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Warum ich nicht mit Gender* spreche

Läuft Ihnen auch ein kalter Schauer den Rücken runter, wenn Sie im Heute Journal oder im Deutschlandfunk mal wieder gesprochene Gendersternchen hören? Mir schon. Aber es gibt nicht nur emotionale, sondern auch ganz handfeste Gründe, warum Medien nicht mit * sprechen sollten.

Ich erinnere mich noch ganz genau an meine Anfänge beim Radio. „Worüber sprechen die Menschen heute in Dortmund?“ Das war die typische Einstiegsfrage in der morgendlichen Konferenz, in der wir die Themen festlegten, über die wir an diesem Tag berichten wollten. „Wie wir sprechen“ – das war kein Thema. Das stand von Anfang an mit der Gründung des Privatfunks in Deutschland fest. So wie die Menschen auf der Straße. Keine gestelzte akademische Sprache, sondern eben ganz normal so wie wir mit Freunden plaudern.

Neben der Musik waren das die beiden Erfolgsgeheimnisse des Privatfunks in den 90ern. Endlich sprach niemand von oben herab und schaffte durch Sprache Distanz. Wir waren nicht nur thematisch, sondern auch sprachlich nah an den Menschen, für die wir senden wollten. Schnell erreichten die Privatsender in manchen Städten in NRW Marktanteile von 50 Prozent. Etwas, auf das der Öffentlich-Rechtliche Rundfunk reagieren musste. Auch der machte sich locker. Auch den interessierte plötzlich, was seine Hörer und Zuschauer denken und wie sie reden.

Das ging 15 Jahre ganz gut. Doch 2015 mit der Flüchtlingskrise schlich sich langsam eine Rolle rückwärts ein. Medien stellten plötzlich die Sprache und die Inhalte um. Vom Beobachtungsposten, den die Journalisten bislang eingenommen hatten, wechselten viele Journalisten auf die Aktivistenseite. Sie versteckten hinter Begriffen wie „Haltung“, dass es sich einzig und allein um eine persönliche Meinungsäußerung, einen Kommentar, handelt. Sie belehrten die Menschen, schlugen sich mehrheitlich auf die Seite der Befürworter der Migration, zeigten im TV nur die positiven Seiten der Migration. Und die Sprache veränderte sich auch. Der alte – völlig neutrale – Begriff „Flüchtling“ wurde plötzlich durch den politisch korrekten „Geflüchteter“ ersetzt. Und eine Krise war es ohnehin nicht, betonten aktivistische Journalisten.

Das setzt sich weiter fort. Im Zusammenhang mit Klimadiskussionen war für die Seite der erziehenden Journalisten das Wort „Krise“ in Kombination mit Klima plötzlich en vogue. Statt von Klimawandel war plötzlich die Rede von „Klimakrise“. Journalisten übernahmen einen politischen Kampfbegriff, der wertet, in ihr normales Vokabular. Plötzlich schreiben und sprechen viele Medien auch nicht mehr von „Teilnehmern“, sondern von „Teilnehmenden“ oder „Teilnehmer*innen“. In Windeseile fand politisch feministische Sprache Einzug in journalistische Berichte.

Wenig später feierten die Medien „Fridays for Future“. Häufig genug war die Rede von DER Jugend, die da auf die Straße geht. War es DIE Jugend oder war es vielleicht nur ein Teil? Also ich kenne nach wie vor viele Jugendliche, die sich für Autos interessieren, die angesichts der Klimapolitik Angst um ihren Arbeitsplatz oder die lieber Video spielen als mit „diesen Ökos“ auf die Straße zu gehen. Nur: DIE Jugend, die die Medien beschreiben, kommt eben aus demselben links-autoritären (von liberal kann angesichts der Verbotsforderungen nicht die Rede sein) Milieu wie die Journalisten, die darüber berichten.

In der dritten Krise innerhalb kürzester Zeit setzt sich alles weiter fort. In der Corona-Krise wirkt der Journalismus häufig als verlängerter PR-Arm der Regierung. Da werden AHA-Regeln runter gebetet, da werden die vorsichtigen gezeigt und die Gegenargumente kaum gehört. Dabei ist die Diskussion in vielen Familien wesentlich vielschichtiger als das, was Medien abbilden. In Gesprächen mit meinen Freunden, Bekannten und der Familie wird viel differenzierter diskutiert als in TV und Radio. Da begegnen mir die Vorsichtigen genauso wie diejenigen, die Angst um unsere Wirtschaft oder den psychischen Zustand der Menschen haben. Man hört sich zu, stellt aber niemanden in eine rechte oder Verschwörungsecke, nur weil er Zweifel an Wirksamkeit mancher Maßnahme hat. Hier geht es nicht ums Leugnen, sondern um eine differenzierte Diskussion, die in dieser Breite in elektronischen Medien nicht stattfindet.

In der Flüchtlingskrise, bei Klimadiskussionen oder teilweise jetzt bei Corona haben wir es nicht geschafft, allen Seiten Raum zu bieten. Stattdessen erziehen und belehren wir. Wer unsere Haltung nicht teilt, wird in eine Ecke geschoben. In der Flüchtlingskrise war es eben so, dass die Gesellschaft geteilt war: Die eine Hälfte wollte helfen, die andere fürchtete, dass uns die Vielzahl der Flüchtlinge überfordert. In den Medien hat aber eben nur die eine Hälfte breiten Platz gefunden.

Um zum Ausgangspunkt zurückzukehren: Wir sprechen heute eine akademische Gender-Sprache und nicht mehr so wie auf der Straße. Und uns ist egal, worüber Deutschland spricht. Wir haben uns inhaltlich und sprachlich meilenweit von vielen Menschen abgekoppelt. Das gilt für private elektronische Medien genauso wie für öffentlich-rechtliche. Wir wundern uns also, dass die Menschen ihre „Informationen“ lieber von YouTubern, aus windigen Telegram-Gruppen oder bei rechten Bloggern beziehen? Ich wundere mich darüber nicht. Da wird die Sprache gesprochen, die die Menschen kennen, da werden strategisch gezielt die Sorgen und Nöte der Menschen angesprochen.

Wir haben politischen Rattenfängern mit unserer Einseitigkeit und unserer akademischen Gendersprache Tür und Tor geöffnet. Wir müssen unser Ohr wieder an den Menschen haben und endlich aufhören sie erziehen zu wollen. Wer das gern möchte, sollte vom Journalismus in den Schuldienst oder eine Partei wechseln. Wir müssen wieder die beiden zentralen Fragen „Worüber reden die Menschen?“ und „Wie sprechen sie?“ stellen. Ich jedenfalls werde als Journalist erst dann mit Gendersternchen sprechen, wenn Heinz Kasupke bei Karstadt fragt: „Kann mir vielleicht mal ein*e Verkäufer*in helfen?“

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50 Kommentare zu “Warum ich nicht mit Gender* spreche

  • #1
  • #2
    Helmut Junge

    Früher war der Deutschlandfunk mein Lieblingssender. Das war deshalb so, weil es da häufig um naturwissenschaftlich-technische Themen ging. Seit einiger Zeit wird aber mehr über Gender, Gendersternchen usw. berichtet und diskutiert und der naturwissenschaftliche-technische Teil kommt kürzer. Ob das zusammenhängt? Wandern die Redakteure, die Technik und Naturwissenschaften intellektuell verstehen, ab und werden mehr und mehr durch Redakteurinnen ersetzt, deren Fähigkeiten auf das Sprechen von Gender….pausen geschrumpft ist? Und die wollen mehr Geld für den Rundfunk? Soll ich dafür höhere Rundfunkgebühren bezahlen, daß die unser Land enttechnologisieren? Die Diskussionen um das Gendersternchen sind für sich gesehen schon wissenschaftsfremd.

