All die geöffneten Schubladen Musik einschränkend kategorisierender Benennungen wie Noisepop, Shoegaze, Indiefolk, Dreampop könnten keine harmonischere Union als in dem ehemaligen Liebespaar aus Baltimore finden.Einst die Pixies ihr Vorbild nennend, haben sie mit ihrem dritten Album mittlerweile einen eigenen verschwurbelten Sound irgendwo zwischen Sonic Youth und Melancholie gefunden:
Best of 2011 #29
Mir fällt gerade auf, wie sehr kanadisch dieser ganze Rückblick eigentlich geprägt ist. Dieses Trio aber nennt, trotz seines Namens, nicht die westliche Provinz des Landes, sondern Toronto seine Basis; ein Mangel an alternativer Zerstreuung in einsamen kanadischen Wäldern dürfte somit nicht der Auslöser zur Gründung der Band gewesen sein. Klingt trotzdem so:
#29 The Rural Alberta Advantage – Two Lovers (Departing)
Best of 2011 #30
Nach vier Jahren gabs in diesem Herbst endlich wieder was Neues von den verlässlichen Veteranen aus Seattle. Eng verbunden mit dem ostwestfälischen Label Glitterhouse Records und deren alljährlich an Pfingsten stattfindenen Orange Blossom Special Festival (kaum ein Jahr, in dem Frontmann Chris Eckman nicht mit einem seiner Nebenprojekte dort auftaucht), komme ich nicht drum herum:
#30 The Walkabouts – My Diviner (Travels in the Dustland)
Best of 2011 #31
Kein Musikjahr ohne die vor vier Jahren aus der schottischen Versenkung aufgetauchten ängstlichen Hasen. Zwar gab es dieses Jahr ledigliche eine Tour EP der aus Selkirk, Schottland stammenden Herren, aber nicht zuletzt wegen ihrer geographischen Verortung und der besten Songtextzeile der jüngeren Musikgeschichte (“It takes more than fucking someone to keep yourself warm.“) ist es mir nahezu unmöglich, sie aus dem Musikherzen wegzudenken.
#31 Frightened Rabbit – Fuck This Place (feat. Tracyanne Campbell) [A Frightened Rabbit EP]
Best of 2011 #32
In dieser Band heißt gleichzeitig niemand und doch jeder Herman Düne, lange wurde über ihr Heimatland gerätselt, bis man sich offiziell auf Frankreich einigte. 2008 spielten sie zusammen mit Port O’Brien und Get Well Soon eines der Konzerte des Jahres in der Zeche in Bochum. Ihr neustes Album “Strange Moosic” ist im Gesamten eher ungewohnt gefällig-poppig ausgefallen, die meisten Stücke bleiben leider nicht hängen – bis auf eine Ausnahme, die es nicht zuletzt wegen eines unschlagbar hinreißenden blauen Plüsch-Yeti in meine Best of 2011 geschafft hat:
#32 Herman Düne – Tell Me Something I Don’t Know (Strange Moosic)
Best of 2011 #33
Ich bin süchtig nach musikalischen Jahresrückblicken und in diesem Jahr werden auch die Ruhrbarone davon nicht verschont. Dieser Rückblick ist, natürlich, völlig subjektiv, dennoch ist es der beste, auch klar. Viel Vergnügen beim Hören.
The Most Serene Republic, lange Zeit beim kanadischen Arts & Crafts-Label (Broken Social Scene) beheimatet, bereiteten für ihr aktuelles Album Neuversionen von Songs ihrer jugendlichen Vorgängerband Thee Oneironauts auf:
#33 The Most Serene Republic – Zoltar Speaks (Pre Serene: Thee Oneironauts)
Cat’s Eyes
Cat’s Eyes, Samstag, 21. Mai, 20.00 Uhr, Gebäude 9, Köln
31knots
31knots, Donnerstag, 19. Mai, 19.30 Uhr, studio 108/Bahnhof Langendreer, Bochum
Dieter Bohlen und Bomben über Engeland
Das Musiktheater in Gelsenkirchen spart die Zuschauer ein und will damit Kosten reduzieren. In Zukunft werden die Produktionen nur noch per Livestream ins Netz übertragen. Den Anfang macht die Produktion „Feeds. Hören TV“ mit der Premiere am 18. September.
Das stimmt natürlich nur zum Teil: Sparen muss man zwar, aber auf das Publikum soll vorerst nicht verzichtet werden. Das Internet spielt im MiR allerdings eine immer größere Rolle und jetzt wagt man sich an einen Livestream ins Netz. Ausgewählt wurde dafür das experimentelle Musiktheater des Komponisten Johannes Kreidler: „Herzlich Willkommen zu „Feeds. Hören TV“, dem Musiktheater der Medien! Mein Name ist Johannes Kreidler, ich bin Hörarbeiter, genau wie Sie, verehrte Damen und Herren, denn Hören ist Arbeit!“. Der Komponist ist auch der Moderator und führt durch eine TV Show in fünf Themen über das Hören in der Gesellschaft. Angela Merkel ist da und auch Dieter Bohlen plaudert gedankenlos drauflos. „Es ist eine Talkshow, in der es um das Hören allgemein geht, aber auch um Musik. Von der Renaissance bis zur Moderne kommen alle Medien vor“, sagt Kreidler, der einen „hohen Anteil an elektronischen Sounds verspricht“.
