Graffiti ohne Grenzen?

Farbschmierereien in Waltrop sorgen aktuell für Diskussionen. Foto(s): Robin Patzwaldt
Diese Farbschmierereien auf dem ‚Kreuzweg‘ sorgen aktuell für Diskussionen. Foto(s): Robin Patzwaldt

Mal wieder eine spannende Debatte direkt vor der eigenen Haustür. Die Stadt in der ich lebe, Waltrop im Kreis Recklinghausen, entwickelt sich seit Jahren inzwischen schon zu einer Art Hochburg für Graffiti und andere scheinbar gerade moderne Arten der Sachbeschädigung.
Der schleichende Prozess ist eigentlich für alle Bürger mit bloßem Auge leicht zu beobachten und beschleunigt bzw. verstärkt sich in letzter Zeit zudem noch deutlich.

Das mag unter anderem auch an der Tatsache liegen, dass die örtliche Polizeiwache nur noch stundenweise besetzt ist, nachts komplett verwaist ist.
Speziell auch an den Wochenenden sind (warum auch immer) in letzter Zeit häufig frisch umgeknickte bzw. herausgerissene Verkehrsschilder, frisch zerstörte Blumenkübelbepflanzungen, mit roher Gewalt abgeknickte Bäume, aber eben auch regelmäßig neue Graffiti und Aufkleber im gesamten Stadtgebiet zu verzeichnen.
Die Schriftzüge der Graffiti zeugen dabei von durchaus unterschiedlichen Urhebern. Teils offenkundig politisch motiviert, teils aber auch offenkundig den Fanlagern von BVB und S04 zuzurechnen, oder eben Mitmenschen auf einem merkwürdig gearteten ‚Egotrip‘, die nur ihren Schriftzug möglichst hundertfach im Stadtgebiet vorfinden möchten. Alle Formen sind irgendwo vertreten.

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TV-Gelder: Der Kampf um die Fleischtöpfe im Profifußball geht in die nächste Runde

Das Stadion des HSV. Foto: Robin Patzwaldt
Das Stadion des HSV. Foto: Robin Patzwaldt

Die Fußballlandschaft in Deutschland kommt immer stärker in Bewegung. Durch den zunehmenden Einfluss von einzelnen großen Sponsoren gepushten Vereinen wie RB Leipzig und Zweitligatabellenführer Ingolstadt, wo ein Brausehersteller von Weltformat und ein großer Automobilkonzern aktuell Millionenbeträge investieren um diese Clubs auf Sicht in die erste Liga zu führen, bekommen altgediente Traditionsclubs inzwischen offenbar ‚kalte Füße‘ was ihre Überlebensfähigkeit in einem sich verschärfenden finanziellen Wettbewerb angeht.
So hat in den letzten Monaten nicht nur Kaiserslauterns Stefan Kuntz in diversen Medien für einen finanziellen Vorteil für die zuschauerstarken Traditionsclubs geworben. Auch andere dem Namen nach ‚große Vereine‘ beteiligen sich inzwischen an der laufenden Debatte. In einem Gespräch mit dem Hamburger Abendblatt regte der Marketingvorstand des Hamburger SV, Joachim Hilke, nun ebenfalls an über die TV-Gelder bzw. deren Verteilungsschlüssel unter dem Gesichtspunkt einer Bevorzugung der Zuschauermagneten neu zu verhandeln. Es sei doch unstrittig, so Hilke, dass vor allem die Traditionsvereine den emotionalen Wert der Bundesligen ausmachten.

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‚Sky‘ ist in Deutschland, trotz aller Proteste der Wirte zuletzt, deutlich auf Erfolgskurs

Foto: Sky
Foto: Sky

Der Pay-TV-Anbieter ‚Sky‘ schreibt, wie der Medienkonzern am Montag auf einer Pressekonferenz in München mitteilte, in Deutschland erstmals schwarze Zahlen.
„In diesem Quartal hat Sky eine Reihe von bedeutenden Meilensteinen erreicht“, so der Vorstandsvorsitzende Brian Sullivan bei der Vorlage der Zahlen für das erste Quartal 2014/2015.
Er meinte damit wohl vor allem, dass Sky in Deutschland erstmals seit der Umfirmierung von ‚Premiere‘ zu ‚Sky‘ vor fünf Jahren einen Überschuss ausweisen konnte. Unter dem Strich wurden mit dem Unternehmen hierzulande 12,3 Mio. Euro verdient, im Vorjahresquartal fiel noch ein Verlust in Höhe von 14,2 Mio Euro an.

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Buli: Konkurrenten schwächeln – Gibt es wirklich schon jetzt keinen echten ‚Bayernjäger‘ mehr?

DFB-Pokal und Meisterschale. Foto: Robin Patzwaldt
DFB-Pokal und Meisterschale. Foto: Robin Patzwaldt

Die Fußball-Bundesliga geht nun in eine zweiwöchige Länderspielpause. An diesem Wochenende hat sich jedoch noch einmal eine Diskussion aufgedrängt, welche wir auch in der vergangenen Spielzeit bereits geführt haben. Diesmal setzt sie jedoch bereits kurz nach Saisonstart im Herbst ein: Spielt der FC Bayern München sportlich tatsächlich ‚in einer anderen Liga‘?