  • #3
    ke

    "Newspeak" ist in den meisten Fällen nicht lesbar. Ich vermeide es im Regelfall auch. Dennoch hat es sich in vielen Bereichen etabliert und gilt als Mitgliedskarte in der Welt von staatlichem Geld etc.
    Man hört/liest, wie man tickt.

    Wichtig sind Gendersternchen. Aktuell fliegen uns die Sternchen-Verwaltungen um die Ohren, da sie im Corona Bereich und hier insbesondere bei Schulen nichts schaffen. Die höchste Eskalationsstufe beim Ordnungsamt ist das Bürgergespräch.

    Im Journalismus fällt auf, dass offenbar massive Lücken in der Ausbildung bei der Interpretation von Statistiken etc. vorhanden sind. Es fehlen auch an allen Ecken Plausi-Checks, wenn mal wieder Pressetexte übernommen werden.

    Die Welt ist komplex. Da helfen einfache Lösungen. Die Grenzen sind fließend wie man es insbesondere im Corona Bereich sieht, wo der Nazi neben der Kräuterhexe steht.

    In der Politik sammeln sich Menschen mit Zeit, die oft eher aus dem Bereich der öffentlichen Verwaltungen/Organisationen kommen und wenig mit realer Wirtschaft zu tun haben. Je krasser, desto besser. Hier wird die Agenda gelegt. Unkritischer Journalismus übernimmt. Dazu gehört natürlich auch "Newspeak".

    Ich frage mich, ob die Beispiele Flüchtlinge, Klima und Corona passen. Hier gibt es bei Klima und Corona klare wissenschaftliche Aussagen. Das Thema Flüchtlinge ist eher dem Bereich Recht und Nächstenliebe zuzuordnen.

  • #4
    paule t.

    Ob mir da "ein kalter Schauer den Rücken runterläuft"? Meine Güte, nein. Warum sollte es? Was für eine völlig übertriebene Emotionalisierung und Dramatisierung dafür, dass ein bestimmter Sprachgebrauch einem nicht gefällt. Wenn’s Ihnen nicht gefällt, dann lassen Sie’s halt, und fertig.

    Die Idee, in den Medien so zu sprechen wie die Leute auf der Straße, ist in der Absolutheit übrigens natürlich auch Quatsch; und ich glaube auch nicht, dass sie das tatsächlich je getan haben. Oder haben Sie krass beleidigende Wörter benutzt wie "Kanake" oder sachlich schlicht falsche Begriffe? So etwas tun einige Leute auf der Straße nämlich ziemlich häufig, Sie aber hoffentlich nicht.

    Sie werden also abgewogen haben, welche Sprache Sie benutzen, um sich nicht zu weit von den Leuten "auf der Straße" zu entfernen (was ja nicht falsch ist) und gleichzeitig zB sachlich angemessen und nicht ausgrenzend zu sprechen.

    Und das tun einige Leute heute auch und kommen dabei halt zu einem etwas anderen Ergebnis als Sie. Ist das etwas, worüber man sich so aufregen muss?

    Und genauso Unsinn ist es, wirklich "allen Seiten Raum zu bieten". Wissenschaftlich einfach falschen Aussagen in der Klimadebatte muss man nicht denselben Raum geben wie seriösen Wissenschaftlern, Homöopathen nicht denselben Raum wie Medizinern, Rassisten und Antisemiten nicht wie Demokraten usw. Es gibt innerhalb des demokratischen, seriösen Rahmens wahrhaftig immer noch genug Kontroverses.

  • #5
    Sebastian

    Danke. Bei Corona haben Sie mE nicht Recht – Herr Streeck war im Vergleich zum wissenschaftlichen Gehalt seiner Aussagen im ÖR überrepräsentiert und musste dort auch kaum kritische Nachfragen fürchten – aber dieser Gendersternchen-Schwachsinn ist in der Tat unerträglich. Ich schalte dann regelmäßig dann bzw. lese entsprechende Zeitungen oder Webseiten nicht mehr

  • #6
    Michael Westerhoff Beitragsautor

    @ke Oh, mein zweites Thema, über das ich mich Hölle aufrege: Der Umgang mit Zahlen und Statistiken. Da merkst du in unserm Berufszweig, dass es eine Übermacht von Geisteswissenschaftler gibt. Mir hilft da mein alter Mathe-LK und ein gewissen Hang zum Autismus 🙂

    @Paule: Wer definiert den Rahmen? Ernsthafte Frage. Ich hab nur dann Probleme, wenn jegliche Kritik an der Flüchtlingspolitik als rassistisch abgetan wird. Dann wird es schwierig.

    Und zur Sprache: Natürlich sag ich eher selten Scheiße (muss ja gar nicht Kanacke sein) im Radio. Trotzdem schafft Sprache Distanz, soll sie ja auch. Es geht darum, dass wir gesprochene Sprache sprechen. Das war mal eine Grundregel im Journalismus. Findest Du auch in jedem Lehrbuch. Verkäufer*innen ist eben nicht gesprochene, sondern politische Sprache. Damit soll ja was bezweckt werden. Ich glaube, das viele die Gender-Diskussion angesichts ganz alltäglicher Probleme nicht nachvollziehen können. Das ist doch akademischer Elfenbeinturm. Und ich spreche so, dass es hoffentlich jeder versteht.

  • #7
  • #8
    Bart Wolfson

    Der Text tut richtig gut. Herr Westermann.
    Schön auch, dass hier der ganze Quatsch mit *zwinkersmiley *doppelkicher und *dreifachschmunzel endlich gelöscht wurde. Hoffentlich bleibt das so damit das Lesen auf den Ruhrbaronen wieder Spaß macht.

  • #9
    Gerald Mohn

    Herr Westerhoff, sie haben hier ganz viele Nägel auf den Kopf getroffen. Hoffen wir dass sich eines Tages wieder ein halbwegs objektiver Journalismus durchsetzen wird.

