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Markus Söders Hängen macht traurig

Das neue Motto des Freistaates wird „Deus Io vult“. Wahrscheinlich. Doch schon jetzt hängt Markus Söder Kreuze in allen staatlichen Behörden auf. Dazu ein persönlicher, fassungsloser, entmutigter Zwischenruf, den Markus nicht hören wird.

Es ist traurig.
 
Es ist traurig, dass Sie, Herr Ministerpräsident, ein solch geschlossenes Weltbild haben, wissenschaftlich muss man es wohl extremistisch nennen, dass Sie Kritik an dem Aufhängen des Kreuzes in allen staatlichen Behörden nicht berühren wird.
 
Es ist traurig, dass Sie glauben, es gäbe eine bayerische Identität, die sich mit dem Kreuz eng verknüpfte. Sie ignorieren damit wissenschaftliche Forschungen zu diesem Landstrich, der Ihnen angeblich wichtig ist, während Ihnen wichtiger als Bayern oder die Bayer die Belange Ihrer Partei sind.
 

Es ist traurig, dass Sie, Herr Söder, nicht sehen können, welches Bild von Bayern Sie uns Nicht-Bayern präsentieren. Es ist noch trauriger, dass Sie glauben, dass diese Abscheu, die wir Ihrer offenkundigen Ablehnung der FDGO entgegebringen, eigentlich Neid ist und Sie es als positives Gruppengefühl definierend erleben.
 
Es ist traurig, dass Sie ernsthaft der Meinung sind, zu wissen, was „christliche Werte“ sind, sich dabei aber nicht darum scheren, was die höhsten Institutionen der beiden christlichen Konfessionen immer wieder über Ihre Politik und den Lebenswandel Ihrer Politiker und Beamten sagen.
Es ist traurig, dass Sie nicht sehen können, dass Sie nichts von dem umsetzen, was Jesus forderte, oder die Jünger, oder die Kirchen heutzutage.
Es ist mir egal, dass Sie sicherlich Unterstützung erhalten werden. Bei jedem trotzigen Kind in der Kita meines Sohnes, das bedauerliches Verhalten gegen andere Kindern zeigt, gibt es Kinder, die das mutig und toll finden. In einer Kita wissen die Kinder, welche Kinder einen funktionierenden moralischen Kompaß haben. Sie wollen nicht, dass Kinder in die Kita gehen. Langsam verstehe ich, wieso.
 
Es ist traurig, dass Sie zu so vielen Menschen, die diesen Staat, selbst ihr Bundesland, mitdefinieren klar sagen: „Nein, Ihr nicht. Wir wollen euch nicht, weil ihr Atheisten, Agnostiker, Juden oder Muslime seid. Ihr seid die Mehrheit in diesem Staat. Aber das ist mir egal. Ich regiere nicht für die Menschen.“
 
Es ist traurig, dass Sie sind, wie Sie sind, Herr Söder.
Ich kann nur hoffen, dass Sie irgendwer in seine Gebete einschließt.
 
Und ein wenig hoffe ich, für Sie, dass es keinen Gott gibt – Sie würden Ihn sehr beschämen;
und bestimmt auch traurig machen.
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33 Kommentare zu “Markus Söders Hängen macht traurig

  • #1
    Tobias

    "Es ist traurig, dass Sie glauben, es gäbe eine bayerische Identität, die sich mit dem Kreuz eng verknüpfte. Sie ignorieren damit wissenschaftliche Forschungen zu diesem Landstrich, der Ihnen angeblich wichtig ist, während Ihnen wichtiger als Bayern oder die Bayer die Belange Ihrer Partei sind."

    Was ist hier gemeint?

  • #2
    Mr.God

    Ach, wenn er es denn nur Ernst meinte mit den christlichen Werten.
    Barmherzigkeit gegenüber einem Hartz4-Empfänger?
    Nächstenliebe gegenüber dem, der nicht mehr kann und volltrunken auf der Straße sitzt?
    Ach Söder, Du bist so unsexy.

  • #3
    Sebastian Bartoschek

    @ #1

    Wie bei vielen anderen Stämmen auch, war es bei den Bajuwaren so, dass diese eine vorchristliche Zeit hatten. https://de.wikipedia.org/wiki/Religion_der_Bajuwaren

    Interessant ist, dass die Bayern sich also (mehr oder minder – Archäologen würden mich wahrscheinlich ob der Simpizifierung steinigen, oder Scheiterhaufen, je nach Bundesland) tatsächlich von einem Stamm(eskonglomerat) herleiten, das aber ursprünglich eben nicht christlich geprägt war.

    Wieso man dann Tradition willkürlich erst nach der Christianisierung starten lassen sollte, erschließt sich mir nicht logisch.

