SPD wieder zurück in der Dauerkrise

Martin Schulz Foto: http://www.martin-schulz.eu/


Der Schulz-Hype hat sich als Luftnummer erwiesen. Die fundamentale Sinnkrise der Sozialdemokraten besteht fort. Von unserem Gastautor Johannes Richardt.

Wunden lecken ist angesagt für die Sozialdemokraten. In ihrer „Herzkammer“ Nordrhein-Westfalen und darüber hinaus bemüht sich die SPD-Führung, das schlechteste Wahlergebnis der Landesgeschichte seit 1947 an wahlkampftaktischen Fehlern und schlechten Personalentscheidungen fest zu machen. Der entzauberte Kanzlerkandidat Martin Schulz soll aus der Schusslinie. Solche personellen Verkürzungen greifen aber viel zu kurz. Die SPD steckt nicht erst seit gestern in einer Krise, die vor allem eine ideelle ist: Der Partei ist ihre Mission abhandengekommen.

Vor einem Jahr stand die SPD in bundesweiten Meinungsumfragen noch bei unter 20 Prozent. Viele Kommentatoren deuteten dies zu Recht nicht als Momentaufnahme, sondern als vorläufigen Tiefpunkt eines lang anhaltenden Niedergangs – letztlich nicht nur der SPD, sondern der gesamten europäischen Sozialdemokratie, die in vielen Ländern mit ganz ähnlichen Problemen zu kämpfen hat.

Dann kam der mediale und demoskopische Schulz-Hype im März dieses Jahres. Manche in der SPD-Führung meinten wohl, der bloße Glaube an die eigene PR-Inszenierung werde sie von Wahlsieg zu Wahlsieg bis ins Kanzleramt tragen (Man erinnere sich daran, dass die SPD ihr Bundestagswahlprogramm erst im Juni beschließen will). Der Wähler hat anders entschieden.

„Manche in der SPD-Führung meinten wohl, der bloße Glaube an die eigene PR-Inszenierung werde sie von Wahlsieg zu Wahlsieg bis ins Kanzleramt tragen“

Gerade im ökonomisch dauerkriselnden Nordrhein-Westfalen wurde die Partei für eine Politik abgestraft, die zwar rhetorisch die „soziale Gerechtigkeit“ für sich reklamiert, sich aber faktisch schon lange von den Interessen jener von Martin Schulz viel beschworenen Schicht der „hart arbeitenden Menschen“ abgewandt hat. Diese wünschten sich weniger Wohlfühlrhetorik und soziale Wohltaten, als vielmehr eine vernünftige Wirtschafts-, Infrastruktur- oder Bildungspolitik, die die ökonomischen Lebensbedingungen tatsächlich verbessern. Es ist offenkundig, dass die ergrünte und gentrifizierte Sozialdemokratie hier nichts mehr zu bieten hat.

In der Gesellschaftspolitik dominiert ein volkspädagogischer Flügel. Konsumgewohnheiten, Sprache, Ernährungs- und Lebensstil der „kleinen Leute“ werden als einen durch politische Lenkung zu korrigierenden gesellschaftlichen Missstand betrachtet. Eher hemdsärmelige Sozialdemokraten vom Typ Schröder, Müntefering oder Clement, die weniger an Lebensstilregulierung als vielmehr an Wirtschaftspolitik und Bildung interessiert waren und manchmal auch medienwirksam mit einem proletarischen Lebensstil kokettierten (Stichwort: Bier und Curry-Wurst) sind heute kaum noch sichtbar.

Neben der klassischen Umverteilung werden Maßnahmen immer bedeutsamer, die im Sinne identitätspolitischer Zielvorgaben von oben herab persönliche Verhaltensweisen beeinflussen sollen – Antidiskriminierung, gendergerechte Sprache usw… Die tragen aber nur zur weiteren Entfremdung sozialdemokratischer Funktionäre mit ihren potenziellen Wählern bei, die mit solcherlei Themen wenig anfangen können.