  • #10
    Joe

    Klassetext!
    Tut richtig gut dies auch mal von einem erfahrenen Journalisten zu lesen.
    Dies ist genau meine Beobachtung seit mehreren Jahren; und hat zur Kündigung diverser Abos meinerseits geführt (Spiegel u.a.)
    Zu ergänzen wäre m.E. noch, dass bei der ganzen offen zur Schau getragenen „Haltung“ die wichtigste journalistische Tugend häufig auf der Strecke geblieben ist; nämlich die so wichtige journalistische Neugier.
    Sie ist die Voraussetzung für hartnäckige Recherche zu wichtigen Themen mit ergebnisoffenem Inhalt. Aber dies ist eben häufig gar nicht gewünscht…

  • #11
    Christian S.

    Danke! Es tut gut, mal wieder darin bestätigt zu werden, dass es außer mir noch andere Menschen jenseits der Ultrarechten gibt, die bei den ganzen Studierendenwerken usw. regelmäßig Zahnschmerzen bekommen. Und ich würde mir, wohlgemerkt, eher die rechte Hand abhacken als mein Wahlkreuzchen bei der Alternative für Dumpfbacken zu machen.

  • #12
    Michael Westerhoff Beitragsautor

    @Christian S. – ich habe zu danken, weil Du es auf den Punkt bringst. Mir geht es mit der AfD genauso. Ich finde es deshalb wichtig, dass auch die demokratischen Kräfte ihr Unbehagen ausdrücken. Es sind eben nicht nur Rechte, die Kritik haben. Und ich mag auch nicht mehr schweigen dazu.

    Und den anderen danke ich auch. Bin nicht sicher, ob der Journalismus-Community das so gefällt. Umso wichtiger ist zu spüren, dass ich nicht der einzige bin, dem es so geht. Danke

  • #13
    Philip

    Da muss ich dir entschieden widersprechen. Ich denke, du bis hier lediglich in deinen Gewohnheiten verfangen. Es ist wichtig, dass auch für das genderkorrekte Sprechen Vorbilder gibt und da hat der ÖRR seine Aufgabe zu erfüllen. Das hat rein überhaupt nichts mit Alltagssprache vs. akademische Sprache zu tun, man kann nicht bei allem warten, bis sich das von selbst ergibt, siehe Frauenquote.

    Ich kann dir nur dringend empfehlen, dich mit Sprache und der Bedeutung von Worten mehr auseinanderzusetzen. Es gibt zB gute Gründe, das Wort "Flüchtling" zu substituieren (das ist ein Diminutiv und der ist despektierlich).
    Würde man deiner Argumentation kosequent folgen, würde am Ende auch nichts dagegen sprechen, noch "Negerkuss" oder "Mohrenkopf" zu verwenden. Das ist weder angemessen noch zeitgemäß.

  • #14
    Burkhard Schröder

    Danke und chapeau! Es gibt offenbar doch noch Kollegen, die rational denken können. Der Artikel wird leider nichts bewirken, weil reaktionäre Sprachesoterik eine quasi-religiöse Konsistenz hat und – vergleichbar mit einer Subkultur – ein soziales Milieu, hier die Mittelklasse, aus der fast alle Journalisten stammen, nach "unten" abgrenzen soll. "Unten" ist der Pöbel, der noch nicht einmal korrekt sprechen kann. Gendersprache ist nichts weiter als systemaffiner Klassismus.

  • #15
    Psychologe

    @ Philip:

    Die Sensibilität, die verlangt wird, ist die Sensibilität gegenüber einer postmodern-postmaterialistischen, sozialkonstruktivistischen Weltanschauung, nicht gegenüber realen Problemen, auch nicht denen der Trans-Menschen. Fun Fact: Es war der WDR, der Transsexualität einst als "einzige psychische Erkrankung, die durch eine Operation geheilt werden kann" bezeichnete. Das muss Ende der 80er, Anfang der 90er gewesen sein. Inzwischen ist mir im YouTube-Kanal von Einslive erstmals eine "Triggerwarnung" begegnet. Der Elfenbeinturm wächst also.
    Das Gendersternchen und seine Bedeutung ist für mich das Pendant zur Flath-Earther-Bewegung: Es soll auf Biegen und Brechen Wahrheit geformt werden. Glaubt nicht, was ihr seht, sondern das, was Euch Geisteswissenschaftler erzählen. Durch die Hintertür wird, so lange es fancy ist, am "neuen neuen Menschen" gewerkelt.
    Die Intellektuellen haben sich schon immer in ihrem Überfluss an Narzissmus für die Retter der Unterdrückten gehalten. Hierum geht es auch. Also nicht um die Unterdrückten, sondern um deren Retter. Und da man so geil ist, hat man gleich noch weitere Opfergruppen definiert, die man retten kann. Und wo Opfer sind, müssen auch Problemlagen her. Schon ist das Gendersternchen da.

    "Plötzlich schreiben und sprechen viele Medien auch nicht mehr von „Teilnehmern“, sondern von „Teilnehmenden“ "

    Die beste Entgleisung bisher: "Gästin" für einen weiblichen Gast, auf "Funk". Man schaue sich mal dort "auf klo" an, das ist inzwischen fast schon linksradikal. Und öffentlich-rechtlich.

    Ansonsten: Klasse Beitrag von Michael Westerhoff.

  • #16
    Karla

    Wir werden zwar nicht allein wegen dieser Fragestellung , gendern oder nicht gendern, technologisch weltweit technologisch absacken, aber wegen der unglaublich langen Zeit, die wir dieer Fragestellung opfern, ohne uns mit dem technologischen Fortschritt zu befassen. Wir werden vielleicht sogar deshalb, weil wir dem Klimawandel, den es ja tatsächlich gibt, außer Angst nichts entgegenzusetzen wissen, als Europäer aussterben, obwohl andere außereuropäische Völker überleben werden. Aber wie kämpfen wir? Mit Angst, oder mit Technologie? Da die Zeit, die wir dieser Fragestellung des Genderns widmen riesig ist, die Zeit aber, die der möglichen Problemlösungen gewidmet werden, mir persönlich winzig zu sein scheint, sollten wir über die Gründe nachdenken, die dafür verantwortlich sein könnten. Das ist auf jeden Fall wichtig, falls wir überleben wollen. Ich will das jedenfalls.

  • #17
  • #18
    DAVBUB

    @13: Der "Flüchtling" ist zunächst einmal in den meisten Fällen ein aus einem sicheren Drittland illegal eingereister, -oft mit ungeklärter Identität -Asylbewerber. Ob er Anspruch auf einen Schutzstatus hat, ist dann noch zu klären. Pauschal alle Asylbewerber von vornherein als "Schutzsuchende" , "Geflüchtete" oder meinem persönlichen Top 1, zum "Schutzberechtigten" zu erklären, ist sprachlich ebenfalls falsch.

  • #19
    Helmut Junge

    Im Titel geht es darum Gendersternchen zu sprechen. Wer das mag, kann es ja auch tun. Im Zdf macht es eine Nachrichtensprecherin immer, oder zumindest häüfig. Klingt irgendwie wie stottern. Dabei spricht sie nicht einmal schwierige gegenderte Wörter. Egal, schon in dieser Form klingt das nicht gut. So etwas wird sich nach meiner Meinung vermutlich kaum durchsetzen Diese Mühe werde ich mir nie machen. Dann lieber umständliche Erklärungen. Das mache ich ja schon lange..Albern klingt das wenigstens auch nicht.

