Und jetzt mit Bewegungssimulation…


rodenbuecherEs geht mal wieder um die Rettung der Welt – ach was, wahrscheinlich wird die ganze Milchstraße sauer, wenn nicht schnell gehandelt wird. Und deswegen wurde ein Verein gegründet. Er nennt sich „Die solidarische Moderne.“

An Bord: Die bekannten Retter der Welt, ohne die wir wahrscheinlich schon seit Jahrzehnten nicht mehr leben würden: Elmar Altvater, Franz Alt, Andrea Ypsilanti – dazu ambitionierte Hinterbänkler wie der Dortmunder SPD-Abgeordnete Marco Bülow, der natürlich ganz unrebellisch für die Netzsperren stimmte, oder aufstrebende Linkspartei-Talente wie Katja Kipping und noch ein paar andere. Die haben einen Gründungsaufruf für eine  Solidarische Moderne geschrieben. Der Tenor: Es ist grauenhaft, alles. Und es wird immer schlimmer:

Die Probleme unserer Welt sind offenkundig: von den ökologischen und wirtschaftlichen Grenzen des bisherigen ressourcenvernichtenden Wachstums bis zum gravierenden Gefälle zwischen individueller Reichtumsanhäufung und um sich greifender Armut, von der alltäglichen Missachtung der Menschenrechte bis zu vielen neuartigen Konflikten und Friedensgefährdungen. “

Aber wie gut, dass es noch gute Menschen gibt, die sich um einen neuen Politikansatz sorgen und ein Crossoverinstitut gegründet habeneben die solidarische Moderne:

Die Zeit ist reif für neue Ideen. Das Institut Solidarische Moderne sucht nach ihnen: offen für Neues, vernetzt im Denken, kollektiv im Handeln. Fragend schreiten wir voran – und wir werden Antworten finden, die eine andere Republik, eine andere Gesellschaft, eine andere Welt möglich machen, hier und jetzt, vor unseren Augen, gemeinsam. Dabei wollen wir nicht unter uns bleiben. Wer die Solidarische Moderne mitgestalten will, ist herzlich willkommen!“

Klar, dieses Retro-Zeug hört nie auf.  Junge Menschen tragen wieder Schlaghosen und Plateausohlen. Komische Adidas-Trainingsanzüge aus den 70ern. Ich sehe auch immer häufiger Schnurrbärte. Und Koteletten. Aber jetzt auch noch die Politik der 70er nachzuspielen, sich in Betroffenheitsrethorik zu suhlen und einen ganzen Aufruf aus zusammengstoppelten Artikeln aus Schülerzeitungen aus den 70ern abzuschreiben ist,  schon ziemlich heftig. Über 23.000 Zeichen (inklusive der vielen Leerzeichen) – das ist eine ganze Menge für einen Text ohne eine neue Idee, ohne ein Zeichen der Hoffnung in einer Welt zu sehen, die sich in den vergangenen 30 Jahren einegtlich in eine gute Richtung entwickelt hat: Wir sind freier als damals, haben mehr Chancen, können unsere Leben wie noch nie selbst bestimmen.

Aber das zählt ja alles nicht, weil es nicht passt, wenn es wie immer um die Rettung von uns allen geht. Und der Milchstraße. Ich will aber gar nicht gerettet werden: Nicht von Elmar Altvater, nicht von Franz Alt und schon gar nicht von Marco Bülow und Katja Kippling.

Klar, eigentlich geht es nur darum eine Stimmung in der Bevölkerung hinzubekommen, die rot-rot-grüne Bündnisse ermöglicht. Dazu braucht es einen Überbau, möglichst eine Bewegung. Warum? Geht es nicht ohne Bewegungssimulation? Können die nicht ganz einfach sagen: „Wir wollen miteinander regieren, weil wir glauben, wir können es besser als CDU und FDP.“

Dann stimmen wir alle ab und schauen uns um 18.00 Uhr an, was rausgekommen ist. Immer wenn mir jemand sagt, dass das Ende nahe ist und er weiß wie man es verhindern kann, werde ich mißtrauisch. Wenn das Ende der Welt kommt braucht man ein Handtuch, eine Packung Erdnüsse und eine Flasche Bier. Jeder weiß das. Nur Elmar Altvater nicht.

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Arnold Voss
13 Jahre zuvor

Stimme dir zu Stefan und möchte mit Karl Valentin ergänzen:
Hoffentlich wird es nicht so schlimm wie es jetzt schon ist.

Springorum
Springorum
13 Jahre zuvor

Also Erdnüsse (wieso die; im Shop gibbet doch nur Pistazien)und Bier verstehe ich, aber wozu das Handtuch?!

Springorum
Springorum
13 Jahre zuvor

@Stefan: Ach du Sch… 😉

Michael Kolb
Admin
13 Jahre zuvor

Die Nummer mit dem Handtuch ist einfach… Der Anhalter definiert es als DAS survivaltool schlechthin, gleich nach McGyvers Schweizer Offiziersmesser. Lange genug im Einsatz kann man es sogar auskochen (also das Handtuch), um an eine schmack- und nahrhafte Suppe zu gelangen, auch lange nachdem Knorr-, Würzel- und Maggitüten lange in schwarzen Löchern verschwunden sind

trackback

[…] netter kleiner Artikel bei den Ruhrbaronen über einen Verein, der die Welt retten will: Er heißt “Die solidarische […]

Heinz Schabulski
Heinz Schabulski
12 Jahre zuvor

ein nett zu lesender Verriss; leider etwas zu billig. Hundert Tage Zeit sollte man ihnen schon zugestehen. Kriegt ja auch jede Regierung, um sich so richtig zu blamieren.

lebowski
12 Jahre zuvor

Gottseidank! Endlich! Jemand steht gegen den Neoliberalismus auf. Und da die anti-neoliberale Bewegung von einer Sozialdemokratin angeführt wird, bin ich auch sicher, dass sie Erfolg haben wird.

