Überraschende Trennung von Trainer Grammozis muss allen auf Schalke große Sorgen bereiten

Vor dem Spiel gegen Rostock standen sie auf Schalke am Samstag noch alle zusammen. Foto: Michael Kamps

Es ist eine Nachricht, die hier im Ruhrgebiet im Normalfall sicherlich das Top-Thema des Tages wäre: Der FC Schalke 04 hat sich am Tag nach der peinlichen 3:4-Niederlage im Heimspiel gegen Aufsteiger FC Hansa Rostock am heutigen Sonntag von seinem Trainer Dimitios Grammozis getrennt. Dies haben die Gelsenkirchener inzwischen auch auf ihrer Homepage bestätigt.

In Zeiten des Ukraine-Krieges relativieren sich solche Schlagzeilen natürlich. Ganz unerwähnt soll diese Nachricht aber natürlich auch heute hier bei uns im Blog nicht bleiben, denn es verwundert dann schon ein wenig, dass die Schalker sich, obwohl sie nur vier Zähler hinter dem vom SV Werder Bremen eingenommenen Relegationsrang drei in der Tabelle auf Platz 6 befinden, und damit das Saisonziel Aufstieg noch durchaus in Reichweite ist, von ihrem Coach trennen, auf den sie noch vor einem Jahr so große Hoffnungen gelegt haben.

„Wir sind in der Phase der Saison angelangt, in der die großen Entscheidungen fallen. Die Überzeugung, dass unser avisiertes Ziel, der Aufstieg in die Bundesliga, in der bestehenden Konstellation noch eine ausreichend hohe Wahrscheinlichkeit besitzt, hatten wir nicht mehr. Wir sind deshalb der Meinung, dass das Team im Saisonfinale einen neuen Impuls benötigt“, wird Sportdirektor Rouven Schröder auf der Vereinsseite zitiert.

Das überrascht dann in Anbetracht der tabellarischen Lage schon. Es war doch klar, dass es eine komplizierte Mission werden könnte, den Traditionsklub nach einem völligen Umbruch im Kader im vergangenen Sommer wieder auf Kurs direkten Wiederaufstieg zu bringen. Und hätten die Schalker am Samstagmittag gewonnen, und nicht verloren, sie wären voll auf Kurs gewesen.

Die Tatsache, dass das Spiel gegen den Aufsteiger verloren ging, kann doch nicht maßgeblich dafür verantwortlich sein, dass man das Vertrauen in den Coach über Nacht komplett verliert.

Es gibt also eigentlich nur zwei logische Erklärungen für das Drücken des Panikknopfes in Gelsenkirchen: Entweder wurde das Vertrauen in den Coach und in seine Arbeit schon zuvor erheblich erschüttert, was jedoch stets öffentlich dementiert wurde indem ihm die Verantwortlichen wiederholt das Vertrauen aussprachen, oder aber der finanzielle Druck in Gelsenkirchen ist inzwischen so groß, dass das Verpassen des Aufstiegs eine wahre Katastrophe für die Königsblauen wäre. Egal welcher Grund zu der Entscheidung geführt hat, er muss die Fans des Vereins beunruhigen.

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13 Kommentare

  1. #1 | SvG sagt am 6. März 2022 um 16:18 Uhr

    @ Robin Patzwaldt: "…,oder aber der finanzielle Druck in Gelsenkirchen ist inzwischen so groß, dass das Verpassen des Aufstiegs eine wahre Katastrophe für die Königsblauen wäre. "
    Das glaube ich auch: Gazprom zahlt nichts mehr, die TV-Gelder sind knapp, Vivawest wird nur einen Bruchteil der Summe von Gazprom zahlen(können). Die Schulden aus der WirwarennochnieMeisteraberwirsinddergrößtebestetollsteVereinderWelt-Zeit führen langsam, aber sicher in die Insolvenz. Das Land NRW wird in der derzeitigen Situation nicht erneut Bürgschaften übernehmen wollen und können, von der Stadt Essen ganz zu schweigen. Da kommt es auf die vier Monate Gehalt für einen Trainer auch nicht mehr an.

  2. #2 | Alf sagt am 6. März 2022 um 17:49 Uhr

    Es war ein Fehler, Grammozis überhaupt zu holen.

  3. #3 | Robin Patzwaldt sagt am 6. März 2022 um 18:26 Uhr

    Funkel, Neuhaus, Farke oder Büskens? Die Liste der kolportierten Nachfolgekandidaten ließt sich allerdings wenig verheißungsvoll. Alles Coaches aus der hinteren Reihe, die zuletzt wenig Erfolge feiern konnten. Wie soll da ein Ruck entstehen, den man sich durch die Trennung ja wohl erhofft?

  4. #4 | SvG sagt am 6. März 2022 um 19:38 Uhr

    Wie hieß nochmal das "Kampfschwein" aus Belgien. Das würde zum operettenhaften Auftritt der Führungs- und aller anderen Ebenen passen.

