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Panik ist kein guter Ratgeber – auch nicht beim Klimawandel


Ein neuer Sammelband bietet überzeugende Texte für „Katastrophenleugner“ und solche, die es werden wollen.
Von unserem Gastautor Alexander Horn

Panik ist keine gute geistige Verfassung, wenn es darum geht, Probleme zu lösen. Dennoch fordert Greta Thunberg als Stimme des aktuellen politischen Mainstreams genau das ein. In Anbetracht des Klimas sollten wir in „Panik geraten“ und „Angst spüren“, damit wir endlich handeln. So ist im letzten Jahr eine verbale Aufrüstung in der Klimadebatte entstanden. Es ist nicht mehr einfach vom Klimawandel oder einer Klimaerwärmung die Rede. Inzwischen stecken wir mitten im „Klimanotstand“ und der „Klimaüberhitzung“. Typisch für den ausufernden Katastrophismus ist die heute weit verbreitete Idee der „Kipppunkte“. Würde eine Klippe überschritten, geriete die Entwicklung außer Kontrolle und werde unumkehrbar. Ein Szenario, das etwa der Klimaforscher Stefan Rahmsdorf befürchtet, wenn sich der Eisschild in der Westantarktis weiter zurückzieht. Dann werde der Meeresspiegel unaufhaltsam steigen, selbst wenn die globale Erwärmung gestoppt würde.

Dieser ausufernde Alarmismus ist unbegründet und schädlich. Denn erstens ist von einer Katastrophe in absehbarer Zeit nichts zu sehen und zweitens sind wir technologisch durchaus in der Lage, Herausforderungen von Wetter und Klima zu meistern. Der ausgerufene Alarmzustand ist nicht mit objektiven Veränderungen unserer Lebensumwelt zu begründen. In Anbetracht der entwickelten wissenschaftlich-technologischen Grundlagen unserer Gesellschaften wirkt er geradezu widersinnig. Er rührt, wie in dem von Thilo Spahl herausgegebenen Buch „Schluss mit der Klimakrise“ deutlich wird, aus soziokulturellen Entwicklungen. Das Vertrauen, dass die Menschheit neue gesellschaftliche Herausforderung meistern kann, ist seit dem Beginn der Aufklärung im 18. Jahrhundert rapide gesunken und inzwischen auf einem historischen Tiefpunkt angelangt.

Diese Skepsis betrifft sowohl die individuellen Kompetenzen der Menschen, moralisch und vernünftig zu handeln, wie auch die kollektive Fähigkeit demokratischer Gesellschaften, auf neue Problemlagen geeignet zu reagieren. Bereits in den 1980er Jahren hatte diese Perspektive eine enorme Popularität erlangt. Der deutsche Soziologe Ulrich Beck erreichte damals ein Massenpublikum, indem er ernste Zweifel streute, dass moderne Gesellschaft in der Lage seien, die durch neue Technologien selbsterzeugten Risiken zu beherrschen.

Wohlstandstreibstoff Energie

Das Problem dieser Sichtweise zeigt sich in der Art und Weise, wie in den entwickelten Volkswirtschaften, vor allem aber in Deutschland, auf die Klimarisiken reagiert wird. Anstatt den technologischen Fortschritt und die dafür notwendigen tiefen Eingriffe in die Natur voranzutreiben und darauf hinzuarbeiten, dass demokratische Gesellschaften diesen gestalten und aus sich zwangsläufige ergebenden Fehlern lernen, werden im Rahmen der Klima- und Energiewende Scheinlösungen zusammengebastelt. Diese basieren auf der Idee, dass es gelingen könne den Energiehunger der Welt, mindestens aber den in Deutschland zu dämpfen. Und das, obwohl sich der rasant steigende Energiebedarf seit der Industrialisierung als zuverlässiger Wohlstandstreiber erwiesen hat. Der Energieverbrauch soll möglichst sinken, so dass es dann etwas weniger unplausibel erscheint, diesen mit höchst ineffizienten Energieträgern decken zu wollen. So werde mit der Energiewende zwar das „wohlige Gefühl moralischer Überlegenheit“ erzeugt, es handele sich dabei aber um nichts anderes als eine „utopische Hoffnung auf Erlösung durch die sanften Gewalten von Wind, Sonne, Elektroautos und Veggie-Burger“, schreibt Spahl.

