Was will Signal-Iduna-Chef Leitermann mit seiner Kritik an den BVB-Fans erreichen?

Das Stadion in Dortmund. Foto: Robin Patzwaldt

Manchmal wundert man sich ja, wie ungeschickt angebliche Wirtschafts- und Medienprofis sich in der Öffentlichkeit präsentieren. Jüngstes Beispiel: Signal-Iduna-Chef Ulrich Leitermann, der eine Choreographie der BVB-Fans beim letzten Heimspiel von Borussia Dortmund öffentlichkeitswirksam kritisiert, und eine vermeintliche Randnotiz der Fußball-Bundesliga damit erst so richtig aufgeblasen hat.

Was ist passiert? „Für immer Westfalenstadion“ war vor dem Heimspiel der Borussia gegen Union Berlin am vorletzten Wochenende auf der Südtribüne zu lesen. Eigentlich nicht weiter bemerkenswert, denn ein Großteil der BVB-Fans benutzt diesen Namen im Alltag noch immer, obwohl der Dortmunder Fußballtempel offiziell schon seit dem Jahre 2006 den Namen ‚Signal-Iduna-Park‘ trägt.

Das habe ihm „Schmerzen“ bereitet, sagte der Vorstandsvorsitzende Leitermann jetzt gegenüber den Ruhr Nachrichten. Grundsätzlich verständlich, denn schließlich zahlt der Versicherungskonzern Signal-Iduna seit vielen Jahren eine schöne Stange Geld dafür, dass das Stadion an der Strobelallee den Namen des Versicherungskonzerns in die Öffentlichkeit trägt.

Dass dessen Chef nicht begeistert ist, wenn die Heimstätte des BVB bei den Fans immer noch seinen traditionellen Namen trägt, ist logisch. Warum Ulrich Leitermann sein Unbehagen jetzt aber an die große Glocke hängt und von der Lokalzeitung in die Öffentlichkeit tragen lässt, das Thema Kommerzialisierung und seine Auswüchse dadurch noch einmal so richtig anheizt, das wird wohl sein Geheimnis bleiben. Denn in seinem Sinne weiterbringen wird ihn seine Fankritik sicherlich nicht.

Wenn der Signal-Iduna-Chef nun mit den Worten zitiert wird: „Für mich ist das inakzeptabel, wenn man bedenkt, wie sehr wir diesen Verein seit langer Zeit unterstützen und ihm auch zur Seite standen, als andere keinen Cent mehr geben wollten“, dann wirkt das doch überraschend bockig und insgesamt wenig souverän. Es entsteht ein wenig schmeichelhafter Eindruck, von einem Verantwortlichen in so einem großen Konzern.

Natürlich wird das Stadion immer dann nach seinem Sponsor benannt, wenn in offizieller Mission darüber berichtet wird. Und selbst in den Übertragungen von BVB-Spielen rutscht den Reportern immer wieder mal der Name ‚Westfalenstadion‘ durch, wenn über Dortmund berichtet wird.

Den ‚Volksmund‘ können Geldgeber nur höchstselten komplett unter ihre ‚Kontrolle‘ bringen. Schließlich werden auch andere Fußballstätten und Veranstaltungsorte im Lande von deren Besuchern noch Jahre nach ihrer offiziellen Umbenennung nach ihren ursprünglichen und sponsorenfreien Namen benannt. Da bildet das Westfalenstadion keine Ausnahme.

Und auch die kritische Haltung vieler Fußballfans gegenüber der zunehmenden Kommerzialisierung im Sport ist weder neu, noch wird sie sich durch solche Unmutsäußerungen komplett aus der Welt schaffen lassen.

Was also will Leiermann durch solche Unmutsäußerungen erreichen? Er gibt sich so doch lediglich als überraschend unsouverän und etwas kleinkariert. Wenn er das erreichen wollte, dann ist ihm das durch seine jüngsten Äußerungen auf beeindruckende Art und Weise gelungen. Mehr aber auch nicht.

Sein in den Medien genanntes Ziel, einen „wertschätzenden Umgang, der beide Interessenlagen berücksichtigt“, rückt durch solche Äußerungen jedenfalls eher in eine noch größere Ferne.

Wenn Leitermann im Zusammenhang mit dieser Choreographie der BVB-Fans von einem „heftigen Rückschlag“ spricht, dann hat er diesen durch seine unerwartet deutlichen Kritik am seit Jahren zu beobachtenden Fanverhalten höchstens selber Verursacht. Mehr Professionalität und Gelassenheit eines Konzernchefs wäre hier im Sinne seines eigenen Anliegens wünschenswert gewesen.

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