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Scheinbar endlos schlechte Nachrichten für das Uniper-Kraftwerk in Datteln

Das Kraftwerk ‚Datteln 4‘ im September 2014. Foto: Robin Patzwaldt

Ginge es dabei im Hintergrund nicht auch um unglaublich viel Geld, man könnte eigentlich inzwischen herzhaft lachen. Doch bei kolportierten Mehrkosten von noch einmal über 200 Mio. Euro, ist diese Lachnummer tatsächlich alles andere als lustig.
Leider entspricht es jedoch der Wahrheit, dass das seit Jahren juristisch umstrittene Steinkohlekraftwerk in Datteln durch erhebliche Baumängel noch einmal deutlich später in Betrieb gehen kann als zunächst angekündigt.

War zunächst von „minimalen Rissen“ in den Schweißnähten die Rede, die den Probebetrieb im vergangenen Herbst früher als angedacht wieder beendet hatten, räumte Bauherr ‚Uniper (als Nachfolger von E.On), nun tatsächlich ein, dass die Probleme mit dem Kesselstahl „T 24“ deutlich stärker verzögern als zunächst behauptet. Inzwischen ist das Jahr 2018 offenkundig nicht mehr zu halten, wird von 2020 geredet.

Kaum sind die ersten juristischen Hürden soweit aus dem Weg geräumt, liegen zumindest schon einmal die erforderlichen Genehmigungen der Bezirksregierung in Münster (bis zu einer endgültigen juristischen Klärung) vor, macht jetzt die Technik den Kraftwerksplanern das Leben schwer.

Für jemanden der die Vorgänge seit rund 10 Jahren interessiert begleitet, eigentlich nicht zu glauben. Das Milliardenprojekt ‚Datteln 4‘ scheint nicht gerade ein Glücksbringer zu sein. Und ob der neue Termin, dieser liegt immerhin bereits rund neun Jahre hinter dem ursprünglich geplanten Starttermin, denn tatsächlich zu halten sein wird, das erscheint in Anbetracht dieser Vorgeschichte, inzwischen auch völlig offen.

Ende 2017 hatte Uniper die Inbetriebnahme zunächst einmal auf das vierte Quartal 2018 verschoben. Es war nach einigen Tagen Probebetriebs zu Problemen gekommen. Doch alles sei gar nicht so dramatisch, es müssten lediglich einige Schweißnähte nachgearbeitet werden, hieß es damals. Jetzt steht fest: Der komplette Austausch der Kessel-Wände ist offenbar nötig.
Ganz egal wie man sich als interessierter Bürger der Region zu dem Projekt stellt, diese scheinbar unendliche Geschichte wirft nicht gerade neue Glanzlichter auf den ohnehin von wirtschaftspolitischen Hiobsbotschaften überschwemmte Region.

Der Kreis Recklinghausen rangiert in Fragen der Wirtschaft und des gebeutelten Arbeitsmarktes ohnehin ganz hinten in NRW, darbt seit Jahren nur noch vor sich hin. Die jüngste Entwicklung in und um Datteln wird dem Ansehen des Wirtschaftsstandortes nicht gerade frischen Wind und neuen Mut vermitteln.

Wie die Betreiber mit der Anlage überhaupt einmal auch nur einen Cent Gewinn machen wollen, das wird in diesen Tagen immer fragwürdiger. Nicht nur, dass das Kraftwerk an einem Standort errichtet wurde, den es nach alter Gesetzeslage wohl niemals hätte bekommen sollen (wir diskutierten ja hier im Blog schon reichlich darüber), jetzt erweist sich die umstrittene Anlage selber als offenbar unausgereift und offenkundig sehr fehleranfällig.

Wenn man beispielsweise dazu bedenkt, dass auch die in der Steuerzentrale damals eingebauten Computer inzwischen schon einige Jahre ungenutzt auf dem Buckel haben, kann sich selbst ein Laie vorstellen, dass es bis zu einer dauerhaften Betriebsaufnahme vermutlich etliche weitere Punkte geben wird, die die Kosten für Uniper weiter in die Höhe treiben dürften, einen wirtschaftlichen Betrieb zusätzlich erschweren werden.

