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Partner? Die Türkei bedroht Griechenland

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Es gibt viele gute Gründe, die Türkei aus der NATO rauszuwerfen und nicht in die Europäische Union zu lassen. In den vergangenen Tagen kamen weitere hinzu: Die Türkei erhebt Gebietsansprüche gegen Griechenland, ein Land, dessen Verbündeter die Türkei eigentlich ist.

In der Türkei entwerfen Politiker der AKP territoriale Wunschzettel: Erdogan stellt den griechischen Besitz der Inseln Tilos, Lesbos, Chios, Samos und Ikaria in Frage,  Ibrahim Melih Gökçek, der Oberbürgermeister der türkischen Hauptstadt Ankara hat auf Twitter auch noch Kreta, das die Osmanen teilweise besetzt hielten, auf seiner Liste. Beide haben in den vergangenen Tagen den Vertrag von Lausanne in Zweifel gezogen, der nach dem Zusammenbruch des Osmanischen Reiches das Gebiet desselben aufteilte –  es Bestand vor allem aus eroberten Gebieten in Nordafrika, Arabien und Europa, in denen die Osmanen übe Jahrhunderte zum Teil grausam herrschten und die in vielen Kriegen zurückerobert werden mussten.

Man mag das Hinterfragen des Vertrages von Lausanne als die feuchten Träume von Politikern eines Schwellenlandes abtun, denn mehr sind Erdogan und Gökçek nicht. Allerdings wird es als Partner des Westens angesehen und unter Partnern ist es üblich, die Grenzen anzuerkennen. Das tut die Türkei praktisch nicht, immer wieder verletzt  die türkische Luftwaffe griechisches Hoheitsgebiet und muss von griechischen Kampffliegern zurückgedrängt werden. Zu dulden ist so ein Verhalten, zu dem die momentane rhetorische Eskalation passt nicht. Europa hat seine Grenzen zu sichern – auch gegen die Türkei, die allein durch die Unterstützung des IS und die nicht Anerkennung der griechischen Grenzen schon lange kein Verbündeter mehr ist. Den Expansionsträumen der Türkei hat Europa und der Westen entgegen zu treten. Mehr  noch;: Es muss bereit sein, Griechenland im Zweifelsfall zu verteidigen und schon heute dem Land finanziell helfen, sich militärisch auf die Herausforderung eines  Konflikts mit der Türkei einzustellen.

 

Übersetzungen des Tweets des OBs von Ankara:

„ihr klugscheisser die „treaty of lausanne“ unterstützen; hier sind die Insel die direkt neben uns sind und wir an griechen geben müssten. Und Ihr bezeichnet Lausanne als erfolg! “

„Die super intelligenten lausanner ! Schaut her ; die blau markierten Gebiete/Inseln haben wir im Vertrag von lausanne an die Griechen gegeben …und ihr feiert lausanne als Sieg ?? Erfolg ??“

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22 Kommentare zu “Partner? Die Türkei bedroht Griechenland

  • #1
    Thorsten Stumm

    Hm…. woran erinnert das nochmal….Ausschaltung und Verhaftung der Opposition….Gleichschaltung der Presse…Verfassung ändern…Präsidial(Führer)system einführen…Verträge zu den Aussengrenzen in Frage stellen….ich komme gerade nicht drauf….. 🙂

  • #2
    Gerd

    "Abgeordnete der oppositionellen CHP, der Partei Atatürks, nannten Erdogans Ausführungen schändlich, zumal sie als Herabwürdigung der säkularen Gründungsväter verstanden werden müssen, die in Lausanne am Verhandlungstisch sassen."

    Das wird die Absicht des Islamisten Erdogan gewesen sein. Dem Säulenheiligen Atatürk zu schwächen, um sein islamisches Regime zu stärken. Aber dabei hat er ein Eigentor geschossen.

    "Zudem zog der Vertrag einen Schlussstrich unter die Gerichtsverfahren im Zusammenhang mit der Vernichtung der osmanischen Armenier."

    Ups!

  • #3
    Savvas

    Ihr wollte die Inseln? Gut!! Dann wollen wir Konstantinopel zurück, da es noch dort christliche Kirchen gibt und in unsere Nähe ist !

  • #4
    kE

    Was ist eigentlich aus den vermuteten Rohstoffvorkommen in der Region geworden (Gas/Öl)?

    Phantasie oder ein Grund, sich stärker für die Inseln zu interessieren? Das Gebiet vor Syrien wird auch häufiger genannt, wenn es um Rohstoffvorkommen geht.