  • #20
    Rhtghh

    Sehr geehrter Herr Westerhoff,

    Annette Schavan hat ihre Dissertation zu den Themen Ethik und Moral verfasst und das Verwaltungsgericht befand, Abschreiben sei kein wissenschaftler Beitrag und ein Doktortitel dafür unangebracht.

    Die Frau war tatsächlich mal Bundesbildungsministerin gewesen.

  • #21
    GMS

    Das Bildungsniveau in der Presse ist nicht besonders hoch. Statistik, Wissen über grundlegende Mechanismen der Wirtschaft, der Biologie oder auch der Geschichte, Soziologie oder IT ist bestenfalls schwach ausgebildet. Das mag schon immer so gewesen sein, aber durch die leichtere Verfügbarkeit von Wissen durch das Internet, macht diesen Mangel offensichtlich. Dabei muss man sich nur mal die Geschichte der "Hitlertagebücher" ansehen (vor vielen Jahren von Robert Harris als Reportage veröffentlicht).
    Das sich die deutsche Sprache immer wieder wandelt und derzeit dazu das sie inklusiver wird, ist zunächst einmal normal und für die meisten Leute wohl auch gut. Das das holprig und mit seltsamen Blüten verläuft auch normal. Ich erinnere in diesem Zusammenhang gerne mal an das Wort "gedownloadet".
    Haltung zu zeigen ist ebenfalls eine gute Sache, für einen Journalisten gibt es dafür allerdings nur einen PLatz – im Kommentarteil, oder im eigenen Blog, oder auf Twitter. In einer Reportage auch, dort aber besonders gekennzeichnet.
    Das sich Journalisten zu Aktivisten erklären und sich gemein machen mit einer politischen Idee oder einer Firma als PR Abteilung andienen – das ist so falsch das man das bereits vor der Ausbildung zum Journalisten weiß, oder besser wissen müsste.

    Es ist allerdings an der Presse hier bessere Qualität zu liefern, denn sonst sind die Leser weg.

  • #22
    ke

    @2 Helmut Junge:
    Aktuell höre ich die folgende Programme:
    SWR Wissen (Ralf Casparys Aula Sendungen sind Mega).
    Deutschlandfunk Hörsaal
    Deutschlandfunk Sternzeit
    WDR Neugier genügt
    WDR Quarks

    Omegatau Podcast (https://omegataupodcast.net/)

    Bei Quarks sind eher die Zuhörer eine Zumutung, die überwiegend meinen ,mit ein paar symbolische Aktionen aus dem Bereich "gefühlte Wahrheiten", die Welt zu retten.

  • #23
    Manfred Michel

    Die Gender- Schreibweise ist für mich eine Schreibweise der Eliten und des Establishments. Sie ist das Ergebnis eines Top- Down- Prozesses. Umfragen haben ergeben, dass die meisten diese Schreibweise ablehnen. Viele Frauen haben auch keine Probleme mit dem generischen Maskulinum. Sie haben wohl andere Probleme, oder setzen andere Prioritäten als sich dieser elitären akademischen Debatte anzuschließen. Allerdings ersetze ich, wenn ein Gedicht vortrage schon mal Männer durch Menschen. Das ändert aber nichts daran, dass ich die Gender- Schreibweise entschieden ablehne. Und bei mir kommen auch schon mal Zweifel auf, ob es ein Geschlecht, Two Spirit, 3. Geschlecht, indianische Bezeichnung für zwei Seelen in einem Körper gibt. Ich glaube Herr Kapuske würde mir da den Vogel zeigen. Und wenn man den Leuten etwas aufoktroyieren will, produziert man automatisch auch Widerstand. In der Psychologie spricht man da von Reaktanz. Ich würde die AfD auch als Reaktanz- Partei bezeichnen. Und die autoritäre, identitätspolitische Linke ist wirklich ein großes Problem. Ob Politiker ein Mandat dafür haben das Volk zu erziehen weiß ich nicht.

  • #24
    Hans Zander

    Man muss leider konstatieren, dass im öffentlich rechtlichen Rundfunk und insbesondere bei Redaktionen wie dem heute journal seit einiger Zeit Dinge ins rutschen geraten sind. So wurde bspw. das Urteil des Thüringer Verfassungsgerichts zum Thema Paritätsgesetz mit der Zusammensetzung des Gerichts (mehrheitlich männlich) in Verbindung gebracht. Im gleichen Beitrag durften sich die klagenden Parteien äußern – dass die Grünen ihre eigenen Ansprüche durch eine Benachteiligung männlicher Abgeordneter selbst verletzten wird übersehen. So verkommt Journalismus zur parteipolitischen Werbeplattform.
    Zurück zum Thema: der Gender Stern in sich würde Menschen vermutlich einleuchten, gebe es belastbare Zahlen zu dem Thema. Die gibt es aber nicht. Die Zeit hat sich letztes Jahr bemüht in den Standesämtern an Informationen zu gelangen. Im Ergebnis hatten sich hochgerechnet 150 Menschen in Deutschland divers in ihren Personalausweis eintragen lassen. Selbst an Zahlen zu kommen ist bspw. selbst in Berlin nicht möglich. Vielleicht sollte guter Journalimus hier mal ansetzen, statt den Leuten erklären zu wollen wie sie die Welt sehen sollen.

  • #25
  • #26
    Guiseppe Bottazzi

    Es drängt sich der Eindruck auf, dass der Genderstern bei den gebildeten Ständen die Nachfolge des Doppelnamens angetreten hat.

