienkonzerne ist natürlich besonders effektiv. Gut dass, es das Internet noch gibt, das auch korrigierend eingreifen kann und noch eine offene Diskussion ermöglicht.

    https://www.deutschlandfunk.de/zeitungen-zur-eu-urheberrechtsreform-lobbyismus-in-eigener.2907.de.html?dram:article_id=444543

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