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Unstatistik des Monats: Krebserkrankungen nehmen dramatisch zu

Walter Krämer

Walter Krämer

Die Unstatistik des Monats Februar sind die mehr als 20 Millionen an Krebs erkrankten Menschen, die nach dem Weltkrebsbericht der Weltgesundheitsorganisation im Jahr 2025 weltweit zu erwarten sind.  Vor allem in deutschen Medien hat dieser Bericht zu den üblichen hektischen Panikreaktionen und Forderungen nach staatlichen Eingriffen geführt. So titelte die „Zeit Online“ am 3. Februar beispielsweise „Krebserkrankungen steigen weltweit drastisch an“.

Die Zahl als solche sei hier auch nicht angezweifelt, wohl aber deren Interpretation. Denn in den Berichten wird meist bestenfalls am Rande erwähnt, welch bedeutenden Einfluss die steigende Lebenserwartung auf die Wahrscheinlichkeit einer Krebserkrankung hat.  Je länger aber die Menschen leben, desto höher ist ebendiese Wahrscheinlichkeit und auch die Wahrscheinlichkeit eines Todes durch Krebs. Das Beispiel Prostatakrebs zeigt dies: Von den unter 50-jährigen Männern in den USA hat etwa einer von fünf Prostatakrebs. Wenn diese zehn Jahre länger leben, sind es schon zwei von fünf. Werden sie über 70 Jahre alt, dann sind es drei von fünf. Und falls Männer das Glück haben, über 80 Jahre alt zu werden, haben etwa vier von fünf Männern Prostatakrebs. Dennoch sterben nur etwa 3% aller Männer an dieser Krebsart.

Wenn es nicht so zynisch klänge, könnte man geradezu sagen: je mehr Menschen in einer Region an Krebs erkranken, desto höher ist dort die an der Lebenserwartung gemessene Umweltqualität und der Standard der Hygiene und Medizin. Die weltweit höchste Lebenserwartung unter allen größeren Nationen meldet man in Japan und Island. Gleichzeitig ist dort die Wahrscheinlichkeit, an Krebs zu sterben, maximal. Auf diesen Zusammenhang wird im aktuellen Weltkrebsbericht durchaus auch hingewiesen. Aber wie leider so oft werden diese Hinweise von angstmachenden Medien beiseite geschoben oder nur beiläufig erwähnt.

Mit der „Unstatistik des Monats“ hinterfragen der Berliner Psychologe Gerd Gigerenzer, der Dortmunder Statistiker Walter Krämer und RWI-Vizepräsident Thomas Bauer jeden Monat sowohl jüngst publizierte Zahlen als auch deren Interpretationen. Alle „Unstatistiken“ finden Sie im Internet unter www.unstatistik.de.

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23 Kommentare zu “Unstatistik des Monats: Krebserkrankungen nehmen dramatisch zu

  • #1
    Nansy

    Gerade erst hat die Weltgesundheitsorganisation WHO bekannt gegeben, dass sie Übergewicht und Fettleibigkeit als “weltweite Epidemie” betrachtet. Abgesehen davon, dass der Begriff “Epidemie” in diesem Zusammenhang völlig deplaziert ist, zeigt dieses Beispiel die Wendigkeit der WHO bei der Verbreitung immer neuer Schreckensmeldungen.
    – da erfährt man auf der einen Seite, Krebsforscher würden mobil gegen Übergewicht machen – denn als Krebs-Risikofaktor löse die Fettleibigkeit womöglich gerade das Rauchen ab. Überernährung, Übergewicht und Stoffwechselstörungen führten zu einer erheblichen Zunahme von Krebserkrankungen!
    – dann wiederum erfahren wir von der EU-finanzierten Anti-Alkohol-Vereinigung (AMPHORA – Alcohol Public Health Research Alliance) über die Krebs verursachende Rolle von Alkohol – demnach sollte keiner mehr als ungefähr 0,3 Gramm Alkohol am Tag trinken, was 9 Gramm Alkohol oder einem Getränk pro Monat entspricht.
    – aber damit sind wir noch nicht am Ende der Angstmacherei: Ärzte und Wissenschaftler behaupte, der Anteil von Zucker in Lebensmitteln müsse um bis zu 30 Prozent reduziert werden, um eine Welle von Krankheiten und Todesfällen zu stoppen. Lebensmittelherstellern wird gesagt, sie müssten die Verwendung von Zucker drastisch senken, weil es sich beim Zucker um den “neuen Tabak” handeln würde (Sugar is ‘the new tobacco’).