Dass die Energiewende auf das völlig falsche Pferd setzt, zeigen der amerikanische Umweltpolitiker Michael Schellenberger und drei Physiker des Instituts für Festkörper-Kernphysik in Berlin. In jeweils eigenen Beiträgen des Buches erklären sie, dass Sonnen- und Windenergie eine nur geringe Energieflussdichte liefern. Das Problem dieser dünnen Energieflüsse manifestierte sich schon während der industriellen Revolution im 18. Jahrhundert, denn es wurde schnell klar, dass das nachwachsende Holz der Wälder Europas nicht in der Lage sein würde, den steigenden Energiebedarf zu decken. Bei der in Mitteleuropa durchschnittlichen Sonneneinstrahlung pro Quadratmeter lässt sich bei Holzbewirtschaftung nur eine Brennwertproduktion von weniger als einem Watt pro Quadratmeter erreichen. Heutige Solarparks erreichen 3,7 Watt. Die Solarenergie ist der Holzwirtschaft zwar um den Faktor 4 überlegen, aber auch mit ihr hätte es die industrielle Revolution nie gegeben.

Die Limitierungen der Sonnenenergie werden noch deutlicher, wenn man – wie die drei Berliner Physiker Armin Huke, Götz Ruprecht und Fabian Herrmann erklären – den sogenannten „Erntefaktor“ betrachtet. Er gibt an, wieviel Energie man mit Hilfe einer Technologie erzeugt und zwar im Verhältnis zum Energieaufwand, der zur Produktion dieser Energie hineingesteckt werden muss. In unseren Breiten erreicht Solarstrom einen Erntefaktor von nur 1,6. Windenergie erreicht einen Faktor von 4. Bei Braunkohle hingegen lässt sich ein Erntefaktor von etwa 30 erzielen und heute übliche Druckwasser-Kernreaktoren kommen auf 75. Das ist jedoch längst nicht das Ende der Fahnenstange. Der von den Berliner Physikern hier vorgestellte Dual-Fluid-Reaktor würde einen etwa 20 mal größeren Erntefaktor erreichen.

Tiefe Eingriffe in die Natur

Die 13 Autoren des Buches geben sich nicht der Illusion hin, dass unser Ziel Klimaschutz durch Entschleunigung sein sollte. Vielmehr sollten wir uns vornehmen, die Natur zum Nutzen der Menschheit weiter massiv umzugestalten und den globalen Energieverbrauch deutlich zu steigern. Ganz in diesem Sinn argumentiert Peter Heller, dass die Entwicklung der Menschheit darauf beruht, sich nicht an eine sich verändernde Natur anpassen zu müssen, sondern der Mensch „es schließlich lernte, die Gegebenheiten zu seinen Gunsten zu verändern, statt sich diesen zu unterwerfen.“ Sowohl autonome Veränderungen in der Natur als auch menschliche Eingriffe in diese, wie der menschengemachte Klimawandel, stellen daher große Herausforderungen dar, denen die Menschheit bisher jedenfalls gewachsen war. Der heute vor allem in den entwickelten Volkswirtschaften erreichte Wohlstand und das Maß an Freiheit von den Zwängen der Natur, sind ein eindrucksvoller Beleg hierfür.