  • #4
    Gerhard Otto

    <blockquote>
    Es ist traurig, dass Sie sind, wie Sie sind, Herr Söder.
    Ich kann nur hoffen, dass Sie irgendwer in seine Gebete einschließt.
    </blockquote>

    Hier ein aktuelles Gruppenfoto "bigotter" (karrieregeiler) Einschließer*Innen:

    https://twitter.com/Junge_Union/status/988828203107147776

  • #5
    Klaus Lohmann

    Und ab jetzt heißt es nach der Landung auf dem FJS-Airport seitens des Bordpersonals: "Der Nächste! Zur innerbayrischen Zollabfertigung? Durch die Tür hinaus, zum linken Gate, Jeder nur ein Kreuz!"

    PS: Der alte Franz-Josef S. würde Söder als Dummschwätzer und kirchlichen Brandstifter abwatschen, hatte er doch selbst als strammer Katholik immer seine liebe Not mit katholischen Würdenträgern und Ritualen, wenn sie sich nach seinem Verständnis zu sehr in profanes Leben – also Politik, Wirtschaft, Verwaltung und der ganze Rest – einmischten.

  • #6
    Tobias

    @ 3

    Weil die Tradition des Christentums bis in die heutige Zeit hereinreicht, die Stammesreligion jedoch nicht? Reicht für mich als gute und logische Begründung.

    Oder muss jetzt jeder traditionelle Deutsche wollen, dass alle Nichtgermanen aus Deutschland deportiert werden, weil die früher auch nicht da waren? Ist jeder Traditionalist Befürworter von Menschenopfern? So kann man eine politische Gruppe natürlich darstellen, hat halt nichts mit der Realität zu tun. Aber wenn’s da durch besser geht….

  • #7
    Tobias

    p.s.: Sich für dieses Umdeuten von begriffen auf die Wissenschaft zu berufen, ist ebenfalls ganz schön Traurig, meiner Meinung nach. Kann sich dagegen ja noch nicht mal wehren, die Arme.

  • #8
    Jens Koenig

    Als nächstes hängt Söder überall Knoblauch auf. Vielleicht versteht man dann endlich seine Motive.

  • #9
  • #10
    Klaus Lohmann

    @#6 Tobias: Das Zeitalter der Aufklärung reicht aufgrund seiner relativen Aktualität noch viel tiefer in unsere heutige Gesellschaft herein. Aber das verwechseln die Bayern halt immer mit dem pösen Sexualkundeunterricht…

  • #11
    Tobias

    @Klaus Lohmann

    Der Aufklärer Kant hätte wohl wenig Probleme mit dem Kreuz. Also verstehe ich das Problem nicht.

  • #12
    Frank Decker

    Es ist immer einfach dagegen zu sein. Immer einfach kritisch drauf zu hauen. Aber was sind für euch christliche Werte? Sind diese Werte so schlecht?
    Bayern hat sich von einer Monarchie zu einer Demokratie entwickelt. Die Bayern sind irgendwann christianisiert worden. Was ist daran schlecht?
    Ich bin aus der Institution Kirche seit langen Jahren ausgetreten. Lebe aber trotzdem nach christlichen Werten, genau so wie nach pfadfinderischen.
    Wie soll nach den Kritikern hier Bayern sonst aussehen und nach welchen Werten handeln?

  • #13
    Helmut Junge

    Schlimm ist doch, daß er, möglicherweise richtig tippt, mit dieser Aktion eine Mehrheit anzusprechen.

  • #14
    Klaus Lohmann

    @Frank Decker: Was "schlecht" ist:

    In unserer Verfassung hat Religion außer bei der garantierten Freiheit ihrer Ausübung keinen Platz. Und das ist auch gut so. Leider quält sich ein Frischling auf dem Chefsessel des Katholenlandes No. 1 mit dieser Tatsache, also reimt er sich flugs irgendwas mit "bayerischer Identität und christlichen Werten" zusammen, um bloß nicht den Eindruck zu erwecken, hier will Jemand das Christentum, äähm, natürlich das schwarzbraune Haselnu., äähm, Katholentum als Staatsreligion zementieren.

    *Das* ist schlecht. Verfassungsunterwanderung auf die heimlich-schleimige Art in braun-nationalistischem Baströckchen ist *immer* schlecht.

  • #15
    Ferdyn

    Sogar Bäume haben Wurzeln .Warum um jeden Preis versucht man uns endwurzeln .Was falsch ist an die christliche Tradition? wenn ich zu jemanden als Gast komme versuche ich nicht sein Haus umzubauen sondern mich anständig zu verhalten dann den Gastgeber wird mich auch würdigen .Die Aktion von Herr Söder ist vielleicht problematisch und verfolgt andere politische Ziele aber man muss die Kraft um eigene Land weiter zu endwickeln mit Hilfe von der Wurzeln aus die Erde ziehen .

