Nazi-Netzwerk Gab: Safe-Space für Hater


Für alle die Hitler verehren, gegen Juden hetzen wollen und sich Sorgen um die Verschwulung der Welt machen, ist das Netzwerk „Gab“ der neue Treffpunkt im Internet.

Twitter, Facebook und Reddit sperren immer häufiger Nutzer. Das Image, ein Hort für Rechtsradikale, Rassisten und Verschwörungstheoretiker zu sein, ist schlecht fürs Geschäft. In Deutschland hat durch das im Juni vom Bundestag verabschiedete Netzwerkdurchsetzungsgesetz zudem der wirtschaftliche und juristische Druck zugenommen und das wird in Zukunft zu immer häufigeren Sperren führen. Schon länger betroffen sind von der Löschpolitik Nazi-Seiten wie Anonymous.Kollektiv oder die Facebook-Präsenz der Partei Die Rechte. In den USA hat es unter anderem den Alt-Right Blogger und Trump-Fanboy Milo Yiannopoulos erwischt, der lebenslanges Hausverbot auf Twitter bekommen hat.

Das immer härtere Vorgehen der großen Sozialen Netzwerke gegen „Hate-Speech“ hat dafür gesorgt, dass sich im vergangenen Jahr mit gab.ai ein neues Angebot etabliert hat. Gegründet wurde es von dem Unternehmer Andrew Torba. Der rechte Christ arbeitete früher bei verschiedenen IT-Unternehmen in Kalifornien, fühlte sich jedoch von der liberalen Grundstimmung an der Westküste „dämonisiert“. Sein soziales Netzwerk gründete er in Austin, Texas, was etwas verwundert. Denn wenn Texas als Staat eine konservative Republikaner-Hochburg ist, ist seine Hauptstadt Austin ein Mekka für Liberale und Künstler, einer der angesagtesten Städte der USA und berühmt für seine vielen Clubs und seine große Musikszene.

Die AfD-NRW bedankte sich auf Gab bei ihren Wählern für den Einzug in den Landtag.

Bei Gab ist alles erlaubt, was nicht gegen die Gesetze der USA verstößt. Und in den USA ist es kein Problem gegen Juden zu hetzen, die Bewunderung für Hitler auszuleben, den Holocaust zu leugnen, jeden Dönerladen als Zeichen der kommenden Islamisierung zu werten und gegen Schwule und Lesben zu hetzen. Gab startete im August. Einen Zugang gab es nur auf Einladung. 11.000 aktive Mitglieder waren es zu Anfang und viele Tausend standen auf einer langen Warteliste. Viele der User kamen aus der Alt.Right-Bewegung. Das Portal Breitbart feierte Gabs Gründung als Alternative zu Facebook und Twitter. Nach einem Jahr hat Gab nun gut 200.000 Mitglieder. Die können 300 Zeichen lange Texte posten und mit Links zu beliebigen Inhalten posten.

Mittlerweile ist Gab auch nicht mehr exklusiv. Wer will, bekommt innerhalb einer Minute einen Zugang. Gab-Gründer Torba begrüßte die immer zahlreicheren Nutzer aus Deutschland mit der Versicherung, er sei von seiner Abstammung her 100 Prozent Deutsch. Deutschsprachige Texte lassen sich gesondert aufrufen.

Wer von einem Computer mit einer IP auf Gab zugreift, die ihn als User aus Deutschland ausweist, wird seit wenige Tagen jedoch von einem Warnhinweis begrüßt. Durch ein kürzlich verabschiedetes Gesetz, heißt es dort, könnten Social-Media-Gesellschaften mit Geldstrafen bis zu 50 Millionen konfrontiert werden wenn „illegale, rassistische oder verleumderische“ Kommentare und Beiträge nicht innerhalb von 24 Stunden gelöscht werden. Gab versichert seinen Nutzern, es werde weiter für „Redefreiheit weltweit kämpfen“, aber es „drängt seine Nutzer in Deutschland, alle lokalen Gesetze auf Gab zu folgen.“ Beruhigend führt man an, das Gab bislang keine Entfernungsanfragen bekommen habe. Das könnte auch so bleiben, denn das Netzwerkdurchsetzungsgesetz( NetzDG) gilt nur für Soziale Netzwerke ab zwei Millionen registrierten Benutzern in Deutschland – ein Zahl, von der Gab weit entfernt ist, und so beruhigen die Betreiber des Accounts „German Politix“ den Nutzer Mark, der sich Sorgen macht, dass der „schöne Frühling“ auf Gab bald vorbei sein werde und überlegt allein schon wegen der höheren Reichweite wieder zu twittern: „Chill dich mal. (…) Gab wird nie Zensieren, Gesetz gilt erst ab 2mio Nutzern. Heul nicht rum“

Eifriger Poster: Bluecher schwankt zwischen Rechtsradikalismus und Geisteskrankheit. Auf Gab keine Seltenheit

Und so tobt sich eine noch überschaubare deutschsprachige Community auf Gab aus. Einer der aktivsten Nutzer nennt sich F Bluecher. Euro und Dollar sind für den Holcocaustleugner „Judenkonfetti“ und Juden ohnehin der Satan, der sterben muss. Der deutsche Schäferhund, weiß Bluecher, „geht nicht Gassi – er rückt aus, gibt nicht Pfötchen, sondern salutiert“. Doch so sehr Bluecher sich auch Mühe gibt und fast im Minutentakt postet, so wenig „Likes“ erhält er. Das Deutsche Reich, es hat noch nicht viele Anhänger auf Gab und Prominente wie die ehemaligen Pegida-Mitorganisatorin Tatjana Festerling, die sich um den „Rosa Faschismus“ sorgt, die Publizisten Roland Tichy oder Kolja Alexander Bonke sind die wie die AfD NRW die Ausnahmen. Während die nordrhein-westfälische AfD schon vor Wochen aufgehört hat zu posten, sind Tichy und Bonke mit Eifer, aber wenig Erfolg dabei: Tichy kommt auf gerade einmal 1318 Follower und postet nur Artikel aus seinem Blog Tichys Einblick. Der hat allein auf Facebook über 32.000 Fans.

