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Sauerland dreht auf: Heidewitzka, Herr Kapitän!

Es ist einfach unverantwortlich, jeden Scheiß zu drucken. Interviews mit Adolf Sauerland sind das Papier nicht wert, für das unschuldige Bäume sterben müssen.

Adolf Sauerland geizt mit Interviews. Alles andere wäre auch schade um die Bäume. Denn wenn sich Duisburgs Oberbürgermeister doch mal äußert, dann … – über die Loveparade? Das denken Sie! Dazu später mehr … – Wenn Sauerland also doch mal ein Interview gibt, dann schreiben darüber (so ziemlich) alle Zeitungen. Selbst wenn er sich im Fernsehen (Radio und Internet wüsste ich jetzt nicht) ausbreitet. Aber Zeitungen werden auf Papier gedruckt, Papier wird aus Bäumen gemacht, wir haben diese Erde nur von unseren Enkeln geerbt – alles zusammen bedeutet im Ergebnis: das Papier nicht wert.
Ich nehme sogar an, dass dieser Spruch genau daher kommt. Nein, nein – nicht von den Sauerland-Interviews. Denn die Rede von Aussagen, die das Papier nicht wert seien, auf dem sie gedruckt sind, ist bekanntlich älter als die Duisburger Loveparade. Ich glaube, die Redensart hängt mit dem Wert der Bäume zusammen. Damals vermutlich mehr ökonomisch als ökologisch abgeleitet, aber egal: es sei einfach unverantwortlich, jeden Scheiß zu drucken, wollten uns die Urväter (und –mütter) dieser Weisheit mahnend mit auf den Weg geben. Glaube ich.
Und heute ist es wieder einmal so weit. Ein Interview mit Adolf Sauerland erscheint …. – wie so oft – in einem Printmedium. Und zwar in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung (FASZ). Nun gut, es gibt nicht so furchtbar viele Sonntagszeitungen. Die Anzahl der in Duisburg verkauften FASZ-Exemplare dürfte sich in einem für die Umwelt verkraftbaren Rahmen bewegen. Doch das rettet die Bäume nicht. Die FASZ ist bundesweit im Handel, und – schlimmer noch – alle anderen drucken die sog. „wesentlichen“ Aussagen des Adolf S. nach. Da ist es nicht schön, Baum zu sein.

Die sog. „wesentliche“ Aussage dieses FASZ-Interviews – online z.B. bei faz.net – lautet sinngemäß etwa: wenn in meinem Verantwortungsbereich etwas falsch gelaufen sein sollte, würde ich zurücktreten. Die Stadt Duisburg hat aber nichts falsch gemacht. Kurz: wenn A, dann Meldung. A ist nicht gegeben, woraus folgt: keine Meldung. Keine Meldung ist aber genau genommen überhaupt keine Meldung, für die Medien also nicht ganz so attraktiv. Also macht die FAZ-Onlineredaktion daraus: „Sauerland schließt Rücktritt nicht aus“, und schon ist eine Meldung da – trotz vermeintlich nicht vorhandenem A.
Sogleich folgen alle anderen und melden dieselbe Nichtmeldung. Und jetzt wollen Sie mir erzählen, dass, wenn sich Sauerland doch mal äußere, dann über die Loveparade?! Ich bitte Sie. Wenn sich Herr Sauerland öffentlich äußert, dann – damit hatte ich aber meinen letzten Text schon beendet – über denjenigen, den es am schlimmsten getroffen hat. Nämlich über – jetzt merken Sie sich das aber! – sich selbst. Kleine Kostprobe aus dem heutigen Interview: „Egal was ich tue, manche wollen es als falsch sehen, gar als verwerflich abqualifizieren.“
Oder: warten Sie mal! Das hier, das ist noch besser. Heidewitzka, Herr Kapitän! Sauerland live im Interview: „Es wäre zu kurz gegriffen zu sagen, dass ich mit dem Ereignis aufstehe und mit dem Ereignis ins Bett gehe. Die Love-Parade-Katastrophe begleitet mich 24 Stunden meines Tages.“ Nur damit Sie diese Aussage jetzt nicht als (?) falsch sehen oder gar als verwerflich abqualifizieren: damit will sich Duisburgs Oberbürgermeister – einmal ganz unabhängig vom Sinngehalt der Aussage betrachtet – nicht etwa selbst eine psychisch bedingte Arbeitsunfähigkeit attestieren, sondern endlich einmal darauf hinweisen, dass er es auch verdammt schwer hat.