Der Berliner Komponist hat schon mit der Aktion „Product Placements“, bei der für ein 33sekündiges Stück 70.200 GEMA-Formulare ausgefüllt wurden, für große Aufmerksamkeit gesorgt. Für ihn stellt sich die Frage nach der Wertigkeit der Musik in immer neuen Spielarten.
Die Verwertung und die Urheberrechte spielen bei Feeds eine wichtige Rolle. In der Produktion wird zum Beispiel thematisiert, dass Stücke wie „Bomben auf Engeland“ oder das „Lied der Panzergruppe Kleist“ von Norbert Schultze noch unter der Lizenz der GEMA laufen. Der verstorbene Komponist hat in seinem Testament alle Tantiemen dem Deutschen Roten Kreuz vermacht und das funktioniert noch heute.
„Feeds.Hören TV“ hat satirische Momente und das Bühnenbild ist eine typische Studiolandschaft, inklusive der klassischen Studioband als Orchester. Das „zeitgenössische Musiktheater“ inszeniert Kreidler als den Ort, wo Aktion, Installation, Information, Live-Elektronik und Talk aufeinanderprallen. Bei der Vorstellung der Produktion sprachen die Verantwortlichen im Theater von Experimentierfreudigkeit, Diskursfähigkeit, elektronischen Medien und dem „neuen Musiktheater“. Der im Kanon fehlende Begriff der Interaktivität wurde bewusst ausgelassen, denn der Komponist will die Rezeptionsarbeit vorgeben und setzt auf Interpassivität. Ob von den sehr modern klingenden Ansprüchen beim Publikum etwas ankommt, werden die drei geplanten Vorstellungen zeigen. Die klassischen Besucher des Musiktheaters gelten als nicht sehr experimentierfreudig und neue Zuschauergruppen sind bisher die noch die Ausnahme.
Die Termine werden von der Kölner Kunsthochschule für Medien als Live-Stream ins Internet übertragen. Ein Bildregisseur steuert die vier aufzeichnenden Kameras, die auf der Bühne sichtbar sind und in den Ablauf eingebaut werden. Wer also keine Karten für die Premiere oder die weiteren Vorstellungen (25. Und 26. September) bekommt, der kann den Computer anschalten und sich füttern lassen (www.internetoper.de, www.nrw-kultur.de und www.khm.de). Das MiR würde in Zukunft gerne weitere Produktionen live ins Internet übertragen, aber die anfallenden Lizenzgebühren machen das zu einer kostspieligen Angelegenheit. Das ist unter den gegebenen Rahmenbedingungen nicht machbar und damit wären wir wieder beim Ausgangspunkt.
Loveparade: Xtranews geht Vergleich mit Duisburg ein
Einigung im Streit zwischen Duisburg und dem Blog Xtranews: Das Blog geht auf ein Vergleichsangebot der Stadt ein.
In der vergangenen Woche sorgte eine einstweilige Verfügung der Stadt Duisburg gegen das Blog Xtranews für Schlagzeilen: Die Stadt hatte versucht mit diversen Begründungen, unter anderem Urheberrecht, die Veröffentlichung von Anhängen zu einem Bericht der Anwaltskanzlei Heuking Kühn Lüer Wojtek zur Loveparade zu untersagen. Daraufhin hatten zahlreiche Blogs die Akten veröffentlicht.
Xtranews wird die personenbezogenen Daten in den Loveparade-Anhängen zum Heuking-Bericht der Stadt Duisburg löschen und die Stadt in der Folge die einstweilige Verfügung zurückziehen.
Stefan Meiners von Xtranews bestätigte den Ruhrbaronen die Einigung. Beide Seiten werden die Kosten ihrer Anwälte tragen. Die Gerichtskosten werden geteilt.
Nach Ansicht des für Xtranews presserechtlich verantwortlichen Redakteurs Thomas Rodenbücher habe die Stadt Duisburg durch ihr Vergleichsangebot zugestanden, daß „deren Argumentation der angeblichen Urhherberrechtsverletzung auf sehr wackligen Füßen steht“.
Die Stadt Duisburg hat ihr Vergleichsangebot schon mit einer Presseerklärung kommuniziert. Darin läßt der Stadtdirektor Peter Greulich (Grüne) Einsichtsfähigkeit erkennen.
„Nie ist es uns darum gegangen, einen Blog mundtot zu machen“, sagte Greulich.
Update, 16.52 Uhr. Mittlerweile hat sich die Xtranews-Redaktion auch auf Ihrer eigenen Website geäußert.
Dort heißt es:
„Aus unserer Sicht ist es ein Unding: Während wir mit unseren Anwälten noch beraten, dass eine gemeinsame Erklärung die beste Art wäre, eine ggf. zu treffende Einigung zu verkünden, schießt die Stadt Duisburg medial aus allen Rohren und bringt sowohl auf ihrer Website, als auch über die Presseagenturen die Nachricht, man würde den Rechtsstreit beenden wollen. Es braucht nicht viel zu begreifen, dass das Unklug war.“
Und für den Düsseldorfer Rechtsanwalt Udo Vetter, den Rechtsvertreter von Xtranews, geht das „Angebot in die richtige Richtung“.
Von Stefan Laurin und Thomas Meiser