Dennis
12 Jahre zuvor

Als grüner „Realo“ (bis 1996) ist es wohl für Herrn Laurin schwer vorstellbar, das ein „Projekt“, ob nun rot-rot-grün oder welches auch immer, inhaltliche Substanz braucht.

Verständlich, schließlich geht der „realpolitische“ Politikansatz selten über ein „“Wir wollen mit wem auch immer regieren, weil wir glauben, wir können es besser als X und Y.” hinaus.
Die Ergebnisse solcher Ansätze sieht man im Saarland oder in Hamburg.

Es gehört zweifellos heutzutage zum guten Ton über wohlmeinende Menschen herum zu ätzen. Gerade eine sich zunehmend selbst vermarktende Plattform wie die Ruhrbarone kommt um sowas natürlich nicht herum.
Es sei ihr belassen. Immerhin kommt man so zu Zuspruch durch das Internetoriginal Sobottka.

Hallo Winfried. Schön das es dich noch gibt.

Marco Bülow
12 Jahre zuvor

Es ist so schön einfach „rumzuätzen“, alle Initiativen schlecht zu reden, alle Aktiven in einen Sack zu stecken und selber nicht beweisen zu müssen, dass man es besser kann. Noch einfacher ist es nach einem Gespräch am Stand ein galsklares Urteil über eine Person fällen zu können.

Natürlich machen es sich viele Politiker zu einfach, sicher fällt vielen nichts Neues ein, auch ich nehme mich da nicht aus. Ganz sicher stehen wir heute aber nicht besser als vor Jahren da: Die Lobbyisten beherreschen die Politik immer mehr, der Klimawandel wird auch den letzten irgenwann aus dem Dornröschenschalf wecken und 9.11 und seine hysterischen Gegenreaktionen haben einen Vorgeschmack gegeben, wie schnell man freiheitliche Grundrechte wieder verlieren kann. Von der steigenden Zahl der sozialen Verlierer unseres Systems ganz zu schweigen.

Ich bin garantiert nicht unfehlbar und das Institut und deine Mitglieder auch nicht. Aber wir versuchen wenigsten etwas. Wir wollen die Welt nicht retten, aber wir wollen sie veändern. Wer das anders sieht, soll dies tun. Mich nervt nur diese Abkotzmenatlität, Leute schlecht zu reden, meist ohne sich mit ihnen beschäftigt zu haben. Blickt doch wenigstens mal auf die Internetseiten, bevor ihr so schnell mit einem Urteil zu Hand seid.
Inhaltliche Kritik muss sein, Pöbeleien sind zu billig

Marco Bülow

David Schraven
Admin
12 Jahre zuvor

Ich finde es gut, dass sich Menschen Gedanken machen, wie es besser wird. Deine Sicht auf die Welt, wonach man nur lange genug Probleme ignorieren muss, damit alles gut wird, Stefan, ist mir zu billig. Was hat die Netzsperren-Abstimmung mit den Gedanken um eine solidarische Zukunft zu tun? Nichts.

Du ziehst nur die eristische Dialektik aus dem kleinen Schopenhauer # 29.

Hauptsache irgendwie ablenken, am besten mit einer persönlichen Attacke.

Arnold Voss
12 Jahre zuvor

David, ich finde es auch gut, wenn sich möglichst viele Menschen Gedanken machen wie es besser wird. Die Erfahrung der letzten 30 Jahre lautet aber, vor allem was Ökologie und Soziales betrifft,dass das Gedankenmachen der Menschen sehr wenig mit ihren Taten zu tun hat.

Erst recht wenn sich dieses Gedankenmachen in Institutionen wie z.B. Think-Tanks u.ä. sozial manifestieren. Wieviele mahnende Bücher ich schon zu immer den selben Themen aus diesem Bereich gelesen habe, ohne dass sich ernsthaft etwas geändert hat.

Es muss irgendwie auch daran liegen, dass die Menschen die diese mit viel Marketing medial breit getretenen Gedanken lesen und/oder hören, deren Autoren nicht wirklich über den Weg trauen. Das wiederrum könnte seinen Grund darin haben, dass diese Gedankenmacher und -Schreiber sich in ihrer eigenen Lebenspraxis leider auch nicht an das halten, was sie anderen als Verhaltensänderung anempfehlen.

Das ganze nennt man das sogenannte Glaubwürdigkeitsproblem. Und das nimmt zu, je häufiger und je parolenhafter die offiziellen Gedankenmacher ihre immer bedrohlicher werdenden Mahnungen in die Welt posaunen.

Arnold Voss
12 Jahre zuvor

Wie heißt es so schön im Refrain eines schon etwas älteren deutschen Schlagers: Wenn du denkst du denkst, dann denkst du nur du denkst…

Marco Bülow
12 Jahre zuvor

Ja Herr Laurin, ich habe für die Netzsperren geestimmt und bin nicht stolz darauf – was ich mehrfach auch zu Regierungszeiten öffentlich ausgesprochen habe.

Aber selbst wenn es anders wäre, habe ich im Gegensatz zu den meisten andern Abgeordneten aller Fraktionen nicht immer mit meiner Fraktion (gerade zur Regierungszeiten) gestimmt. Ein wenig Recherche und sie wüßten dass – aber es ist ja so schön einfach einen Politiker nach einer Abstimmung zu beurteilen und für alles andere zu disqualifizieren – schade, dass es neben schwarz-weiss keine anderen Farben für sie gibt – oder sind sie doch bereit für eine differenzierte Diskussion?

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