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Mensch – Maschinen – Musik: Das Gesamtkunstwerk Kraftwerk

Frisch auf dem Buchmarkt ist seit wenigen Wochen hierzulande das sehr ambitioniert daherkommende Werk: ‚Mensch – Maschinen – Musik: Das Gesamtkunstwerk Kraftwerk‘. Als jemand, der die Band Kraftwerk erst in den letzten Jahren schrittweise für sich selber entdeckt hat, zog diese Neuerscheinung in der Buchhandlung meines Vertrauens direkt mein Interesse auf sich.

Doch das Lesevergnügen ist hier kein ungetrübtes. „Neue, kenntnisreiche und kritische Perspektiven auf das künstlerische Projekt Kraftwerk, das die Band aus dem Kling-Klang-Studio in die bedeutendsten Museen der Welt führte, prägen die Beiträge dieses mit Dokumenten, Gesprächen und einem wiederzuentdeckenden Theaterstück angereicherten Essaybandes.“ So verspricht es der dazugehörige Pressetext.

Ich musste jedoch feststellen: Zum klassischen Durchlesen in einem Rutsch eignet sich dieses Buch wahrlich nicht. Es ist eher eines dieser sperrigen Bücher, die man in kleinen Häppchen, Portion für Portion, zu sich nehmen mag, die man in kleinen Dosierungen über mehrere Wochen hinweg nach und nach konsumiert.

Die diversen Essays in diesem Werk beleuchten entlang der Band-Diskografie die zentralen Themen der jeweiligen Schaffensphasen. Im Mittelpunkt sehen dabei die Alben wie „Autobahn“, „Die Mensch-Maschine“ oder „Computerwelt“.

Zu lesen sind dabei Beiträge von Ulrich Adelt, Max Dax, Heinrich Deisl, Alexander Harden, Ralf Hütter, Marcus S. Kleiner, Alexander Kluge, Alke Lorenzen, Stephen Mallinder, Didi Neidhart, Sean C. Nye, Melanie Schiller, Eckhard Schumacher, Uwe Schütte, Enno Stahl, Jost Uhrmacher, Johannes Ullmaier, Axel Winne und Olaf Zimmermann.

Das gedruckte Werk ist jedoch so umfangreich und informativ geraten, dass es in einem Rutsch wohl schlicht unlesbar ist. Das von Uwe Schütte herausgegebene Buch ist sehr detailliert zusammengestellt und zeigt Interessierten auf seinen gut 360 Seiten tatsächlich das komplette Gesamtkunstwerk hinter dem Namen ‚Kraftwerk‘.

„Mensch – Maschinen – Musik: Das Gesamtkunstwerk Kraftwerk“ ist letztendlich auch eine komplexe Zeitreise, die nicht nur die einzelnen Alben von ‚Autobahn‘ bis ‚Electric Café‘ reflektiert, sondern sich zudem mit Kraftwerks frühen Jahren, ihren Einflüssen auf die britische und US-amerikanische Popmusik (von denen ich bisher nur aus einer TV-Dokumentation auf ‚Spiegel-TV‘ wusste) und ihrem für eine deutsche Band wahrlich ziemlich ungewöhnlichen weltweiten Durchbruch beschäftigt. Diese Infos waren größtenteils noch völlig neu für mich.

Als schönen ‚Bonus‘ bietet Schüttes Sammlung seltene Interviews aus längst vergangenen Tagen. Unzählige Fußnoten drohen den weniger vorinformierten Leser mit Informationen zu Kraftwerk jedoch nahezu zu überfordern. Da wäre etwas weniger Detailverliebtheit am Ende wohl mehr gewesen. Stattdessen hätten es aus meiner Sicht auf der Gegenseite durchaus ein paar Fotos aus der Geschichte der Combo mehr sein dürfen. Zur Auflockerung sozusagen. Insgesamt ist das Projekt aber durchaus spannend geraten. Schaut Euch das Buch einfach bei Gelegenheit mal an, wenn Euch die Band interessiert….

Gebundene Ausgabe: 368 Seiten
Verlag: C.W. Leske
ISBN-13: 978-3946595014
Preis: 24,90 Euro

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Ein Kommentar zu “Mensch – Maschinen – Musik: Das Gesamtkunstwerk Kraftwerk

  • #1
    ke

    Die Band einfach auch seit vielen Jahren aktiv und immer noch populär.
    Das ist komplex und sicherlich auch aus vielen Perspektiven zu beschreiben.

    Ich hatte ein Konzert gesehen, das mich wg. des sehr gemischten Publikums von Fans in roten Hemden mit schwarzer Krawatte aus dem Ausland über Champagner Fans bis hin zu kompletten Familien beeindruckte. Der Sound war auch gigantisch.

    Was bleibt bei mir im Gedächtnis:
    – "Das Model" / "Autobahn" aus meiner Jugend
    – Expo 2000 für 400000 DM
    https://en.wikipedia.org/wiki/Expo_2000_(song)
    https://www.youtube.com/watch?v=fr9GZ9ailuc
    und jetzt
    Astro Alex‘ "Guten Abend Kraftwerk, guten Abend Stuttgart!"
    https://www.youtube.com/watch?v=rCQEzgtWv-E

    Sie sind eine Marke. Sie pflegen die Marke auch. Sie wirken in den Tron-Anzügen zum Fremdschämen, aber die Lebensleistung ist einfach enorm!

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