Besonders deutlich wird das bevormundende Politikverständnis im von der SPD geführten Verbraucherschutzressort. Unter der Regie von Heiko Maas hat sich die Verbraucherpolitik mehr und mehr zu einem Instrument zur Steuerung individuellen Konsumverhaltens entwickelt. Statt um Verbraucherschutz im eigentlichen Sinn – sprich den Schutz der Konsumenten vor Betrug oder qualitativ minderwertigen Produkten – geht es darum, die Bürger in Richtung eines „nachhaltigen“ und „gesunden“ Konsumverhaltens zu lenken.

Dieser paternalistische Geist findet seinen deutlichsten Ausdruck in einem Zitat des SPD-Ministers Heiko Maas: Das Leitbild der bisherigen Verbraucherpolitik, der „mündige Verbraucher“ sei „ein schönes Ideal, das mit der Realität wenig zu tun hat.“. Stattdessen solle sich die Politik stärker an der Irrationalität und Schwäche der Menschen orientieren.

„Sozialdemokratische Vordenker dachten mal darüber nach, wie Menschen aus überkommenen ökonomischen und gesellschaftlichen Zwängen befreit werden konnten.“

In starkem Kontrast hierzu steht der emanzipatorische und fortschrittsoptimistische Anspruch, den die Sozialdemokratie in früheren Zeiten programmatisch für sich in Anspruch nahm. In den 1960er Jahren, die der britischen Historiker Tony Judt in seiner lesenswerten Geschichte Nachkriegseuropas 1 als Blütezeit der europäischen Sozialdemokratie beschreibt, wirkte sie maßgeblich an der Modernisierung und Liberalisierung der Gesellschaft mit.

Die Vordenker der damaligen SPD dachten – wenngleich auch nicht mit letzter Konsequenz – darüber nach, wie Menschen aus überkommenen ökonomischen und gesellschaftlichen Zwängen befreit werden konnten. Dieser Politikansatz gipfelte in der Forderung nach einer „mündigen Gesellschaft“ durch den sozialdemokratischen Vordenker Karl Schiller. Und später im berühmten „Mehr Demokratie wagen“ des Bundeskanzlers Willy Brandt.

Heute fehlt der Partei solch eine auf humanistischen Werten basierende Erzählung, die vor allem auch die ökonomische Basis gesellschaftlicher Emanzipationsprozesse im Blick hat. Zwar werden viele sozialpolitische Instrumente, von der Rente ab 63 über den Mindestlohn bis zu kostenlosen Kitaplätzen, von vielen Wählern gerne angenommen. Dass die Sozialdemokraten die progressive Kraft für eine bessere Zukunft und mehr Wohlstand sind, glaubt hingegen kaum noch jemand.

Wie könnte eine zeitgemäße Sozialdemokratie heute aussehen? Hat sich der Auftrag der Sozialdemokratie, wie viele meinen, heute tatsächlich erledigt? Wie könnten originär sozialdemokratische Impulse für eine zukunftsweisende Wirtschaftspolitik aussehen? Auf diese und andere wichtige Fragen sind Schulz und sein Team die Antwort bisher schuldig geblieben. Es ist sehr zweifelhaft, ob „Sankt Martin“ und seinen Genossen in den noch verbleibenden 131 Tagen bis zur Bundestagswahl (aber auch darüber hinaus…) hier Antworten liefern können.

Johannes Richardt ist Novo-Chefredakteur. Der Artikel erschien bereits auf Novo-Argumente

Dir gefällt vielleicht auch:

17 Kommentare

  1. #1 | discipulussenecae sagt am 16. Mai 2017 um 11:08 Uhr

    "In der Gesellschaftspolitik dominiert ein volkspädagogischer Flügel. Konsumgewohnheiten, Sprache, Ernährungs- und Lebensstil der „kleinen Leute“ werden als einen durch politische Lenkung zu korrigierenden gesellschaftlichen Missstand betrachtet."