  • #16
    Arnold Voss

    Nimmt man alle Privilegien der beiden christlichen Kirchen in Deutschland zusammen, dann gibt es keinen Zweifel daran, dass das Christentum in Deutschland quasi Staatsreligion ist. Diesbezüglich ist Söders "Kreuzzug" nur konsequent und erscheint ihm wahrscheinlich auch, rechtzeitig zur nächsten Bayerischen Landtagswahl, als politisch kluger Schachzug. Ich bin gespannt, ob er da richtig liegt. (siehe auch Helmut Junge # 13)

  • #17
    Ke

    Christliche Werte sind klasse!
    Es wäre schön, wenn die Politik sie öfter als Leitstrahl verwenden würde.

    Aber in staatlichen Behörden haben Kreuze nichts zu suchen.

  • #18
    Walter Stach

    1.
    Christliche Werte, als da sind……?????
    Ob Söder mir die benennen kann bzw. benennen will?

    Wenn Christen ihre Werte, die Prinzipien ihrer Werteordnung an göttlichen Geboten ausrichten, an
    die glauben, dann denke ich als kath. Christ u.a. an das Gebot der Nächstenliebe. Söder auch?

    2.
    Das lebenslange Bemühen gläubiger Christen, christlichen Geboten zu folgen, kann und darf nicht davon abhängig sein, daß der Staat das so will oder das gar einfordert . Ein Staat, der das mit dem Gebot, christliche Kreuze in allen seinen Behörden aufzuhängen, widerspricht der von jedem Menschen eigenständig und eigenverantwortlich zu treffenden Entscheidung, sich lebenslang als Individuum und als Mitglied der menschlichen Gemeinschaft um die (Be-)Achtung christlicher Gebote (Gottes-Gebote) zu bemühen.

    3.
    Helmut Junge -13-

    Der "Kreuz-zug" der CSU mag durchaus dieser Partei bei der Landtagswahl von Nutzen sein.
    Ich kann ganz und gar nicht erkennen, daß er dazu beitragen könnten, daß mehr Deutsche als das derzeit der Fall ist, sich als Individuen und Gemeinschaftswesen in ihrem Alltagsleben um die (Be-)Achtung der Gebote, an die sie glauben,, bemühen werden mit der Folge, daß für alle Menschen in Deutschland erlebbar wird, was z.B. die Achtung des Gebotes der Nächstenliebe für sie alle bedeuten könnte.

    Wie seit Gründung der sog.christlichen Parteien in Deutschland nach 1945 habe ich immer wieder zu registrieren, so auch jetzt, daß diese Parteien ohne Skrupel, wenn es dem Erwerb bzw. dem Erhalt ihrer politischer Macht dienlich erscheint, den christlichen Glauben für ihre politischen Ziele zu ge- bzw. zu mißbrauchen.

    Bedenklich? Bedauerlich?
    Für mich aus christlich-katholischer Sicht ehe erbarmungswürdig.

  • #19
    Helmut Junge

    "Bedenklich? Bedauerlich?
    Für mich aus christlich-katholischer Sicht ehe erbarmungswürdig."
    Ich bin, ähnlich wie Arnold interessiert, ob Söders Plan aufgeht.
    Ich hoffe, daß es auch in Bayern viele solcher Katholiken gibt, die so denken wie du.
    Die Säkularen werden ihm da so oder so nicht folgen. M.E. hat er sich verkalkuliert.
    Aber warten wir es ab.

  • #20
    paule t.

    @ Tobias #6 (u.a. mit ähnlichen Einwänden gegen die Kritik an Söder):
    "Weil die Tradition des Christentums bis in die heutige Zeit hereinreicht, die Stammesreligion jedoch nicht? Reicht für mich als gute und logische Begründung.
    Oder muss jetzt jeder traditionelle Deutsche wollen, dass alle Nichtgermanen aus Deutschland deportiert werden, weil die früher auch nicht da waren? "

    Dass Problem ist nicht, dass Herr Söder ein "traditioneller Deutscher" ist (was immer das so ganz genau sein soll), der das Christentum schätzt. Das dürfte er für sich und seine Partei gerne tun, natürlich auch in öffentlichen Äußerungen. Also wenn er in sein Büro und seine Wohnung ein Kreuz hängen möchte – nur zu. Hab ich in meiner Wohnung auch; hätte ich ein eigenes Büro, tät ich da vielleicht auch eins hin, und das wäre auch mein gutes Recht (solange klar ist, dass es da für mich hängt und nicht für die ganze Institution).

