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Warum das geplante ‘Gassi-Recht’ für Hunde völlig blödsinnig ist

Die inzwischen 10-jährige ‘Bella’ will gar nicht mehr so oft und lange ‘Gassi gehen’. Archiv-Foto: Robin Patzwaldt

Es gibt politische Vorgänge, die lassen einen fassungslos zurück und grundsätzlich an unseren Politikern zweifeln. Dass Tierschutz wichtig ist, ist ja keine Frage. Wir sollten grundsätzlich alles in unserer Macht Stehende tun um den Geschöpfen um uns herum möglichst kein unnötiges Leid zuzufügen und insbesondere unsere uns anvertrauten Haustiere stets artgerecht und natürlich entsprechend liebevoll zu versorgen.

Vor diesem Hintergrund ist es erst einmal grundsätzlich keine schlechte Sache, wenn sich Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) damit beschäftigt, dass den gehaltenen Hunden in diesem Lande von ihren Haltern eine gewisse Zeit an Auslauf zugestanden werden sollte und dass sie dies in der Tierschutz-Hundeverordnung künftig gerne konkret geregelt haben möchte.

Wer sich in seinem persönlichen Umfeld einmal etwas umschaut, der wird tatsächlich ziemlich rasch auf Fälle stoßen, wo die gehaltenen Hunde sicherlich nicht so gehalten werden, wie man ihnen das wünschen würde.

Große Hunde in einer Etagenwohnung, Hunde, die an einer Kette im Hof gehalten werden und welche, die kaum einmal rauskommen, weil die Halter mehr oder weniger den ganzen Tag über unterwegs sind, die Vierbeiner derweil alleine in der Wohnung ausharren müssen.

Auf der anderen Seite gibt es auch die extrem vermenschlichten Tiere, die wie Kinder behandelt, völlig übertrieben verhätschelt werden, denen die Halter selbstgebackene Kekse und Massen an Spielzeug kaufen. Sicherlich auch alles andere als ideal.

Wie dem auch sei. Dass Klöckner den Haltern nun zukünftig per Gesetz offenbar ganz konkret u.a. vorschreiben möchte, wie häufig und lange sie ihre Hunde beim Gassi gehen genau ausführen sollen, wie derzeit vielfach berichtet wird, das geht allerdings völlig an der Realität vorbei. So etwas ist keinerlei konkrete Hilfe für die nicht artgerecht gehaltenen Hunde und zudem total populistisch.

Hunde sind, wie ihre Haltungsbedingungen auch, eben sehr unterschiedlich. Jeder der sich auch nur einmal ein paar Minuten mit ihnen beschäftigt hat, weiß das. Es gibt welche mit viel Temperament und welche, die eher ruhig und träge daherkommen. Im Laufe eines Hundelebens verändert sich dies im Regelfall auch. Es gibt besonders energiegeladene Rassen und welche, die eher einen Schoßhund-Charakter haben. Es gibt große und kleine Hunde, welche, denen ein Garten zur Verfügung steht und auch welche, die so viel Laufenergie haben, dass sie faktisch gar nicht wirklich müde zu bekommen sind.

Wie bitte schön will man das mit einer für alle geltenden Regelung im Gesetz umsetzen? Das ist schon von vorneherein zum Scheitern verurteilt.

Und viel schlimmer noch: Es ließe sich ohnehin nicht im Ansatz kontrollieren. Verstöße ließen sich nicht ahnden. Weder von den vorhandenen personellen Kräften der Ordnungsbehörden vor Ort, noch von der grundsätzlichen Überprüfbarkeit her.

Was also soll der ganze Quatsch?

Hierbei handelt es sich im Endeffekt also nur um eine ähnlich populistische Aktion wie kürzlich schon bei der Ankündigung in der Gegend liegengelassene Hundehaufen per Gen-Analyse ihrem Verursacher zuordnen zu wollen, oder gar Umweltsünder in den Städten grundsätzlich strenger zu bestrafen.

Alles nur ‚leere Drohungen‘, die offenkundig nur ein gewisses Maß an Aktivität seitens der Politik vortäuschen sollen, in einem Bereich, wo viele Bürger gerne Verbesserungen sehen würden.

