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Manuel Neuer bei der WM in Russland ins Tor der DFB-Elf zu stellen wäre schlicht ein Unding!

Manuel Neuer. Quelle: Wikipedia, Foto: Steindy (talk), Lizenz: CC BY-SA 3.0

Es ist die wohl meistdiskutierte Frage in diesem Lande im Vorfeld der im Juni anstehenden Fußballweltmeisterschaft in Russland: Soll Bundestrainer Joachim Löw den seit September dauerverletzten Torwart Manuel Neuer mit zum Turnier nehmen und dort gegebenenfalls dann dort auch zum Einsatz bringen? Schließlich hat der Mann schon seit Monaten nicht mehr unter Wettbewerbsbedingungen spielen können.

Spätestens seit der gestrigen Pressekonferenz im Trainingslager der DFB-Elf in Südtirol deutet sich immer mehr an: Neuer wird wohl tatsächlich im endgültigen Kader stehen, und wenn er diese Hürde bei der endgültigen Nominierung Anfang Juni erfolgreich nimmt, dann auch als ‚Nummer 1‘ in das Turnier gehen.

Das folgt zumindest aus den in der Pressekonferenz des gestrigen Tages von Bundestorwarttrainer Andreas Köpke getätigten Aussagen. Am heutigen Mittwoch gibt es für Neuer noch einen kurzen Test gegen den eigenen Nachwuchs im Trainingslager zu bestehen, am Samstag steht dann ein ‚richtiges‘ Länderspiel gegen Österreich an, bei dem der Bayern-Keeper, der zuletzt monatelang wegen eines erneuten Mittelfußbruches ausfiel, und erst in der Endphase der Saison überhaupt wieder halbwegs spielfit wurde, dann erstmals wieder echte Spielpraxis sammeln soll.

Besteht er diese Herausforderung, dann dürfte er auch im Turnier in Russland das deutsche Tor hüten. Eigentlich ein Unding, wenn man einmal darüber nachdenkt!

Bundestrainer Löw betonte im Laufe der letzten Jahre immer wieder, wie wichtig es für seine Spieler sei, dass sie regelmäßig Spielpraxis im Verein sammeln könnten. Nicht wenige erwogen deshalb in der Vergangenheit schon einen Vereinswechsel. Bei anderen wurde ihnen eine Verletzung als Verhängnis ausgelegt, weil sie nicht rechtzeitig wieder in den ‚Rhythmus‘ kommen könnten. Und ausgerechnet beim Torwart, der vermeintlich wichtigsten Position in einer Fußballmannschaft soll das Alles plötzlich nicht mehr gelten und genau das Gegenteil richtig sein? Nicht zu fassen!

Klar, Manuel Neuer ist, wenn es fit ist, einer, wenn nicht gar der beste Torhüter auf der Welt. Doch ist für einen Keeper eben die Spielpraxis ebenfalls durch nichts zu ersetzen, nicht einmal durch seine große Erfahrung. Man stelle sich nur einmal vor, Neuer unterläuft bei der WM, was Loris Karius am vergangenen Wochenende im Champions League Endspiel unterlief, als er mit zwei kapitalen Patzern die Niederlage seines Teams maßgeblich mitverschuldete. Der Aufschrei wäre wohl mindestens so groß…

Warum geht Löw offensichtlich dieses völlig unnötige Risiko? Er hat doch mit Marc-Andre ter Stegen einen Torhüter zu Verfügung, der die komplette Saison im Kasten des FC Barcelona gespielt hat und dort seine Zuverlässigkeit unter Beweis stellte. Ihm plötzlich Neuer wieder vor die Nase zu setzen, das muss für ter Stegen zudem wie eine Ohrfeige sein. Nur wird er sich nicht öffentlich zu Wehr setzen, denn das bekommt einem Spieler bekanntlich nicht gut. Erinnert sei in diesem Zusammenhang auch noch einmal an den Fall Sandro Wagner.

Neuer aufgrund seiner Verdienste in der Vergangenheit mitzunehmen, das wäre, wenn er spielfit wird, durchaus nachvollziehbar. Aber dann bitteschön nur als Nummer 3. Ihn automatisch zur Nummer 1 zu machen, das führt die bisher propagierten Nominierungskriterien im DFB-Team tatsächlich völlig ad absurdum.

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14 Kommentare zu “Manuel Neuer bei der WM in Russland ins Tor der DFB-Elf zu stellen wäre schlicht ein Unding!