Tatjana Festerling hat ihre besten Zeiten hinter sich – auf Gab scharrt sie ihre verbliebenen Anhänger um sich.

Noch ist gab ein Tummelplatz für offene Neonazis, Identitäre und Menschen, denen man den Besuch eines psychiatrischen Notdienstes nahe legen möchte, so groß ist ihre Angst vor der „Verschwulung“ Deutschlands. Ist Gab in den USA ein Treffpunkt für Alt.Right Anhänger, die weitgehend unter sich bleiben, erfüllt es im deutschsprachigen Raum zur Zeit noch nicht einmal diese Funktion.

Aber Gab ist eine Option. Zuerst einmal für zahlreiche Rechte, die nach und nach aus Facebook und Twitter gedrängt werden. Sie können sich hier sammeln. Aber Facebook löscht und sperrt nicht nur ausgewiesene Rechtsradikale. Oft ist die Sperrpolitik des Netzwerkes nicht nachvollziehbar. Wenn der Kölner Blogger Gerd Buurman sich in einem auf Facebook verbreiteten Artikel mit den Worten „War Hitler Antisemit? Der Faktencheck sagt: „Bisher gibt es keinen Beleg dafür, dass Adolf Hitler mit eigenen Händen einen Juden umgebracht hat.“ gallig den Faktencheck des WDR nach der Ausstrahlung der Dokumentation „Auserwählt und ausgegrenzt – der Hass auf Juden in Europa“ kommentiert, ist das nicht antisemitisch, sondern eine Kritik an der Blindheit des Senders gegen Antisemitismus. Buurman wurde wie viele andere, die keine Rechtsradikalen sind, in den vergangenen Wochen häufiger gesperrt. Die Gründe sind nicht transparent, viele sind verunsichert und ihre Zahl wird durch die Folgen des NetzDG weiter zunehmen. Maas und Facebook könnten so Gab neue Nutzer zuführen und zu einem schnelleren Wachstum verhelfen, was fatal wäre und einen weiteren Nebeneffekt haben könnte: Gab hat noch kein Geschäftsmodell und kostet Geld. Jeder Nutzer könnte Gab dabei helfen, sich in Richtung eines kommerziellen Erfolgs zu entwickeln.

 

Der Artikel erschien in ähnlicher Version bereits in der Jungle World

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3 Kommentare

  1. #1 | Schlens sagt am 20. Juli 2017 um 17:33 Uhr

    Ja wie jetzt? Nazis oder Zionisten? Oder Zionazis? Da kommt man ja ganz durcheinander in diesen Tagen.
    (Screenshot von Gerd Buurmann)
    https://www.facebook.com/photo.php?fbid=10210009461857763

  2. #2 | Loengard sagt am 21. Juli 2017 um 19:27 Uhr

    Zitat:

    "Das Image, ein Hort für Rechtsradikale, Rassisten und Verschwörungstheoretiker zu sein, ist schlecht fürs Geschäft. "

    Ich glaube das 1947 bei Roswell, in New Mexico ein außerirdisches Raumschiff abgestürzt ist und dieses dann von der US Airforce vertuscht wurde – also bin ich wohl ein "Verschwörungstheoretiker…denke ich.

    Und mit welche Begründung hab ich es nun verdient mit Rechtsradikalen und Rassisten in einem Topf geworfen zu werden obwohl ich die Wahrheit der Anwesenheit einer außerirdischen Präsenz (andere "Rasse") hier in unseren Sonnensystem und auf unserer Erde begrüße, ja mich sogar freuen würde.
    Außerdem vermute ich das "Sie", die außerirdischen Besucher, zumindestens die Technologie oder auch paranormale Fähigkeiten um ihre Gestalt von Alien in Mensch umzuwandeln um so nicht aufzufallen wenn sie auf der Erde unterwegs sind.

    Ich gehe sogar soweit mir Gedanken darüber zu machen wie wohl eine romantische Beziehung zwischen beiden Spezies aussehen könnte. Denkt so etwa aber "Rassist"?

  3. #3 | yohak sagt am 21. Juli 2017 um 20:03 Uhr

    "könnten so Gab neue Nutzer zuführen und zu einem schnelleren Wachstum verhelfen, was fatal wäre" Was soll denn daran fatal sein? Ist es nicht gut, wenn es Alternativen zu twitter und facebook gibt, insbesondere angesichts der Zensurgelüste von Heiko Maaß?
    Und: Wenn sich Nazis beschweren: "Die Zionisten haben offenbar GAB entdeckt" – belegt nicht genau das, daß GAB eben nicht nur von Nazis benutzt wird?

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