    Das war und ist immer das Problem der Linken: Von der DDR bis nach Venezuela, von den Jusos bis zu den Grünen – sie wußten immer ganz genau und besser als der berühmte kleine Mann selbst, was für diesen gut und richtig zu sein hat. Obwohl sie in diesem Zusammenhang wahrscheinlich sofort darauf hinweisen würden, daß sie auch ganz genau wüßten, was für die kleine Frau gut und richtig zu sein hat …

  2. #2 | der, der auszog sagt am 16. Mai 2017 um 12:22 Uhr

    1. Die SPD scheitert an ihrer Selbstverblendung. Das kann man nicht nur an dem im Text erwähnten Schulz-Hype festmachen sondern beispielsweise auch an dem Irrglauben, dass NRW die Herzkammer der Sozialdemokratie sei. Willy Brandt hat Dortmund einmal als die Hauptstadt der SPD und Herbert Wehner Dortmund als die Herzkammer der Sozialdemokratie bezeichnet. Seit Hannelore Kraft das Land regiert, ist immer wieder von NRW als Herzkammer der Sozialdemokratie die Rede. Auf das Ruhrgebiet lässt sich diese Metapher sicherlich übertragen, weil sich die politischen Verhältnisse Dortmunds in fast allen anderen Ruhrgebietsstädten widerspiegeln. NRW aber – auch wenn es bislang die meiste Zeit von der SPD regiert wurde – ist ein Bundesland, in dem die CDU die meisten Wahlen für sich entscheiden konnte. Aus den bislang 17 Landtagswahlen in NRW ist die CDU 10 Mal als stärkste Kraft hervorgegangen. Bedauerlicherweise ist der von der NRWSPD auf das komplette Bundesland projizierte Mythos der Herzkammer mittlerweile auch von den Journalisten übernommen worden. Die CDU und auch ihren Spitzenkandidaten Armin Laschet sollte man in NRW künftig nicht so einfach unterschätzen.

    2. Die SPD ist als Volkspartei überflüssig geworden. In einer Zeit, in der immer mehr Parteien in die Parlamente drängen und um die Gunst der Wähler buhlen, ist es ganz normal, dass Volksparteien Federn lassen. Mit der AfD wird in diesem jähr eine weitere Partei im Bundestag vertreten sein und die NRW Wahl hat gezeigt, dass sie durchaus in der läge ist, den klassischen Arbeiter zu erreichen und der SPD Stimmen abzutrotzen. Die 25%, welche die SPD auf Bundesebene noch erzielt, bröckeln. In drei von 16 Bundesländern holt die SPD keine 20% mehr, liegt in zweien davon erschreckend nah an 10%. Die "Rückeroberung" der 2005 an die CDU und FDP verlorene Macht der SPD in NRW, währte gerade einmal 7 Jahre. Gerhard Schröder hatte sein Schicksal als Bundeskanzler an die damalige Landtagswahl in NRW geknüpft und damit den freien Fall der SPD eingeleitet. Martin Schulz, der als bundespolitischer Außenseiter noch nicht einmal eine politische Bühne hat, auf der er sich profilieren könnte, wird den Fall der SPD noch einmal beschleunigen. Selbst wenn er eine Bühne hätte dürfte es schwer sein, die Arbeit der Kanzlerin zu attackieren, weil sie von seinen Parteigenossen mitgetragen und damit mitzuverantworten ist. Jeder Schuss auf die Kanzlerin ist letztendlich auch ein Schuss ins eigene Knie. Die SPD demontiert sich quasi selber und Retter Martin Schulz wirkt ein bisschen wie der Schwarze Ritter, der König Arthur in Monty Pythons "Ritter der Kokosnuss" zu hindern versucht, seinen Weg vorzusetzen. Alles bloss Fleischwunden…

  3. #3 | thomas weigle sagt am 16. Mai 2017 um 13:51 Uhr

    #1Ich weiß jetzt nicht wirklich, was bspw der Einsatz für bessere und artgerechte Tierhaltung, und damit tatsächlich weniger Fleischkonsum, mit Volkspädagogik zu tun hat. Mein Rat, einfach mal eine Gruselstunde in Sachen Massentierhaltung im Internet nehmen. Aber es ist natürlich einfacher, "Volkspädagogik" zu schimpfen und nicht das eigene Verhalten zu hinterfragen und möglicherweise zu ändern.
    Mitgefühl und Einsatz für Lebewesen, die uns hilflos ausgeliefert sind, als "Volkspädagogik "zu diffamieren, zeigt wenig Mitgefühl für die in der Massentierhaltung geschundenen Lebewesen.

