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The Great ECCE Swindle

Bernd Fesel, ECCE

In der vergangenen Woche beantwortete das European Center for Creative Economy (ECCE) eine  Anfrage von mir. Das Ergebnis: Die Dortmunder Verwaltung hat die Mitglieder des Kulturausschusses hinters Licht geführt und zahlreiche Ruhr2010 Projekte ECCE zugeschlagen.

Die Wirtschaftsförderung der Stadt Dortmund soll die ECCE GmbH gründen und somit den von Dieter Gorny bislang als Institut der Kulturhauptstadtgesellschaft Ruhr2010 geführten Laden über das Jahr  2011 erhalten. Die Dortmunder Grünen wollten im Herbst wissen, ob sich denn die Gründung der GmbH und die damit verbundenen Kosten lohnen und fragten nach, was ECCE denn bislang so geleistet hat. Die Stadt beantwortete diese Frage mit einer fulminanten Liste: Dutzende von Projekten und Partnerschaften wurden da aufgeführt – eine auf den ersten Blick beeindruckende Leistungsbilanz. Ich fragte dann einmal nach – und wollte wissen, was denn bei den einzelnen Projekten so rausgekommen ist, was sie gekostet haben, ob sie weitergeführt werden sollen und wie denn die Partnerschaften mit den vielen Institutionen im Alltag aussehen – insgesamt über 400 Fragen, die in der vergangenen Woche von ECCE auf über 80 Seiten beantwortet wurden.

Nun habe ich mir diese Antworten etwas genauer angesehen.

Das Ergebnis: Der Großteil der Fragen wurde nicht konkret beantwortet. Was ECCE auch nicht leisten konnte, denn viele der Projekte mit denen die Dortmunder Kommunalpolitiker von der Schlagkraft von ECCE überzeugt werden sollten, waren Ruhr2010 Projekte:

84 Fragen (4 bis 44, 44 bis 53, 54 bis 70 sowie 71 bis 88) beziehen sich auf solche bereits veröffentlichen Projekte der RUHR.2010.

Das machte immerhin den größten Teil der von mir abgefragten Projekte aus – bis dahin also: Viel Rauch um Nichts. Die Stadtverwaltung Dortmund hat einfach alle möglichen Ruhr2010 ECCE zugeschlagen. Transparenz geht anders.

Aber ich fragte auch ungefähr 100 Partnerschaften ab. Partnerschaft – das ist ein weites Feld. Für mich bedeutet eine Partnerschaft zwischen zwei Institutionen eine dauerhafte, inhaltliche Zusammenarbeit. Man kooperiert, man verfolgt gemeinsam Ziele – kurzum: Man arbeitet zusammen. ECCE definiert den Begriff etwas weiter.

ECCE sitzt in verschiedenen Institutionen und nahm an zahlreichen Veranstaltungen teil. Wogegen nichts zu sagen ist – das ist Teil der Aufgabe.

So saß ECCE im Gründungsausschuss der Creative Industries Policy Academy und Award (CIPA) – eines Kreativwirtschaftspreises auf europäischer Ebene. Und alle anderen Mitglieder dieses Ausschusses wurden zu Partnern. Klar, dass ECCE detaillierte Fragen zum Inhalt der Partnerschaft nicht beantworten konnte – auf einem Podium zu sitzen, in einem Gremium zu sein, ist keine enge Zusammenarbeit.  Aber führt zu beeindruckenden Zahlen.

Ein Großteil der Antworten auf meine Fragen bestand aus zusammenkopierten Texten aus Broschüren und Internetseiten, was ok gewesen wäre, wenn die Antworten präzise ausgefallen wären. Sind sie aber nicht. Dafür sind sie umfangreich – und zum Teil veraltet oder falsch. Das kann man gut am Beispiel des Viktoriaquartiers in Bochum sehen:

Im Anschluss an die durch ecce initiierte temporäre Nutzung der Brache Katholikentagsbahnhof durch t.a.i.b., trieb auch Eigentümer Leo Bauer – bestärkt durch den großen Erfolg der Aktion – die Sanierung des von ihm 2007 erworbenen Gebäudes Katholikentagsbahnhof voran.