Beschäftigt man sich entsprechend dem roten Faden des Buches „rational mit der Herausforderung Klimawandel“, so Spahl müsse man keineswegs in „die ruhmvolle Verzweiflung einer Greta Thunberg“ verfallen. Vielmehr werde dann ein anderes Gefühl die Oberhand gewinnen: „Zuversicht“. Die von einigen Autoren des Buches vorgestellten, wenn auch noch nicht zu Ende entwickelten oder gar angewendeten technologischen Konzepte zur Emissionsvermeidung sind in der Tat beeindruckend. Sie eröffnen eine realistische Perspektive, wie es möglich ist, nicht nur saubere, sondern auch jederzeit verfügbare und vor allem extrem billige Energie zu erzeugen. Das ist letztlich die entscheidende Voraussetzung dafür, dass das von Spahl formulierte Ziel erreichbar wird: „Zehn Milliarden Menschen ein Leben in dem Wohlstand zu ermöglichen, wie ihn heute die westliche Mittelschicht genießt.“

Klimagestaltung als Werkzeug

Der im Buch gespannte Bogen geht noch weiter. Kolja Zydatiss zeigt, dass die Klimageschichte der Erde keineswegs von Klimastabilität, sondern von ständiger Veränderung geprägt ist. Selbst wenn der Mensch keine Klimaveränderungen hervorriefe, so sei die Menschheit dennoch gezwungen, mit natürlichen Klimaveränderungen zurechtzukommen. Die Klimaerwärmung zu bremsen, könne nur der Anfang sein, schreibt Zydatiss. Denn wir werden auch dann noch „auf einem Planeten leben, dessen langfristige Klimaentwicklung von Natur aus einer Achterbahnfahrt gleicht. Es ist inkonsequent, den anthropogenen Klimawandel als ernste Bedrohung zu betrachten, aber nichts gegen natürliche Klimaschwankungen unternehmen zu wollen“. Derzeit werde Geoengineering, das eine gezielte Beeinflussung des Klimas ermöglichen könne, nur als Notfallplan diskutiert, doch „die gezielte Steuerung des Klimas sollte … die Regel sein.“ Trotzdem werde es zu wenig erforscht, was nicht nur an politischen Herausforderungen (globale Abstimmung) oder den Risiken, die mit diesen Eingriffen verbunden wären, liege: „Die größten Hürden sind die verbreitete Idealisierung der Natur und das mangelnde Vertrauen in die menschliche Gestaltungsfähigkeit.“

Das Buch ist insgesamt kompakt und zugleich sehr vielfältig. Eine klare Leseempfehlung für alle, die sich eine rationalere und optimistischere Klimadebatte wünschen.

Thilo Spahl (Hg.): „Schluss mit der Klimakrise. Problemlösung statt Katastrophenbeschwörung“, 2020, Frankfurt/Main: Novo Argumente Verlag.

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17 Kommentare zu “Panik ist kein guter Ratgeber – auch nicht beim Klimawandel

  • #1
    Anwantzer

    Mal nebenbei: Thilo Spahl hat also ein Buch über die "Klimadebatte" herausgegeben. Ein Psychologe, der auf Novo Argumente gegen Corona-Maßnahmen und Klimaschutz bloggt und auch schonmal bei "Achse des Guten" als Gastautor auftritt (dort bloggen Sarrazin, Maxeiner, Broder).

    Und das wird dann von einem Gastautor angepriesen, der sein Buch auch im Novo Verlag veröffentlicht.

    Das ist ja vielleicht ein Zufall!

  • #2
    Stefan Laurin

    @Anwantzer: Wir arbeiten mit Novo seit vielen Jahren immer mal wieder zusammen.

  • #3
    Münsterländer

    Der Klimawandel wird nicht das sichere Ende aller Menschen bedeuten. Ich bin fest davon überzeugt, dass große Teile der Menschheit schon jetzt über die technologischen Fähigkeiten verfügen, um sich den Folgen einer Erderwärmung entziehen und ein Leben von ungeahntem Wohlstand führen zu können. Eine Apokalypse, die zur sicheren Ausrottung unserer Spezies führen wird, findet nicht statt.