    Das Problem ist, dass er durch das Aufhängen des Kreuzes in Behörden (und nicht nur als Büroschmuck des einzelnen Mitarbeiters) den heutigen Zustand, in dem das Land eben nicht nur christlich, sondern plural durch verschiedene Religionen und Weltanschauungen geprägt ist, ignoriert, den Staat mit nur einer dieser Religionen identifiziert und damit die Bürger, die dieser Religion nicht angehören, symbolisch zu Bürgern zweiter Klasse macht (auch wenn sich das hoffentlich nicht in tatsächlichen Amtshandlugen wiederspiegeln wird).

    Und zur Begründung beruft er sich dabei auf "Tradition" usw. – wobei das faktisch eben nicht "die Tradition" des Landes ist, auf die er sich dafür beruft, sondern ein völlig willkürlich gewählter Ausschnitt aus dieser Tradition. Willkürlich ist es, weil er sich weder auf die heutige Geltung berufen kann, denn dann könnte er sich eben nicht nur auf das christliche Symbol beziehen und damit Atheisten, Muslime, Juden, Angehörige anderer Religionen usw. ausgrenzen; noch kann er sich auf die Geschichte berufen, denn dann müsste er berücksichtigen, dass es genaus alte oder ältere Traditionen gibt wie eben vorchristliche Religionen oder das Judentum. Es handelt sich also um reine, bigotte Willkür der Ausgrenzung, und darauf weist Sebastian Bartoschek völlig zu Recht hin.

    Soweit meine Kritik an dieser Handlung als Staatsbürger, der GG Art 3, 4, 33, 140 (mit WRV Art. 136, 137) gelesen und verstanden hat – offenbar im Gegensatz zu Söder.

    ———————————————–

    Im durchschaubaren Bemühen, dieser Problematik zumindest formal irgendwie Rechnung zu tragen, behauptet er dann ja noch, es sei kein Zeichen einer bestimmten Religion. WTF?

    Er leugnet also den christlichen Charakter des Kreuzes und er benutzt es zur Ausgrenzung anderer und für seinen politischen Vorteil. Für diese übelste, doppelte Gotteslästerung würde ich als Christ gerne die Tische seiner politischen Geschäftemacherei umstoßen und ihn mit Peitschenhieben aus dem Tempel der Kirche hinaustreiben.

  • #21
    paule t.

    Erfreulich und bemerkenswert finde ich ja, dass man immer mehr Kritik aus den Reihen der Kirchen hört.

  • #22
    Helmut Junge

    Söders Vorstoß erlebt wohl den größten Widerstand nicht von den Säkularen, sondern von ausgerechnet der heimischen katholischen Kirche.
    Ich müßte lügen, wenn ich sagen würde, daß ich damit gerechnet hätte.
    https://www.welt.de/politik/deutschland/article175947085/Marx-zu-Soeders-Kruzifix-Vorstoss-Dann-wuerde-das-Kreuz-im-Namen-des-Staats-enteignet.html

  • #23
    Johannes

    Das Symbol des Kreuzes ist ein Symbol des Todes, der Folter und der Vernichtung. Kein Mensch sollte gezwungen werden, sich diesem Symbol auszusetzen. Ich wurde als Kind ohne zu Fragen unter diesem Symbol getauft. Es gehört nicht zu meinem Wunschsymbol. Ein Symbol der Freiheit, der Auferstehung und des Lebens und des Friedens und der Liebe wäre mir lieber. Wer definiert denn unsere Kultur. Doch nicht das Kreuz.
    Der Stern der Juden auch der Halbmond der Muslime ist vielsagender. Unter dem Kreuz wurden Kiege geführt, Kreuzzüge mit dem Ziel ganze Kulturen zu vernichten. Das ist weiß Gott kein vorbildliches Symbol. Unter den anderen Symbolen wurden freilich auch Kriege geführt. Daher sollte der Staat hier sich lieber neutral verhalten und die Glaubenssymbole den Religionen und den Kirchen überlassen. Ich bin bereit mich für die Konvention der Menschenrechte ins Zeug zu legen. Die sind überkonfessioneller Konsens oder sollte es zumindest werden. Sich dafür zu verkämpfen kann sich lohnen.

    Behörden sind für alle Menschen einer Bevölkerung da. Da gehören keine Symbole einer einzigen Religionsgemeinschaft hin. Dafür ist keinerlei Spielraum. Die Zeit, in der der Staat oder andere Obrigkeiten seinen Bürgern vorschreiben darf, welche Bilder und Symbole er aufzuhängen hat oder ertragen soll, ist hoffentlich endgültig vorbei. Ich kann mich noch erinnern, wie Erwachsene mir vorschreiben wollten, welche Länge mein Haar haben darf, welche Schuhe o.k. sind, dass Mädchen gefälligst nur mit Rock das Haus verlassen dürfen usw. Da muss man nicht drüber diskutieren. Wer dahin zurück will, der sollte mit starkem Widerstand rechnen müssen.