Dass die Münchener wirtschaftlich einen riesigen Vorsprung auf die Konkurrenz haben ist eine seit Jahren bekannte Tatsache. Doch in der Vergangenheit konnten immer wieder Konkurrenten in den Titelkampf entscheidend eingreifen, die großen Bayern ärgern, ihnen sogar Titel wegschnappen. In den 90er-Jahren war das schon einmal der BVB, nach der Jahrtausendwende dann Werder Bremen, der VfB Stuttgart, der VfL Wolfsburg usw..

Zu Beginn dieser Dekade wurde dann erneut der BVB zu einem erfolgreichen Bayernjäger. Gewann 2011 und 2012 sogar zweimal in Folge die Meisterschaft. In den Jahren 2013 und 14 schlugen die Bayern dann mit aller Macht zurück, rüsteten ihren Kader sportlich massiv auf, holten mit Josep ‚Pep‘ Guardiola zuletzt einen internationalen Klassetrainer als Nachfolger von Erfolgscoach Jupp Heynckes an die Isar. Die Erfolge blieben nicht aus.

Nachdem im Vorjahr bereits wochenlange Langeweile in der Liga moniert wurde, sollte in diesem Jahr alles besser werden. Dortmund und Schalke wollten angreifen. Leverkusen wurde hoch gehandelt und auch Wolfsburg wurde als Geheimfavorit gehandelt. Nach Spieltag drei und dem BVB-Erfolg im ‚Supercup‘ diskutierten die sogenannten Experten noch allerorten, ob der Kader des BVB dem des FC Bayern vielleicht sogar leicht überlegen sei.

Nun, nur wenige Wochen später, ist alles wieder anders. Die Bayern dominieren die Liga scheinbar in einem zumindest schon lange nicht gesehenen Ausmaß.

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BVB-Mega-Deal mit ‚Evonik‘ wird die Spaltung der Bundesliga weiter vorantreiben

BVB-Chef Hans-Joachim 'Aki' Watzke. Foto: Robin Patzwaldt
BVB-Chef Hans-Joachim ‚Aki‘ Watzke. Foto: Robin Patzwaldt

Es war die Bundesliga-Meldung am gestrigen Freitag. Statt einer spektakulären Spielerneuverpflichtung, wie von vielen im Vorfeld vermutet, gab die Dortmunder Borussia am gestrigen Freitag bei der am Vortag noch etwas geheimnisvoll angekündigten Pressekonferenz die wirtschaftlich spektakuläre und langfristige Zusammenarbeit mit Hauptsponsor ‚Evonik‘ bekannt. Durch Verlängerung des Hauptsponsorenvertrages bis 2025 und den Einstieg des Konzerns mit 9% der BVB-Aktien, spült der Deal dem BVB alles in allem unglaubliche 300 Mio. Euro in die Kassen.

Ein schier unglaubliches Geschäft, welches trotz zunächst glücklich erscheinender Umstände für alle Fans des BVB, allerdings die Spaltung er Fußball-Bundesliga insgesamt ein weiteres stück vorantreiben wird. Eine, auch für mich als Anhänger der Schwarzgelben insgesamt wenig positive Entwicklung in der Eliteliga des deutschen Fußballs.

Der Kampf um die vorderen Plätze im nationalen Fußball droht nun in den nächsten Jahren vermutlich noch langweiliger werden, wenn Club-Boss Hans-Joachim Watzke & Co. sich nicht ganz ungeschickt anstellen in bei der Verplanung der nun verfügbaren Gelder.

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Vom Leiten und Kernen – oder wie man regionale Wirtschaft konstruiert

Ruhrgebiet Oberhausen Boye – CC BY 2.5 – Hans-Jürgen Wiese

Bei der Erfassung von wirtschaftlichen Tätigkeiten und Ergebnissen können Schwierigkeiten auftreten. Ich erinnere mich noch gut an die ersten Kulturwirtschaftberichte des Landes NRW, in denen zwischen Kultur im engeren und Kultur im weiteren Sinne unterschieden wurde, um statistisch vorliegende Daten für spezifische Berufsgruppen zu umfangreichere Mengen zusammenfassen zu können.

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Statt Kooperation, Zerfall

Rheinorange, Am Bört in Duisburg – Frank Vincentz – GFDL

Nach dem – für manche Leute grausamen – Abriss über gesellschaftlich in Mode gekommene Worte ‘Evolution’, sind Fragen nach möglichen gesellschaftlichen Entwicklungen keineswegs hinfällig geworden, auch nicht mit Bezug auf das Ruhrgebiet. Von besonderer Relevanz sind Fragen nach wirtschaftlichen Entwicklungsmöglichkeiten, bezieht man die hohen Sozialkosten ein, die der gehemmte Strukturwandel, die regionale Massenarbeitslosigkeit und die vom Bund auferlegten Reformen in der Sozialgesetzgebung eingebracht haben.