    Der Mensch verfügt nicht nur über technisches Wissen, er ist auch extrem anpassungsfähig. Ich kenne zahlreiche Menschen – einzelne gehören zu meiner Familie – die es schaffen, tagelang in einem ungelüfteten und abgedunkelten Raum nur von Pommes, Chips, Süßkram und Cola zu leben. Kein Problem. Viele dieser Menschen finden ein virtuelles Leben im Internet einfach wichtiger und erstrebenswerter, als einen Gang durch den Garten. Ein Baum vor dem Haus dagegen kann mit all seinen Ästen und Insekten bedrohlich wirken und unkalkulierbare Risiken für Leib und Leben bergen. Er macht auch eine Menge Dreck.

    Sie haben Recht. Das Klima wird sich verändern und wir werden uns dank des technologischen Fortschritts anpassen. Wie auch für den Fall eines Atomkrieges oder für den Fall des Einschlags eines großen Meteoriten. Oder bei einer Pandemie. Alles vollkommen überschätzte Gefahren!

    Oder bei völligem Wegfall aller fossilen Energieträger.
    Moment – ah nein… DAS würden wir nach Ansicht des Autors dann doch wohl nicht überleben!

  • #4
    Münsterländer

    @Anwantzer: Meinungsfreiheit wird bei den Ruhrbaronen eben groß geschrieben. Das Geschreibsel darf dabei noch so krude sein, Hauptsache es passt in das Mindset der Verfasser des Blogs. Ein Wunder dagegen, dass Ihr Kommentar über den Novo-Verlag überhaupt durchgelassen wurde.

  • #5
    Robin Patzwaldt

    @4: "Hauptsache es passt in das Mindset der Verfasser des Blogs" Das dürfte schwierig sein. Wir sind hier aktuell zwischen 50 und 60 Autoren, wenn auch nicht alle gleich aktiv sind. Viele Leute, viele Meinungen. Zudem moderieren diverse Leute die eingehenden Kommentare. Zu Verschwörungstheorien taugt das eher schlecht. Was der eine freischaltet, löscht vielleicht ein anderer. So ist das hier schon seit Jahren. Es gibt schlicht keinen gemeinsamen ‘Mindset’.

  • #6
    Rainer Zufall

    Und ich hatte schon gedacht, ein Troll hätte sich bei euch eingeschlichen. Oder das wäre eine Satire. Oder ein Gastbeitrag von Friedrich Merz. Aber der Gastautor scheint es tatsächlich ernst zu meinen. Schade.

  • #7
    Helmut Junge

    @Münsterländer (4), ich hätte den Kommentar (1) gelöcht, weil er sich nicht mit der Problematik des angesprochenen Themas beschäftigt, sondern nur auf die Namen einiger zitierter Autoren schielt. Der Text und das Thema ist anspruchsvoll, aber dem kann man sich entziehen, wenn einem Autoren nicht passen? Ihren Kommentar (3) hätte ich nicht gelöscht.
    Einige Kommentatoren können echt froh sein, daß ich nichts mit löschen oder freischalten zu tun habe, Ich zerbrech mir den Kopf, ob was dran ist am Text, wo ich Aussagen angreifen kann, und @Anwantzer glaubt, daß die Frage des Überlebens mit Abneigungen gegen Personen geklärt werden kann. Ich faß es nicht. Was ist das für ein Diskursniveau?