    Kreuze gehören in die Kirche von mir aus. Religiöse Symbole gehören auch nicht in die Schule oder in die Uni. Die sind genauso zur Neutralität verpflichtet.
    Ob das Kreuz das richtige Symbol für die Christenheit ist, kann man diskutieren. Da kann man durchaus unterschiedliche Positonen vertreten. Aber das soll bitte eine innerkirchliche Diskussion bleiben und darf nicht in die Amtsstuben getragen werden.

    In der Bibel ist das Kreuz nicht vorgesehen. Es war ein Betriebsunfall. Jesus wollte nicht von seinen Gegnern gekreuzigt werden. Wenn die Römer ihn nicht ermordet hätten, wäre er nicht am Kreuz gestorben. Die Botschaft weist über das Kreuz hinaus. Die Kirche aber bleibt beim Kreuz stehen. Das offene Grab ist das entscheidende Symbol. Die Himmelfahrt. Das Wasser und die Taufe, die Fische als Ursprung des Lebens. Es gibt hunderte von Symbolen, die eine größere Bedeutung haben für das Christentum als das unchristliche von den Römern stammende Mordinstrument des Kreuzes.

    Vielleicht sollten die Christen nach 2000 Jahren mal grundsätzlich über ein neues Logo nachdenken anstatt weiter auf das Kreuz, ein Werkzeug der Hinrichtung und Unterwerfung zu setzen. Die Franzosen haben nach der Revolution ja auch nicht das Schafott als Symbol des Aufbruchs gewählt sondern Marianne mit der Freiheitsfahne.

  • #24
    Walter Stach

    Helmut,
    ja, die " protestantischen und die kath. Kirchenführer" äußern sich sehr kritisch zu dem von mir -sh.18- sogenannten Kreuzzug des bayr. Ministerpräsidenten, u.a, jetzt auch Kardinal Marx – immerhin Münchener (!!) Erzbischof und Vorsitzender der deutschen Bischofskonferenz!
    Mich überrascht das nicht, denn der Söder-Kreuzzug ist nun ‚mal nicht kompatibel mit dem, was das Kreuz als Glaubenssymbol der Christen für diese bedeutet.

    Allerdings habe ich keinerlei Vermutungen -geschweige denn Gewissheiten- darüber, wie das gemeine Kirchenvolk -hier konkret in Bayern-, diesen Söder-Kreuzzug emotional hingenommen hat bzw. hinzunehmen scheint, also habe ich auch nicht die geringsten Ahnung, ob und ggfls wie für das
    "gemeine christliche Kirchenvolk in Bayern" dieser Söder-Kreuzzug dessen Wahlentscheidung beeinflussen könnte -so oder so-; denn nur darum scheint es Söder zu gehen.

    Da dieser Kreuzzug Söders m.E. nicht dem Zweck dient, das Christentum in Bayern zu stärken und/oder die Bedeutung der christlichen Kirchen in Bayern zu erhalten bzw. auszubauen und schon gar nicht dem Zweck dienen soll, den einzelnen Christenmenschen im Alltagsleben in seinem Glauben symbolisch Halt/Orientierung zu geben (was ja auch nicht Aufgabe des Staates sein kann),
    sind darauf bezogen Fragen nach Sinn/Unsinn/Erfolgsaussichten/Mißerfolgen des Söder-Kreuzzuges für mich nicht relevant. Und für Söder vermutlich auch nicht.

    In einer Diskussion wie der hier stattfindenden gebietet es m.E. die praktische Vernunft "nur" zu fragen, ob das jetzt von Söder eingesetzte Mittel sich als zweckdienlich erweisen wird mit Blick auf einen Wahlerfolg der CSU. Und diese Frage vermag ich nicht, wie schon gesagt, zu beantworten -keine Ahnung.

  • #25
    abraxasrgb

    OK; der „Psycho-logik“ muss man mal versuchsweise folgen … ein Kreuz ist nicht christlich , je nachdem wer es aufhängen lässt oder wo es hängt?

    Achso, Kopftücher sind ja auch nur individueller textiler Geschmack #scnr

  • #26
    Ines C.