  4. #4 | Walter Stach sagt am 16. Mai 2017 um 13:59 Uhr

    Sollte sich jemand bei den Ruhrbaronen tatsächlich und wider meine Erwartungen gründlich,intensiv,nachdenkend und bedenkend, abwägend und prüfend

    -jenseits jeglicher Häme, jenseits einer vorurteilshaft geprägten Gegnerschaft zur SPD, jenseits oberflächlicher "Ergüsse" und spontaner Erregungs-produkte, jenseits eines von mir sog.pathologischen Hasses auf alle Sozialdemokraten bzw. Sozialisten europaweit-

    mit der SPD befassen wollen – mit ihrem Istzustand -konkret bezogen auf die NRW-Wahl , mit ihren Perspektiven -konkret bezogen auf die Bundestagswahl-, dem empfehle ich , sich -u.a.- bei einem solchen Vorhaben der heutigen TAZ zu bedienen:

    TAZ -Die Tageszeitung- Dienstag, 16.5. 2o17
    1.
    "In der Falle"
    -Mit Martin Schulz und dem Thema Gerechtigkeit wolle die SPD die Bundestagwahl rocken. Nun herrscht Ratlosigkeit -von Stefan Reinecke – SCHWERPUNKT -S.05-
    2,
    "7 unangenehme Fragen zur NRW-Wahl"
    -SPD und Grüne verlieren kräftig die Linkspartei scheitert an der Fünfprozenthürde. Was machen die linken Parteien falsch?-mehrere Journalisten mit Einzelbeiträgen -SCHWERPUNKT S.03-
    3,
    "Reden, twittern, schuften"
    -Wahl
    Laschet, Lindner Habeck. Die Landtagswahlen zeigen: Nur Politiker, die bescheiden und beweglich auftreten gewinnen. Dieses Schema hilft Merkel.
    Meinungsbeitrag von Georg Löwitsch, S.12 "Meinung +Diskussion".

    PS
    Auf S.1 der heutigen TAZ gibt es einen Kommentar von Martin Reeh "Über das Comeback der FDP" mit der Überschrift: "Sie haben gefehlt, aber nur ein bisschen",
    Ein Kommentar in einer "linken Zeitung" von einem " linken Journalisten", der zeigt, daß man sich wohlbegründet, mit einiger Ironie, konstruktiv -kritisch mit einer politischen Partei befassen kann, der "man" nicht nahesteht, hier die FDP betreffend. Dieser Kommentar unterscheidet sich -für mich wohltuend- von alldem, was an einseitigen, an polemischen, an hasserfüllten Meinungsbekundungen ansonsten in den Medien zu lesen ist -ua. bezogen auf "meine" SPD, und das nicht nur im sog. Boulevard, sondern für mich wohltuend auch von den "Heiligenverehrungen" oder von den "Verteufelung der FDP" hier bei den Ruhrbaronen.

    Der Kommentar beginnt mit:

    " ….die FDP wieder in den Bundestag einziehen. Gut so. Vier Jahre haben die Liberalen…..gefehlt."

    Der Kommentar enthält in Mitten des Textes die Aussage:

    "Man muss die Meinung der FDP nicht teilen, aber sie liefert wichtige Beiträge zum politischen Wettbewerb"

    Und er endet mit der Aussage:
    "Selbst wenn es augenblicklich nicht nach einem rot-rot-grünen Bündnis aussieht, sollten die drei Parteien wenigstens in der Lage sein, die Rückkehr des kalten Liberalismus in die Regierung zu verhindern."
    Nur eine persönliche Anmerkung zum Letzteren:
    Wie schon vor der NRW-Wahl mit Blick auf eine schwarz-gelbe Koalition von mir hier bei den Ruhrbaronen angemerkt, dürfte die "sozialdemokratisierte Merkel-CDU" mit ihrem "christlich-demokratischen Arbeitnehmerflügel "Auswüchse des kalten Liberalismus" -was immer das sein mag- zu verhindern wissen.

