Warum einer wie Christian Streich der Bundesliga fehlen wird

Christian Streich in Freiburg. Quelle: Wikipedia, Foto: Steven Schaap, Lizenz: CC BY-SA 4.0

Der SC Freiburg ist bei uns im Blog der Ruhrbarone ein eher seltenes Thema. Heute aber ist es einmal wieder soweit. Und das ist schon beachtlich, denn im Breisgau ereignete sich heute etwas, das im Regelfall deutlich weniger hohe Wellen schlägt, als es das an diesem Montagmittag quer durch die Medienlandschaft tut.

Christian Streich, seit gut zwölf Jahren Cheftrainer beim SC und insgesamt rund 29 Jahre lang im Verein tätig, gab ’nur‘ seinen freiwilligen Rückzug aus dem Job zum Saisonende 2023/24 bekannt. Doch allen Beobachtern der Szene ist klar: Eine der ganz großen Persönlichkeiten der vergangenen Jahre geht dem Profifußball in diesem Lande damit verloren.

Christian Streich ist ein scheinbar ganz normaler Typ. Er redet häufig wie ihm ‚der Schnabel‘ gewachsen ist, scheut dabei auch kein politisches Thema und sorgt gerade dadurch immer wieder für besonders viel Beachtung. Egal ob Rechtsextremismus, die Flüchtlingsdebatte oder der generelle gesellschaftliche Zusammenhalt in dieser Republik, der 58-jährige Fußballlehrer scheut sich als einer der ganz Wenigen in dieser Branche bei keinem Thema offen und unverblümt seine Meinung zu sagen. Und genau das ist es, neben den sehr beachtlichen sportlichen Erfolgen zu denen er einen der ‚Zwerge‘ der Bundesliga führte (zuletzt unter anderem die Teilnahme an der UEFA Europa League), was zu seinem Markenzeichen geworden ist, ohne dass er es darauf angelegt hätte.

Streich bezieht schon seit vielen Jahren Position, egal zu welchen Themen er gefragt wird. Häufig geriet er mit seiner Meinung dadurch sogar bundesweit in den Fokus. Der Grund ist klar: Diese Freimütigkeit ist rar geworden in dieser auf Hochglanz polierten Sportwelt, in der Uniformität und Belanglosigkeit im Profibereich längst die Oberhand gewonnen haben. Da tut es einfach mal gut, eine echte Persönlichkeit vor sich zu haben, die nicht ausnahmslos an den eigenen Ruhm und den privaten Kontostand zu denken scheint und sich daher mit politischen Aussagen lieber vornehm zurückhält.

So gesehen passt auch sein heute angekündigter Rücktritt zum Saisonende hervorragend ins Bild. Streich lässt sich nicht treiben, nicht von den Medien und auch nicht von den Fans. Er entscheidet nach reiflicher Überlegung selbst, wann für ihn persönlich der ideale Zeitpunkt zum Rückzug gekommen ist. Das sei ihm dabei auch immer sehr wichtig gewesen, wie er in einem heute Vormittag vom Verein veröffentlichten Abschieds-Video (siehe unten) betonte. Und das nimmt man ihm auch zu 100 Prozent so ab.

Wer den Trainer der Freiburger über seine Zeit in der Fußball-Bundesliga beobachtet hat, der hat ihn fast automatisch für seine manchmal etwas kauzige aber stets liebenswerte, ‚normale‘ Art ins Herz geschlossen. Und dabei ist es auch egal, welchen Verein man selber unterstützt. Streichs Emotionalität, sein Witz, seine klare politische Haltung, alles das hat im Laufe der Zeit dazu geführt, dass heute landesweit einige Fußballfreunde wohl ein Tränchen verdrücken werden, wenn sie die Nachricht von Streichs angekündigtem Ende in Freiburg erhalten.

Man kann eigentlich nur hoffen, dass der Freiburger Erfolgscoach der deutschen Öffentlichkeit als Persönlichkeit auch ohne eine feste Trainerrolle im Profifußball auch über das Saisonende hinaus erhalten bleiben wird. Es ist leicht, sich Streich zum Beispiel sehr gut auch als zukünftigen TV-Experten oder auch als regelmäßigen Talkshowgast vorzustellen. Und das eben ungewöhnlicher Weise auch bei Themen, die nicht in erster Linie ‚nur‘ und immer mit Fußball zu tun haben. Einer wie er wird fehlen… und das weit über den SC Freiburg hinaus!

Alles Gute, Christian Streich! Und lassen Sie bitte auch nach dem Saisonende weiter von sich hören!

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