    @abraxasrgb: naja, für Reformierte gilt diese Theo – Logik schon: da dürfen Kreuze nicht mal in der Kirche aufgehängt werden. 🙂 Sie wissen schon, Bildersturm und so…also ja: nicht christlich.
    Die beste Erklärung für Söders Kampagne hatte ich bei einem Spiegel-Foristen gelesen: Als Evangelischer hat er ein Akzeptanzproblem bei den bayrischen Katholiken, die glauben ihm nicht, dass er ein echter Christ ist. Deshalb so ein Guerilla-Marketing.
    Unterm Strich geht es nur um Macht. Und da ist das Kreuz als Zeichen, dass Gott sich aller Macht entäußert theologisch tatsächlich völlig ungeeignet.
    Keine Ahnung, was man im bayrischen Kosmos damit verbindet.

  • #27
    der, der auszog

    In Anbetracht der hier in den Kommentaren mittlerweile fast vollständig versammelten üblichen Verdächtigen, wundert mich, dass den Kruzifixbeschluss Söders noch niemand auf seine Grundgesetzkompatibilität überprüft und lauthals nach dem Bundesverfassungsgericht oder zumindest einen Arzt gerufen hat.

    Woran liegts?

    Geben die Gazetten des Landes diesbezüglich noch nicht genügend her, um sich entsprechend zu positionieren und Söder das Grundgesetz rechts und links um die Ohren zu hauen?

    Liegt es vielleicht am Kruzifixurteil des Bundesverfassungsgerichtsurteils von 1995, welches im Schmücken von Klassenzimmern mit Kreuzen einen Verstoss gegen Art. 4 GG gesehen hat, bis der europäische Gerichtshof für Menschenrechte 2011 in Straßburg feststellte, dass Kreuze in Schulzimmern nicht gegen die Religionsfreiheit verstoßen und hängen bleiben dürfen?

  • #28
    Arnold Voss

    Für mich ist Religion Privatsache. Deswegen haben religiöse Zeichen nach meiner Ansicht in öffentlichen Gebäuden egal welcher Art nichts zu suchen. Aber das sehen viele religiöse Menschen anders. Letztlich geht es darum, wie konsequent man die Trennung von Staat und Kirche vollzieht. Da ist z.B. Frankreich weitaus rigoroser als Deutschland, ohne dass das je zu einer Kritik des europäischen Gerichtshofes geführt hat.

    Was die damit einhergehende weltanschauliche Neutralität öffentlicher Einrichtungen betrifft, ist die grundsätzliche Frage: Ist sie eine duldende gegenüber allen Religionen oder ist sie eine strikt abweisende gegenüber jedem religiösen Zeichen und Symbol. Ist letzteres der Fall, dann hat weder ein Kreuz an der Wand noch ein Tuch oder Kippa auf dem Kopf einer Lehrerin oder eines Lehrers in einer öffentlichen Schule etwas zu suchen.

    Ich selber bin, was erwachsene respektive religionsmündige Menschen betrifft, diesbezüglich leidenschaftslos. Mich stört weder ein Kopftuch noch eine Kippa noch ein Kreuz, ein Davidstern oder sonst ein religiöses Zeichen. Menschen haben ein Grundrecht auf verschiedene Weltanschauungen und diesbezüglichen Formen des Selbstausdrucks. So lange sie sie mir und anderen nicht aufzwingen oder mich aggressiv missionieren wollen, ist das einzig und allein ihre Sache.

    Die christlichen Kirchen in Deutschland halten sich bezüglich Söders "Kreuzzug" wohl auch deswegen distanziert bedeckt oder eher kritisch, weil sie eine große gesellschaftliche Diskussion über Neutralität und Säkularität nicht wünschen. Dann ständen nämlich neben dem Kreuz in öffentlichen Gebäuden auch ihre sonstigen rechtlichen, finanziellen und arbeitgeberbezogenen Privilegien zur Debatte und die Tatsache, dass über ein Drittel der deutschen Bevölkerung keiner Religion angehört.

  • #29
    Helmut Junge

    dda, Söder ist so früh und heftig gestoppt worden, daß auch über die Abwehr einer Monopolverletzung gedacht werden kann.
    Wie kann sich ein Politiker so etwas anmaßen?
    Da ist selbstständiges Handeln vielleicht gar nicht erwünscht?
    Jetzt ist auch noch aufgefallen, daß Söder gar nicht richtiger Christ ist. Was mag da noch kommen?

  • #30
    paule t.

    @ Arnold Voss:

    Zitat: "Was die damit einhergehende weltanschauliche Neutralität öffentlicher Einrichtungen betrifft, ist die grundsätzliche Frage: Ist sie eine duldende gegenüber allen Religionen oder ist sie eine strikt abweisende gegenüber jedem religiösen Zeichen und Symbol."

    Das ist bezüglich des Kreuzes an der Wand eigentlich gerade nicht die Frage. Auch bei einer duldenden, aber neutralen Haltung gegenüber allen Religionen kann der Staat eigentlich nicht das Kreuz als alleiniges Symbol an einer bestimmten Stelle vorschreiben, weil es gegen die Neutralität verstößt. Der bayerische Beschluss ist ja gerade deswegen so absurd, weil er aus _beiden_ von Ihnen genannten Positionen heraus unhaltbar ist.

