Mir stinkt’s

Der Winter kann kommen...

Erinnert sich hier noch wer an die 1980-er-Jahre? Damals gab es im November gerne mal ‚Wintersmog‘. Teilweise führte das in diesen Jahren sogar zu Fahrverboten für Kraftfahrzeuge.

Ich erinnere mich z.B. noch immer ganz konkret an einen Abend, da konnte ich bei einer offensichtlich vorherrschenden Inversionswetterlage sogar die Straßenlaterne unmittelbar vor meinem damaligen Kinderzimmer kaum noch erkennen, da der übel riechende ‚Smog‘ an diesem Tag so dicht war.

In den letzten Wintern kommt die Erinnerung an diese Situation bei mir immer häufiger wieder zurück. Allerdings aus ganz anderen Gründen: Die lieben Nachbarn werfen, gerade in dieser Jahreszeit, gerne mal vermehrt Ihre Holzöfen und Kamine an!

Und wo früher vielleicht mal einer der Nachbarn einen solchen Kamin betrieb, da sind es heute mindestens schon zehn.

Kein Einzelfall, wie ein Blick durch den Freundes- und Verwandtenkreis zeigt. Gerade in den Vorstädten oder in Siedlungen kleinerer Städte hat sich die Zahl der betriebenen Öfen und Kamine in den letzten Jahren ganz offensichtlich vervielfacht.

Klar, die immens steigenden Energiepreise sind sicher ein Grund für die zunehmende Beliebtheit zusätzlicher privater Feuerstellen.

Für die mögliche finanzielle Ersparnis durch den Einsatz von Pellets oder Holzscheiten wird ja auch ganz offen geworben.

Inzwischen bekommt man ja Säcke mit Feuerholz (zumindest in den Wintermonaten) sogar in vielen Supermärkten.

Hat aber auch jemand mal an die direkten Folgen der vielen zusätzlichen offenen Feuer gedacht?

In Zeiten in denen die Innenstädte vom Feinstaub der Kraftfahrzeuge durch die Einrichtung von Umweltzonen befreit werden sollen, wo Kraftwerke selbstverständlich möglichst umweltverträglich und emissionsfrei betrieben werden sollen, wo in Kneipen auch ein totales Rauchverbot eingeführt werden soll, scheint über die parallel zu verzeichnende extreme Zunahme von  Ruß- und Gestank aus privaten Haushalten noch niemand groß nachgedacht zu haben.

Schon sehr merkwürdig, oder?

Denn dabei hätte diese Problematik wirklich mehr Aufmerksamkeit verdient als bisher.

Und hier könnte man vergleichsweise einfach Gesundheitsgefährdungen und Belästigungen für Mensch und Umwelt vermeiden.

Nur stört sich in der Politik bisher offenbar kaum jemand daran.

Zwar sind in den nächsten Jahren strengere Regelungen für den Einsatz von Filtern vorgesehen, doch liegt das erstens noch Jahre in der Zukunft, und es betrifft zweitens auch nicht alle in Betrieb befindlichen Öfen. Zudem wird sich dies auch vor Ort zukünftig kaum streng kontrollieren lassen. Offene Lagerfeuer im Garten sind verboten, u.a. auch weil man das unkontrollierte Verbrennen von Abfällen unterbinden möchte. Aber wer soll kontrollieren was der Nachbar im Ofen verbrennt? Nimmt man von den derzeit häufig durch die Siedlungen geisternden ‚Düften‘ mal eine Nase voll, dann riecht es offenbar nicht immer ‚nur‘ nach Holz und Pellets.

Das, aus meiner Sicht, besonders Unangenehme daran: Während ich ja durchaus selber entscheiden könnte ob ich als Nichtraucher bereit bin in eine verqualmte Kneipe zu gehen, nimmt mir die Politik hier zukünftig die Entscheidung ab. Rauchen in Kneipen wird schlicht untersagt. Ende der Diskussion.

