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Was Mario Götze mit Neymar verbindet

Mario Götze, zurück beim BVB im Sommer 2016. Foto: Robin Patzwaldt

Die Fußballwelt steht scheinbar völlig Kopf, seit dem spektakulären Wechsel von Neymar da Silva Santos Júnior, kurz Neymar Júnior, meist jedoch nur schlicht Neymar genannt, vom großen FC Barcelona zu Paris Saint-Germain am Ende der vergangenen Woche.

Die dabei geflossene neue Rekord-Ablösesumme im Weltfußball von bis dahin schier unglaublichen 222 Mio. Euro, welche in seinem Arbeitsvertrag bei den Spaniern per Ausstiegsklausel so festgelegt war, galt eigentlich bis vor kurzem noch als Phantasiesumme, ein Berg Geld den ohnehin niemand zu zahlen bereit wäre. Schließlich lagen die bisherigen Rekordsummen in diesem Bereich bei noch nicht einmal der Hälfte dessen. Ein sanftes Ruhekissen also für den FC Barcelona. So dachte man bisher zumindest.

In Paris war man, dank der Unterstützung katarischer Geldgeber, jedoch in diesem Sommer nicht nur in der Lage, sondern auch willens diesen Preis für einen neuen Stürmer zu zahlen. Der Spieler, teils sicherlich auf der Suche nach einer unumstrittenen Führungsrolle als Superstar (den Schatten von Messi in Barcelona hatte er seiner Meinung nach wohl schon zu lange ertragen müssen), teils wohl aber auch auf der Suche nach dem größtmöglichen Gehalt, konnte angesichts eines kolportierten Nettogehalts von rund 30. Mio. Euro pro Jahr in der französischen Hauptstadt, dem Werben offenbar auch nicht wiederstehen.

Und schon hatte die Sportwelt ein riesiges Thema, welches über Tage hinweg alles andere klar übertrahlte.

Neymar soll nun in Zukunft den Pariser Vorstädtern entscheidend helfen die UEFA Champions League zu gewinnen. Ob ihm das Kunststück tatsächlich gelingen kann, angesichts des nun ausgelösten Hypes? Nicht alle Beobachter sind davon bereits überzeugt.

Logisch und gut nachvollziehbar erscheinen vielen nämlich auch die kursierenden Bedenken, dass seine Verpflichtung ab sofort das Mannschaftsgefüge der Franzosen in völlige Unordnung stürzen wird, die Unruhe, welche nun drohende weitere Zu- und Abgänge in Folge einer Art Kettenreaktion mit sich bringen werden.

Nun, was die konkreten Folgen betrifft, da werden wir alle erst noch ein wenig abwarten müssen. Betreffen könnten diese u.a. auch den Ruhrgebietsverein Borussia Dortmund ganz massiv, dessen Profi Ousmane Dembélé als einer der Wunschkandidaten der Katalanen auf die Nachfolge des abgewanderten Offensivspielers gilt. Auch hier bei uns in der Region wird nun über eine entsprechen astronomische Ablösesumme spekuliert. Von gut 100 Mio. Euro ist aktuell die Rede. Das wäre ein neuer Bundesligarekord. Und das für einen Spieler, der erst eine einzige Spielzeit im absoluten Spitzenbereich des Profifußballs verbracht hat.

Auch das wäre wohl so nicht nachvollziehbar und für die Dortmunder womöglich ein guter Grund sich von dem beim BVCB so hochgeschätzten Riesentalents vorzeitig zu trennen. Sollte die Ablöse Dembélé tatsächlich die mögliche Summe für Torschützenkönig Aubameyang übersteigen, die Fußballwelt hätte ein weiteres Kuriosum vorzuweisen.

Doch auch wenn die Aufregung rund um den Neymar Wechsel aus vielerlei Gründen groß ist, so wirklich überraschend und aus heiterem Himmel kommt diese Entwicklung ja auch wieder nicht.

Erinnert sei hier noch einmal kurz an das Jahr 2013. Auch damals schon musste der BVB in vorderster Reihe selber miterleben auf welch verrücktem Weg der Profifußball inzwischen eingebogen ist. Der Abgang von Mario Götze in Richtung FC Bayern München war seinerzeit nämlich recht ähnlich gelagert.

Auch Götze sollte mit Hilfe einer von den BVB-Verantwortlichen als mächtige Abschreckung eingerichtete Ausstiegsklausel von damals noch sehr stolzen 36 Mio. Euro von einem vorzeitigen Abschied abgehalten werden.

Und auch hier fand sich damals schneller als gedacht ein Club, welcher diese Hürde zu nehmen bereit war. Und in München war man von diesem scheinbaren Transfercoup begeistert.