    Wünschenswerter ist mir -selbstverständlich-, daß nach der Bundestagswahl "meine" SPD………
    -aber nicht mehr in einer großen Koalition!!!!!!

  5. #5 | Harald sagt am 16. Mai 2017 um 15:25 Uhr

    "Eher hemdsärmelige Sozialdemokraten vom Typ Schröder, Müntefering oder Clement, die weniger an Lebensstilregulierung als vielmehr an Wirtschaftspolitik und Bildung interessiert waren und manchmal auch medienwirksam mit einem proletarischen Lebensstil kokettierten (Stichwort: Bier und Curry-Wurst) sind heute kaum noch sichtbar."

    Mit Schröder, Müntefering, Clement assoziere nicht nur ich die Ursache des Niederganges der Sozialdemokratie.
    Hinter deren Scheinhemdsärmeligkeit verbarg sich lediglich knallharte neoliberale, nur dem eigenenen Machterhalt dienende Interessenspolitik, die letztlich mittels "Agenda 2010" dem sozialdemokratischen Grundideal einer solidarischen Gesellschaft den Garaus machte.
    Ab da begann der Niedergang, das langsame Siechtum.
    Denn diese Politik ist der SPD vom Wähler nie vergessen und noch weniger verziehen worden. Das hat der SPD das Rückgrat gebrochen.
    Und daran wird auch ein Wunderdoktor Schulz so schnell nichts ändern können.

  6. #6 | Brian sagt am 16. Mai 2017 um 17:08 Uhr

    Zum aktuellen SPD-Spitzenmann fiel mir zweierlei ein und auf:4
    -Koennte es beim 100-Prozent-Schulz (SPD-Vorsitzender und deren "Kanzlerkandidat") so sein: Der Mann kann deshalb nix liefern, weder zu Gerechtigkeit noch zu €Uropa, weil nix zu liefern da ist. Gibt es auf Deutsch nicht das Kuerzel Sch … auch für Schwindel? (BJ)

    -"Gegen eine GroKo unter SPD-Führung habe ich nichts" (100-Prozent-Schulz, ARD-150519 –
    http://www.tagesschau.de/inland/schulz-farbe-bekennen-103.html Aecht nix gelernt seit 1962?, als Henri Nannen, damals ChRedaktor des "stern", vor 55 Jahren offentlich feststellte: "Diese SPD krankt an permanenter Regierungsgeilheit" … (BJ)

  7. #7 | Nansy sagt am 16. Mai 2017 um 17:19 Uhr

    "Statt um Verbraucherschutz im eigentlichen Sinn – sprich den Schutz der Konsumenten vor Betrug oder qualitativ minderwertigen Produkten – geht es darum, die Bürger in Richtung eines „nachhaltigen“ und „gesunden“ Konsumverhaltens zu lenken."

    Aber ja, darum geht es immer mehr – und die öffentlich-rechtlichen Fernsehanstalten fühlen sich berufen, diese politischen "Vorgaben" umzusetzen.
    Ein kleines Beispiel dafür: In der Sendung "Wie gut sind Fertiggerichte?" fing man zuerst mit Informationen zu den Inhaltsstoffen der Feriggerichte an. Soweit so gut – das kann als Information für den Verbraucher wichtig sein. Ob ich als als interessierter Konsument nun unbedingt über die Ökobilanz zwischen Selbstkochen und Fertiggericht aufgeklärt werden muss, wage ich zu bezweifeln.
    Durch die Sendung zog sich aber immer die Botschaft: selber Kochen ist besser und schmackhafter!
    Aufgrund des Titels der Sendung geht es dabei dann nicht mehr um Informationen, sondern um Lenkung des Kosumverhaltens. Früher hätte ein Lehrer unter eine solche Arbeit geschrieben: "Thema verfehlt"
    Nur ein kleines Beispiel, das aber in vielen "Verbrauchersendungen" zu beobachten ist. Es geht immer mehr um Lenkung (Nudging), statt um Information.