  • #27
    rotkäppchen

    Reaktanz auf Etablierte/s bedeutet einfach nur Nichtakzeptanz von Etabliertem, wobei natürlich auch Nichtetabliertes nicht akzeptabel sein kann. Wenn alle, die sich jenseits der AfD befinden, sich mehr mit Inhalten & Problemen befassen und ihren eigenen Job gut machen würden, dann gäbe es auch weniger Reaktanz. Das bedeutet aber auch, dass man sich mit der „Straße”, der „Basis”, den „Menschen” mehr und intensiver befassen müsste und nicht nur Sonntagsreden schwingen und Selbstbeweihräucherung betreiben darf. „Diese Parkbank wurde auf Betreiben der xxx (Partei) aufgestellt”, Die xxx (Partei) hat dafür gesorgt, dass …” und es gäbe noch unzählige dieser Aussagen. Auf Dauer sind die Menschen es leid hören, sehen und lesen zu müssen, dass die xxx (Partei) dieses oder jenes veranlasst, initiiert, ermöglicht oder sonstwas hat. Dazu sind unsere gewählten politischen Vertreter (!) doch da. Was ist da besonderes dran? Oft steht das Parteilabel an exponiertester Stelle, noch weit über dem eigentlichen Inhalt. Dabei reicht es aus, dass man „Taten sprechen lässt” und nach dem Motto „Tue Gutes und spreche drüber” die Mund-zu-Mund-Propaganda (heute spricht man wohl vom Influenzertum) nutzt, was oft viel effektiver ist als millionenschwere Werbeetats. Die Marketer wissen das schon sehr lange.
    Die Menschen sind nicht blöd! Sie wissen ganz genau wer, wo, was getan, aber auch nicht getan hat. Eine Partei ist, zumindest für mich, mehr als nur eine Marke. Partei besteht aus Menschen, die kommunizieren (nicht nur Einwegdialoge!) oder einfach nur reden wollen, die sich zusammenfinden um etwas zu tun, sich zu freuen und deutlich mehr wollen als einem Markenzeichen hinterherzulaufen. Die Menschen lassen sich zwar beeinflussen, aber 100%ig steuerbar sind sie wohl nicht. Das werden manche aber erst dann feststellen, wenn sie merken dass an ihren Fäden keine Marionetten mehr hängen.
    Ich begrüße es sehr, wenn die Journaille sich wieder mehr auf Inhalte besinnen und die Aufklärung von Sachverhalten ganz nach oben stellen würde, anstatt verstärkt nur noch auf Political Correctness, korrektes Gendering, richtige Positionierung und was weiss noch, Hauptsache es ist richtig, abzuheben.
    Schön dass Sie sich diesen Artikel getraut haben. Weiter so. Danke schön.
    Bleiben Sie gesund und haben eine gute Weihnachtszeit.

  • #28
    Karla

    Die Zukunft wird sicher noch sehr viel einseitiger als die Gegenwart. Da ist nichts mehr zu retten. In 20 Jahren sind wir technologisch am Boden, und China kauft uns auf.
    https://www.theeuropean.de/the-european-redaktion/was-waehlen-ard-volontaere/?fbclid=IwAR2F9MLIlsEPw8CWGfxoxmDn_2KO_gWKSP00FpFLsyxjS9JFit6vYeALLSE

  • #29
    mitm

    @Michael Westerhoff: Danke für den Beitrag! Ich hoffe nur, Sie vereinsamen unter den Kollegen nicht. Ich habe hier ( <a href= "http://maninthmiddle.blogspot.com/p/medien.html#journalisten" >Politikjournalisten soziologisch betrachtet</a>) eine ganze Reihe von Studien zusammengestellt, die alle konsistent zeigen, daß Politikjournalisten weit überwiegend grün, links, feminitisch/transaktivistisch sind. Bei so einer Schieflage entsteht automatisch ein starker Anpassungsdruck auf die Minderheit. Und wenn man sich auf z.B. auf journalist.de umsieht, bekommt man Augenschmerzen von den vielen Gendersternen, d.h. die Leitorgane haben sich ideologisch völlig eindeutig positioniert.

    @Manfred Michel: "Die Gender- Schreibweise ist für mich eine Schreibweise der Eliten und des Establishments."

    Stimmt. Der Linguist Stefanowitsch hat die Gendersterne als "soziolinguistischer Marker" bezeichnet, die als soziales Distinktionsmerkmal fungieren und die eine politische Überzeugung bzw. Gruppenzugehörigkeit offen herausstellen. Gendersterne, egal ob geschrieben oder gesprochen, sind zuallererst politische Bekenntnisse zur Identitätspolitik. Dazu eine Leseempfehlung: https://www.freitag.de/autoren/mburkhardt/identitaetspolitik-ist-klassenkampf-1

  • #30
    mitm

    @Hans Zander: "So verkommt Journalismus zur parteipolitischen Werbeplattform."

    Das ZDF ist seit längerer Zeit knallhart feministisch. "Werbung" ist eine Untertreibung, die heute-Show, gender-stotternden Sprecher usw. kann man eher als top-down Indoktrination von einer medialen Machtposition aus bezeichnen.

    "150 Menschen in Deutschland divers"

    Mit dem Genderstern sind nicht nur die wenigen Intersexuellen (also biologisch nicht eindeutig als Mann oder Frau klassifizierbaren Personen) gemeint, sondern vor allem Nichtbinäre, Transsexuelle und Dutzende weiterer Sonderformen, deren Besonderheit im Psychologischen oder im Verhalten liegt, was oft mit "sexueller Identität" umschrieben wird. Eventuell auch Homosexuelle, obwohl die sich ganz eindeutig als Mann bzw. Frau verstehen. Jedenfalls kann man den Betroffenenkreis leicht nach Belieben aufblähen.

  • #31
    DAVBUB

    @ 24: "So verkommt Journalismus zur parteipolitischen Werbeplattform."
    Das hat Methode. In den verschiedenen Magazinen des WDR 5 kommen zu wirklich jedem Thema Grüne -kleinste Partei im Bundestag- zu Wort. Dabei werden sie von den Moderatoren wohlwollend als Stichwortgeber begleitet, oft weiß man nicht mehr, wer gerade Moderator bzw. Interviewer ist. AFD (immerhin unabhängig vom Inhalt 60% mehr Stimmen als die Grünen) und FDP kommen fast gar nicht vor, und wenn, dann sind das eher keine Interviews als Diskussionen mit kräftigen Angriffen seitens der "Journalisten". Permanent werden die Zuhörer darauf hingewiesen, daß sie sich fleischlos, bio und unverpackt ernähren sollen sowie wie sich sich in der Gesellschaft bewegen (ohne Verbrenner)und äußern sollen. Da wird geframt und gegendert,was das Zeug hält. Dann wird sich über den Widerstand gegen die GEZ i.A. und der Erhöhung der Beiträge i.B. gewundert. Auch bei anderen ÖR sind diese Entwicklungen zu beobachten: Die Ablehnung des bedingungslosen Grundeinkommens in der Schweiz mit Dreiviertelmehrheit wurde vom heutejournal in Person Kleber gefeiert wie die Ankunft des Erlösers: Immerhin 23% hätten zugestimmt, die haben das ja auch verstanden. Die anderen Ahnungslosen muß man halt nur noch "da abholen, wo sie stehen", "mitnehmen", es ihnen "besser erklären". Mit anderen Worten: Die sind halt zu blöd. Und so geht es zu allen Themen, auf vielen Sendern; die Verbrüderung von sehr vielen "Journalisten" mit rot-rot-grün läuft in meinen Gedanken unter politisch-medialer Komplex (PMK). Glücklicherweise sind die Menschen nicht so blöd wie vom PMK gedacht, seit Jahren kommt r2g nicht über knapp 42% hinaus.

  • #32
    Bebbi

    Sollen mit den Empörungsartikel aufgrund persönlicher Befindlichkeiten die Masse der Leser dazu motiviert werden, endlich dafür zu zahlen, irrelevante Empörungsartikel zu lesen? Die Ruhr Nachrichten setzen auch immer mehr auf das Pferd. In welche Richtung bewegen sich die Leserzahlen da?

