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Ruhr2010 Pläne gescheyttert

Noch bis Ende 2011 ist die Existenz der Ruhr2010 GmbH gesichert. Für die Zeit danach weiß niemand, wie es bei den Kulturhauptstadtmachern weiter geht. Oliver Scheytt, Geschäftsführer der Ruhr2010 GmbH, hatte da einen Plan. Von dem aber niemand etwas wissen will.

Geht es nach Oliver Scheytt, wartet auf die Ruhr2010 GmbH eine goldene Zukunft. Auf neun Seiten hat er sie unter dem Titel „Vorschlag eines erweiterten Gesellschaftsprofils der Ruhr2010 GmbH“ umrissen. „Das Papier liest sich wie ein Weihnachts-Wunschzettel“, so ein führender Mitarbeiter des Regionalverbandes Ruhr (RVR) zu den Ruhrbaronen. Die Einschätzung kommt nicht von ungefähr. Geht es nach Oliver Scheytt, soll die Ruhr2010 GmbH künftig ruhrgebietsweite Kulturveranstaltungen durchführen, sich um den Tourismus kümmern, die Kreativwirtschaft fördern. Sein Ziel: Eine große Kulturagentur für das Ruhrgebiet. Ausgestattet mit den 2,4 Millionen Euro, die die Städte bislang jährlich zur Kulturhauptstadtfinanzierung gezahlt haben. Plus, wenn möglich, Kohle vom Land und vom Initiativkreis Ruhr.

Der Plan von Scheytt ist gescheitert. Weder die Städte, noch der RVR und der Initiativkreis wollen zahlen. Die Städte wollen ihr Geld ab 2012 lieber selbst verwenden und regionale Kulturveranstaltungen gemeinsam organisieren. Der Initiativkreis sieht sich künftig eher in der Technologie- und Wirtschaftsförderung als in der Kulturförderung. Scheytts Plan ist dabei eigentlich richtig: Wenn in den Städten Mittel und Personal zugunsten einer zentralen Instanz eingespart werden könnten. Doch das will – auch wenn es sinnvoll ist – niemand.

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11 Kommentare zu “Ruhr2010 Pläne gescheyttert

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  • #2
    Jens

    Wenn ich politischer Entscheidungsträger einer Stadt wäre, die nicht mit E anfängt, dann würde ich – nach den Erfahrungen mit der Ruhr 2010 – auch dreimal überlegen, ob ich da mitmachen würde…

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  • #4
    Malte

    Vielleicht, nicht uninteressant?

    Liebe Kolleginnen und Kollegen,

    verschiedene Artikel, die sich mit Zukunftsfragen der Kulturhauptstadt beschäftigen, veranlassen mich zu einer etwas ausführlicheren Stellungnahme. Diesmal ohne meinen Kollegen Oliver Scheytt. Der Grund: Ich möchte mich auch über ihn äußern.

    Dass „Essen für das Ruhrgebiet“ zur Kulturhauptstadt Europas ernannt wurde, ist dem Engagement vieler zu verdanken. Aber ohne Oliver Scheytt wäre der Titelgewinn nicht möglich gewesen.

    Was die Zukunft betrifft, geht es ihm wie mir einzig um die Frage, was das Ruhrgebiet aus der Kulturhauptstadt nach 2010 macht – und nicht darum, was Oliver Scheytt im Ruhrgebiet macht. Den Auftrag, für eine nachhaltige Wirkung zu sorgen, hat uns die Europäische Union mitgegeben. Dies entspricht auch dem Willen unserer Gesellschafter.

    In einem Gespräch mit den Oberbürgermeistern und den Landräten sind wir aufgefordert worden, unsere Erfahrungen und daraus resultierende Empfehlungen bis zum Herbst 2010 in die Diskussion einzubringen, wie es nach dem Kulturhauptstadtjahr weitergehen sollte. Da die Gesellschaft RUHR.2010 bis zum 31.12.2011 existiert, sollte die Zeit genutzt werden, um die Kulturhauptstadt nicht nur administrativ abzuwickeln, sondern auch „programmlich nachzuarbeiten“ – so der Hinweis aus der Runde.

    Daraufhin haben wir als RUHR.2010 GmbH ein erweitertes Gesellschaftsprofil entworfen. Obwohl es sich ausdrücklich nur auf das Jahr 2011 bezieht, haben wir das Papier nach einer Diskussion in unserem Arbeitsausschuss zurückgezogen, um Missverständnisse zu vermeiden.

    In der Zwischenzeit haben wir mit Sorge beobachtet, dass bereits begonnen wurde, attraktive Stücke aus dem erfolgreichen Kulturhauptstadtprogramm zu verteilen (Kreativwirtschaft, Ruhrkunstmuseen, etc). Dieses hastige, kleinteilige Rosinenpicken widerspricht der erfolgreichen Strategie, der Metropole Ruhr durch einen kraftvollen Gesamtauftritt eine weithin wirkende Wahrnehmung zu verschaffen.

    In einem Gespräch mit Vertretern unseres Gesellschafters RVR, das von uns vertrauensvoll geführt wurde, ist vereinbart worden, unser Vorgehen Schritt für Schritt abzustimmen. Dass ein solcher Gedankenaustausch den Weg in die Öffentlichkeit gefunden hat, kann mich als Journalisten nicht erschüttern. Der Haken an der Sache ist nur, dass unzutreffende Informationen weitergegeben worden sind, was verständlicherweise zu Fehlschlüssen führte. So halten Oliver Scheytt und ich ein Kulturdezernat für das gesamte Ruhrgebiet für utopisch. Wir brauchen keine neue regionale Bürokratie für Kulturverwaltung, was wir brauchen, ist ein Bewusstsein, dass die Kultur so intensiv wie möglich für die Weiterentwicklung der Metropole Ruhr – als Standort und als Lebensraum – genutzt wird.

    Wir werden unsere Erkenntnisse sorgfältig zusammentragen und den Oberbürgermeistern, Bürgermeistern und Landräten vorlegen. Dabei werden wir auch die Schlussfolgerungen anderer Kulturhauptstädte einbringen. Der Erfolg von RUHR.2010 wird getragen von einem solidarischen Zusammenwirken mit den Kommunen, ihren Kulturdezernenten und Kultureinrichtungen, dem Land und der Wirtschaft. Diese Erfahrung auch für die Zukunft zu nutzen, wird sicher unsere Empfehlung sein.

    Mit freundlichen Grüßen,

    Ihr Fritz Pleitgen,

    Vorsitzender der Geschäftsführung der RUHR.2010 GmbH

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  • #7
  • #8
    Jens

    @Wähler (7):
    Ich könnte mir vorstellen, dass der einen oder anderen Ruhrgebietsstadt die Essen-Zentriertheit „Wir sind Kulturhauptstadt“ auf den Geist geht.

  • #9
    Wähler

    Hallo Jens, ich finde nicht das sich Essen im Vordergrund gespielt hat. Die Bewerbung durfte nun mal nicht von einer Region ausgehen..

    Gruss

  • #10
    Jens

    @Wähler (9):
    Ich sehe das anders, ich kenne auch andere die es anders sehen. Sichtbares Zeichen beispielsweise: Banner in Essen, auf denen sinngemäß steht „Essen. Wir sind Kulturhauptstadt.“

    Dieses „Essen ist Bannerträger für das Ruhrgebiet als Kulturhauptstadt“ ging immer mehr unter.

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