  • #5
    Arnold Voss

    Stefan, du weißt was deine Forderungen für das Flüchtlingsabkommen mit der Türkei bedeuten. Das ist die Zwickmühle in die uns Frau Merkel gebracht hat, und von der zu Zeit Niemand weiss, wie man da wieder rauskommt. Und das weiss auch Erdogan.

  • #6
    Stefan Laurin Beitragsautor

    @Arnold Voss: Falls es wirklich zu einem Angriff der Türkei auf Griechenland kommen sollte wird Merkel von dem Problemen, die ihr das Flüchtlingsabkommen mit der Türkei bereitet träumen.

  • #7
    Arnold Voss

    Es könnte gut sein, dass sie das gar nicht muss, weil sie bis dahin keine Kanzlerin mehr ist.

  • #8
    hailabg

    Dann gilt wohl wieder der Vertrag von Sèvres von 1920:

    https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Treaty_sevres_otoman_de.svg

  • #9
    Stefan Laurin Beitragsautor

    Lhailabg: Der war ja nicht so schlecht, der Vertrag von Sevres 🙂

  • #10
    discipulussenecae

    Deutschland in den Grenzen von – sagen wir mal so zwischen 1150 und 1250? Auch eine durchaus aparte Vorstellung … Allerdings weiß ich nicht, ob es zwischen Sardinien, Sizilien und den Liparischen Inseln Erdöl oder-gas gibt.

    Aber die Republik wäre sogar größer, als in der ersten Strophe des Deutschlandliedes beschrieben. Mann müßte also einen neuen Text reimen. Für manche Zeitgenossen sicherlich eine durchaus reizvolle Aufgabe …

  • #11
    H.F.

    Also ich finde euren Artikel nicht ganz sauber, weil es in Griechenland ebenfalls solche Spinner gibt, die die Türkei so angehen wie es die Spinner in der Türkei mit Griechenland tun. Griechenland hat einen enormen Militäretat, viele tausend Menschen leben von der Angst auf beiden Seiten. Da würde ich mir von den Ruhrbaronen ehrlich gesagt eine differenziertere Berichterstattung wünschen…

  • #12
    Stefan Laurin Beitragsautor

    @H.F.: In Griechenland sind die "Spinner" aber nicht an der Regierung sondern sitzen in kleinen, radikalen Oppositionsparteien. Und würde die Türkei sich Griechenland so gegenüber verhalten, wie Deutschland heute den Niederlanden, könnte auch die griechische Verteidigungsetat deutlich kleiner sein – mit einer Türkei als Nachbar, die davon träumt, griechisches Inseln zu überfallen, müsste er noch deutlich höher sein.

  • #13
    Walter Stach

    Es scheint vielen illiberalen, antidemokratischen Staaten wesensimmanent zu sein, sich über "den Raum" , über die Geographie zu definieren oder gar in dem "Raumdenken" den eigentlichen Staatszweck zu sehen ;Putin und Großrussland ; IS und das Kalifat; Orban und Groß-Ungarn; Erdogan und das osmanische Reich, die Nazis -die alten , die neuen- und Großdeutschland.

    Darüber wäre zu diskutieren.

    Konkret:
    Ich halte es derzeit (!!) für unrealistisch, anzunehmen, daß Erdogan seiner Träume von einem osmanischen Großreich zu realisieren versuchen könnte, indem er mit der kriegerischen Heimholung einiger Inseln in das türkische Reich beginnt. Dafür dürften auch Erdogan die Risiken aus vielerlei Gründen derzeit viel zu hoch sein. Dass es diesbezügliche Träume, Gedankenspiele im "Planungsstab" Erdogans gibt, halte ich -sh. einleitend- nicht nur für naheliegend, sondern folgerichtig, weil dem Wesen des Erdogan-Regimes entsprechen würde.