    Wird daraus nicht ein Problem: Das Radio soll das nicht sagen, weil es der kleine Mann nicht sagt. Und der wird es nie sagen, wenn er es nie hört?

    Geht es wirklich um das Sternchen? Das ist doch aufgekommen, weil man Menschen sichtbar machen möchte, die im dualistischen Modell von Mann und Frau als Nicht-Mann nicht vorkommen. Das rüttelt dann halt bei manchen an den Grundfesten, der Identität. Anders als ein sinnfreies Apostroph bei Genitiv.

    Un Sprache entwickelt sich weiter. Man wird sehen, ob sich das durchsetzt oder nicht. Die Mehrheit der Leute sagt auch nicht mehr Neger. Verstanden haben das am Anfang sicherlich auch viele nicht, warum das keine so gute Idee ist und trotzdem hat sich das weitesgehend durchgesetzt.

    @6: Michael Westerhoff
    Naja, welche Mediziner kann schon erklären, was diese 95 %-Signifikanz bedeutet,, mit denen er in seinen Studien hantiert?

    @ 15: Psychologe
    Triggerwarnungen sind einfach nur Entmündigungen des Rezipienten, selbst beurteilen zu können, womit er sich befassen möchte oder nicht.

    @ 15/!6 u. a.
    Ja klar, es kommt allein auf technischen Fortschritt an, der per se immer gut ist.

  • #33
    Mario

    <blockquote>Im Titel geht es darum Gendersternchen zu sprechen. Wer das mag, kann es ja auch tun.</blockquote>
    Nein, so tolerant sollten wir nicht sein. Es gibt Menschen, die offensichtlich selbst im Erwachsenenalter wie kleine Kinder behandelt werden müssen. Es müssen ihnen Grenzen aufgezeigt werden. Sonst wird Gendersprech immer mehr ausgereizt und irgendwann muss man dann politisch korrekt sprechen.
    (Muss man dank Cancel-Culture eigentlich eh schon immer, "Neger" ist seit Ewigkeiten verpönt.)
    Wenn Arbeiten von Studenten nicht mehr zur Prüfung zugelassen oder aber willkürlich schlechter bewertet werden, weil sie nicht "ordnungsgemäß" gegendert sind, ist bereits etwas zu weit gegangen und schief gelaufen in unserer Gesellschaft.

    Apropos kleine Kinder. Unseren Kindern wird diese Sprachverhunzung als Normalität verkauft. Inklusive der üblichen Frau-Opfer- und Mann-Täter-Klischees. Denn die deutsche Sprache mit dem generischen Maskulinum ist natürlich das Werk des toxischen Patriarchats. Wobei Frauen, wie immer, besonders betroffen sind.

  • #34
    Steffen

    Also ich finde dieses gesprochene Gendersternchen in den Nachrichten fast schon nötigend und übergriffig. Die deutsche Sprache ist eine sehr schöne Sprache. Diese Vermischung von männlich, weiblich, sächlich der Sprache mit biologischen Geschlechtern empfinde ich als unsinnig und sprachverschandelnd.

    Ich kann mir das wirklich nicht anhören, weder im Fernsehen, noch im Radio. Ich finde das geradezu widerlich – ich weiß auch nicht, wie ich das beschreiben soll. Es triggert mein ästhetisches Empfinden.

    Ist es nicht eher so, dass eine Minderheit der Mehrheit diese Sprache aufzwingen möchte? Ist es nicht so, dass Sprache nicht per politischem Zwang verändert werden kann und sollte, sondern von sich aus sowieso Veränderungen unterliegt, die sich dann dauerhaft durchsetzen oder eben nicht?

    Ich hoffe, dieses "Experiment" findet bald ein Ende, es ist überaus nervtötend.

  • #35
    Helmut Junge

    Mitgliederinnenversammlungen hatte ich schon in den Neunzigern gekannt. Ich habe noch Einladungen aus dieser Zeit in einer Kiste, die immer mal entsorgen wollte.
    Dann kam mit dem Binnen-I das Wort MitgliederInnenversammlungen,.
    und jetzt kommt noch das Gendersternchen hinzu und das Wort heißt Mitglieder*innenversammlung. mit Sprechpause.
    In den Neunzigern habe ich eine frauenbewegte Frau dazu befragt, weil ich dachte, das ein Mitglied sächlich wäre, heißt es doch "das Glied". Doch ich wurde belehrt, daß dieses Wort zwar sächlich sei, aber so extrem männlich besetzt wäre, und deshalb die Frauen ausschlösse. Darum ist die weibliche Form die Richtige.
    Was nun? Glücklicherweise gibt es Ausnahmeregelungen. Auch Terroristinnen, Mörderinnen und andere schlimme Wörter fallen scheinbar unter Ausnahmereglungen. Ich habe nämlich noch keine Nachrichtensprecherin bei diesen Wörtern das Gendersternchen stottern gehört.

  • #36
    TMK

    Vielen Dank für diesen guten Text, Herr Westerhoff.

    @Philip: Sie schreiben:

    "Es gibt zB gute Gründe, das Wort "Flüchtling" zu substituieren (das ist ein Diminutiv und der ist despektierlich)."

    Pardon, das ist Unsinn. Das Suffix "-ling" erzeugt keine Diminutive. Oft (aber auch nicht immer) kennzeichnet es eine Person, die durch eine Eigenschaft oder ein Merkmal charakterisiert ist. Es wird z. B. genauso in Feigling und Fremdling verwendet wie in Häuptling, Liebling, Säugling oder Schmetterling.

    Vielleicht sollten Sie sich über die "Bedeutung" der Wörter selbst besser informieren.

    Es ist bei einem nicht ganz kleinen Teil der Bevölkerung gerade ziemlich angesagt, an allen möglichen Stellen "sprachliche Benachteilingung" zu wittern und "sprachliche Diskriminierung" zu behaupten. Meist sind das eher gebildete Menschen, die ofmals doch erstaunlich wenig wissen.

  • #37
    Thomas Wiltberg

    Der damalige Anspruch, im neuen privaten Rundfunk wie die Hörer zu sprechen, sollte ja auch dazu dienen, weniger gönnerhaft, weniger herablassend, weniger allwissend zu wirken (und weniger kölngesteuert, jaja). Die Umsetzung roch dann zwar manchmal anbiedernd, aber es war klar, dass dieser Rundfunk keine Macht über die Sprache und damit über die Menschen ausüben wollte.
    Dieser Anspruch ist – um es mit dem perfekt Surrogat-Journalismus signalisierenden Wort zu bezeichnen – nicht mehr "zeitgemäß".

    Denn genau diese Machtausübung – neben allfälliger Herablassung und virtue signalling – macht heutige Medien so ungenießbar. Von wegen "Sprache verändert sich": Nein, sie WIRD verändert, und zwar von oben; es ist eine Machtfrage, es ist eine Klassenfrage, und das war Sprachveränderung in Zeiten der Massenmedien immer. Und nein: der volkspädagogische Zweck heiligt kein einziges Mittel. Ganz im Gegenteil.