  • #8
    Helmut Junge

    Ich habe mir mal 3 bis 4 Punkte herausgesucht, damit überhaupt eine Diskussion entsteht.
    Mehr vielleicht später.
    Die Idee einen "Erntefaktor" zu errechnen, finde ich interessant. Der ist bei Kohle natürlich höher als bei der Photovoltaik. Aber es gibt auf der Erde riesige wüstenartige Flächen, die zur Zeit sogar noch riesiger werden. Würden die genutzt, hätten wir zunächst einmal genügend Energie. Insofern ist die Energiewende nicht "das völlig falsche Pferd".
    Dagegen warte ich nicht, daß der Dual-Fluid -Reaktor in den nächsten 30 Jahren nennenswerte Energiemengen liefert. Vielleicht wird aus ihm gar nichts. Daß die Erfinder ihre Idee anpreisen ist normal. Wenn die das nicht mal täten, wer dann? Es gibt keine Versuchsanlage keinen Prototyp.
    Energieverbrauch auf Null zu verringern, statt auf "sauberere Energie umzusteigen, wird niemals meine Vorstellung sein. Das widerspricht dem menschlichen Charakter in einem Maße, daß diese Frage in der Geschichte IMMER mit Krieg beantwortet worden ist. Wenn es uns nicht gelingt, die Menscheit zu ernähren, gibt es Krieg um die Ressourcen. Wie blind muß man sein, es darauf ankommen zu lassen? Im Gegenteil müssen wir die Lösung in der entwicklung neuer Technologien suchen, die ein Verhungern großer Teile der Menschheit verhindern helfen.
    Es gibt übrigens in Deutschland keine Partei, die die Energiefrage so weit stellen will, daß sie einen Effekt auf das Weltklima haben könnte. Alle Forderungen sind winzige Marginalitäten. Das reicht nicht vorne nicht und hinten nicht, was die fordern, die die Welt retten wollen. Alles Schaumschlägerei. Aber gegen effektivere Methoden, die zu Einsparungen führen, hat ja niemand etwas . Wir könnten allerdings etliche Auswirkungen des Klimawandels unter Kontrolle bringen. Pflanzen, die trockenresistenter sind züchten, mit Gentechnologie, und zwar schnell. Geld in die Fusionsreaktorforschung stecken, Auch offshore-Anlagen für Windkraft und Photovoltaik. Brauchbare Stromspeicher entwickeln, Kraftwärmekopplungen ausbauen, wir müssen viel mehr Deiche bauen, weil es häufiger Hochwässer geben wird. Umgekehrt brauch wir riesige Rückhaltebecken, weil es jahrelange Trockenzeiten geben kann usw. Was wir auf gar keinen Fall brauchen ist lautes jammern, aber nichts tun. Und das ist das, was ich zur Zeit erlebe. Nichts tun, aber von einer kommenden Katastrophe reden. Merkwürdigereise sind das die gleichen Leute, die nichts tun und laut warnen. Nur frage ich mich, worauf die warten.
    Zum Thema Geoengineering kann ich nichts anderes sagen, als daß das schon lange gemacht wird. Bloß nicht im riesigen Maßstab. Vor dem aber hätte ich auch einwenig Angst.

  • #9
    Münsterländer

    @Helmut Junge:
    "Nichts tun, aber von einer kommenden Katastrophe reden. Merkwürdigereise sind das die gleichen Leute, die nichts tun und laut warnen. Nur frage ich mich, worauf die warten." (aus #8)
    Eine solch fundierte Analyse kann ich heute abend nicht mehr verarbeiten. Sie haben gewonnen, Herr Junge.

    "Was ist das für ein Diskursniveau?" (aus #7)
    Das frage ich mich auch.

    "Mehr vielleicht später" (aus #8)
    Nein.