Wie gesagt, man müsste fast lachen, wenn da nicht gerade so unglaublich viel Geld vor unser aller Augen völlig unnötig vernichtet würde…

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3 Kommentare zu “Scheinbar endlos schlechte Nachrichten für das Uniper-Kraftwerk in Datteln

  • #1
    Klaus Lohmann

    Ach komm, Robin, sieh’s doch mal FDP-like positiv – durch solche Dummdumm-Projekte ala BER oder den herzallerliebsten Metrorapid, die uns kritischen Begleitern ja gern als "Motor" des Strukturwandels und der technischen Innovation verkauft werden, sind auf viele, viele Jahre hinaus Planer, Architekten, Ingenieure und Landesbeamte in "Lohn und Brot". Die Eigner/Betreiber können solche Liebhabereien verkraften und mit der Region geht’s weiter nur noch aufwärts…

  • #2
    Walter Stach

    Robin,
    die höchsten "juristisch Hürden" stehen nach wie vor einer Inbetriebnahme im Wege. Und ob sie überwunden werden können, scheint zumindest fraglich.

    Was das Potential von Stadtplanern, Regionalplaner, Landesplanern , die ja allesamt involviert waren, was das Potential der für die "regionale Wirtschaftsentwicklung" zuständigen Politiker angeht und wie es um die "deutsche Ingenieurskunst" bestellt ist – u.a. dokumentiert am Beispiel Kraftwerk Datteln IV -sh. u.a. Kesselstahl–, hat Klaus Lohmann ja schon ironisierend kommentiert.

    Im übrigen war ich und bin ich der Meinung, daß es in keiner Weise den wirtschaftlichen Entwicklungschancen in der Region schadet, wenn das Kraftwerk erst mit "große Verspätung" oder gar nicht den Betrieb aufnehmen wird. Es ließe sich sogar Gegenteiliges begründen.

    Robin,
    Klaus Lohmann hat daran erinnert, daß die aktuell festgestellte Fehlleistung in Sachen Kesselstahl und die dadurch bedingte Verschiebung der prognostizierten Inbetriebnahme in das Jahr 2020 "bilanziell" für Uniper zu verkraften sein wird -auch die jetzt anstehende Mehraufwendung von rd. 200 Mio €.
    Insofern habe ich keinen Anlass, Eigner/Betreiber des Kraftwerkes Datteln IV irgend wie zu bedauern.

    Sehr bedauerlich, ja sehr ärgerlich ist dagegen für mich eine andere "Ingenieurs-Fehlleistung" direkt unterhalb des Kraftwerkes auf dem Stadtgebiet Waltrop unmittelbar am sog. neuen Hebewerk. Ich meine damit die Groteske um die dortigen neuen Straßenbrücke -eine kabarettreife Nummer!
    Und hier gilt es nicht, über die Folgen für den Eigentümer/den Bauherrn zu lamentieren, sondern festzustellen, daß tagtäglich hunderte Menschen seit Monaten größere Umwege in Kauf nehmen müssen, daß tagtäglich für viele kleine Handwerksbetriebe beträchtliche Mehraufwendungen anfallen, sondern daß z.B. deshalb bereits ein kleiner Betrieb an der Recklinghäuser-Str. "den Laden zumachen" mußte.
    Robin,
    vielleicht hast Du ja ‚mal Zeit (und Lust), diesen für die Menschen jetzt und hier folgenreichen "baulichen Skandal" aufzugreifen und hier bei den Ruhrbaronen näher zu erläutern.
    Jedenfalls treibt dieser Skandal die Menschen in Waltrop/Datteln und Umgebung momentan viel mehr um als die endlose Geschichte des einst von seinen Machern als " größtes Monoblock-Kohlerkraftwerk Europas" hochgejubelte Projekt in Datteln.

  • Pingback: Stolpert Bauherr Uniper mit 'Datteln 4' über das Kleingedruckte im Vertrag mit der Stadt? | Ruhrbarone

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