Im Sommer haben wir darüber berichtet, dass das nicht stimmt. ECCE veränderte daraufhin seine Homepage – in der Antwort auf meine Frage taucht der Unfug nun wieder auf. Das ist schon merkwürdig.

Richtig peinlich wird es, wenn es um die Rottstr. Geht:

Im Künstlerhaus Rottstr 5 in Griesenbruch an der Grenze des ViktoriaQuartiers ist ein Kulturzentrum mit Theater, Atelier, Produzentengalerie, Werkstatt und Forum entstanden. Das Haus stellt eine wichtige Plattform für über 40 junge Kreative aus bildender und darstellender Kunst, Musik und Literatur dar.

Jeder, der die Rottstr. kennt weiß, dass es kein „Künstlerhaus Rottsr. 5 gibt. Wer so etwas scheribt war alles, aber nie vor Ort. Sowohl das Theater Rottstr. 5 als auch die benachbarte Galerie sind in halbrunden Lagerräumen unter einem Bahndamm untergebracht. Das ist alles, nur kein Haus. Kompetenz geht anders.

Bleibt die Frage, was ECCE wirklich gemacht hat…

ECCE hat sich vor allem darum bemüht, Gesprächskreise zu schaffen und die verschiedenen Akteuere zusammen zu bringen. Man schaffte Kontakte. ECCE baute Kontakte zur europäischen Ebene auf und vernetzte sich mit anderen, vergleichbaren Institutionen im In- und Ausland. Und dann wurde und wird noch das 2010Lab betrieben.

Unterm Strich bleibt also eine Art Vernetzungsagentur, die ein subventioniertes Medienangebot unterhält und ab und an Kulturschaffende finanziell unterstützt. Ob man so etwas will und weiterhin braucht – darüber kann man diskutieren. Das Hauptziel von ECCE wird es in den kommenden Jahren sein, EU Fördermittel ins Ruhrgebiet zu holen. Solche Läden gibt es im Ruhrgebiet viele – ECCE wird sich dabei auf den Bereich Kreativwirtschaft konzentrieren. Ob man dafür eine eigene GmbH braucht, ob diese Arbeit nicht auch kostengünstiger zum Beispiel von der Ruhrgebiets-Wirtschaftsförderung hätte  erledigt werden können, ist für mich noch immer eine offene Frage. Mein Vertrauen in einen Laden wie ECCE, der sich künstlich aufbläht, um zu beeindrucken ist allerdings nicht sehr groß.

Aber ihr könnt das alles selbst nachlesen und euch ein eigenes Bild machen:

Hier ist meine Anfrage

Hier sind die Antworten von ECCE  

RuhrBarone-Logo

11 Kommentare zu “The Great ECCE Swindle

  • #1
    Urmelinchen

    Ja, der Abschnitt über Bochum war mehr als entlarvend. Da wir auch vollmundig vom Bau des Musikzentrums im Sommer 2012 gefaselt. In große Teilen las sich Beantwortung der Fragen wie eine Bestandsanalyse getreu nach dem Motto „Ja, wat jibbet den Viktoriaquartier?“
    Habe das Gefühl, dass die lieben Ecce-Mitarbeiter sich förmlich drum gekloppt haben, die über 400 Fragen zu „beantworten“. Gut, seriöse Aktivitäten konnten sie nicht auflisten, wie auch. Aber sie waren zumindest für einige Zeit wirklich beschäftigt. Ein Lichtblick im grauen Ecce-Alltag.

  • #2
    Arnold Voß

    Nimmt man sich z.B. die Kreativquartiere heraus , dann wird an den Antworten das Prinzip ECCE sehr schnell klar.