    Der Unterschied zwischen der wohlwollenden, neutralen Haltung (wie sie unsere Rechtsordnung derzeit vorsieht) und einer strikt abweisenden Haltung liegt eher bei den nicht auf die Institution, sondern auf eine darin arbeitende Person bezogenen Symbolen wie die von Ihnen genannten Kopftuch, Kippa etc., aber auch persönlicher Büroschmuck u.dgl.

  • #31
    Walter Stach

    1.
    Wenn Söder und Co. "neuerdings" und bei jeder Gelegenheit betonen, daß es ihnen um den Erhalt von Grundwerten geht (welche immer das auch sein mögen) , die auf der christlich-jüdischen Tradition beruhen, dann würde es naheliegen, wenn Söder und Co nicht nur das Aufhängen des Kreuzes in öffentlichen Gebäudenfordern würden, sondern zugleich das Plazieren des David-Sternes.
    Oder habe ich da etwas mißverstanden?
    2,
    DER,DER….
    Mich bewegt angesichts des Kreuzzuge von Söder nicht die Frage, ob und inwieweit es hier verfassungsrechtliche Probleme geben könnte, sondern a.) als kath. Christ meine sehr persönliche Befremdlichkeit darüber, daß Söder das Symbol der Christenheit, nämlich das Kreuz, zu einem staatlichen Symbol umzufunktionieren versucht und b.) die schon als traditionell einzustufende Befremdlichkeit meinerseits, daß CDU/CSU immer wieder und immer noch fähig und willens sind, "das Christentum", "den christlichen Glauben " in ihren Wahlkämpfen für ihre Ziele zu ge- bzw. zu mißbrauchen.
    Zu a.) : "Gut so" -aus meiner Sicht-, wenn sich gegen dieses "Umfunktionieren" Führungspersonal
    der christlichen Kirchen positioniert hat.
    Zu b.): Das muß ich zur Kenntnis nehmen als legales und legitimes Vorgehen einer
    wahlkämpfenden sog. christlichen Partei.
    Ob es von Nutzen sein wird? Keine Ahnung -sh. bereits meine Anmerkungen unter -24-.

    DER,DER….
    Ob irgend jemand das bayrische Staatsgebot , in allen öffentlichen Gebäuden ein Kreuz aufhängen zu müssen -nicht zu können-, zum Objekt einer Verfassungsbeschwerde machen wird, bleibt abzuwarten. Es wäre naheliegend . Ausgang offen. Aber für mich nicht zwingend geboten.

    Im übrigen, so meine ich, geht es hier primär darum, ob und wie die Menschen in Bayern mit diesem sie betreffenden staatlichen Gebot in ihrem Alltagsleben umgehen werden -die Christen, die Nichtchristen.
    Sollte demnächst die NRW-Landesregierung Gleiches verfügen, hätte ich zu bedenken, ob und inwieweit ich mich als Staatsbürger persönlich betroffen fühlen und ob und wie ich mich dagegen -politisch/rechtlich-positionieren könnte, dann allerdings sehr gelassen.

    PS
    Bedenkenswert erscheint mir, daß neuerdings mehr und mehr " Religiöse " im gesellschaftspolitischen Diskurs (mit-)bestimmend zu werden scheint; eine Renaissance? Der Streit um religiöse Symbole scheint das abzubilden. Warum diese Renaissance? Mit welchen Folgen? U.a. mit der Folge, daß der Streit um den "richtigen Glauben" wieder ein wesentlicher Bestandteil gesellschaftlicher Auseinandersetzungen werden wird -zu werden droht?.

    Und in dieses (Nach-) Denken bezieht mit ein den Faktor einer zeitgleich ( mit der Renaissance des Religiösen im gesellschaftlichen Diskurs) wachsende Zahl der Atheisten und Agnostiker in Deutschland und die ebenfalls zeitgleich wachsende Zahl von Christ-Gläubigen, die aus den Kirchen austreten oder ihr Christentum nicht mehr durch sonntägliche Gottensdienstbesuche "dokumentieren".

    Darüber denke ich -jedenfalls dann und wann -nach .

    Der södersche Kreuzzug ist insofern für mich relativ belanglos, was mich nicht davon abhält, mich als kath.Christ über den söderschen Mißbrauch des Kreuzes zu Wahlkampfzwecken zu echauffieren so wie ich das vor ca. 6o Jahren gemacht habe, wenn in den Messen am Wahlsonntag der sog. Hirtenbrief der deutschen Bischöfe verlesen wurde mit der Aufforderung, für die christliche Partei zu stimmen. Seinerzeit wirkmächtig!!

