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NRW-Linken Chef Michalowsky biegt sich die Wirklichkeit zurecht

Montage: Irene Kemler Fotos: Ralf Michalowsky CC3.0

Der Große Führer der NRW-Linken, Genosse Ralf Michalowsky. Montage: Ruhrbarone Fotos: Ralf Michalowsky CC3.0, KP Nordkorea

Der Große Führer der NRW-Linken, Genosse Ralf Michalowsky,  ist dabei, die Ereignisse der letzten Wochen rund um die Solid-Demo in Essen auf ganz eigene Weise zu interpretieren. Im Interview mit dem Gladbecker Lokalteil der WAZ stellt er seine Sicht der Dinge da – mit der Wirklichkeit haben sie nicht immer viel zu tun:

„Er weist alle Vorwürfe, mit der Essener Kundgebung antisemitische Hetze geschürt und einseitig Partei ergriffen zu haben, empört zurück. „Auf meiner Internetseite kann jeder meine Rede nachlesen. Das ist eine unverschämte Unterstellung. “

Das ist nicht ganz richtig. Nachdem Michalowsky in der Nacht von Donnerstag auf Freitag die Passage aus seiner Rede gestrichen hatte, in der er Israel unterstellte, ein „Apartheidregime“ installiert zu haben, war seine Rede wirklich nicht mehr einseitig. Diesem Blog liegen sowohl der ursprüngliche als auch der später veröffentlichte Redeentwurf vor:

apartdheit_israel

Mit wenigen Worten wurde auch die Hamas kritisiert, was seine Zuhörer auf dem Weberplatz nicht begeisterte. Aber der Aufruf zur Demonstration war Anfangs einseitig:

In den vergangenen Wochen haben die Angriffe der israelischen Armee auf die palästinensische Zivilbevölkerung zugenommen. Während die Bevölkerung im von der Welt abgeschotteten Gaza
unter Bombardierungen leidet und hohe Opferzahlen beklagen muss, hat die israelische Armee über Hebron eine Ausgangssperre verhängt und bei Hausdurchsuchungen mehrere Menschen verletzt und getötet. Infolge der Hausdurchsuchungen wurden mehr als 450 Menschen inhaftiert, darunter auch Abgeordnete und AktivistInnen des zivilen Widerstands. Wir sehen diese Gewalt im Zusammenhang mit der zunehmenden Destabilisierung im gesamten Nahen Osten und fordern daher:

-Sofortigen Stopp der militärischen Aggressionen der israelischen Armee und die Freilassung der politischen Gefangenen.
-Ein Ende der deutschen Waffenlieferungen an alle Staaten im Nahen Osten!
-Die Aufnahme von Flüchtlingen aus allen Staaten des Nahen Ostens!
-Die Verschickung von Medikamenten nach Gaza
-Die Aufhebung der Blockade Gazas durch Israel und Ägypten!

Nicht nur das: Die Forderung nach der Freilassung aller „politischen Gefangenen“ ist zumindest missverständlich, denn die palästinensische Seite zählt dazu zum Teil Terroristen, die in Israel Anschläge begangen haben  – auch gegen zivile Einrichtungen.

Vollkommen irreführend ist folgende Passage:

Als Verursacher der Diskussion sieht Michalowsky übrigens die „Ruhrbarone“, ein Ruhrgebietsblog. Die hatten nach der Demo geschrieben: „Michalowsky marschiert gemeinsam mit Neonazis.“

Das ist falsch. In unserer Berichterstattung über die Demonstration am vergangenen Freitag in Essen haben wir das nicht geschrieben. Aus einem einfachen Grund: Es stimmte nicht. Zwar hatten mehrere Mitglieder der NPD-Jugendorganisation Junge Nationaldemokraten versucht, an der Solid-Kundgebung  in Essen auf dem Weberplatz teilzunehmen, aber sie wurden schnell von den Ordnern und der Polizei entfernt.

Man kann das in diesen beiden Artikel zu dem Ereignis nachlesen:

Essen: Wer den Mob in die Stadt holt, trägt die Verantwortung

Liveticker: Essen, Demonstrationen für und gegen Israel…

Das NRW-Linken Chef Ralf Michalowsky zusammen mit Neonazis marschierte, schrieben wir einen Tag später – am Samstag. Da nahm Michalowsky an einer anti-israelischen Demonstration in der Dortmunder Nordstadt teil, bei der auch Mitglieder der Neonazi-Partei „Die Rechte“ dabei waren:

Gaza-Demo ohne Zwischenfälle – Linken-Chef Michalowsky marschiert gemeinsam mit Neonazis

Ohne Zwischenfälle ist am Nachmittag eine Demonstration der “Freunde Palästinas” durch den Dortmunder Norden verlaufen. Gut 500 Menschen demonstrierten gegen die Aktionen des israelischen Militärs im Gazastreifen. Wie bei solchen Demonstrationen üblich wurden immer wieder Parolen wie “Israel Kindermörder!” oder “Zionisten sind Faschisten gerufen”. Neonazis beteiligten sich wie in dervergangenen Woche auch wieder an der Demonstration. Auch Ralf Michalowsky, Linken Chef in NRW, der an den antisemitischen Ausschreitungen in Essen nichts auszusetzen hat, war zusammen mit Frauendecks-Veteranin Inge Höger anwesend.