    Um z.B. aus dem schon quirligen Bermuda-Dreieck und dem schon aktiven angrenzenden Ehrenfeld das Bochumer Kreativquartier namens Viktoriaquartier zu basteln musten nicht nur vor ort Roundtablegespräche geführt werden sondern auch:

    ein Netzwerk für die gesamte Region gestrickt, dazu ein Netzwerk in ganz Europa, installiert, dazu ein europäischer Preis erdacht, dazu einen internationale Jury zusammengestellt, Experten aus aller Welt gerufen und befragt, eine europäische orienierte Internetplatform namens Lab-2010 entwickelt, europäische Förderchancen abgecheckt, dafür ausführliche Programme geschrieben, dafür noch ausführlichere Berichte geschrieben, Medien mobilisiert, Kommissionen kontaktiert,regionale und lokale Politiker überzeugt, viele Städte in vielen verschiedenen Ländern besucht, eigene Konferenzen organisiert, dazu viele Leute aus vielen Ländern eingeladen, usw. usw. werden.

    Im Bochumer Viktoriaviertel ist derweilen nicht viel passiert. Außer das was auch ohne ECCE passiert wäre. Neben anderen Ausführungen dazu sind auch folgende Sätze zum ehemaligen Katholikenbahnhof eine Frechheit:

    ” Die bauliche Erschließung des Geländes durch Straßen und einen Abwasserkanal soll 2012 erfolgen. Gespräche zwischen Land, Stadt, ecce und Kreativwirtschaft in einem Roundtable in 2009 und 2010 haben einen wesentlichen Beitrag zur Einigung der Parteien auf die Erschließung geleistet, die über Jahre die Arealentwicklung blockierte.”

    Vor allem der Investor Leo Bauer, aber nicht nur er, sondern alle die es genauer wissen, werden sich beim Lesen dieses Texteils entweder die Haare raufen oder laut loslachen oder beides gleichzeitig. Ansonsten wertet ECCE in ihrem Antwortschreiben im Rahmen ihres Konzeptes Bauers Engagement folgerichtig als sogenannte Schlüsselninvestition.

    Interessant dazu an anderer Stelle folgender Satz: “Manche prominenten Schlüsselinvestitionen verfehlen ihr oben genanntes Ziel, indem sie durch zu hohe Ambitionen die freien Szenen (immer noch Hauptmotoren einer nachhaltigen und qualitativen Quartiersentwicklung) von vornherein ausschließen – z. B. durch den ursprünglich zu hohen Mietspiegel im Dortmunder U.”

    Die Frage die sich ob dieser richtigen Enschätzung allerdings sofort stellt lautet: Wieso sitzt dann ECCE genau in diesem Gebäude bzw. wie ist es bei diesen Mieten da überhaupt reingekommen?

  • #3
    Katharina

    Ich sage es nocheinmal:
    Alles elitäres Gefasel.
    Das einfache Volk, der einfache Bürger nicht mitgenommen.
    Am Bürger vorbei „Wind“ gemacht,
    am Bürger vorbei „Leuchtturmprojekte“, wie sie in Duisburg heißen.
    Ein paar wenige sahnen ab……………………………………………….!
    Die haben dann das Geld, abzuziehen, abzuhauen.
    Wer bleibt mit oder bei den Trümmern zurück ………………………?
    Der kleine brave Mann.
    Die kleine brave Frau.

  • #4
  • #5
    Stefan Laurin Beitragsautor

    @Peter Lautsch: 2012 600.000 Euro dafür dass das Lab auch weiterhin keine Zuschauer hat – schöner Bericht im WDR 🙂

  • #6
    Urmelinchen

    Grotesk ist auch die mehr als dreiste Behauptung, ecce würde die Werbegemeinschaft ViertelVor der im Ehrenfeld ansässigen Unternehmer und Ladenbetreiber unterstützen. Wie die Unterstützung im Konkreten ausschaut, diese Antwort blieb ecce in seinem 80-Seiten-Opus natürlich schuldig.
    Fakt ist, dass diese Werbegemeinschaft selbst für Aktionen sorgt, wie z.B. das Wichteln vor Weihnachten.
    http://www.viertelvor.com/Website/Aktuell_Wichteln2011.html

    Dass ecce sich diese Initiative wie so viele andere einverleibt hat, ist, so mutmaße ich jetzt mal kühn, auch auf Thomas Zehnter zurückzuführen, Mitinitiator dieser Werbegemeinschaft und ansonsten im Ehrenfeld beheimateter „Choreografiker“. Man gebe nur einmal „Thomas Zehnter“ und „Gorny“ bei google ein und schwupp wird man fündig.