  • #1
    Jupp Schmitz

    Robin,
    eigentlich ist das keine Überraschung, nicht nur weil sich Hr. Löw noch nie an seine eigenen Vorgaben gehalten halt. Nichtsdestotrotz ist die Art und Weise ggü. Terstegen widerlich.
    Andererseits, Hr. Löw war doch auch schon beim Schmierentheater Lehmann statt Kahn beteiligt,
    als Hr. Klinsmann urplötzlich einen Wettwerb um die Nummer eins im Tor entfacht hatte, ähm natürlich ergebnisoffen…

  • #2
    Robin Patzwaldt Beitragsautor

    So ist es, Jupp. Ich bin allerdings immer wieder erstaunt, dass all dies kaum noch einen wirklich aufzuregen scheint, Löw inzwischen sogar weitestgehend völlig frei von jeder öffentlichen Kritik ist. Dabei bietet der Bundestrainer doch reichlich ‚Angriffsflächen‘. 😉

  • #3
    Jupp Schmitz

    Naja, solange sich die Erfolge einstellen, wird eigentlich jeder Bundestrainer von seinen 80 Millionen Amtskollegen akzeptiert. Damit wird es aber rein statistisch im Juli vorbei sein, denn bisher ist dieDFB-Auswahl als Titelverteidiger danach immer im Viertelfinale ausgeschieden; und war dabei nicht sehr wählerisch siehe das 1:2 gegen Bulgarien 1994 in den USA (Letchkov vom HSV !!!).

  • #4
  • #5
    KlausW

    Für ter Stegen ist die WM – egal ob er spielt oder nicht- nach dieser öffentlichen Degradierung gelaufen.

  • #6
  • #7
  • #8
    HOLGAAAAA

    Neuer ist und bleibt der beste Torwart der Welt. Da kann weder Ter Steegen noch Leno noch sonst wer mithalten. Fussballerisch, gerade was den Spielaufbau betrifft ist Neuer den anderen Torhütern immernoch meilenweit voraus. Um erneut die Chance zu haben Weltmeister zu werden brauchen wir Manuel Neuer! Ausserdem ist Neuer bestens vertraut mit 3/4 der voraussichtlichen stammbesetzung in der Abwehr (Boateng, Hummel, Kimmich). Die brauchen sich nicht großartig einzuspielen und abzustimmen

  • #9
  • #10
    Werntreu Golmeran

    Das wäre natürlich kein Unding, sondern ein Pokerspiel mit hohem Einsatz.

    Jogi Löw ist derzeit Weltmeister, sein Kader, alles andere als eingespielt. Es gibt aus meiner Sicht auch große Fragezeichen bei Jerome Boatengs gesundheitlicher Stabilität. Viele Spieler, die eine wichtige Rolle spielen sollen, waren noch nie bei einer WM.

    Bayern hat dieses Jahr zwar die BL gewonnen, aber ohne Neuer hatten Sie sowohl in der CL als auch im Pokal keinen Erfolg. Den zweiten Treffer von Frankfurt hätte der "Libero" Neuer wahrscheinlich gehabt und die Patzer in den CL Halbfinalen wären ihm möglicherweise auch nicht unterlaufen.

    Wer noch einmal Weltmeister werden will, muß entweder eine absolut harmonische eingespielte Mannschaft haben oder eine Handvoll Superstars oder aber ein hohes Risiko eingehen. Offenbar hat sich Löw für hohes Risiko entschieden. Und da mit ter Stegen eine Top-Nr. 2 als Backup zur Verfügung steht, ist das Risiko auf dieser Position aus meiner Sicht gar nicht soo groß. Und wie die WM 2006 gezeigt hat, wird Herr Löw Manuel Neuer im Zweifel auch auf die Bank beordern, wenn es in den Vorrundenspielen nicht so klappt wie erwartet. Und weil Neuer unbedingt noch einmal Weltmeister werden will, wird er da genauso diszipliniert mitmachen wie damals Oli Kahn oder z. B. Lukas Podolski in Brasilien.

  • #11
    Helmut Junge

    Mir ist es diesmal auch egal. Löw ist ein Fußballgenie ohne geeignete Spieler. Kannze nix machen. Ist aber auch nicht wichtig. Andererseits dröhnen die Fernsehanstalten mich jetzt schon voll. Als wenn die wüßten, daß sie nicht viele Gelegenheiten haben werden zu berichten. Wir werden vermutlich intensiv über Formschwächen, Mannschaftsgeist, falschen Zusammenstellung der Mannschaft sowieso, Pech, Schiedsrichterfehler, zu nassem Boden, zu lange, zu kurze Pässe, Zoff usw. ausführlich informiert, aber wenn die Spieler dann wieder im Lande sind, ist der Quatsch dann hoffentlich wirklich vorbei. Ich werde dann vielleicht sagen, daß Löw evtl. doch zu alt geworden ist und nicht mehr mit der Mentalität der jüngeren Spieler klar kommt. Den vertrag hat er ja verlängert, kann also nicht so ohne weiteres Trainer in Dortmund werden. Aber in Schalke wird er die Saison nicht überleben. Muß dann in die USA.

  • #12
    Lance

    Gerade im Fußball gilt: Der Erfolg gibt dem Recht, der ihn hat, solange er ihn hat.

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