    Gesundheitswarnungen und Epidemien sind immer gut für das Geschäft der Pharma-Industrie. Und die erhält immer öfter wohlwollende Unterstützung von der WHO. Nach dem Motto, wenn wir schon keine Epidemie und Pandemie haben, dann schaffen wir uns eine.
    Die Produkte (Gegenmittel) sind bereits vorhanden, das passende Gesundheitsproblem müssen wir nur richtig kommunizieren, dann wird sich schon der passende Absatzmarkt ergeben – und die WHO hilft gerne dabei!

    Einfache Erklärungen wie, die Menschen werden immer älter, stören da nur..

  • #2
    paule t.

    Ich habe dazu auch in verschiedenen Medien gelesen. Dort wurde die steigende Lebenserwartung nicht “bestenfalls beiläufig” erwähnt, sondern prominent als wesentliche Ursache des erwarteten Anstiegs der Krebserkrankungen genannt. So auch im hier verlinkten “Zeit”-Artikel: Sobald sich der Artikel den Ursachen widmet, wird die gestiegene Lebenserwartung als Erstes genannt! Der einzige (!) als Beleg für die Medienschelte verlinkte Artikel belegt also just das Gegenteil dessen, was er belegen soll.

    Aber auch wenn die steigende Lebenserwartung natürlich erfreulich ist, taucht mit den deswegen öfter auftretenden Krebserkrankungen eben ein neues Problem auf, dem man sich widmen muss und das deshalb auch berichtenswert ist – solange die Zahlen, wie im “Zeit”-Artikel ja auch geschehen, richtig eingeordnet werden.

    Wieder mal also eine angebliche “Un”-Statistik, die keine ist, sondern völlig korrekter Journalismus.

  • #3
    Nansy

    @ Paule T.:
    wenn aus den Verlautbarungen der WHO, die seit Jahren nach dem Angstprinzig aufgebaut sind, mal auf die Schnelle einen Artikel zusammengebastelt wird, dann ist das wohl weniger korrekter Journalismus, als Gefälligkeitsjournalismus!
    Was also soll der Wert der Meldung sein? Dass die Menschen immer älter werden und dabei die Krebserkrankungen im Alter zunehmen? Ich glaube den meisten Lersern dieses Beitrages ist die Absicht der WHO nicht entgangen – Gesundheitswahn und Regulierung der Lebensgewohnheiten…

  • #4
    Andreas Lichte

    @ paule t. #2

    ich kann nur sagen, wie ich die Meldung in verschiedenen TV-Sendern gesehen habe: es wurde IMMER und ÜBERDEUTLICH gesagt, dass die gestiegene Lebenserwartung verantwortlich für die Zunahme der Krebserkrankungen ist.

    kannst du mir mehr zu “Nansy” sagen? Sein Hauptanliegen in x Kommentaren bei den Ruhrbaronen scheint zu sein, das Rauchen zu fördern (dass er sich jetzt auch noch für Fettleibigkeit einsetzt, wie soll ich das werten?)

  • #5
    Klaus

    @2 Paule T.:

    1) Der Artikel kommt erst im dritten Absatz auf Ursachen zu sprechen. Zunächst wird Angst geschürt, in dem nur die schlimmen Nachrichten dran kommen.

    2) “Zum Teil gehe der enorme Anstieg auf das prognostizierte Bevölkerungswachstum und die zunehmende Lebenserwartung zurück, heißt es in dem Bericht. Hinzu komme aber, dass die Menschen in wirtschaftlich aufstrebenden Ländern häufig schädliche Verhaltens- und Lifestyle-Gewohnheiten reicherer Staaten annähmen, etwa bei der Ernährung.” schreibt die Zeit, was von Ihnen als “korrekter Journalismus” bewertet wird.

    Die Zeit relativiert den wichtigsten Teil. Wenn das für sie korrekter Journalismus ist, halten sie bestimmt auch zwei Erbsen für eine Hauptmahlzeit.

  • #6
    paule t.

    @ #3 Nansy, #5 Klaus:

    Sachlich feststellen kann man doch jedenfalls zweierlei:

    1. Walter Krämer behauptet: Der Zusammenhang der steigenden Rate an Krebserkrankungen mit der steigenden Lebenserwartung werde “von angstmachenden Medien beiseite geschoben oder nur beiläufig erwähnt”. Diese Behauptung dient ihm dazu, die Meldung als “Unstatistik” hinzustellen.