    Das ist alles so abgeschmackt. Ich glaube, ich zünde heute Abend eine Nikolausi-Kerze in Gedenken an die im Rahmen von ecce schon verpufften Steuergelder an. Was hätte man nicht Sinnvolles damit tun können, seufz!!!! 🙁

  • #7
    Jan

    Also rückblindend ist das komplette Ruhr.2010-Programm Referenz, weil aus jedem Projekt mal ein Zettel über die Schreibtische von ECCE gegangen ist. Für die Zukunft ist eine Art Kultursubventionszuhälterei geplant, bei denen Menschen, die sonst nie einen Dirnenlohn, pardon, eine Subvention erhalten hätten an die Fördertöpfe (Freier) herangeführt werden – natürlich muss es irgendeine Form von Kickback geben, damit sich ECCE irgendwann selbst trägt.
    Darüber hinaus werden Netzwerke gebildet, damit Herr Gorny erfolgreich in Schnittchenrunden und Sektempfänge vermittelt werden kann.

    Wenigstens hat die Lokalzeitmoderatorin dem Ex-Intendanten auch schön aufs Brot geschmiert, dass die Räumlichkeiten im Dortmunder U ja durchaus ein Omen für die Tätigkeit von ECCE ist – und er ist auch noch direkt eingestiegen, um direkt das U-Fiasko schönzulügen.

  • #8
    Frank

    Ausgerechnet Gorny, der immer so getan hat, als halte er das Urheberrecht hoch. Nun habt Ihr ihn überführt, wie er sich mit fremden Federn schmückt.

    Eine neue Variante, das GornyPlag..

    Diese „Partnerschaften“ habe ich in Berlin und Potsdam mal aus der Nähe betrachten dürfen. Wichtig klingende ABMen für Bürgerkinder, die im Wettbewerb da draußen nicht zurecht kommen. Die gibts in den Städten, Ländern (Wirtschaftsförderungsbiotope) und beim Bund (Schavan).

  • #9
    Michael Kolb

    Mich erinnert das ganze Geschwafel unschön an ein Colloquium… Die Nacht vorher gesoffen oder die Diplomarbeit für ’nen Kumpel gezeichnet, die eigenen Pläne hingerotzt und das Modell ist auch noch nicht trocken. Der Professor hangelt sich durch die Reihen und man selbst spürt die Einschläge näher kommen, gleich wird er einen selbst zum Entwurf befragen… Schnell auf das gelauscht, was die Kollegen von sich geben und deren Müll mit dem Quatsch vermischen, den man in irgendeiner Zeitung gelesen hat, daraus irgend einen Rotz zusammenmüllen und im entscheidenden Moment so lange deklamieren und monologisieren, bis der Fragesteller das Weite sucht… Trotzdem, ein Fleißkärtchen haben sich die Jungs für ihre Antwort schon verdient…

    Nur so am Rande: Ist Leo Bauer in der Zwischenzeit nicht _für_ das Konzerthaus? In der Postille der Symphoniker stellt es sich jedenfalls so dar.

  • #10
    Stefan Laurin Beitragsautor

    @Michael: Leo war immer für das Konzerthaus und hat auch dafür geworben. Er erhofft sich eine Aufwertung des Dreiecks.

  • #11
    Michael Kolb

    Ja nu… wer sich mit Flöhen hinlegt… dann soll er sich auch nicht wundern, wenn er klatschpatsch vereinnahmt wird… hat er nu davon 😉

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