Das waren zwei verschiedenen Ereignisse in zwei Städten an zwei Tagen. Am Freitag in Essen marschierte Michalowsky nicht mit Nazis, am Samstag in Dortmund tat er es. Nun im Gespräch mit der WAZ den Anschein zu erwecken, dieses Blog hätte unsauber gearbeitet und ihn denunziert, ist billig.

 

 

RuhrBarone-Logo

8 Kommentare zu “NRW-Linken Chef Michalowsky biegt sich die Wirklichkeit zurecht

  • #1
  • #2
    abraxasrgb

    Niemand hat die Absicht, antisemitische Propaganda zu vertuschen … oder so …

    Aber gute Reaktion nach der Verleumdung, noch mal differenziert zu bericht(ig)en. Da hat er sich mit dem Hinweis auf die Ruhrbarone mal wieder ein prächtiges Eigentor geleistet. Wobei ich bezweifle, dass in diesen merkbefreiten Kreisen so etwas überhaupt denkbar ist. An den vergangenen Statements konnte man den Tenor doch gut ablesen: DiePartei (nein, nicht die wirklich witzigen, sondern die unfreiwilligen Komiker) hat immer recht.

  • #3
    einer von vielen

    nun ja….da ist eine ganze Putzkolonne in NRW unterwegs….

    Da wird ein widerlicher auf die Verteidigung von Holocaustverleugner angelegter Text mit Angriffen auf Bodo Ramelow und offener Drohung an Matthias Höhn ins Netz gestellt. (Link siehe unten!)

    Dieser wird dann von Ralf Michalowsky für gut befunden und begeistert auf seiner FB Seite geteilt…In den Kommentaren dazu regt sich keiner auf…auch kein Niema Movassat, der da fleissig mitkommentiert…allenfalls wird sich über Ramelow lustig gemacht. (Übrigens ganz im Gegensatz zur FB Gruppenseite der Bayrischen Linken, wo der Artikel auch geteilt wurde aber in den Kommentaren zumindest auf heftigen Widerspruch und Entsetzen stiess.)

    Nun ja….Der Michalowsky hat den Beitrag gelöscht von seiner FB Seite, aber der Screenshot davon ist hier:
    http://img4web.com/view/55ZXK7

    Hatte leider keinen Screenshot von den ganzen Kommentaren gemacht…insofern hat Movassat Glück….
    inzwischen ist der oben erwähnte Hetz-Artikel im Netz gelöscht….sowohl auf der von Jürgen Meyer (https://www.facebook.com/jurgen.meyer.948) geführten Platform als auch auf Freitag.de…..besser isses…..
    Frage mich allerdings auf wessen Veranlassung?? Da scheint man sich wohl zu kennen.
    Wer Lust verspürt diesen Dreck nachzulesen:
    http://herrkarlsblog.blogspot.ch/2014/07/hetzartikel-gegen-bodo-ramelow-die.html

    Der Schreiberling ist ein Jürgen Meyer, Luckenwalde, Autor (https://www.facebook.com/jurgen.meyer.948)…bei „Freitag“/Augstein, der „Honigmann“-Seite, dessen Betreiber ein Ernst Köwing (http://www.psiram.com/ge/index.php/Ernst_K%C3%B6wing) ist. Jürgen Meyer soll ein“pseudo-linker“ sein, der auch im braunen Matsch/Gruppen sich aufhält..und schreibt.. (http://forum.sonnenstaatland.com/index.php/topic,468.msg6446.html#msg6446)

  • #4
  • #5
    Jörn Vanselow

    Mal ganz abgesehen davon, dass Michlowskys Einlassungen die intellektuelle Fallhöhe eines flachgewalzten Kuhfladens haben, ist das „Opfer-Plakat“ ganz klar eine indirekte Verleugnung des Holocausts. Nicht anders ist dieser Spruch zu verstehen und nicht anders wird er verstanden. Michael Kühnen jedenfalls hätte an den sprachlichen „Spitzfindigkeiten“ des Landesvorsitzenden der Linken-NRW vermutlich seine Freude gehabt.

    Ansonsten ist es schon lustig mit anzusehen, wie man in bester Tradition des Genossen Stalin quasi im Stundentakt auf den diversen Plattformen Geschichtsrevisionismus in eigener Sache betreibt. Kleiner Tipp: einfach mit Photoshop das „Früher angeblich Opfer“ wegstempeln. Schon passt es wieder mit der eigenen Weltsicht, die sich als Opfer „antideutsche Pro-Rechtzszionisten“ halluziniert.

  • #6
    Thomas Wessel

    Sine ira betrachtet sitzt die Bild-Montage – Helme neben Helm-Frisur – perfekt.

  • #7
    Thomas Weigle

    Entweder Held oder Opfer, entweder Sieger der Geschichte oder Verlierer im Kampf mit dem Klassenfeind. „Zwischentöne sind bloß Krampf im Klassenkampf!“ (FJS, Quatsch, FJD)

  • Pingback: Links anne Ruhr (28.07.2014) » Pottblog

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