  8. #8 | Mit-Leser sagt am 16. Mai 2017 um 20:27 Uhr

    Kraft wurde abgewählt: Stimmt. Aber so langsam nervt mich diese Event-Berichterstattung, die den Blick aufs große Ganze stets jener berühmt-berüchtigten Sau opfert, die gerade durchs Medien-Dorf getrieben wird – und durch die das Politik-Ressort immer mehr zum Sportteil wird…

    Letztendlich hatte auch die CDU k-e-i-n gutes Wahlergebnis.

    Und es sind – trotz allem Krisen-Geschreibsel – gerade in die SPD in den letzten Monaten am meisten neue Mitglieder eingetreten.

    Und wenn man die Gesamtstimmanteile der Parteien, der letzten Landtagswahlen anschaut,
    liegt die SPD mit 26,9 vor der CDU, die es nur auf 24,8 Prozent bringt:
    https://de.wikipedia.org/wiki/Ergebnisse_der_Landtagswahlen_in_der_Bundesrepublik_Deutschland

    Aber solche Fakten bei seinen "Analysen" zu berücksichtigen, würde in den Filter-Bubble-Meinungsschleudern der Jetzt-Zeit vermutlich zu wenig Likes aus der Peer Group bringen… 😉 Es würde aber der Wahrheit ein kleines bisschen näher kommen…

  9. #9 | Walter Stach sagt am 16. Mai 2017 um 22:07 Uhr

    Mit-Leser -8-.
    mit dem sog. Netz in seiner Funktionsweise und mit den Zielen seiner Nutzer scheint ein Diskurs per se unvereinbar zu sein, ein Diskurs verstanden als "Schauplatz rationaler Kommunikation " -so oder so ähnlich hat Habermas den Diskurs definiert.
    Das gilt auch für diesen Blog , und das gilt folglich auch , wenn es hier um die SPD im allgemeinen und wenn es um die SPD in einer konkreten Situation geht, hier bezogen auf die "steile These" zu "SPD wieder zurück in der Dauerkrise" und bezogen auf diverse Wortmeldungen dazu.

    Mit-Leser,
    es bringt nichts, diesen Zustand zu beklagen oder gar zu versuchen, ihn verändern zu wollen.
    Ab und an bringe ich mich in das Sammelsurium diverse Wortmeldungen zu Kommentaren/Beiträgen hier bei den Ruhrbaronen ein, z.B. mit einem Hinweis wie unter -4- geschehen, wohl wisssend, das sie nichts bewirken, jedenfalls nichts, was ich einem Diskurs im o.a. Sinne zurechnen kann – Mich freuende Ausnahmen bestätigen diese Regel-.
    Trotzdem bereitet es mir stets "ein gewisses Maß an Vergnügen", hier bei den Ruhrbaronen bloggen zu können -einhergehend mit dankbarer Anerkennung gegenüber den "Machern" dieses Blogs.
    Dieses Vergnügen übertüncht egelmäßig die dann und wann meinerseits geradezu schmerzhaft empfundenen Ein- und Auslassungen einiger Mitdiskutanten.