  • #14
    Helmut Junge

    Es ist gut so, daß uns Stefan Laurin darüber informiert, was sich an territoralen Ansprüchen in den Köpfen einiger "wichtiger" Verbündeter so breit macht.
    Ob solche Gelüste sich militärisch verwirklichen lassen könnten, wage ich ernsthaft in Zweifel zu ziehen. Die türkische Armee ist ja vor einigen Wochen in Syrien einmarschiert und kommt dort nicht so recht weiter, ist praktisch eine der vielen kriegsführenden Parteien. Mehr bisher nicht. Gegen Griechenland wäre es noch schwieriger. Griechenland ist nicht das kleine Zypern, wo die türkische Armee in den Siebzigern einmarschiert ist, und noch steht.
    Politisch sieht es so aus, daß die EU bei einem türkischen Angriff auf Griechenland nicht zusehen könnte. Es wäre ja ein Angriff auf die EU. Also sind es nur makabre Träume, die sich da ranghohe türkische Repräsentanten erlauben.
    Trotzdem ist die Frage, die Laurin im Kern seines Artikels stellt, nämlich wie die EU zu solchen Träumen steht, enorm wichtig. Denn die perfide Logik solcher provokant geäußerten Gebietsansprüche ist im wesentlichen immer gleich. Wenn kein Haltruf kommt, geht die Provokation weiter. Und ich habe die Befürchtung, daß Frauen mit solchen Macht-Macho- Gebaren nicht klarkommen, weil das ein Spielchen unter Männern ist. Auch viele Männer, die ein gut behütete Kindheit hatten werden sich da nicht gut auskennen.
    Fazit: Reagiert man seitens der EU nicht sofort und so schroff, daß es verstanden wird, kommt der nächste "Gedanke" aus dieser Richtung. Das geht solange, bis bis Erdogan an dem Punkt angekommen ist, wo er handeln muß, weil er sonst sein Gesicht vor seinen Anhängern verlieren würde. Will man (Frau) abwarten und das Blut, das dann fließen wird, in Kauf nehmen, oder vorher "Stopp" sagen?
    Ich schätze, daß Merkel eher abwarten wird. Sie sollte sich aber vorsichtshalber endlich den einen oder anderen männlichen Berater zulegen.

  • #15
    KE

    Stopp sagen?
    Das ist evtl von den Atommächten zu erwarten. Aber solche Erweiterungen erfolgen ja auch schrittweise.

    Wer keine Haltung hat, nur einsteckt und mit Geld Ruhe erkauft , wird ignoriert. Die Folgen sind fatal. In der Geschichte gab es das immer wieder.

    Die Konsequenzen von Laissez faire und fehlenden staatlichen Sanktionen werden auch hier beschrieben.
    http://www.express.de/koeln/silvesternacht-taeter-verabredeten-sich-durch-mundpropaganda-in-fluechtlingsheimen-24843858

  • #16
    Wichtel

    Wäre ich die Türkei würde ich erst gar nicht in den Verein rein wollen, hinterhältige Politik, wäre Erdogan gestürzt worden, und das Gleiche Chaos wie in Syrien gekommen dann hätten alle in Europa gefeiert.

  • #17
    Michael Quatz

    Nicht, dass die Griechen auf die Idee kommen ihr altes griechisches Reich von 300 vor Christus wieder zu bekommen.

  • #18
    TuxDerPinguin

    Da wünscht man sich ja den al-Gaddafi zurück, der hat die ganzen Flüchtlinge günstiger abgefangen als der Erdogan.

  • #19
    Arnold Voss

    Machtmenschen wie Erdogan und Putin drohen nicht nur, denn sie wissen, dass wer seinen Drohungen nicht über kurz oder lang in die Tat umsetzt, sein zukünftiges Drohpotential verliert.

  • #20
    Walter Stach

    Arnold,
    mir sind "Kriegsdrohungen" Putins nicht bekannt -weder gegenüber den baltischen Staaten noch gegen die Urkaine oder gegen Georgien oder gegen…..

    Bekannt sind mir so wie jedermann die Warnungen Putins an die USA (an die NATO), daß Russland mehr denn je, nachhaltiger denn je, aggressiver denn alle seinen Mittel und Möglichkeiten ausschöpft, um bei einer Bedrohung seiner Sicherheitsinteressen reagieren zu können. U.a. zeigt sich die "Ernsthaftigkeit" dieser Warnung in der Aufrüstung der russischen Streitkräfte -einschießlich ihres atomaren Waffenarsenals- und vor allem auch im sog. Cyber-Krieg.
    Zudem, das meine ich jedenfalls feststellen zu können, ist auch die aktive Mitwirkung Russlands im sog. Syrien-Krieg aus russischer Sicht nicht "irgend jemanden geschuldet oder dient den Interessen von irgend jemanden, sondern hier geht es Russland ausschließlich um die Wahrung seiner Interesen, dh.für mich, daß Russland gegen den Widerstand der USA -nebst NATO – dauerhaft seine Militärbasen in Tartus und Latakia sichern will und ganz generell den USA (und der NATO) auch über sein Engagement in Syrien klarmachen machen möchte, daß eswieder auf der Weltbühne als geopolitisch Akteur -in Augenhöhe mit den USA- "mitspielt".
    -Die katastrophale Lage der Menschen in Syrien, die Schrecken des Krieges um und in Aleppo, die Interessen der USA (der Nato) und Russlands, aber auch die des Iran sowie alle denkbaren Szenarien, die sich mit Blick auf "das Weitere" des Syrien-Konflikt aufzeigen lassen, werden heute im SPIEGEL -DER SPIEGEL Nr. 41/8.10.2016-als Titelgeschichte aufgegriffen und beschrieben:

    Brandherd Syrien: Putins Werk, Obamas Beitrag
    Der WELTMACHTkampf
    so die Titelseite des Spiegel.