    2. Für diese ziemlich allgemeine Medienschelte bringt er genau einen (!), nun ja, “Beleg”. In diesem einen “Beleg” wird der – angeblich “beiseite geschobene oder nur beiläufig erwähnte” – Zusammenhang aber sehr wohl genannt, und zwar sobald der Artikel überhaupt auf die Ursachen zu sprechen kommt, als wichtigste Ursache, zu der andere nur hinzukommen.
    Nach meiner Beobachtung – und der von #4 Andreas Lichte – gilt diese klare Darstellung des angeblich fehlenden Zusammenhanges auch für andere Medien.

    Daraus schließe ich: Die Behauptung unsere Unstatistik-Besserwissers ist mal wieder Unfug, Blödsinn, Kokolores. Punkt.

    Wer unbedingt will, kann meinetwegen nach diesem m.E. eindeutigen Befund stattdessen darüber sinnieren, in welchem Absatz man als verantwortungsvoller Journalist den Zusammenhang nennen muss (darf der Journalist zuerst die Statistik nennen und dann den Hauptzusammenhang darstellen? nein?) und ob es denn erlaubt ist, den – unstrittig so dargestellten – wichtigsten Zusammenhang durch andere Ursachen zu “relativieren”. Bitte, wenn man sonst keine Kritikpunkte findet …

    Ebenso wenig Lust habe ich zu Verschwörungstheorien über “Gesundheitswahn und Regulierung der Lebensgewohnheiten”, wenn nichts weiter passiert als die journalistische Weitergabe von inhaltlich nicht angezweifelten Studien der WHO, die genau das macht, wofür sie als Gesundheitsorganisation da ist, nämlich über die künftige Entwicklung von Gesundheitsgefahren zu forschen und auf dieser Grundlage zu informieren.

  • #7
    Nansy

    @Andreas Lichte #4:

    Mehr über meine Motivation können Sie aus meinen Beiträgen erfahren:

    http://www.ruhrbarone.de/neue-serie-von-der-sehn-sucht-nach-verboten-ueber-verbotswahn-rundumfuersorge-und-die-ideen-der-verbotsindustrie/69710

    http://www.ruhrbarone.de/von-der-sehn-sucht-nach-verboten-teil-2-sugar-the-next-tobacco-vom-tabak-zu-fett-und-zucker/70733

    Es hat schon etwas Geschmäckle, wenn man meine Bemühungen gegen Gesundheits- und Regulierungswahn in “Förderung des Rauchens und der Fettleibigkeit” umdeutet.

  • #8
    Nansy

    @Paule T. #6:

    Zitat: “(die WHO), die genau das macht, wofür sie als Gesundheitsorganisation da ist, nämlich über die künftige Entwicklung von Gesundheitsgefahren zu forschen und auf dieser Grundlage zu informieren.”

    Das wäre ja schön, wenn sich die WHO darauf beschränken würde – allerdings gibt es genug Hinweise auf die unsäglichen Verbindungen der WHO mit der Pharmaindustrie und auf den totalitären Anspruch der WHO. Hier nur ein paar Beispiele:

    http://www.spiegel.de/wissenschaft/medizin/schweinegrippe-pandemie-wie-die-who-das-vertrauen-der-verbraucher-verseucht-a-699427.html

    http://science.orf.at/stories/1652333/

    http://www.tagesspiegel.de/meinung/beschneidung-beschneidung-senkt-das-hiv-risiko-um-etwa-60-prozent/6990350-2.html

    http://www.bukopharma.de/uploads/file/Pharma-Brief/Phbf1999_04.htm

    Kann es sein, dass “Verschwörungstheorien” immer dann bemüht werden, wenn einem die Fakten nicht ins Konzept passen?

  • #9
    Andreas Lichte

    @ Nansy #7

    ich kannte Ihre Beiträge für die Ruhrbarone bereits vom Überfliegen.

    Sie schreiben, Zitat Nansy: “Es hat schon etwas Geschmäckle, wenn man meine Bemühungen gegen Gesundheits- und Regulierungswahn in “Förderung des Rauchens und der Fettleibigkeit” umdeutet.”

    was für ein “Geschmäckle” soll das sein?

