Szenekrieg in Leipzig – und die Rechtsextremisten mischen mit

Demonstration gegen Antisemitismus in Dortmund, Foto: Ulrike Märkel
Demonstration gegen Antisemitismus in Dortmund, Foto: Ulrike Märkel


An Palästina scheiden sich in der linksradikalen Szene nicht nur die Geister, man steht sich unversöhnlich feindlich gegenüber.

Während sich antideutsche Linke unselektiv antifaschistisch betätigen, ist der größte Teil der linksradikalen Szene mittlerweile „palästinasolidarisch“. Das bedeutet nicht, dass man sich nun besonders um das Wohlergehen der Menschen in Gaza oder im Westjordanland sorgt. Diese Art Palästina-Solidarität steht im Zusammenhang mit der postkolonialen Sekte, die Israel von der Landkarte tilgen und so den Kapitalismus besiegen will. Es ist diese Endzeitsekte, die die Hamas und andere Terrorbanden als Widerstandskämpfer sieht. Sie lehnen offen den Zionismus ab und bekämpfen ihn aktiv, ggf. auch mit Gewalt. Dabei ist Zionismus nichts anderes als ein Ausdruck jüdischer Selbstbestimmung und die Basis für die Gründung und das Bestehen des Staates Israel. Diese postkoloniale Linke ist sich weder zu schade, sich mit Islamisten zu verbrüdern, noch, Juden allein, weil sie Juden sind, die zu Israel als ihrer Heimat stehen, aus der Gesellschaft zu verbannen. Was Juden betrifft, wird hier der Antifaschismus gern ausgeblendet oder sogar ins Gegenteil verkehrt.

Weniger selektiv antifaschistisch sind die Antideutschen mit ihrem klaren Bekenntnis zu Israel, zu den USA und im Prinzip auch zum Westen ganz allgemein.

Jetzt versuchen die „antiimperialen Freiheitskämpfer“, die Antideutschen endgültig aus ihren Reihen zu verdrängen. Den Auftakt bildet eine „Säuberungsaktion“ in Leipzig-Connewitz. Es wird unter dem Motto „Antifaschismus heißt Free Palestine“ zu einem Hausbesuch bei der Linkspartei-Politikerin Juliane Nagel, die sich dem Free-Palestine-Dogma ihrer Partei nicht beugen will, aufgerufen. Auch die antideutsche Hochburg Conne Island soll besucht werden. Autoritäre kommunistische Gruppen wie Handala, Migtantifa, Young Struggle oder Students for Palestine halten den Connewitzer Kiez für feindlich von „Antideutschen und Colonizern“ besetzt und wollen diesen erobern oder wenigstens „Connewitz brennen sehen“.

Die unautoritären israelsolidarischen Linken wehren sich nun entsprechend und rufen ihrerseits zum Widerstand auf:

Am 17.1.2026 soll dann also die große Schlacht zwischen den beiden linksradikalen Gruppen stattfinden.

Solche innerlinken Grabenkämpfe sind natürlich ein gefundenes Fressen. Für wen? Natürlich die rechtsextreme Szene. Und es bleibt nicht bei: Wenn sich zwei streiten, freut sich der Dritte. Nein, sie wollen da natürlich auch ordentlich mitmischen. Das rechtsextreme Magazin Compact brachte dazu bereits am 1. Januar einen Artikel, wo ausführlich die Hintergründe beschrieben wurden. Und hier wird schon klar, welchen der beiden Erzfeinde sie lieber mögen: „Rein außenpolitisch betrachtet, vertritt dieser Teil des linken Spektrums, ganz im Gegensatz zu den ‚Antideutschen‘, einen vernünftigen und multipolaren Kurs.“

Laut BAK Shalom, einer Plattform der Linksjugend Solid, die sich gegen Antisemitismus stark macht, wollen sich nun an der Demonstration am 17. Januar auch die Freien Sachsen beteiligen:
„Es ist mit Neonazis und Antisemit*innen zu rechnen.“

Und auch die Heimat (vormals NPD) positioniert sich als Unterstützer der postkolonialen „Friedensinitiativen“. Das finden die postkolonialen Linken auch gar nicht so schlimm und meinen:
„Na, wenn sogar die Heimat internationale Solidarität und antiimperialistische Werte vertritt, ist das ja echt ein Armutszeugnis für euch.“
(Marlon Käsemann, Die Linke)

Ist nach solchen gegenseitigen Sympathiebekundungen vielleicht mit einer echten Querfront zu rechnen? Wer sich dagegenstellen möchte, folgt den Aufrufen von der AG Antifa Halle oder der Roten Flora:
Sie mobilisieren gegen diese mögliche Querfront aus postkolonialer „Antifa“ und den sich mit ihr solidarisierenden Nazis in Leipzig-Connewitz. Vielleicht hatte Jan Gerber Unrecht mit seinem Nachruf in der Bahamas (94 – 2024), und es gibt sie noch, die Antideutschen. Wir werden sehen.

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