Weisse Schwarze Musik („What a Man“) Schwarzer weisser Rassist („Clayton Bigsby“)

Ich höre Lena Meyer-Landrut, ihr Cover von „What a Man“. Und denke: „Wenn Weisse Schwarze Musik singen … geht ja gar nicht! Von wem war noch mal das Original?“ Und mache eine Endeckung. Von Andreas Lichte.

Das Original von „What a Man“ klingt so schwarz, wie man es von einem Soul-Klassiker erwartet. Aber die Sängerin Linda Lyndell ist Weisse!

Eine Weisse, die so schwarz singt, dass sie … ich lese (frei übersetzt):

„Lyndell besuchte als Kind weisse und schwarze Kirchen, und saugte die schwarze Gospel-Tradition so vollkommen auf, dass sie als Teenager bei lokalen R&B Bands sang.

In den folgenden Jahren unterstützte Lyndell schwarze Stars wie James Brown und Ike & Tina Turner.

Durch Dave Crawford, DJ aus Atlanta, lernte sie den unsterblichen Otis Redding kennen, der sie den Stax Records-Produzenten Isaac Hayes und David Porter empfahl.

Nur wenige Wochen nach Reddings tragischem Tod bei einem Flugzeugabsturz am 10. Dezember 1967 nahm Lyndell ihr von Crawford produziertes Stax-Debut „Bring Your Love Back to Me“ auf: Ein ansteckender „stomper“ [„Stampfer“], der später grossen Gefallen in Englands „Northern Soul“-Kreisen finden würde, aber bei seiner Original-Veröffentlichung wenig Aufmerksamkeit fand.

Während einer zweiten Session in Memphis in jenem Frühling, improvisierten Crawford und die Stax-Hausband „What A Man“ in nur zwei Aufnahmen.

Die Single erreichte auf der Stelle Platz 50 der Billboard-Charts, aber die vergrösserte Sichtbarkeit brachte auch der Tatsache Aufmerksamkeit, dass Lyndell eine weisse Frau war, die schwarze Musik sang, was Drohungen vom Ku-Klux-Klan und anderen rassistischen Gruppierungen auslöste. Als Reaktion zog sich Lyndell von der Bühne zurück …“

Schwarzer weisser Rassist – black white supremacist

Und ich denke: „Mmh – muss ich also in Zukunft besser aufpassen, dass ich nicht mit den Farben durcheinander komme – schwarz mit weiss verwechsle – ist aber auch schon anderen passiert.“

Siehe den grossartigen Sketch von Dave Chappelle zu Rassismus und Ku-Klux-Klan:

Frontline – Clayton Bigsby

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13 Kommentare

  1. #1 | Mir sagt am 18. April 2012 um 11:07 Uhr

    Ich war mal auf einem „Ladies and Gentlemen heeear cooomes Mister Jaaaames Brooown… James Brown…James Brown“ Konzert in Fulda mit Backstagekarten. Was für eine Performance vor und hinter der Bühne. Dieser Mann war eine Offenbarung in Soul/Funk-Musik.

    Lena dagegen eine Piepsstimme, in Designschwarz, hmmm.

    Zur Musik gehört wohl eher Lebenserfahrung und das Feeling statt der Hautfarbe.

  2. #2 | Andreas Lichte sagt am 18. April 2012 um 11:52 Uhr

    @ Mir #1

    Du schreibst: „Zur Musik gehört wohl eher Lebenserfahrung und das Feeling statt der Hautfarbe.“

    Genau.

    Schau dir doch auch noch den grossartigen Sketch von Dave Chappelle (am Ende des Artikels) an, dann wirst du feststellen, dass auch Rassismus keine Frage der Hautfarbe ist … hier noch mal der direkte link:

    https://www.comedycentral.com/video-clips/7nnosh/chappelle-s-show-frontline—clayton-bigsby

    „Frontline – Clayton Bigsby“

  3. #3 | edi sagt am 18. April 2012 um 13:13 Uhr

    werden die ruhrbarone langsam ein forum, wo autorInnen ihrem strukturellem rassismus fröhnen?! diese positivrassistischen klischees auf der ebene „neger sind musikalisch“ bzw „asiaten sind gut in mathe“…

    und das fazit ist dann wirklich kein beispiel für eine intelligenzleistung:„Mmh – muss ich also in Zukunft besser aufpassen, dass ich nicht mit den Farben durcheinander komme – schwarz mit weiss verwechsle – ist aber auch schon anderen passiert.“

    und was ist so gottverdammt wichtig daran „mit den farben nicht durcheinanderzukommen“?! weil dann eigene vorurteile ins wackeln geraten?
    vor allem, was ist es für eine denke, aus der heraus musik und hautfarbe in bezug stehen?! vielleicht, weil wenn man täglich diskriminierungen wie auch diesem artikel ausgesetzt ist, der charakter daran wächst? -is auch rassismusrelativierender humbug!