  • #10
    Arnold Voss

    Ich weiß jetzt nicht wer hier recht hat. Aber wenn ich den unbestrittenen Teil der Nachricht in einem Satz zusammenfassen müsste lautete der: Es ist besser nicht so alt zu werden wie es sich die meisten wünschen. 🙂

  • #11
  • #12
    Nansy

    @Andreas Lichte #9:

    “Geschmäckle” im Sinne von Beigeschmack – vielleicht hätte ich besser Polemik anführen sollen (subtile Beschuldigung des Opponenten) – nämlich Rauchen und Fettleibigkeit fördern zu wollen.
    Wenn man die staatliche Volkserziehungsmaßnahmen (auch durch die WHO als Taktgeber) bei Akohol, Zucker, Salz, Fett und Tabak durch höhere Steuern, Beschränkungen, Ausgrenzungen und Verbote, bekämpft, dann heißt das noch lange nicht, daß man Rauchen und Fettleibigkeit fördern will.
    Das Verbreiten von dubiosen, ungenauen oder hochgerechneten Statistiken und Schätzungen durch die WHO und durch Gesundheitsinstitutionen mit Verbindungen zur Pharmaindustrie sollte nicht zur Grundlage für staatliche Regulierungen gemacht werden – um solche Zahlen ging es auch in diesem Artikel..

  • #13
    Arnold Voss

    @ OWL-Baron # 11

    Man soll bekanntlich gehen, wenn es am schönsten ist. Aber woher weiß man, obs nicht noch schöner werden könnte. 🙂

  • #14
    Andreas Lichte

    @ Nansy #12

    “staatliche Volkserziehungsmaßnahmen” wie zum Beispiel die “Gurtpflicht”:

    hübsch “retro” die Diskussion bei den Ruhrbaronen

  • #15
  • #16
  • #17
    Nansy

    @Andreas Lichte #14

    Warum in die Ferne schweifen, wenn das Gute liegt so nah? Wie hätten Sie es denn gern – “staatliche Volkserziehungsmaßnahmen” wie zum Beispiel die “Helmpflicht für Radfahrer”?
    Und was ist mit Knie- und Ellbogenschonern, was mit langer Kleidung (gegen Abschürfungen)?

    Nicht alles was als “retro” in der Diskussion bezeichnet wird, ist es auch wirklich…

  • #18
    Andreas Lichte

    @ Nansy #17

    gestern, in der 5 Sterne Hotelbar taucht ein Paar im mittleren Alter im Bademantel auf …:

    ich fordere, und zwar sofort und rückwirkend “staatliche Volkserziehungsmaßnahmen” !

    (mindestens hätten die noch einen Helm tragen müssen)

  • #19
    Walter Stach

    Was soll das ganze Getöse?

    1.
    Da will “man” -Walter Krämer u.Co.- sich interessant machen, weil “man” sonst uninteressant ist. Und wie? Mit einem Projekt “Unstatistik” -meinetwegen-.

    2.
    Und da macht dann “man” als Journalist was ‘raus, weil “man” sonst nichts Interessantes ‘raus zu bringen hat -meinetwegen-.

    3.
    In der Sache geht es doch nur darum, ‘mal wieder daran zu erinnern, daß alles relativ ist, also selbstverständlich auch Daten über Krebserkrankungen, Todesfälle durch Krebs, z.B. in Relation zu einer deutlich längeren Lebenserwartungen. Was ist daran neu?
    Das mag kann man meinetwegen “wissenschaftlich verbrämt” aufarbeiten und anschließend “meinetwegen” medial aufbereiten und das mag dann kurzzeitig öffentliche Aufmerksamkeit erfahren; und ansonsten????

    4.
    Die Tatsache, daß weltweit die absolute Zahl der Krebserkrankungen, die absolute Zahl der Menschen, die in Folge einer Krebserkrankungen sterben, dramatisch wächst, ist nicht zu leugnen und kann folglich weder von den “Unstatistikern” noch “medial” in Frage gestellt werden.

    Wenn “man” meint, das trotzdem versuchen zu sollen, dann bewirkt “man” dadurch nichts!
    Es gehört zu den wenigen festen Bestandteilen im Bewußtsein der Menschen weltweit, daß für sie mehr denn je die Gefahr besteht, an Krebs zu erkranken und daran zu sterben. Und dieses individuelle Bewußtsein einer stets wachsenden Zahl der Menschen beeinflußt zwangsläufig die Beziehung der Gesellschaft und letztlich des Staates zum Thema “Krebs” und folglich auch die Konsequenzen, die Gesellschaft und Staat daraus gezogen haben, daraus ziehen und daraus ziehen werden.Und daran ändern die “Unstatistiker” und ihre “mediale ” Begleitung nichts.

    Das ist so. Das bedurfte keines Hinweises durch mich. Ich habe mir lediglich gestattet, daran zu erinnern.