Das Gejammer über das eigene Schicksal war damals in Dortmund wohl auch ganz ähnlich groß wie aktuell die Bestürzung in Barcelona. Auch dort haben sich aktuell und sehr plötzlich viele Fans mit ihrem bisherigen Liebling überworfen, haben ihre Sympathien teilweise völlig entzogen. Mario Götze erging es damals bekanntlich recht ähnlich. Völliger Liebesentzug, von einem Tag auf den anderen.

Und wie auch beim Fall Götze damals, ist auch im Falle des Wechsels von Neymar nach Paris noch längst nicht sicher, ob der erworbene Spieler die hohe Erwartungshaltung beim neuen Club vollends erfüllen kann.

Wer einen so hohen Preis gekostet hat, von dem wird eben auch entsprechendes für die Zukunft erwartet. Sollte sich Neymar also sportlich vielleicht schwerer tun als erwartet, er sich womöglich in Kürze mal schwerer verletzen, so mittel- oder gar langfristig ausfallen, oder aber gar der sportliche Erfolg der Mannschaft in Gänze nicht den aktuell gigantischen Erwartungen entsprechen, das Blatt könnte sich auch sehr schnell wenden, aus der aktuellen Euphorie in Paris recht schnell wieder Ablehnung werden.

Auch das Spielchen hat Götze ja damals recht intensiv mitgemacht, bevor er dann im Vorjahr etwas reumütig wieder zu seinem ‚Wohlfühlclub‘ nach Dortmund zurückkehrte. Und wer weiß, vielleicht geht es Neymar ja irgendwann einmal ganz ähnlich. Die Fußballgeschichte ja schon die kuriosesten Geschichten geschrieben.

Und das ist dann auch das irgendwie Tröstliche an den derzeit laufenden Entwicklungen in Richtung totaler Kommerz: Überraschungen wird es auch in Zukunft immer in alle Richtungen geben! Auch der Brasilianer und Paris SG sind davor nicht geschützt. Trotz all des Geldes. Wenn sie es nicht glauben, dann können sie ja mal bei Mario Götze nachfragen…

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3 Kommentare zu “Was Mario Götze mit Neymar verbindet

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  • #2
  • #3
    Lukas N.

    @Robin
    Der Neymar-Transfer ist sicherlich ein Vorstoß in neue Dimensionen des Transfer- und Gehaltswahnsinns im internationalen Profifußball. Man musste zuletzt schon damit rechnen, dass es noch mehrere Transfers geben könnte, die sich im Bereich von 100 Millionen Euro bewegen. Diese Entwicklung zeichnete sich in der Tat bereits ab.
    Dass man so schnell in eine neue Dimension jenseits der 200 Millionen Euro vorstoßen könnte, ist dann aber doch überraschend und einigen Sonderfaktoren geschuldet.
    Zum einen gehörte dazu der aus verschiedenen Gründen wechselwillige Neymar (deutlich mehr Gehalt, Familienangehörige und Berater verdienen mit, wollten das also auch, heraustreten aus dem Schatten Messis, Aufstieg zum prägenden Spieler eines internationalen Topklubs usw.).
    Und zum anderen verfügt Paris SG über das Geld des Emirs von Katar. Der und Katar insgesamt stehen ja geopolitisch derzeit gewaltig unter Druck und sind in der Region isoliert. Paris SG ist hier Spielzeug und Spielball der katarischen Interessen zugleich. Es geht also auch um Politik, um Imagepflege, um Ablenkungsmanöver usw.
    Schließlich war der Deal nur möglich, weil Neymar in Barcelona über eine Ausstiegsklausel verfügte, bei deren Höhe man sich aber, wie Du schon beschrieben hast, auf der sicheren Seite fühlte. Wer wäre schon bereit und auch in der Lage, die astronomisch hohe Summe von 222 Millionen Euro zu zahlen?
    Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass im Gegensatz zu anderen Ländern das spanische Arbeitsrecht vorsieht, dass Arbeitnehmer mit befristetem Arbeitsvertrag die Möglichkeit haben müsen, diesen Vertrag vorzeitig aufzulösen. Spanische Klubs kommen deshalb nicht umhin, solche Ausstiegsklauseln in die Verträge zu schreiben, haben sich aber bisher bei den weltbesten Spielern angesichts der Höhe der Summe auf der sicheren Seite gesehen.
    Barcelona galt bisher als einer von nur drei oder vier Klubs, die generell nicht befürchten mussten, dass man ihnen Spieler abwerben könnte.