  • #10
    Helmut Junge

    @Münsterländer, ich würde mich freuen, wenn Sie auf einen einzigen Aspekt eingingen, der die von mir behandelten technischen, bzw, technologischen Fragestellungen bettrifft, und darauf eingegangen wären. Sind Sie aber nicht. Genau das ist aber das Hauptproblem in unserer Zeit. Es gibt deutlich zu wenig Menschen, die die Ausbildung haben, die kommenden Probleme zu bewältigen. Leute mit anderer Ausbildung gibt es genug, und die führen die öffentliche Diskussionen an. Darum wird diese öffentliche Diskussion so einseitig auf die drohenden Gefahren ausgerichtet, während Lösungsvorschläge zur Bewältigung einzelner Problem, die mit der Klimaänderung zu tun haben, außen vor gelassen. Es gibt Warnhinweise in Hülle und Fülle, und jeder weiß mittlerweile, daß es mit dem Klima kritisch wird. Und wer die politische Diskussion verfolgt, kann auch das Muster erkennen, nach dem selbst notwendige Veränderungen verhindert werden. Bedenkenträgereien aus (kurzsichtigen) wirtschaftlichen Erwägungen oder aus Unkenntnis bis Ignoranz sind da seit Jahrzehnten üblich. Prinzip Warnung und Abwiegelung. Das ist eine der Gründe, warum ich mich so abwertend resignierend über die, die reden, aber nichts tun, geäußert habe.
    Ihnen paßt das zwar nicht, aber vielleicht fühlen Sie sich ja auch getroffen.
    Und jetzt schreibe ich über ein grundlegendes personelles Problem der Ökobewegung.
    Da ich selber einige Jahre Grüner war, weiß ich, daß die Zahl der Ingenieure und Naturwissenschaftler, außer ein paar Biologen, gegen Null tendiert. Warum ist das wohl so?
    Und jetzt kommt wieder so ein Satz, den Sie nicht mögen werden. Weil diese genannten Berufsgruppen bei den Umweltsschützer fast vollständig fehlen, finden alle Programmdiskussionen ohne sie statt.

  • #11
    Wolfram Obermanns

    Einige steile Thesen werden in der Aufsatzsammlung vertreten.
    Richtig dürfte der Grundtenor sein, Panik ist immer ein Symptom der Überforderung und Fokussierung eine probate Methode bei der Problemlösung. Das erkennt man schon allein daran, daß die vorgestellten Thesen einer rationalen Kritik unterzogen werden können, der Wunsch nach Panik aber nicht weiter führt, als daß man Beruhigungsmittel verteilen müsste, um dieses Begleitphänomen auf ein nicht weiter schädliches Maß zu reduzieren. Die Lust auf Panik kann kaum mehr sein, als ein Unterhaltungsprogramm für ebenso überfressene wie gelangweilte Wohlstandsbewahrer.

    Technisch ist der Klimawandel für Deutschland keine große Sache.
    Wir haben z.B. erprobte Methoden der Wasserwirtschaft, die auf mehr Regionen ausgeweitet werden können, als sie heute in Gebrauch sind, aber darüber hinaus in Zukunft benötigt werden. Mit dem Abgraben des Grundwassers in der Vogelsbergregion zu Gunsten von Rhein-Main bleibt die dortige Wasserwirtschaft technisch weit hinter dem zurück, was woanders (Köln-Bonn und Rhein-Ruhr) schon lange Praxis ist.
    Bei dem Beispiel wird aber auch deutlich, die Technik selbst ist nicht das Problem, es ist ihre Implementierung.
    Grundlegende technische Umwälzungen berühren Fragen zu Eigentum, Infrastruktur, Recht, Kultur etc.pp..
    Einerseits sind von Windrädern und Solarsegeln Träumende konservative Besitzstandswander, die sich weigern den Konsequenzen der massenhaften Verbreitung von hunderte Meter hohen Turbinentürmen und der Zupflasterung und Beschattung durch Silikatpanels ins Auge zu schauen. Die Stadtluft erreicht Luftkurortqualität zu Lasten naturnaher Flächen im Umland.
    Die Hurratechniker der Aufsatzsammlung andererseits verschweigen die Konsequenzen höherer Deichbauten, ungeklärte Entsorgungsfragen verstrahlter Technik, raumplanerische Folgen der notwendigen Wasserwirtschaft, Eingriffe in Eigentumsrechte…
    Man könnte natürlich versuchen Teile der Probleme zu exportieren, indem man z.B. die Silikatpanelwüste dort errichtet, wo mehr Ertrag winkt. Aber ist davon das betroffene Ausland auch zu überzeugen? Und wenn ja, zu welchem Preis?
    Hier wird deutlich, die ganze Diskussion wird hüben wie drüben insoweit unredlich geführt, als das der eine wie der andere nur die eigenen Kosten thematisiert, die anderorts anfallenden aber eher unterschlägt.
    Alles also ganz normal und wie immer, wenn nicht eine Partei im Panikmodus wäre. Wie will man da verhandeln?