Frei nach dem Motto: Tierschutz ist eben gerade populär, also tun wir dort mal was. Zumal etwas, was keinem wirklich wehtut und auch keine großen Konsequenzen mit sich bringt.

Es sind genau solche politischen Aktionen, die die Politikverdrossenheit fördern und den ohnehin angekratzten Ruf von Politkern weiter beschädigen. Pfui, Frau Klöckner!

 

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5 Kommentare zu “Warum das geplante ‘Gassi-Recht’ für Hunde völlig blödsinnig ist

  • #1
    Ruhr Reisen

    Sich mit so einem Humbug in einem Artikel auseinanderzusetzen ist aus meiner Sicht; Zeitverschwendung. Belegt es doch einmal mehr, was für Pfeifen wir in der Regierung regieren lassen. Leider mangels Angebote, die die Richtung wechseln würde, auch keine Idee, wen überhaupt wählen. außer der spaßpartei: die partei. aus lauter alternativlosigkeit.
    Ansonsten schlage ich vor: Andreas Scheuer heiratet die Landschaftsminiserin vom Fleck weg und wandert mit ihr auf Nimmerwiedersehen ins benachbarte Transylvanien oder weiss der Geier wo aus.

  • #2
  • #3
    Susanne Scheidle

    Auf Spiegel-Online kann man gerade Bilder aus einer Ferkelzuchtstation sehen – darum sollte sich die Landwirtschaftsministerin vielleicht mal kümmern, zumal diese Zustände auch Teil des Fleisch-Industrie-Systems sind, das gerade durch den Tönnies-Skandal für Aufsehen gesorgt und gezeigt hat, dass es dabei eben nicht nur Tiere (was schlimm genug ist) die Leidtragenden sind.

    Um bei den Hunden zu bleiben: Dieses Gesetz taugt höchstens dazu, missgünstigen Zeitgenossen eine neue Gelegenheit zu geben, den Nachbarn in die Pfanne zu hauen…

  • #4
    Alexandra

    Tsja, als Landwirtschaftsministerium sich mit Haustierhaltung beschäftigen, lenkt mal schön von der Nutztierhaltung ab…Vorschlag- Landwirtschaftsministerium sollte sich mit Landwirtschaft und ihren Auswüchsen beschäftigen, Hunde werden ja noch und nöcher überbehudelt und vergötzt, während die Tiere, die ihr Leben für unseren Gaumen lassen oder Jahr für Jahr Kälber gebähren, um uns im Überfluß Milch zu geben, oder Eier legen, Tag für Tag unter widrigen Umständen und ausmergeln und keine artgerechte Lebensbedingungen kennen, nichts wert sind ausser 4,99 das Kilo….Vorschlag- radikale Umgestaltung der Landwirtschaft- Kleinbauern mit Höchstanzahl bestimmter Tiersorten, dafür Diversität, Privathaltung von Nutztieren und Gemüseanbau fördern, Schlachtkurse für Federvieh und Kaninchen, ortsnahe Kleinschlachtereien statt Tönnies. Hundehaltung reduzieren, dafür auf Nutzvieh hsetzen, man kann auch mit Ziegen spazieren gehen…
    Wir halten jetzt Hühner und es ist unglaublich schwer, der Gedanke die hübschen Hähnchen zu schlachten (kunterbunte Mixe). aber immerhin hatten sie ein gutes Leben…überhaupt sollte Frau Glöckner die Haltung von Masthybridhähnchen verbieten ebenso die Zucht und der Verkauf von Legehybriden, die viel zu viele Eier legen (Stichwort Qualzucht), aber die Konzene, die dahinter stehen, flüstern ja ins Ohr, die Menschheit verhungert, wenn sie ihre Dienste nicht mehr anbieten….

  • #5
    Achim

    Sooo schwachsinnig ist das Gesetz doch nicht. Der tiefere Sinn des Gesetzes mit der Gassipflicht und der Zuchtbeschränkung auf drei Hündinnen + Welpen scheint die Verhinderung der Massenproduktion von verhaltensgestörten kranken Zwingerhunden zu sein.
    Wenn die Hundeproduzenten nur genug mit dem Gassigehen beschäftigt sind,
    dann müssen sie die Produktion drosseln.

    Achim

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