    In Deutschland sind Ausstiegsklauseln freiwilliger Natur. Aber oftmals sehen sich Klubs gezwungen, doch solche Klauseln aufzunehmen, weil ein Spieler ansonsten nicht unterschreiben oder verlängern würde oder Klubs setzen einen aus ihrer Sicht hohen Betrag an, im Wissen, dass sie den Spieler nicht dauerhaft halten können, aber dann wenigstens an einem Transfer gut verdienen wollen.

    Der BVB hat sich über eine Jahre eine wirtschaftlich und sportlich so starke Position erarbeitet, dass
    er neben dem FC Bayern der einzige Klub in Deutschland ist, bei dem kein Spieler mehr eine Ausstiegsklausel hat und bei dem neue Spieler keine mehr eingeräumt bekommen. Das verhindert zwar einen Spielerabgang nicht generell, aber ohne den BVB und dessen Zustimmung ist kein Transfer mehr machbar, so dass der BVB zumindest gute Bedingungen aushandeln kann, wenn sich ein Abgang nicht mehr verhindern lässt.

    Generell muss man sagen, dass der Profifußball weltweit eine derart hohe Bedeutung erlangt hat und auf ein derart großes Interesse stößt, dass immer mehr Geld bewegt werden kann und bewegt wird, auch immer mehr geschäftstüchtige Leute auf diesen Zug aufspringen. Diese Spirale lässt sich daher auch nicht stoppen. Das geht noch so lange gut, bis die Schraube irgendwann wirklich so überdreht ist, dass die Blase platzt. Wann das aber sein wird, weiß niemand.

    Und die Fans? Wenn die Fans europaweit und weltweit nicht mehr mitspielen, dann würde sich das regulierend auswirken. Aber haben die Paris SG-Fans protestiert? Haben sie sich abgewendet als Neymar bei seiner Vorstellung eine rührselige Story erzählte, die nun wirklich niemand glauben kann? Haben die Fans sich geweigert, ein Neymar-Trikot zu kaufen?
    Nein, 10.000 Neymar-Trikots waren angefertigt worden und waren innerhalb von Stunden verkauft, obwohl ein solches Trikot sage und schreibe 155,– Euro kostet!!!
    Und in England? Da sind die Eintrittspreise überhöht und viele Normal- und Geringverdiener können sich den Stadionbesuch nicht mehr leisten. Folge: Immer mehr Eventfans, die über das notwendige Geld verfügen, bevölkern dort die Stadien und die Stimmung leidet. Die Investoren-Eigentümer der Klubs stört das aber nicht, Hauptsache, die TV-Gelder fließen und die Fans weltweit folgen dem Klub.
    Wie lange das so gut geht, muss man abwarten. Es gibt ja bereits Gegenbewegungen und in Sachen „Finanzen“ kann man zahlreiche Klubs trotz der vielen Millionen nicht gerade als gesund oder seriös wirtschaftend bezeichnen.
    So lange es keinen Einbruch bei den Fans national und international gibt, geht die Spirale zunächst mal so weiter. Siehe Fans des Klubs Paris SG und deren Jubel über den Neymar-Transfer, deren Bereitschaft, sich von ihm Märchen erzählen zu lassen und ein Trikot für 155,– Euro zu kaufen.

    Unter anderem wäre jetzt auch die UEFA gefordert. Schließlich wollte sie eigentlich mit den Regeln des „Financial Fairplay“ u. a. extreme finanzielle Auswüchse und Wettbewerbsverzerrungen verhindern. Die Klubs müssen nachweisen, dass sie über 3 Jahre keine Verluste von mehr als 30 Millionen Euro haben.
    Laut diesen Regeln darf auch kein Dritter Ablösesummen zahlen. So darf also weder der Besitzer des Klubs aus Katar noch ein Sponsor den Neymar-Transfer finanzieren.
    Paris SG hat jetzt mit Tricks gearbeitet. So soll Neymar als Botschafter für die WM in Katar agieren und dafür eine gewaltige Millionensumme erhalten. Über diesen Weg kann Neymar seine Ausstiegsklausel selbst finanzieren.
    Man darf also gespannt sein, wie die UEFA reagiert, wobei zu befürchten ist, dass die Regeln des Financial Fairplay endgültig zum reinen Papiertiger werden. In die Karten spielen könnte Paris SG auch, dass ein Klub die Regeln über jeweils 3 Jahre einhalten muss. So könnte die UEFA dazu angehalten sein, zunächst abzuwarten, ob sich die Summe über Spielerverkäufe usw. nicht doch korrekt finanzieren lässt.
    Eine Umgehung der Regeln ist es aber auf jeden Fall, denn Paris SG hat das Geld nicht und am Ende kommt es über Umwege aus Katar.
    Eine wirksame Reform und Regulierung des Transfermarktes wäre dringend notwendig. Aber hat die UEFA die Kraft und überhaupt den Willen dazu?