    Der Beitrag selbst -S.12-S.21-ist überschrieben mit "Weltkrieg um Aleppo".

    Arnold,
    Putin hat doch bei der "Rückführung der Krim ins russische Reich" und bei der Unterstützung der sog. Rebellen in der Ostukraine gezeigt, daß er nicht droht, um dann etwas zu tun oder eben nichts zu tun, sondern daß er ohne "An-Drohung" handelt.

    Zu Erdogan:
    Mir ist nicht bekannt, daß er Griechenland mit einer militärischen "Rückführung jetzt griechischer Inseln" in sein "Groß-türkisches Reich" gedroht hat.
    Was ich von den einschlägigen"Gedankenspielen" in seiner "Stabsabteilung" halte, habe ich unter -13-beschrieben.

    Nach wie vor, so scheint mir, liegt es letztendlcih in den Händen der USA und Russlands, ob, wie und wann die aktuellen weltweiten militärischen Konflikten gelöst werden besser wohl, ob es diesen beiden Mächten zumindest gelingt, zu verhindern, daß aus diesen Konflikten ein 3.Weltkrieg entsteht.

    Ich bin nicht in der Lage, meinerseits eine hinreichend begründete, eine hinreichend plausible, eine hinreichend in sich schlüssige , eine hinreichend realistisch erscheinenden Meinung darüber darzulegen, wie der Krieg in Syrien beendet werden und was nach Kriegsende auf dem jetzigen Territorium Syriens existieren könnte, existieren sollte und schon gar nicht sehe ich mich in der Lage, einen sinnvollen Beitrag – begründet, plausibel, in sich schlüssig, realistisch- darüber zu verfassen, ob, wie, wann , durch wen der -auch für Deutschland- bedrohlich anwachsende Konflikt zwischen Russland und den USA zumindest "entschärft", geschweige denn gänzlich abgebaut werden könnte.

  • #21
    Helmut Junge

    Wenn es zu einer kriegerischen Auseinandersetzung zwischen USA und Rußland kommen sollte, kann niemand sagen, wie schnell diese Auseinandersetzung eskalieren würde. Das läßt sich nicht voraussehen. Es könnte zu einer atomaren Auseinandersetzung führen. die den Planeten unbewohnbar machen würde, aber vielleicht auch noch rechtzeitig eingestellt. Wer weiß das denn?
    Wer dann sagt, daß es keine Warnungen gab, hat eben nur nicht auf Warnungen hören wollen. Warnungen gibt es genug, sowohl von der Nato als auch von Rußland.
    In den fünfziger Jahren haben oberirdische Atombombenexperimente soviel radioaktives Material über die Atmosphäre global verteilt, daß die beiden Atommächte sich sehr schnell einig wurden, solche Experimente einzustellen. Diese Einsicht war damals auch durch die psychologische Komponente, die die sichtbare Zerstörungsgewalt mit sich brachte, allgegenwärtig. Vielen unter sechzigjährigen fehlt diese Erfahrung. Das führt bei einigen von ihnen zu einer Sorglosigkeit, die mir unheimlich ist.
    Erdogan spielt in diesem Zusammenhang gar keine Rolle.
    Nur wer versteht solches Gebaren seinerseits? Ist es Bluff, oder ist es so gemeint? Wer das als Entscheidungsträger nicht auseinander halten kann, sollte besser kein Entscheidungsträger sein.
    Was müßte die EU tun?
    Wären EU-Soldaten auf der Insel, würden die Begierden sicherlich nicht mehr laut ausgesprochen.
    Aber ich habe schon zu oft beobachtet, daß nach solchen Drohungen Geld in Richtung Ankara fließt, in der Hoffnung, daß dann wieder Ruhe eintritt. Das mit der Ruhe war aber nie der Fall, sondern danach kamen wieder andere Ideen aus Ankara, die wieder zu Geldflüssen führten
    Mein persönlicher Stil mit solchen begehrlichen Äußerungen umzugehen wäre das übrigens nicht. Aber in Berlin sitzen viele, die das als klug ansehen.
    .

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