    5.
    Es ist für mich allerdings kein bloßes und letztlich bedeutungsloses “Getöse”, wenn in diesem Zusammenhang wieder einmal, zumindest mittels Andeutungen, hinterfragt wird , wenn wieder einmal angezweifelt wird, daß viele Krebserkrankungen zurückzuführen sind auf individuelles Fehlverhalten -einseitige Ernährung, zu viel Alkohol, Rauchen, Bewegunsmangel-. Und dann fragt ich mich, was “man” damit bewirken will.

    Es ist zudem für mich insofern ebenfalls kein bloßes Getöse, sondern m.E. eine unverantwortlich einseitige Polemik, w i e hier, nicht daß hier, staatliche Präventitionsmaßnahmen a priori kritisiert werden, die dazu dienen, die Ursachen für Krebserkrankungen zu minimieren, die unbestritten aus individuellem Fehlverhalten resultieren.

    Nancy-17-

    ich habe hier bei den Ruhrbaronen meine Position gegen eine staatlich verordnete Helmpflicht vorgetragen.

    Nur, ein Hinweis darauf im Zusammenhang mit Krebserkrankungen, mit Tod durch Krebs, mit den darauf abgestellten staatlich verordneten Präventionen käme mir nie in den Sinn, und zwar weniger wegen der durch die Krebserkrankungen entstehende finanziellen Belastungen für die Gesellschaft, für den Staat, sondern in erster Linie wegen der Menschen, die allesamt von Krebserkrankungen bedroht sind und deretwegen Gesellschaft und Staat darüber nachdenken , nachdenken müssen, ob und wie dem präventiv begegnet werden kann.

    Ich respektiere jeden, der selbst in dieser sensiblen Angelegenheit, selbst angesichts stetig anwachsender Zahlen von Todefällen in Folge einer Krebserkrankung, der z.B. selbst angesichts steigender Zahlen von Lungenkrebs-Toten im privaten Umfeld nach wie vor den Standpunkt vertritt, daß individuelle Freiheit auch das Recht beinhaltet, seinen Lebenswandel so zu gestalten, daß tagtäglich die Wahrscheinlichkeit seiner Krebserkankung zunehmen wird und daß Gesellschaft und Staat sich “da ‘raus zu halten haben.”
    Nur kann ich nicht akzeptieren, wenn in diesem Zusammenhang -und gleichwertend?- eine möglichlicherweise zu erwartende staatlich verordnete Helmpflicht bemüht wird.

  • #20
    Klaus Lohmann

    Dass unser Sprachpanscher-Hexenjäger, Linken- und Grünen-Hasser, Plagiator (mit Hass auf die taz als Entdeckerin in 2003) und Allerwelts-Gelehrte Krämer (FDP) die Zeit aufs Korn nimmt, hängt auch evt. mit einem Zeit-Artikel aus 2003 zusammen, in dem treffend sein Wandel vom Aufklärer (als den ich ihn noch respektiert hatte) zum geschäftstüchtigen Technologie-als-Selbstzweck-Demagogen geschildert wurde.

    Ich kenne nicht wenige Germanisten, die Krämers dogmatischen Kampf gegen Anglizismen lächerlich finden, und auch obiges Kurzwüten gegen die Quatschmeldung entstammt wohl eher dem verbreitet vorhandenen Allgemeinwissen über den bewiesenen Zusammenhang zwischen Lebensdauer und Zivilisationskrankheiten als ernsthaften wissenschaftlichen Untersuchungen. Soll heißen: den Artikel kann Jeder zusammenkleben, wenn er denn die Zeit, die Muße und entspr. mediales Geltungsbedürfnis hat.

    Wobei natürlich der mediale Aufreger-Orgasmus über die angebliche “Explosion” solcher Krebskranken-Zahlen ebenso wenig erhellend ist wie z.B. die Schmier-Artikel der WAZ über eine “Explosion” von Zuwandererzahlen in Bottrop.

    Und PS, @#19 | Walter Stach: Welches “individuelle Fehlverhalten” schwebt Ihnen denn vor, wenn Sie den Brustkrebs-Tod meiner Mutter erklären wollen? Ah ja, wollen Sie gar nicht; war halt nur so ‘ne Polemik, die grad griffbereit rumlag, nicht wahr?

  • #21
    Nansy

    @Walter Stach #19:

    Die von Ihnen in diesem Zusammenhang kritisierte “staatlich verordnete Helmpflicht” ist nur aus einem launischen Geplänkel mit Andreas Lichte entstanden und kein wesentlicher Bestandteil meiner Argumentation zu diesem Artikel (siehe #14).