    Es ist natürlich richtig, dass der Neymar-Transfer eine Kettenreaktion auslöst, die leider auch den BVB betreffen könnte, nämlich dann, wenn Barcelona auf der Suche nach Ersatzlösungen auch bei Dembélé plötzlich ernst macht und eine Mega-Transfersumme bietet.
    Das hätte beim BVB einen Abwägungsprozess zur Folge. Mit Dembélé sich größere Chancen auf sportlichen und damit zugleich wirtschaftlichen Erfolg erhalten, im Wissen, dass man ihn auch in ein oder zwei Jahren noch zu einer sehr hohen Transfersumme abgeben könnte, oder die Chance auf eine außergewöhnlich hohe Ablöse nutzen, die der plötzliche Engpass Barcelonas bietet?
    Eine Rolle dabei spielt natürlich auch, wie stark ein Dembélé auf einen Wechsel drängen würde und ob seine sportlichen Leistungen leiden könnten, wenn man ihm diese Möglichkeit dann verwehrt.

    Nach dem gesicherten Verbleib Aubameyangs konnte man zuletzt davon ausgehen, dass der BVB diesmal ohne Verlust eines Leistungsträgers mit einer starken Mannschaft in die neuen Saison gehen kann. Aber wie das Beispiel des Neymar-Transfer zeigt, muss man heutzutage im Profifußball ständig mit allem rechnen.
    Meine Meinung ist eindeutig, der BVB sollte Dembélé möglichst nicht abgeben, egal was für ihn geboten wird. Er hat sich bereits in seiner ersten Saison als Spieler erwiesen, der den Unterschied ausmacht und er harmoniert gerade mit Auba auf dem Platz perfekt, hat ihm viele Tore aufgelegt.
    Dembélé ist noch sehr jung, hat seine gesamte Karriere noch vor sich, kann in den nächsten Jahren immer noch wechseln und er BVB bekommt dann immer noch eine sehr hohe Ablöse.

    Einen Trost hat man aber bei all diesem Transferwahnsinn und das wird auch im Artikel angesprochen, ob sich das sportlich am Ende auszahlen wird, ist längst nicht gesagt. Sowohl Paris SG als auch Neymar gehen da ein hohes Risiko ein. Der Emir aus Katar will den Gewinn der CL, er will, dass Paris SG in die Riege der ganz großen Klubs Europas und der Welt aufsteigt, auch wenn es eher ein teilweise künstlich geschaffenes Produkt ist.
    Trotz Neymar ist Paris SG nicht davor geschützt, in der CL vorzeitig auszuscheiden. Ja, Niemand weiß genau, wie sich das auf das Mannschaftsgefüge auswirkt, ob Neymar die sehr hohen Erwartungne auch erfüllen kann, ob er sich nicht mal verletzt usw. Es ist richtig, dass es teilweise Parallelen zum Götze-Wechsel nach München gibt. Götze war vor allem auf Guardiola fixiert, hatte wohl als Jugendlicher stets Guardiola und den FC Barcelona mit Begeisterung verfolgt. Aber es stellte sich heraus, dass Pep ihn gar nicht wollte (war ein Honeeß/Rummenigge-Ding zur Schwächung des BVB) und dann kam er in München nicht klar. Vielleicht hat er die gesundheitlichen Probleme auch schon seit Jahren.
    Das Beispiel des finanziell künstlich aufgepumpten Manchester City, im Eigenutm der Abu Dhabi United Group, zeigt, dass man den Gewinn der CL nicht kaufen kann. Der Klub rennt diesem Ziel seit Jahren hinterher. Mit Pep und vielen weiteren Millionen soll es endlich klappen. Sicher ist das aber nicht.

    Noch immer sehr wichtig ist es, dass ein Klub ein klares Konzept hat und u. a. im sportlichen Bereich ein gutes Händchen hat sinnvolle Entsxcheidungen trifft, gute Transfers tätigt und möglichst wenig Fehler macht. Das ist dem BVB über Jahre gelungen, deshalb konnte er sich auch gegen einige deutlich reichere Klubs behaupten und unter den Top 10 in Europa etablieren. Es ist aber angesichts der Entwicklungen im internationalen Fußball eine große Herausforderung für den BVB, diese Position dauerhaft zu halten.
    Der BVB muss bestrebt sein, wenn irgend möglich, seine besten Spieler zu halten und deshalb hoffe ich auf einen Dembélé-Verbleib. Legt aber Barca ein Mega-Ablöseangebot vor und will der Spieler unbedingt dorthin, steht den Bossen ein sehr schwieriger Abwägungsprozess bevor. Ich bin gespannt, wie das ganze ausgeht.

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