  4. #4 | Andreas Lichte sagt am 18. April 2012 um 13:28 Uhr

    @ edi #3

    Sie haben’s einfach nicht verstanden –

    Lassen Sie es sich noch mal von Dave Chappelle erklären:

    https://www.comedycentral.com/video-clips/7nnosh/chappelle-s-show-frontline—clayton-bigsby

    „Frontline – Clayton Bigsby“

  5. #5 | edi sagt am 19. April 2012 um 03:05 Uhr

    @ andreas lichte #4 das „sie“ schenken wir uns jetz einfach mal!
    dave’s sketch hab ich damals schon kurz nach der erstsendung gesehen und verstanden…
    …aber was du nicht verstehst: du bist kein blinder schwarzer, der mit rassistischen stereotypen aufgewachsen ist, sondern ein sehender weisser, der mit rassistische stereotypen aufgewachsen ist und sie hier reproduziert, obwohl du offensichtlich denkst zu reflektieren…

    jetz mal butter bei die fische: du schaffst es in deinem beitrag doch nicht zu formulieren, was du sagen möchtest, holst den chapelle als alibi-schwarzen herbei, der dein musik-vorurteil mehr oder weniger behandelt („ich konnte ja nicht sehen, dass die „schwarze musik“ von ner weissen gemacht wurde“) und legitimierst damit was..?

    der von mir zitierte satz bringt das grundproblem des „unterscheidens“ auf den punkt… …und dieses unterscheiden ist die basis von..? na?

  6. #6 | Andreas Lichte sagt am 19. April 2012 um 09:06 Uhr

    @ edi #5

    Dave Chapelle als „Alibi-Schwarzen“ zu bezeichnen ist voll verpeilt:

    Braucht man bei einem Artikel über einen Soul-Klassiker einen „Alibi-Schwarzen“?

    https://de.wikipedia.org/wiki/Soul

    „Soulmusik oder einfach Soul bezeichnet eine Hauptströmung der afroamerikanischen Unterhaltungsmusik. Sie entwickelte sich Ende der 1950er Jahre aus Rhythm and Blues und Gospel. In den 1960er Jahren war Soul fast das Synonym für schwarze Popmusik. Eng verknüpft ist die Geschichte dieser Stilrichtung mit dem Kampf der US-amerikanischen Bürgerrechtsbewegung gegen Rassentrennung und für Gleichberechtigung (…)“

  7. #7 | edi sagt am 19. April 2012 um 09:40 Uhr

    @ andreas lichte #6
    es geht doch darum, dass du „schwarze“ musik zuordnest…
    du reproduzierst „schwarz“ und „weiss“ stereotypen…
    und ich habe dave c. nicht als „alibi-schwarzen“ per se bezeichnet, sondern nur, wie du ihn heranzitierst bzw instrumentalisierst um auf den punkt zu bringen, was du durch sprache offensichtlich nicht ausdrücken kannst: „vorurteile haben nichts mit tatsächlichen fakten zu tun“.
    die art und weise, wie du das allerdings versuchst ist „voll verpeilt“!
    mich erinnert das an einen satz aus der alten thälmann biografie: „unauslöschlich blieben ihm aber auch die elendsviertel von new york und die schmachvolle behandlung der negerbevölkerung in den usa im gedächtnis“

  8. #8 | Andreas Lichte sagt am 19. April 2012 um 10:35 Uhr

    @ edi #7

    Sie schreiben: “vorurteile haben nichts mit tatsächlichen fakten zu tun”.

    Genau.

    Und jetzt stelle ich Ihnen mal 2 Fragen:

    – gibt es eine afroamerikanische Musiktradition, eine afroamerikanische Kultur?

    – was würden Sie bei einem Soul-Klassiker von 1968 erwarten, als wahrscheinlich ansehen: Singt eine Schwarze, oder singt eine Weisse?