    Dazu paßt z.B., wie Sie andeuten, dass hier bisher niemand das Wahlergebnis der CDU kritisch bewertet hat. Dazu paßt, dass hier bisher niemand z.B. das Detail kritisch hinterfragt hat, wie denn Verhalten von Lindner -Spitzenkandidat in NRW, der seinen politischen Lebensmittelpunkt eben nicht in Düsseldorf, sondern in Berlin hat und zukünftg ausschließlich haben wird, ge- bzw. bewertet werden könnte, dazu paßt der sich oftmals hier breitmachende und von mir pathologisch genannte Hass einiger Diskutanten gegen die SPD und jetzt eben auch die schier unerschöpflich erscheinende erscheinende Jubelarie über den "Jahrhunderterfolg der CDU-NRW" einhergehend mit tagtäglich neuen Untergangstiraden die SPD betreffend.
    Dieses so wie durch Sie geschehen anzudeuten und wie von mir aufgenommen, führt bei diversen Protagonisten hier bei den Ruhrbaronen sofort zur reflexhaften Antwort, "man" , beispielsweise Sie und ich ,wollten doch nichts Anderes als die Niederlage der SPD relativieren oder diese gar gar "schön zu reden" versuchen.

    "Ett iss wie ett iss" -ändern können Sie das nicht; also: zur Kenntnis nehmen und gelegentlich "zurückschlagen" -gelassen und wenn möglich ironisch oder gar zynisch.

  10. #10 | Klaus Lohmann sagt am 17. Mai 2017 um 00:01 Uhr

    "Und wenn man die Gesamtstimmanteile der Parteien, der letzten Landtagswahlen anschaut,
    liegt die SPD mit 26,9 vor der CDU, die es nur auf 24,8 Prozent bringt" – Aber sich darüber beklagen, dass der Politik- immer mehr zum Sportteil wird, tsts..;-)

    Die Wahrheit ist, dass die SPD noch nicht mal ansatzweise mehr ihren eigenen Ansprüchen an eine *Volkspartei* genügt, weil ihr bisheriges Führungspersonal nichts mehr mit dem Volk gemein hat.

  11. #11 | Walter Stach sagt am 17. Mai 2017 um 16:12 Uhr

    Klaus Lohmann,
    "Richtiges "Führungspersonal……

    Selbstverständlich für jede Partei und in jeder Partei- so auch in der SPD- ein wichtiges Thema, nicht nur, aber eben auch bezogen auf die sog. Wahlchancen.

    Sollen wir jetzt eine Grundsatzdiskussion über das "richtige Anforderungsprofil" für politische Führungskräfte führen, evtl. differnziert nach Parteien, evtl. differenziert nach Funktionen -in der Partei, in einer Fraktion, in einem "Amt" -OB, Minister…..
    Das würde die Frage einschließen, ob und ggfls. wie das "Gemeinsein " einer Führungskraft mit dem "gemeinen" Volk zu fordern ist und wie dieses Gemeinsein" auszusehen hätte.
    Kein einfaches Unterfangen.
    Dazu passende Erwägungen sind nachzulesen in dem von mir unter -4- unter Ziffer 3- zitierten Beitrag in der TAZ ",,,,,, reden, twittern, schuften…".

    Es scheint (!) mir losgelöst von anzustellenden grundsätzlichen Betrachtungen über " das richtige Führungspersonal" bzw. über die "wichtigsten Eigenschaften für erfolgreiche Wahlkämpfer", daß Bescheidenheit im Auftreten / im Lebenswandel von der Wählerschaft gewollt und honoriert wird.

  12. #12 | Klaus Lohmann sagt am 17. Mai 2017 um 17:43 Uhr

    @Walter Stach: Das mit dem Kontaktverlust zum Volk bzw. zum Wähler stammt im Kern mal gar nicht von mir, obwohl es meine Einschätzung voll trifft:

    https://www.waz.de/staedte/moers-und-umland/spd-politiker-uebt-selbstkritik-nach-nrw-wahl-wir-verstehen-uns-nicht-mehr-id210602799.html

  13. #13 | Walter Stach sagt am 17. Mai 2017 um 19:20 Uhr

    Klaus Lohmann,
    unabhängig von einem Streit über die hier "richtige Wortwahl" (Führungspersonal -gemein mit dem Volk oder….), sind wir uns m.E. darin einig, daß in allen Parteien, auch in der SPD -oder hier ganz besonders?- die Funktionsträger nicht mehr den Kontakt zu "gemeinen Volk" zu suchen und pflegen, der selbstverständlich sein sollte für jeden Volks -(!!)vertreter und der m.E. "früher"
    intensiver war als heute. (Ich kann mich irren nach dem Motto: "Früher war alles besser.)

