
Es sollte ein großes Fußballfest werden: Flutlicht, Tradition, Emotionen – das volle Programm. Doch was beim Zweitligatopspiel von Dynamo Dresden gegen Hertha BSC am Ostersamstag passierte, hatte mit Fußball so viel zu tun wie ein Feuerwerkskörper mit einem Kindergeburtstag. Statt Fußballleidenschaft gab es Randale, statt einem leidenschaftlichen Kick gab es TV-Bilder, die an Kriegsberichterstattung erinnerten – und statt Gänsehaut beim neutralen Sportfan eher Fremdscham.
Die Eskalation in der 19. Minute liest sich wie ein Drehbuch für den nächsten Stadion-Thriller: Fans stürmen Absperrungen, Ordner wirken wie Statisten, und plötzlich stehen sich zwei Lager gegenüber, die offenbar eher auf Konfrontation als auf Unterstützung ihrer Teams aus sind. Eine Minute lang fliegen Feuerwerkskörper hin und her – eine Minute, die mal wieder reicht, um ein ganzes Spiel zu ruinieren.
Die ewige Wiederholung: Dynamo und die Schlagzeilen
Man muss es leider so deutlich sagen: Es ist längst nicht das erste Mal. Und genau das ist das eigentliche Problem. Sobald irgendwo „Fan-Ausschreitungen“ steht, dauert es selten lange, bis auch der Name Dynamo Dresden fällt. Zufall? Kaum.
Der Klub steht seit Jahren in diesem Spannungsfeld: auf der einen Seite eine der leidenschaftlichsten Fanszenen Deutschlands, auf der anderen Seite eine Minderheit, die offenbar jedes Spiel als Einladung zur Eskalation und zur Selbstinszenierung versteht. Und diese Minderheit schafft es immer wieder, das Bild des gesamten Vereins zu prägen.
Man erinnere sich nur an 2016 – ja, genau, den legendären „Bullenkopf“-Skandal beim Pokalspiel gegen RB Leipzig. Eine Aktion, die so geschmacklos war, dass sie selbst im ohnehin nicht zimperlichen Fußballzirkus für kollektives Kopfschütteln sorgte. 60.000 Euro Strafe, Teilausschluss von Fans – und trotzdem: gelernt wurde offenbar nur bedingt.
Warum bekommt der Verein das nicht in den Griff?
Jetzt wird’s unangenehm. Denn die einfache Ausrede „Das sind nur ein paar Chaoten“ greift zu kurz. Natürlich ist es eine Minderheit – aber eine verdammt wirksame. Und vor allem: eine, die sich offensichtlich immer wieder durchsetzen kann.
Die Frage ist also nicht nur, warum diese Gruppen existieren – die gibt es leider in vielen Stadien. Die spannendere Frage lautet: Warum gelingt es Dynamo Dresden nicht, diese Strukturen nachhaltig zu durchbrechen?
Liegt es an zu laschen Kontrollen? An fehlender Konsequenz? Oder daran, dass Teile der Fanszene eine gewisse „Narrenfreiheit“ genießen, solange die Stimmung im Stadion stimmt? Der Verein betont regelmäßig seine Maßnahmen – Dialog, Fanarbeit, Sicherheitskonzepte. Alles schön und gut. Aber wenn am Ende wieder Bengalos durch die Luft fliegen, wirkt das eher wie ein Tropfen auf den heißen Stein.
Der Schaden ist größer als gedacht
Was viele unterschätzen: Solche Vorfälle treffen nicht nur das Image eines Vereins. Sie treffen den Fußball insgesamt. Familien überlegen sich zweimal, ob sie ins Stadion gehen. Sponsoren fragen sich, ob sie ihr Logo wirklich neben solchen Bildern sehen wollen. Und die Liga? Die darf sich wieder einmal erklären, warum sie ihre eigenen Probleme nicht in den Griff bekommt.
Am Ende bleiben zwei Wahrheiten: Erstens, die große Mehrheit der Dresden-Fans kann nichts dafür – und leidet am meisten darunter. Zweitens, solange diese Minderheit immer wieder die Kontrolle übernimmt, wird sich am Ruf von Dynamo Dresden wenig ändern.
Oder anders gesagt: Leidenschaft ist großartig. Aber wenn sie regelmäßig in Chaos umschlägt, wird sie zum Problem. Und genau das ist in Dresden leider viel zu oft der Fall.