    Und darum dürfte es eigentlich gehen, man will nicht verhandeln, zumindest um nichts was man als "Preis" empfinden würde.
    Panikökologen sind Lauschepper.
    Hurratechniker sind schönfärberische Verkäufer.
    Letztere kann man runter handeln, erstere muß man ruhig stellen und ein Stück weit ertragen. Eins der beiden Angebote 1:1 anzunehmen ist so oder so reine Dummheit.

  • #12
    Münsterländer

    @Helmut Junge
    Ich bin Chemieingeneiur und Mitglied bei den Grünen.

    Sie schreiben z. B.: "Merkwürdigereise sind das die gleichen Leute, die nichts tun und laut warnen. Nur frage ich mich, worauf die warten." (aus #8)
    Sie greifen zu einem Rundumschlag gegen alles, was nicht in Ihr Weltbild passt. Es gibt nicht "DIE", die GLEICHEN LEUTE, die NICHTS tun"…"Worauf warten DIE". Wer sollen diese Leute bitteschön sein?
    Sie möchten fachlich diskutieruen und hauen gleichzeitig mit Verunglimpfungen und Veralgemeinerungen nur so um sich. Wie soll man da diskutieren? Oder um Ihre Worte aufzugreifen: "Was ist das für ein Diskursniveau?"

    Und zum x-ten male outet sich hier jemand bei den Ruhrbaronen als gewesener Grüner, der jetzt aber die Grünen umso mehr ablehnt (@Wolfram Obermanns). Ja meine Güte, dann ist das halt so. Sie sind vor Jahren ausgetreten, ich bin vor ca. zwei Jahren eingetreten, weil sich die Grünen endlich zu dem gewandelt haben, was sie heute sind. So what?

    Um es mal auf dem Punkt (off topic) zu bringen: Ich bin auf die "Ruhrbarone" gekommen, weil ich mich über das Zeitgeschehen und die Entwicklungen im Ruhrgebiet informieren wollte. Medial kommt das Ruhrgebiet in den Münsterländer Medien (Aschendorf Verlag) nämlich nicht vor. Ich fühle mich dem Ruhrgebiet verbunden, weil ich in Essen studiert und dort ein paar tolle Jahre verbracht habe. Meine Sicht auf das Ruhrgebiet ist durchaus positiver als das der Ruhrbarone.

    Leider ist dieser ganze Blog aus meiner Sicht ein rechts-konservatives Sammelbecken von Redakteuren, die mit sich, ihrer Arbeit, vielleicht mit Ihrer Lebenssituation nicht zufrieden sind und jetzt griesgrämig alles platt machen möchten, was nur noch irgenwie nach Leben aussieht. Und ja, vielleicht irre ich mich auch. Auf jeden Fall habe ich keine Lust, mich mit ERWACHSENEN Leuten herumzuschlagen, die immerzu ihre alten Feindbilder mit – man muss es schon beinahe sagen – Hassberichtenn überziehen. Lieblingsfeinde sind natürlich die Grünen, bei denen schon gefühlt jeder Autor Partei Mitglied WAR, aber vor allem natürlich ein ca. 17-jähriges schwedisches Mädchen, das sich erfogreich für den Klimaschutz engagiert. Wie gesagt: SIE sind vermutlich alle im fortgeschrittenen Erwachsenenalter, so um die 50, oder älter.

    Also noch einmal: "Was ist das für ein Diskursniveau?"