  • #38
    mitm

    @TMK: "Bedeutung der Wörter"

    Stimme Ihnen völlig zu hinsichtlich der gewachsenen Bedeutung der Sprache bzw. Wortformen.

    Wir befinden uns aber gerade in einem Kulturkrieg, der funktioniert mit Begriffsverschiebungen und Änderungen der Semantik der Sprache. Solche krassen Formen wie der Genderstern, wo sogar der Zeichensatz und die Grammatik der Sprache verändert werden und ein völlig neuer Worttyp entsteht, die abgehängte Endsilbe "Innen", sind nur die auffällige Spitze des Eisbergs. Das meiste ist wenig auffällig.

    Bestimmte Kreise *wollen*, daß das Suffix "-ling" als diminutiverzeugend verstanden wird, daß beim Standardgenus, der irreführend als Maskulinum bezeichnet wird, die Frauen "nur mitgemeint" sind usw., das ist ihre Waffe im Kulturkrieg, damit kann man Emotionen und Opferstatus erzeugen. Das Argument, daß die gesprochene Sprache ganz anders ist, interessiert in diesen Kreisen überhaupt nicht.

  • #39
    _Flin_

    Gerade beim Thema "Gender" ist es offensichtlich, wie sehr den politischen Rattenfängern das Feld überlassen wird. Anstatt auf Gleichberechtigung hinzuarbeiten, wird von links-autoritärer Seite Lobbyismus für mehr Macht und mehr Geld von Frauen betrieben.

    Man braucht sich nur die Diskussionen um die verfassungswidrigen Paritätsgesetze von Brandenburg und Thüringen, oder die Diffamierungskampagne gegen die Förderung des Vereins "Forum soziale Inklusion" betrachten.

    Wer für Rechte und Belange von Männern Eintritt, wird diffamiert und als rechtsextrem verleumdet. Dass ausgerechnet eine AfD sich dann mit ihrer Klage zur Hüterin der Verfassung aufschwingen kann, ist ein Armutszeugnis für die etablierten Parteien und die Medien.

    Auch die Unredlichkeit im Diskurs ist frappierend. Falls Sprache Bewusstsein bildet (was ich nach 30 Jahren Binnen-I und Frauenquote in der SPD auch bezweifele), wieso ist dann das bewusste Ausschließen von Männern aus der Sprache durch Verwendung von Wähler*innen in Ordnung? Von offensichtlichen Lügen und Wahrheitsverdrehungen in der Gender Forschung ganz zu schweigen. Ob Gender Pay Gap oder WEF Gender Gap Report, eine genaue Betrachtung mit propagierten Zahlen und Ergebnissen entlarvt eine kampagnenoroentierte Haltungs"wissenschaft".

    Die linken Parteien brauchen sich nicht wundern, wenn sie keine Mehrheiten zustande bringen. 50% der Bevölkerung, die Männer, aktiv aus ihrer Politik zu entfernen und zu bekämpfen, ist ein Rezept des Scheiterns. Die Männer auf dem Feld, im Wald, am Band, auf dem Bau, in den Serverräumen und in der Werkstatt können doch nur Lachen, wenn ihnen jemand mit Quoten kommt. Das geht zu 100% an ihrer Lebenswirklichkeit vorbei. Keine Frauen in Sicht, aber falls doch eine da ist, soll sie bevorzugt befördert werden, um Quoten zu erreichen. Und gleichzeitig kriegen ihre Söhne schlechtere Noten und ihre Frauen werden im Scheidungsfall bevorzugt. Und wenn diese Frauen mit Tellern nach ihnen werfen, und sie die Polizei holen, müssen die Männer die Wohnung verlassen.

  • #40
    Berthold Grabe

    Man kennt solche Bewegungen und Umtriebe, ob Inquisition, Blockwarte oder "Auschüsse für unamerikanische Umtriebe" oder neuerdings Ethikräte oder Sprachpolizei.
    Es macht keinen Unterschied, immer steckt die Anmaßung von kleingeistigen Spießern dahinter, die sich berufen fühlen anderen Vorschriften machen zu dürfen und dafür gerne pseudowissenschaftliche Argumente anführen, die jedoch keinerlei näherer Betrachtung standhalten können.
    Und vor allem sich über geltendem Recht oder dessen Prinzipien pervertieren.
    Bin ich verwundert?
    Nein , es sit eine auf und ab. sobalddie menschen die letztze Katastrophe vergessen haben oder ineine klar umrissene Schublade gesperrt haben, fangen sie mit neuem Etikett den alten Blödsinn von vorne an, das Einzige was sich ändert ist die Ideologie, nicht mal die grundsätzliche Begründung.
    die Hybris liegt immer darin zu glauben man stehe über den Fehlern der Vergangenheit, dabei steht man bestenfalls über den konkreten Symptomen der Vergangenheit, nicht über den Fehlern.
    Weil der Menschentyp der diese Fehler begeht immer derselbe ist, bessere Ausbildung, machtgeil und dumm, unfähig zur Selbstkritik und Bescheidenheit!

  • #41
    Hans Zander

    @mitm
    Das sich Menschen aufgrund einer genetischen Disposition nicht in ein klares Mann/Frau Schema einordnen müssen, kann ich rational begreifen. Vor dem Genus sind vermutlich alle gleich. In das dualistisch-feministische er/innen passt ein "diverser" oä Mensch nicht. Die wirre Folgerung, jeder solle sein eigenes Geschlecht im Sinne des Genders definieren verstört mich zutiefst.
    Wo ist hier die universelle Ratio im Sinne der Aufklärung? Haben nicht über Jahrhunderte Menschen in Europa dafür gekämpft, die Vormundschaft von Kirche und Adel zu brechen? Was ist denn die Selbstdefinition des Einzelnen anderes als das adelige Privileg der Selbstabgrenzung. Habe ich zukünftig die moralische Pflicht, verarmten Landadel wieder mit "Eure Durchlaucht" anzusprechen? Oder wird mich meine Freundin mit "Mein Deckhengst" ansprechend?

  • #42
    mitm

    @Hans Zander "Die wirre Folgerung, jeder solle sein eigenes Geschlecht im Sinne des Genders definieren verstört mich zutiefst."

    Das wird von den Grünen zur Zeit als Änderung von Art. 3 GG gefordert und hätte üble Konsequenzen, Details s. hier: <a href= "http://maninthmiddle.blogspot.com/2020/12/keira-bell-high-court-urteil.html" >Der Fall Keira Bell</a>

    "Habe ich zukünftig die moralische Pflicht, verarmten Landadel wieder mit "Eure Durchlaucht" anzusprechen?"