  9. #9 | mir sagt am 19. April 2012 um 11:32 Uhr

    Das Auffangen des Lebensgefühls und das rüberbringen dieses Gefühls in der Musik ist wohl verschiedenlich intepretierbar. Und das auch die Geschichte einer Epoche sich in der Musik niederschlägt ist wohlbekannt. Authentisch wird diese Musik wohl, wenn Betroffene dieses rüberbringen. Bestimmte Dinge sind glaubwürdiger, wenn eine Lebenserfahrung vorliegt.

    Lena, ein Girlie des deutschen Bildungsbürgertums, nun, sie ist zwar überzeugend mit ihrer Musik, sie macht es ganz nett, aber es fehlt der Kick. Vielleicht klingt das in 10 Jahren besser.

    Die Geschichte der Rassenunruhen in Amerika betraf alle Amerikaner jeden Colours, mit unterschiedlicher intensität! Jeder kann da ein anderes Liedchen von singen.

  10. #10 | edi sagt am 19. April 2012 um 12:03 Uhr

    @ andreas lichte #8
    wenn ich musik höre, dann ist mir erstmal die hautfarbe sowas von wumpe! der konstruierte zusammenhang zwischen hautfarbe und musikalischem talent erschliesst sich mir nicht…
    und den schritt in richtung kulturalistische argumentationsversuche haste ja auch jetz erst gemacht…
    aber ich will mal höflich sein und im gegensatz zu dir auch wirklich auf beiträge eingehen:
    zu 1.) nein, es gibt nicht EINE (egal ob tradition oder kultur)…
    zu 2.) diese frage würde ich mir erst gar nicht stellen! die frage ist dumm! warum fragt man sich das? welche relevanz hat hautfarbe für menschen, die sich so etwas fragen?

    und jetzt mal eine frage, die ich gerne beantwortet hätte: warum denken sie bei musik an hautfarbe? ist das sozialisationsbedingt?

  11. #11 | Andreas Lichte sagt am 19. April 2012 um 15:03 Uhr

    @ edi #10

    Sie fragen: „warum denken sie bei musik an hautfarbe?“

    Weil ich Musik mache, und Soul-Musik Klasse finde, z.B.:

    Bob & Earl – „Harlem Shuffle“: https://www.youtube.com/watch?v=cjrvEeQowRk

    Auch hier finde ich das Original viel besser als das Cover der Rolling Stones: woran liegt das, Ihrer Ansicht nach?

    Ich bedaure es, dass ich – „sozialisationsbedingt“ (was für ein Unwort!) – nicht in der afroamerikanische Musiktradition (Blues, Jazz, Gospel, R&B, Soul, Funk …) aufgewachsen bin, so bleiben meine musikalischen Versuche nur Annäherungen. Beim Versuchen bekommt man aber ein Gefühl – und Respekt! – dafür, was anders ist …

    Aber für Sie ist ja alles gleich …:

    Was ist Ihr Motiv zu bezweifeln, dass es eine afroamerikanische Musiktradition gibt? Haben Sie keinen Respekt vor kulturellen Leistungen?

  12. #12 | Andreas Lichte sagt am 19. April 2012 um 15:12 Uhr

    @ edi #10

    Sie schreiben: „der konstruierte zusammenhang zwischen hautfarbe und musikalischem talent erschliesst sich mir nicht…“

    Das ist bullshit, bzw. eine Unterstellung: Ich habe nirgends gesagt, dass es einen „zusammenhang zwischen hautfarbe und musikalischem talent gibt“, sondern stelle ja genau das Gegenteil fest:

    Linda Lyndell wächst in der Gospeltradition auf, saugt schon sehr früh die afroamerikanische Musik auf, und singt anschliessend so überzeugend Schwarze Musik, dass Sie als Weisse vom Ku-Klux-Klan verfolgt wird … wow!

    Es geht hier also nicht um „musikalisches Talent“ – meinen Sie damit „Vererbung“? – sondern um Lernen in der Kindheit.

  13. #13 | Braudel sagt am 20. April 2012 um 10:50 Uhr

    Immerhin finde ich Lena’s Cover-Version noch deutlich besser als die – international sehr erfolgreiche – billige Verhackstückung durch Salt n Pepper (Whatta man).
    @Mir #9, vielleicht wirds schon eher besser. Ende des Jahres soll ein Album kommen bei dem sie erstmalig voll am Songwriting und Produzieren beteiligt ist. Produzent ist nicht mehr Raab sondern ein schwedisches Team.

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