Aber wie erreiche ich es als gesundheitsbewusster Mensch, oder einfach als Anwohner welcher einfach nicht von den üblen Gerüchen und Schadstoffen vom Nachbargrundstück belästigt werden möchte, diesen erfolgreich zu entrinnen?

Das sagt mir niemand!

Und man selber kann, realistisch betrachtet, wohl gar nichts dagegen unternehmen.

Denn das Verfeuern von Holzscheiten in Kaminen ist nicht verboten, das Eindringen des Gestanks in meine Wohnung kann ich dauerhaft technisch nicht verhindern, und auch gegen die Einwirkungen von Ruß und Dreck kann ich faktisch nichts unternehmen.

Kann mir also bitte einmal jemand erklären welchen Sinn es macht in meiner Stammkneipe ein totales Rauchverbot zu erteilen, während ich dann aus dieser rauchfreien Kneipe nach ein paar Stunden wieder nach Hause komme und dort dann eine von diversen Nachbarn ganz legal total verqualmte Wohnung vorfinde? Und das frage ich mich hier als Nichtraucher….

 

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5 Kommentare

  1. #1 | Torti sagt am 5. November 2012 um 12:24 Uhr

    Das kommt davon, wenn man grün wählt … 🙂

  2. #2 | Winnie Schäfer sagt am 5. November 2012 um 13:12 Uhr

    Endlich mal wieder eine Verbotsdebatte! Es gibt ja überhaupt noch viel zu viele Freiheiten in unserer Gesellschaft! Weg damit! Alles regulieren, was mich in meiner persönlichen Lebensführung beeinträchtigen könnte… Wie furchbar kann es noch werden?

  3. #3 | Stefan Laurin sagt am 5. November 2012 um 13:14 Uhr

    Aber Pellets sind doch öko, die können doch gar nicht ungesund sein. Die retten doch den Menschen, den Eisbären UND den Schneehasen 🙂

  4. #4 | Robin Patzwaldt sagt am 5. November 2012 um 13:18 Uhr

    @Winnie: Wieso verbieten? Wer fordert das? Ich habe lediglich umschrieben warum ich es für widersprüchlich halte in Kneipen ein totales Rauchverbot einzuführen, allen Autos eine Feinstaubplakette zu verpassen, wenn zeitgleich die Luft durch offene Feuerstellen im Winter so rauchverqualmt ist, dass man über diese Ungereimtheiten fast schon schmunzeln muss.

  5. #5 | Nansy sagt am 5. November 2012 um 14:10 Uhr

    Warum radikale Rauchverbote aber keine Diskussion über Gesundheitsgefährdungen und Belästigungen von Hausbrandstellen? Nun, da gibt es mehrere mögliche Gründe:
    1. Die Politik greift gerne Themen auf, die sich gegen eine Minderheit in der Bevölkerung richten (Beispiel. dicke Menschen, Raucher, Alkoholkranke) Da kann man schnell politische Punkte sammeln, sofern man es versteht, die Mehrheit gegen die Minderheit in Stellung zu bringen.
    2. Das Thema Rauchen steht seit über dreißig Jahren auf der Agenda der internationalen Zwangsbeglücker von der WHO und ihrer „wissenschaftlichen“ Zuarbeiter. Erst durch die Erfindung des sogn. Passivrauches konnte man Verbote durchsetzen. Hausbrandstellen geben ideologisch nichts her.
    3. Die Gesundheitsindustrie konzentriert sich auf die für ihr Geschäft wichtigen Themen (Medikamente und Therapien für dicke Menschen, Raucher, Alkoholkranke) da spielt es keine Rolle, was der Nachbar im Ofen verbrennt. Auch für die Ärzte und Wissenschaftler ist der Anreiz groß, sich auf diese Themen zu konzentrieren, wenn man in sogn. Studien „interessante“ Ergebnisse liefert, bekommt man mehr Forschungsgelder aus den öffentlichen Töpfen.

    Man legt sich nicht mit Menschen an, die aus Kostengründen oder aus scheinbar ökologischem Bewußtsein ihre Öfen mit Holz oder Pellets befeuern….

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