  5. #5 | Robin Patzwaldt sagt am 6. März 2022 um 20:26 Uhr

    Marc Wilmots. Ich glaube gelesen zu haben, dass der aktuell sogar frei wäre. Ist vor ein paar Tagen erst freigestellt worden. Ich habe seine Entwicklung zuletzt nicht näher verfolgt. Aber der würde vom Typ her ganz gut passen, denke ich.

  6. #6 | Manni sagt am 6. März 2022 um 22:24 Uhr

    "der finanzielle Druck in Gelsenkirchen ist inzwischen so groß" ?

    Sicher. Allerdings muss ich mein Gedächtnis schon sehr quälen bis nur eine Saison einfällt, in der es keine finanzielle Schieflage gab.
    Angesichts fehlender Trainerkandidaten (und ehrlich: wer will schon zu Schalke oder zum HSV?) wird's wohl wieder auf eine "Schalker Legende" hinauslaufen (kommt Huub Stevens oder Klaus Fischer?) Wahrscheinlich übernimmt Mike Büskens, mit Willi Landgraf als Co.
    Einen besseren Trainer als Grammotzis finden sie für die Gurkentruppe jedenfalls nicht, und für Verstärkungen fehlt die Patte.
    Angesichts der beinharten Konkurrenz an der Spitze wird's wohl nichts mit dem Aufstieg. Wenn dann, bei wohl 300 Mio. € Schulden, kein Wunder passiert, dann gehen wir demnächst in die Glückauf-Kampfbahn um Schalke zu gucken.

  7. #7 | SvG sagt am 8. März 2022 um 19:34 Uhr

    https://www.faz.net/aktuell/sport/mike-bueskens-bei-schalke-04-kampfansage-aus-der-quarantaene-17861524.html
    Und ich glaubte immer, daß die Karnevalsvereine am Rhein liegen. Jeder Minimarkt wird seriöser geführt.

  8. #8 | Robin Patzwaldt sagt am 8. März 2022 um 21:53 Uhr

    @SvG: Ich wollte heute eigentlich auch was zu Büskens schreiben, bin aber nicht dazu gekommen. Kurz gesagt: Billiglösung ohne Esprit. Büskens ist doch schon länger an Bord. Wo soll da der kurzfristige Effekt herkommen? Die WAZ kommentierte die Wahl erstaunlich lobend, ich war eher auf Seiten des Kicker, der es kritisch sah, wie man ahnt 😉

  9. #10 | Manni sagt am 8. März 2022 um 22:25 Uhr

    @SvG: zum FAZ-Link möchte ich noch unbedingt einen Leser-Kommentar zitieren, der hier bei den Ruhrbaronen eindeutig besser platziert ist:
    "Glück Auf, ein Licht im Schacht!
    Die Ruhrkohlestiftung (als bBwahrerin des Ewigen und Hauptanteilseigner des neuen Sponsoren) hat sich einen passenden Traditionsverein zugelegt. Singt man doch dort insbrünstig vor den Spielen "Glückauf der Steiger kommt". Passend zu dieser Folklore kommt nun das Schalker Urgestein Mike B. als Übungsleiter. Da schlagen die Herzen im Emschertal höher! Nun ist die Zukunft des Vereins im Lokalkolorit der Region gesichert."

    Wahrscheinlich wird sich der Rauswurf für Grammotzis noch als Glücksgriff erweisen, den eine bessere Visitenkarte als eine Entlassung bei HSV oder Schalke kenn ich noch nicht.

  10. #11 | Manni sagt am 9. März 2022 um 13:00 Uhr

    @Robin: Danke für den LInk. Darum geht es also.
    Zitat:
    "Sollte Schalke den Aufstieg noch schaffen, müsste allerdings auch der entlassene Grammozis weiterbezahlt werden. Wie „Sport1“ berichtet, wurde der Vertrag mit dem 43-Jährigen nicht aufgelöst. Das Arbeitspapier verlängere sich zudem im Erfolgsfall automatisch um ein weiteres Jahr. Grammozis würde demnach, wenn Schalke in die Bundesliga zurückkehrt, sogar das Dreifache verdienen: Statt 600.000 Euro jährlich 1,8 Millionen Euro. Bleibt S04 in Liga zwei, ende der Kontrakt."

    D.h. Buyo wird engagiert, damit man Grammotzis nicht weiterbetzahlen muss.
    Darauf muss man erst mal kommen.

  11. #12 | Die vollen Stadien in der Bundesliga könnten sich noch bitter rächen | Ruhrbarone sagt am 20. März 2022 um 10:30 Uhr

    […] Gelsenkirchen war es zum Beispiel am Samstag beim Heimspiel des Zweitligisten FC Schalke 04 gegen Hannover 96 schon wieder fast voll in der Arena. So schön das für alle Fußballfreunde auf […]

  12. #13 | Gute Gründe für (fast) alle dem FC Schalke 04 und dem SV Werder Bremen die Daumen zu drücken | Ruhrbarone sagt am 13. April 2022 um 12:44 Uhr

    […] allem wirtschaftlichen Druck, der auf den beiden Absteigern des Vorjahres in Bezug auf eine direkte Rückkehr in den Kreis der […]

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