  • #13
    Robin Patzwaldt

    @12: "Leider ist dieser ganze Blog aus meiner Sicht ein rechts-konservatives Sammelbecken von Redakteuren"

    Spannend, wo ich doch seit Jahren, abgesehen von der Europawahl, zuletzt immer ‘Die Linke’ gewählt habe… 😉

  • #14
    Helmut Junge

    @Münsterländer, als angeblicher Chemieingenieur wären Sie genau richtig um eine fachlichen Beitrag zu den fachlichen Fragen, die hier angesprochen wurden zu liefern, Gelegenheiten gab es ausreichend.. Alle Chemieingenieure, die ich kenne ,hätten das auch getan. Aber Sie nicht.
    Sorry @Münsterländer, wenn Sie Chemieingenieur wären, müßte Ihnen aufgefallen sein, daß ich mich in einem Punkt meiner Darstellung entschieden geiirt habe. Damit hätten Sie mir mehr schaden können als mit Ihrer Polemik. Kein einziger Chemieingenieur hätte sich diesen Spaß entgehen lassen.

  • #15
    thomas weigle

    @Münsterländer Rechtskonservativ ist dieser Blog sicher nicht. Richtig ist, das sage ich als ehemaliger Grüner, dass hier des öfteren rotgrünes Bashing der ungesündesten Art betrieben wird. Kann man ja dagegen halten.

  • #16
    Helmut Junge

    Wenn ich die Grünen kritisiere, geht es mir darum, daß ich taugliche Konzepte gegen den drohenden klimatischen Kollaps erwarte. Die sehe ich nicht. Der Glaube, daß es reicht ein Parteiprogramm zu soundsoviel Prozent umzusetzen, reicht eben nicht. Und wenn ich allein es nur nicht kapiert habe, könnte man das auch argumentativ erklären. Das passiert aber nicht. Dabei wäre ich froh, wenn so ein Parteiprogramm den Untergang abwenden könnte. Dafür wäre ich Ungläubiger auch gerne der Dumme, der es nur nicht kapiert hat.
    Im Übrigen ist es bei mir auch deshalb kein Bashing, weil ich zu den grünen Menschen eine gute Beziehung pflege. Ich habe alleine und mit anderen Künstlern Ausstellungen bei den örtlichen Grünen durchgeführt. Vor 12 Monaten sogar zum Thema Ökologie. Dabei habe ich mich allerdings mit dem Müllproblem und der Plastikverklappung auseinandergesetzt. Also ganz konkrete Probleme. Aber ich hatte den Eindruck, daß eine Auseinandersetzung mit dem Klimawandel, einigen Leute lieber gewesen wäre. Müll und Platikverklappung ist bei Grünens eher ein Randthema. Dabei werden wir nach meiner Überzeugung eher an den Folgen der Plastikverklappung krepieren, als am Klimawandel. Aber ein Konzept braucht man immer, gegen Müllverklappung und gegen den Klimawandel. Und so ein Konzept muß vermittelbar (erklärbar) sein. Und wenn jemand so etwas sagt, soll das bashing sein? Ja dann kommen wir aus dem tiefen Loch nie wieder heraus.

  • #17
    Wolfram Obermanns

    Rot-Grün Bashing gibt es hier selbstverständlich,
    Linken Bashing ohnehin,
    CDU Bashing ist die Regel
    und für den rechten Rand trieft es hier vor Verachtung.

    Die Erkenntnis, Grün und Rot genössen bei den Baronen nicht die Wertschätzung, die sie woanders erfahren, entspricht den Tatsachen. 17 Jährige genießen hier aber sehr wohl Welpenschutz, dies gilt jedoch nicht für die erwachsenen Groupies, die sich nacheifernd im unreifen Überschwang üben.

    Falls der Herr Inschinör etwas sachdienliches zum besprochenen Buch anmerken möchte, würde es langsam mal Zeit, damit um die Ecke zu kommen. Es ist ja nicht so, daß die Besprechung hier nicht gute Ansätze zu inhaltlicher Kritik bieten würde.

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