    Walter Stach, hier geht es um Zahlen, Statistiken und Schätzungen, die ständig und aus bestimmten Gründen in den Medien verbreitet werden. Das Ziel dieser Bemühungen ist doch nicht so schwer auszumachen, oder? – sie sollen die Menschen bestenfalls zu einem Umdenken in ihrer Lebensführung veranlassen, schlimmstenfalls dienen sie als Grundlage für staatlich verordnete Eingriffe in die persönliche Lebensführung.

    Als Beispiel möchte ich hier die Kampagne “Übergewicht wird zu einer weltweiten Epidemie” anführen – Meldungen der Medien aus den letzten Jahren (immer unter Berufung auf die WHO oder OECD und meistens mit dem Hinweis auf Krebserkrankungen):

    -500 Millionen Menschen zu dick (dpa, 04.02.2011)

    -Eine Milliarde Menschen leiden laut WHO weltweit an Übergewicht (EHFG Jahr 2012)

    -1,4 Milliarden Erwachsene weltweit gelten als übergewichtig (Mitteldeutsche Zeitung)

    -1.500.000.000 Menschen sind übergewichtig (Stern)

    -1,7 Milliarden Menschen leiden weltweit an Übergewicht (Medizinauskunft)

    -Weltweit sind heute mit über 1,9 Milliarden mehr Menschen von Übergewicht betroffen als von Unterernährung (vebu.de)

    -..sind weltweit mehr als zwei Milliarden Erwachsene und Kinder stark übergewichtig oder fettleibig.. (Medical Observer)

    -Die WHO schätzt, dass im Jahr 2015 2,3 Milliarden Menschen übergewichtig…(nexus-magazin)

    Eine Differenz von “mikrigen” 1,8 Milliarden (wenn ich richtig gerechnet habe) innerhalb von wenigen Jahren! Für mich ist das Kaffeesatzleserei! Oder sollte man hier von Propaganda im Dienste der “guten Sache” sprechen? Muss ich erst darauf hinweisen, dass solche “wissenschaftlichen Daten” auch die Grundlage anderer Diskussionen im Gesundheitbereich sind?

    Lieber Walter Stach – ich würde mich über jeden Bürger freuen, der solche Zahlenspielereien kritisch hinterfragt – mir ist aber auch klar, welche suggestive Kraft diese Zahlen ausüben können.
    Dafür lasse ich mir dann auch gerne “unverantwortlich einseitige Polemik” vorwerfen 😉

  • #22
    Walter Stach

    Klaus Lohmannn -20-,
    es ist absolut unbestritten, daß menschliches Fehlverhalten krebsverursachend sein kann,zumindest mit-verursachend; sh.u.a.Rauchen und Lugenkrebs, Alkohol und Leberkrebs, nur daran habe ich erinnert.

    Ebenso unbestritten ist, daß Krebserkrankungen auch andere Gründe haben können, z.B. genetisch bedingte.

    Und wenn Sie mit Blick auf Ihre Mutter meinen, mir Polemik vorhalten zu sollen, dann nur der Klarheit wegen:
    Ich habe mittlerweile zwei Krebs-operationen hinter mir und denke folglich seitdem intensiver als manch Anderer über die Ursachen dieser Erkrankung nach und stelle mir selbstverstänlich immer wieder die Frage nach eigenem Fehlverhalten als Ursache für diese Krebserkrankung.

    Nansy -21-
    ich habe in meinem Beitrag zum Ausdruck bringen wollen, daß es für mich zumindest unsensibel erscheint, wenn mit Blick auf staatlich verordnete Prävention im Kampf gegen den Krebs ein mir in diesem Zusammenhang völlig
    nebensächlich erscheinendes Thema wie das einer denkbaren Helmpflicht für Radfahrer bemüht wird.

  • #23
    Klaus Lohmann

    @#22 | Walter Stach: Polemisch ist es, wenn man trotz Kenntnis der Gesamt-Gleichung #menschliches Fehlverhalten und/oder genetische Disposition und/oder altersbedingtem “Verschleiß” gleich hohes Krebsrisiko# mit erhobenem Finger nur auf dem ersten Faktor herumreitet. Das führt dann zu besagten, herbeibeschworenen Statistiken, die durch Angstmacherei hohe Auflagen generieren und die Medizin- und Pharmaindustrie bereichern.

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