Ansiedlungen von Billigmärkten und Outlet-Center sind lediglich eine Reaktion auf die vergleichsweise geringe Kaufkraft. Die marode Infrastruktur ließe zwar eine partielle Rückkehr zu bäuerlichen Lebensweisen zu, in nicht wenigen Straßen könnte man bald Kartoffeln und Korn anpflanzen, auch ohne sie aufreißen zu müssen. Johann Nepomuk von Schwerz betonte 1820, dass im relevanten westlichen Gebiet der Grafschaft Mark ein geeigneter Boden für Roggen und Großgerste sei (vgl. Das Ruhrgebiet. Ein historisches Lesebuch, Bd., 1, hg. v. K.Tenfelde, Th.Urban, Essen (Klartext) 2010, S. 113). Doch auch eine eventuell betreibbare experimentelle Subsistenz- und Tauschwirtschaft würde kaum mehr als die Not aufzeigen, die im Ruhrgebiet herrscht.

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Großmanns Hoffen

 Vorstandschef Jürgen Großmann gibt die Hoffnung auf einen Anstieg der RWE-Aktie nicht auf. In der vergangenen Woche kaufte er erneut dicke Aktienpakete des Essener Energiekonzerns. Kostenpunkt: 5,2 Millionen Euro.

Auch für den gestandenen Stahlhütten-Eigner ist der Kaufpreis für die insgesamt 75.000 Anteilsscheine kein Taschengeld. Allerdings kann sich Großmann freuen: Dieses Mal musste er pro Aktie nur knapp 69 Euro auf den Tisch legen, deutlich weniger als bei vorherigen Transaktionen. In den vergangenen Monaten hat der Manager bereits vier Mal beherzt zugegriffen, von Kauf zu Kauf schwand der Wert. Er hält nun mindestens 145.000 RWE-Titel.

Viel Glück brachte sich sein Engagement als Aktionär nicht. Bislang verlor er meinen Berechnungen zufolge rund 1,1 Millionen Euro. Das schmerzt, auch wenn der Start in die neue Woche mit Silberstreifen am Horizont erfolgte. Die RWE-Aktie legte leicht zu und notiert nun einige Cent über dem Kaufpreis der Pakete von vergangener Woche. Bis das Papier über seinen ersten Kaufpreis von 87,09 Euro (heute 68,88 Euro) steigt, muss Großmann aber die vielfältigen Probleme der Gesellschaft lösen. Bis dahin ist es noch ein langer Weg.

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Evonik-Chef Müller tritt ab

Evonik-Chef Werner Müller tritt ab. Zum Jahresende wird er sein Amt aufgeben, gab der Industriekonzern bekannt und bestätigte damit Angaben aus dem Umfeld des Essener Unternehmens.

Werner Müller. Foto: Evonik

Der frühere Bundeswirtschaftsminister steht seit 2003 an der Spitze der Evonik Industries AG und deren Vorläufergesellschaft RAG. Nachfolger wird Klaus Engel, bislang Chef der wichtigen Chemiesparte.

Warum geht Müller? Er liefert eine einfache Antwort: "Gehe, wenn es am schönsten ist." Brav bedankt er sich bei einer Hand voll Politikern, darunter Angela Merkel und Jürgen Rüttgers.

Man wird jetzt viel positives über einen Beweger lesen. Den Macher. Den Energievisionär. Ich möchte hier mal drei Sachen festhalten:

1. Die umbenannte RAG oder eben Evonik ist immer noch nicht an der Börse. Müller hat damit ein wichtiges Ziel nicht geschafft. Klar ist aber, dass dieser Schritt erfolgen muss, dann mit CVC ist ein Finanzinvestor im Eignerkreis, der innerhalb von drei bis fünf Jahren Kasse machen will. So sind die Geflogenheiten der Finanzbranche.

2. Die Erlöse aus der Umwandlung der RAG reichen hinten und vorne nicht,  um die Ewigkeitskosten des Bergbaus zu finanzieren.

3. Der Steinkohlebergbau ist immer noch weit davon entfernt, abgewickelt zu werden. Noch immer kämpfen die RAG und die SPD-Kohlefreunde um die letzten Zechen. Auf weitere lange Jahre fließen Subventionen in die Pütts.

Soweit ich mich erinnern kann, sollten diese Punkte eigentlich von Müller gelöst werden. Aber, was soll es. Jetzt wird der Scheidende gelobt. Und Wilhelm Bonse-Geuking muss die Probleme lösen.

Offen bleibt, was der Ex-Politiker, Ex-Energiemanager und künftige Ex-EvonikRAG-Chef machen wird. Ganz aus der Öffentlichkeit zurückziehen wird er sich nicht. Immerhin will er Aufsichtsratschef der Bahn bleiben. Die will auch an die Börse. Vielleicht schafft sie das trotz schwachem Börsenumfeld und mit Müller an der Spitze des Aufsichtsgremiums.