  • #32
    Helmut Junge

    Walter, das Kreuz war seit der Nacht, in der Appollon! dem Konstantin im Traum sagte, daß er, Konstantin unter diesem Zeichen siegen würde, automatisch ein staatliches Symbol. Die christliche Minderheit hatte damals noch das Fischzeichen als Symbol. Im Christentum ist daher bis heute nicht sicher, ob ein Pluszeichen oder der Buchstabe X ein Kreuz ist.
    Daher und auch aus andere Gründen ist für mich Söders Vorstoß nicht religiös zu beanstanden.
    Wahrscheinlich hat aber Appollon von Anfang an das Schwert gemeint. An ein religiöses Zeichen hat sicher kein einziger seiner Legionäre gedacht. Woher auch? Konstantin, der mit einer Münze im Mund begraben wurde, hat aber vorseinem Tod noch einige christliche Glaubenssätze, z.B. während des Konzils von Nizäa beschlossen. Die gelten noch heute.
    Zu Söder zurück.
    Söder möchte gern Teile des christlichen Denkens für seine Politik vereinnahmen.
    Das aber ist kaum jemanden beizubringen. Darin hat er sich verschätzt, weil er offenbar keine Ahnung hat, was seine Bayern so denken. Er hat sich in der Beurteilung seiner Landsleute verschätzt. Das darf einem Ministerpräsidenten nicht passieren.
    An dem Punkt beginnt mein Interesse an Söders Idee.
    Er schätzt seine Wähler falsch ein. Das ist ein wichtiger Punkt.

  • #33
    Siegfried Marquardt

    Eindeutig verfassungswidrig!

    Die Anordnung von Markus Söder, an öffentlichen Ämtern und Einrichtungen Kreuze zu installieren, ist eindeutig verfassungswidrig, wie der Wissenschaftliche Dienst des Deutschen Bundestages bereits 2007 befand! Hier ein kleiner Ausschnitt aus einer Schrift des Wissenschaftlichen Dienstes des Bundetages zum Kopftuchverbot: „Der Staat darf sich seinerseits nicht mit einer bestimmten Religionsgemeinschaft identifizieren. Das Bundesverfassungsgericht erkennt in Art. 4 Abs. 1, Art. 3 Abs. 3 S. 1, Art. 33 Abs. 3 GG sowie in Art. 136 Abs. 1 und 4 und Art. 137 Abs. 1 Weimarer Reichsverfassung in Verbindung mit Art. 140 GG eine Pflicht des Staates zur weltanschaulich – religiösen Neutralität an. (© 2010 Deutscher Bundestag WD 3 – 3000 – 112/10).
    Auch die Kirchenvertreter der beiden christlichen Konfessionen, wie beispielsweise Kardinal Reinhard Max, Chef der katholischen Bischofkonferenz wehren sich gegen die staatliche Vereinnahmung des Kreuzes. Sogar theologisch-theoretisch hat sich die Kirche mit diesem Thema auseinandergesetzt! Nach Ulrich Rhode (RELIGIÖSE SYMBOLE UND RELIGIÖSE NEUTRALITÄT DES STAATES; in: Kirchenrechtliche Bibliothek; Seite 167 bis 178, Berlin 2007) „…kann die Verwendung religiöser Symbole in staatlichen Einrichtungen in Spannung zu der erforderlichen religiös-weltanschaulichen Neutralität des Staates treten. Auch wenn der Grundsatz der religiös-weltanschaulichen Neutralität nicht ausdrücklich im Grundgesetz verankert ist, er ergibt sich doch aus der Zusammenschau der verschiedenen Verfassungsnormen über das Verhältnis zwischen Staat und Religion. Zu diesen Normen gehören die Religionsfreiheit nach Art. 4 GG, das Verbot der Staatskirche nach Art. 140 GG i. V. m. Art. 137 Abs. 1 WRV und die Diskriminierungs-verbote in Art. 3 und Art. 33 Abs. 3 GG. Diese Verfassungsnormen verlangen nicht einen religionsfreien staatlichen Bereich im Sinne einer Trennung von Staat und Religion nach laizistischem Modell (BVerfG, Kammerbeschluss vom 30.7.2003, 1 BvR 792/03: NJW 2003, 2815),…“.
    Positiv ist hingegen zu vermerken und besonders anzuerkennen, dass Söder eine Kampagne für Obdachlose und gegen Obdachlosigkeit demnächst starten will! Hut ab Herr Söder für diese Initiative! Sie dürften dann wohl für diesen Coups in die Geschichte eingehen.

    Siegfried Marquardt, Königs Wusterhausen

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