    So ähnlich ist das in Teilen Nordamerikas längst Realität. Beispiele für alternative Pronomen finden Sie z.B. auf diesem offiziellen Anmeldeformular der Georgia State University: https://gsu.qualtrics.com/jfe/form/SV_9Mu0BRlt7L81bdX?Q_JFE=qdg

    Wenn ich mich richtig erinnere, dann ist es in Kanada inzwischen sogar strafbar (wegen Diskriminierung), solche alternativen Pronomen nicht zu benutzen. Wenn sie da eine Transfrau mit "er" bezeichnen oder die Meinung haben, Transfrauen seien keine 100% echten Frauen, dann ist die Hölle los. Das gilt als Haß-Verbrechen und bringt Ihnen einen Besuch von der Polizei ein. Ihren Job sind sie wahrscheinlich auch los, das läuft auf eine soziale Vernichtung hinaus. Also Gendersterne sind nur der Anfang, da geht noch mehr, und genau das wollen die Gruppen, die die Grundgesetzänderung vorantreiben.

  • #43
    DAVBUB

    @ 42: In den USA: ein Mensch verbrennt eine Regenbogenflagge (was ich für dumm, aber legitim halte) und wird wegen eines "Haßverbrechens" verurteilt. Das Verbrennen der Stars and Stripes gilt seit dem Vietnamkrieg als Protest.

  • #44
    Stephan

    Wow, quo vadis Ruhrbarone… Eine spießiger, höchst konservativer Text ohne Fakten und ohne journalistischen Mehrwert. Reine Meinungsmache und persönlicher Selbst-Beweihräucherung, was der Autor ja eigentlich kritisiert. Lächerlich, aber ich schätze mal da spricht gekränkter Männerstolz? Wir sind wohl wieder Anfang der 2010er angelangt. Der Autor sollte sich mal mit Diskursen auseinander setzen und wie diese wirken.

    Was wollen sie? Das alles immer so bleibt, wie Sie es sich in ihrer privilegierten Bubble wünschen?

    Peinlicher "Artikel"…

  • #45
    Karla

    Ja Stephan, das wäre ganz toll, wenn sich das Gendersternchen noch vor dem Weltuntergang wegen der Klimakatastrophe durchsetzen könnte. Gaanz, ganz toll. Dann wäre was geschafft. puuh.
    Das war dann aber auch viel Arbeit.
    Ich fürchte aber, daß wir zu diesem Zeitpunkt längst chinesisch sprechen müssen, weil wir technologisch nicht mitgehalten haben, und kaum noch was hochpreisige auf dem Weltmarkt anbieten können. Dann aber landet das Gendersternchen gleich mit der deutschen Sprache im Archiv.

  • #46
    Michael Westerhoff Beitragsautor

    @stephan: Natürlich ist das eine persönliche Meinungsäußerung. Deswegen heißt das Stück ja auch "warum ICH…". Und das unterscheidet mich von dir und anderen Kritikern. Mir geht es um eine individuelle Entscheidung, die im Widerspruch zum kollektivistischen Anspruch der Gender-Befürworter steht.

    Und es ist doch genau umgekehrt: Die privilegierte Bubble versucht der Gesamt-Gesellschaft eine Sprache und ein Denken aufzudrängen. Genau das ist es, warum ich nicht von links-liberal, sondern von links-autoritär spreche. An der Linken ist nichts liberal. Die plädiert für Toleranz, meint damit aber eigentlich nur, ihre eigene Meinung anderen überzustülpen. Und wer sich gegen diese Anwandlungen wehrt, ist konservativ und spießig.

    "Konservativ" ist längst ein Kampfbegriff geworden, um Andersdenkende zu diskreditieren. Wenn der Kampf für Liberalismus und freie Entfaltung konservativ ist, bin ich es sehr gern.

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  • #48
    Jochen Schmidt

    Sehr guter Artikel von Michael Westerhoff, auch viele Kommentare sind sehr gut, z. B. die von "mitm" und "_Flin_".

    Ein Aspekt fehlt mir im Artikel oben – er geht aber schon über das eigentlich Anliegen hinaus (hängt aber damit zusammen):

    Man sollte sich die prekäre Lage vieler Journalisten – ob bei den Zeitungen oder bei den Sendern – vor Augen halten. Ihre jeweiligen Redaktionen können fast jederzeit zusammengekürzt oder ganz aufgelöst werden. Konsequenz: diese dann arbeitslosen Journalisten müssen sich nun bei anderen Redaktionen bewerben.

    Ob sie dort auch angestellt werden? Das hängt davon ab, ob die Arbeitsuchenden diesen anderen Redaktionen zusagen, ob sie dazu passen, ob die Chemie stimmt. Und wie kann man dieses "Dazu-passen", dieses "Zusagen" proaktiv – also bereits vor der Auflösung der eigenen Redaktion – anbahnen und befördern?

    Indem man bereits als prekär beschäftigter Journalist so recherchiert und so publiziert, dass andere Redaktionen die entsprechenden Artikel gut finden, positiv bewerten. Kurz: indem man schon als noch beschäftigter Journalist hauptsächlich für andere Journalisten in anderen Redaktionen schreibt. Wie geht das? Indem man genau das schreibt, was die hören und lesen wollen: genau in dem sprachlichen Stil, den die gut finden.

    Und so ist jede öffentliche Äußerung eines noch beschäftigen Journalisten – ob im Artikel oder bei Twitter – letztlich eine Bewerbung bei einer anderen Redaktion: vorsorglich für den Fall, dass die eigene Redaktion bereits in vier Monaten zusammengekürzt oder ganz aufgelöst wird.

    Darum wird die ideologische Blase des Journalismus immer kleiner und fester …

    Ich denke, dieser Zusammenhäng hätte im obigen Artikel angesprochen werden sollen – aber wie gesagt: dieser Aspekt geht schon über das eigentliche Anliegen des Artikels hinaus.

  • #49
    D.

    Danke, Michael!

    Ein längst überfälliger, sehr guter Artikel, der voll trifft!

    Bitte mehr davon.

    D.

  • #50
    Thomas Scholz

    Hallo!
    Ich schließe mich Ihnen völlig an. Journalismus sollte unabhängig und unparteiisch sein, damit er seine Rolle als 4. Macht im Staat spielen und uns vor Populismus schützen kann.
    Neben der als Meinung gekennzeichneten Kommentare, die wichtig und richtig sind, geschieht eine nicht gekennzeichnete Stellungnahme oft durch die kommentierende Anmoderierung und eben auch durch eine politisch motivierte Art zu sprechen. Das ist ein Fehler.
    Die Online-Presse enthält im kostenlosen Teil ebenfalls vor allem Meinung. Für echte Information muss man bezahlen. Kostenlose Information überlässt man dagegen zweifelhaften Alternativ-Medien. Auch das ist ein Fehler.
    Obendrein schreiben die Medien ständig voneinander ab. Überall liest, hört und sieht man dasselbe. So entsteht der Eindruck einer Clique. Der auffällige gemeinsame Sprachgebrauch unterstreicht diesen Eindruck.
    Dieses Verhalten ist unverantwortlich, denn es bringt die professionelle Presse in Misskredit.
    Ihr Artikel zeigt, wie diese Dinge zusammenhängen. Dankeschön dafür.
    Herzliche Grüße

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