    Ich will hier nicht verhehlen, daß ich im Vorfeld der zurückliegenden Landtagswahl -irgendwo, präziser kann ich nicht werden- die Frage gestellt habe, warum es vorgeblich unter all den Parteimitgliedern keinen gab, der ,z.B als noch aktiver Facharbeiter, für eine Kandidatur in einem bestimmten Wahlbezirk überhaupt vorstandsseitig hätte in Erwägung gezogen werden können, m. E. hätte werden müssen; denn der hätte sich nicht mit "dem Volk" gemein machen müssen; der gehört(e) zum sog. gemeinen Volk.

    Klaus Lohmann,
    Wahlen werden nie gewonnen, -trotz bester Programmatik, wenn die Wähler mehrheitlich den jeweiligen Spitzenkandidaten als Person "nicht mögen", weil diese….
    Wahlen werden allerdings auch nicht allein deshalb gewonnen, weil die Wähler mehrheitlich eine Person besonders wertschätzen, aber vom jeweiligen Wahlprogramm nichts halten.

    In diesem Sinne, von dieser Grunderkenntnis ausgehend:
    Seit X Jahren wird in allen Parteien, auch in der SPD -auf allen Ebenen- darüber diskutiert, wie man die Kandidatenauswahl "optimieren" könnte -verfahrensmäßig und bezogen auf die Auswahlkriterien ,auch unter dem Aspekt "bürgernah, volksnah, bescheiden, nicht "abgehoben".
    Ich erinnere mich aus meiner aktiven Zeit in der SPDler, daß Franz Müntefering 'mal vorgeschlagen hatte, bei Kommunalwahlen die sog. Reserveliste der SPD zu einem Drittel zu besetzen mit Nichtparteimitgliedern. Dafür ist er innerparteilich "geprügelt" worden. Ich auch, da ich mich mit viel Elan für diese Müntefering-Idee stark gemacht hatte. Ich befürchte, daß das gleiche Schicksal der Idee droht, zumindest bei der Nominierung des SPD-Kanzlerkandidaten zukünftig Vorwahlen nach dem Vorbild der USA einzuführen.
    Nun habe ich "gut reden" über diese und ähnliche Ideen, da ich heutzutage weder bereit noch in der Lage bin, mich in den innerparteilichen Kampf für solche Ideen zu begeben.

  14. #14 | ke sagt am 17. Mai 2017 um 19:24 Uhr

    Ich spiele dann den Erbsenzähler:

    https://de.wikipedia.org/wiki/Ergebnisse_der_Landtagswahlen_in_der_Bundesrepublik_Deutschland

    Die SPD liegt natürlich vor der CDU. In Bayern gibt es ja die CSU. Schon fehlen der Gesamt-Union 7.5 Prozent, und die SPD ist vorne. Man muss eine Statistik finden, die "richtig" gruppiert.

  15. #15 | thomasweigle sagt am 17. Mai 2017 um 20:58 Uhr

    An anderer Stelle wies ich bereits am Montag daraufhin, dass die CDU nur einmal seit 1947, nämlich 2012 schlechter als heuer abgeschnitten hat. Was lehrt uns das? Alles ist relativ, auch der Erfolg.

  16. #16 | Ke sagt am 18. Mai 2017 um 07:05 Uhr

    Frau Kraft hatte ja auch richtig schlechte Ergebnisse erzielt und wurde als Hoffnungsträgerin gefeiert. Ca. 34 in 2010
    Ich hatte die Spd in Nrw immer mit ca. 50 Prozent verbunden. Die Zeiten sind vorbei.

  17. #17 | 10 Jahre Ruhrbarone | Ruhrbarone sagt am 13. Dezember 2017 um 18:11 Uhr

    […] sorgt immer wieder für Ärger. Ob SPD, CDU, FDP, Grüne, Linke, AfD, Die Rechte, Pro NRW oder MLPD – wir hatten schon mit allen […]

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.