Videoblogging von Zollverein: waterloostudios.tv

Der letzte Blick der Ruhrbarone auf die "Designstadt", wahlweise auch "Creative City", auf Zollverein war ein durchaus skeptischer. Das bezog sich aber nicht auf die Mieter der Räumlichkeiten, die inzwischen fast ausnahmslos umgezogen sind. Eines dieser Projekte ist waterloostudios.tv von Norman Bruckmann, mittlerweile im Asienhaus um die Ecke residierend und ganz gewiss mit einem eigenen Kopf ausgestattet. Ein Interview zum Hausbesuch.

Ruhrbarone ?: Warum Waterloo, warum Studios, warum TV?

Norman Bruckmann !: Seit etwa 10 Jahren gibt es eine inzwischen eher statische Seite von Kommunikationsdesignern namens Waterloostudios.com. Die ist entstanden in einem Haus in der Essener Waterloostraße, in das ich einige Jahre später eingezogen bin. Für mich war der Beweggrund, „tv“ zu nehmen, dass ich halt bewegte Bilder zeigen wollte. Der Name passt nach wie vor gut zu meinem Lebensumfeld, und die Geschichten um Waterloo und Blücher faszinieren mich nach wie vor.

?: Die Seite selbst ist ja nach verschiedenen Medien sortiert (Podcast, Videos, Text), funktioniert aber auch gleichzeitig wie ein Blog, in dem fast täglich „gesendet“ wird. Gibt es bestimmte Kriterien, nach denen du entscheidest, welches Format du wählst?

!: Im Moment mache ich die Seite redaktionell alleine. Ein Text braucht bei mir lange, bis ich mit dem zufrieden bin. Daher mache ich eher Filmfetzen, die sich wie ein Puzzle zusammensetzen lassen. Podcasts benutze ich gern, um Ungeschnittenes direkt ins Netz zu stellen. Ein Filmclip macht das für die Nutzer dann navigierbar, veranschaulicht auch das Thema des Casts. Das heißt es gibt sich aufeinander beziehende Beiträge in verschiedenen Formaten, aber auch kleine Serien.

?: Ein Beispiel wären hier deine Sendungen rund um „Essens Kreative Klasse“. Dort bringst du eigene Gedanken zu Kultur, Ökonomie und Design zusammen mit den dort verhandelten Ansätzen. Ist das eine typische Arbeitsweise oder woher kommen die Themen?

!: „Essens kreative Klasse“ hat mich und mein Umfeld betroffen und direkt angesprochen. Ich habe mich dann in diese Situation bewusst hineinbegeben und lasse mich dann bewegen. Manchmal provoziert eine Schlagzeile aus der Tagespresse aber auch einfach eine bestimmte Haltung, dann eine Recherche und somit einen Beitrag. Im Grunde halte ich mich gern von allzu tagesaktuellen Themen fern. Es geht eher um „storytelling“, also um so etwas wie „Geschichten erzählen“. Außerdem widme ich mir auch nur den Themen, zu denen ich schon Haltungen in mir vorfinde, die ich aus meinem Fundus an Wissen und Einstellungen ernsthaft „bedienen“ kann. Ohne diesen gäbe es auch keinen seriösen Erzähler, der übrigens ja auch Fragen hat und auch mal Studientage dokumentiert. Ein Wissen das ich nicht verstehe besitzt mich und nicht umgekehrt.

?: Ist waterloostudios.tv ein Projekt, das du vor allem ausweiten möchtest? Oder ist es eher eines, das nach einer Startphase so ähnlich weiterlaufen soll, wie es sich heute schon darstellt, im Grunde mit einer täglichen, exklusiven Sendung?

!: Andere Projekte, an denen ich beteiligt bin, lassen sich gut mit dieser Versuchsanordnung waterloostudios.tv in Einklang bringen, und das soll auch so bleiben. In erster Linie funktioniert der Kanal für mich nämlich nicht nur als Fluss, sondern auch als Speicher. D.h. man kann ständig auf ein Reservoir von Haltungen zurück greifen und auch dabei zusehen, wie diese entwickelt werden und ob sie sich überhaupt bewähren. Es gibt natürlich die Möglichkeit, Kommentare zu posten und Themenvorschläge oder Sendungen anzubieten. Ich habe da auch schon einen merkwürdig konstruktiven Troll, der mir ständig zeigt, wie meine Mitstreiter und ich die Seite weiter optimieren können. Da darf gerne noch mehr gepostet werden.

(Das Foto zeigt das zunächst erstellte physische Modell für die Struktur der Seite.)

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