Ein anderes Beispiel dafür, dass „manche es als falsch sehen, gar als verwerflich abqualifizieren“ wollen, was er tut, in diesem Fall: was er sagt. Wenn „in meinem Aufgabenbereich Fehler nachgewiesen werden“, so Sauerland im FASZ-Interview, „trete ich zurück oder lasse mich abwählen.“ Gleich wieder große Empörung bei den Sozis. Jens Matheuszik legt in seinem Pottblog los: „Wenn die Initiative Neuanfang für Duisburg mit dem Antrag auf Abwahl von Oberbürgermeister Adolf Sauerland (CDU) … erfolgreich ist, …“ und jetzt extra fett gebracht: „dann lässt er sich nicht abwählen, dann ist er abgewählt!“
Doris Kluge postet unter den FAZ-Online-Artikel: „Wir haben mittlerweile über 30.000 Stimmen für das Bürgerbegehren gesammelt, um ihn abwählen zu können. Innerhalb kürzester Zeit und immer noch werden die Sammelstände bestürmt.“ Aber so meinte das der Meister doch gar nicht. Daran dachte er hier doch gar nicht. Er meinte, dass wenn irgendetwas … – und über dieses wenn befindet freilich er – dass er – rein hypothetisch – dann seiner CDU-Fraktion … – und über dieses dann befände freilich die CDU-Ratsfraktion. Dass an dieser Stelle z.B. diese beiden mit dem Abwahlverfahren kommen, zeigt nur: es ist, wie der Meister gesagt hatte: „Manche wollen es als falsch sehen.“

24 Stunden am Tag begleitet von der Love-Parade-Katastrophe, und dann noch dieser scharfe analytische Blick. Heidewitzka, Herr Kapitän! Es wäre zu kurz gegriffen zu sagen, dass Sauerland ein egozentrisches Bild vom „Ereignis“, wie er es vorzugsweise nennt, hätte. Sauerland hat darauf einen ausgeprägten Tunnelblick.

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6 Kommentare zu “Sauerland dreht auf: Heidewitzka, Herr Kapitän!

  • #1
    Reinhard Matern

    Es ist erstaunlich, wie sich Sauerland im Kreise dreht, fortlaufend um seine eigene Achse, und damit die politische Situation der Stadt noch verschlimmert. Kann man als Außenstehender nicht den Eindruck erhalten, Duisburg sei ein finsteres Dorf, in dem Politik nur privat betrieben wird, von Hobbyisten, in irgendwelchen düsteren Zirkeln: von politischer und damit auch öffentlicher Verantwortung keine Spur! So etwas prägt das Image, vielleicht sogar auf Jahrzehnte!

    Duisburg steht ohnehin am Abgrund: finanziell – Finanzentscheidungen werden in Düsseldorf getroffen – kulturell: das Musical-Haus am Marientor, die alte Feuerwache in Hochfeld, das soziokulturelle Zentrum ‘Hundertmeister’ gingen Pleite, die Einschnitte im Festivalbetrieb (Akzente). Dazu das alles überschattende Desaster der Loveparade. Und nun noch das nicht enden wollende privatistische Gebrabbel des Oberbürgermeisters …

    Ist Duisburg noch zu retten?

  • #2
    Caro

    Wieso die Presse meint jede Ankündigung oder jede Äußerung von Herrn S. drucken zu müssen, ist mir auch ein Rätsel. Ist das Sommerloch schon so groß? Soll dieser Lückenfüller so weitergehen bis zum 31.8.2014 (falls die Bürgerinitiative scheitern sollte)? Kleiner Tipp für die mitlesenden Journalisten: Befragt doch auch mal die Ratsmitglieder. Wo bleibt deren Verantwortung?
    Herr S. würde also zurücktreten, sollte in seinem Verantwortungsbereich etwas falsch gelaufen sein. Ist doch schon festgestellt durch die Staatsanwaltschaft. Aber vielleicht kennt Herr S. seinen Verantwortungsbereich nicht. Vielleicht lebt er noch in Zeiten wo es einen Oberstadtdirektor gab. Er hat es einfach noch nicht geschnallt, dass ER der oberste Verantwortliche ist. Oder er ist ein kleiner Bauernschlauer, der meint die Öffentlichkeit mit solch primitiven Aussagen täuschen zu können.
    Und was die Rücktrittsfantasien angeht: alles nur hinhalte Taktik. Was soll er auch sagen. Er kann ja schlecht sagen „Wenn ich zurücktrete ist meine Beamtenpension futsch“. Er muss abgewählt oder entlassen werden.

  • #3
    Thomas Essing

    Lieber Herr Jurga;
    Wie erbt man „die Erde von den Enkeln“? Ansonsten finde Ich den Charakter von Sauerland unterirdisch. Man weiss auch nicht ob seine Art zu handeln einer Naivität, Dummheit oder Kalkül entspringt.

  • #4
    Werner Jurga Beitragsautor

    @ Thomas Essing (#3): Oh ja, sorry! Wir haben den Planeten nur geliehen, nicht „geerbt“, sonst dürften wir ja – rein besitzrechtlich betrachtet – alles Mögliche veranstalten. Ich werde einen VHS-Kurs über die Maja-Weisheiten belegen müssen. Aber das führt jetzt ein wenig vom Thema weg.

  • #5
    Thomas Essing

    Man könnte den Planeten, oder dessen Resourcen, von den Eltern, Ureltern oder Neandertaler erben. Die Enkel sind da eher unschuldig wenn sie denn noch jung sind. 🙂

  • #6
    lebowski

    Öhm, ist das nicht Teil der Meinungsvielfalt, solche Interviews abzudrucken, selbst wenn sie einem nicht passen?

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