Westfalen auf Beutezug in Bayern?

Paderborn-Trainer A. Breitenreiter. Quelle: Wikipedia, Foto: Northside, Lizenz: CC BY-SA 3.0
Paderborn-Trainer A. Breitenreiter. Quelle: Wikipedia, Foto: Northside, Lizenz:CC BY-SA 3.0

In der Fußball-Bundesliga ist aktuell eine ‚englische Woche‘ angesagt. Kaum eine Pause für Fußballfans also mal etwas durchzuatmen. Bereits heute Abend trifft Aufsteiger SC Paderborn auf den großen FC Bayern München. Der Auftritt an der Isar ist sicherlich für viele Profis im Kader der Westfalen das bisherige Karrierehighlight. Und es sei ihnen von Herzen gegönnt.

Was einige Medien daraus allerdings zu machen versuchen, dass kann nur als Extremvermarktung bezeichnet werden, denn der SC Paderborn steht nach einem gelungenen Saisonstart mit aktuell acht Punkten an der Tabellenspitze der Liga, reist also als Tabellenführer zum Rekordmeister. Und schon ist das marktschreierisch angepriesene Spitzenspiel des fünften Spieltags auserkoren.

Fakt ist, die von Manager Michael Born mit vergleichsweise bescheidenen Möglichkeiten zusammengestellte Mannschaft ist bisher sehr erfreulich aufgetreten, hat daheim gegen Mainz und Köln jeweils ein Unentschieden erreicht, Hannover sogar mit 2:0 bezwungen. Auswärts beim HSV, beim bisher einzigen Auswärtsspiel der noch jungen Saison, hat man ebenfalls gleich dreifach gepunktet. Eine tolle Leistung, ohne Frage!

In und um Paderborn wird man allerdings erfahren genug sein um zu registrieren, dass es für die von Trainer Andre Breitenreiter gecoachte Truppe nur darum gehen kann möglichst viele Punkte gegen den Abstieg zu sammeln. Die Tatsache dass man aktuell Tabellenführer ist, erscheint da eher als witzige Randnotiz. Zum Einen ist die Liga derzeit, nach nur vier Spielen, noch eng zusammen, und zum Anderen haben die Kicker vom Verein mit dem kleinsten Budget der Liga bereits drei Heimspiele absolviert, zudem nicht gerade gegen die stärksten Clubs der Liga gespielt.

All das soll ihre bisherige Leistung gar nicht schmälern, zeigt aber doch eindeutig, dass man die Situation auch nicht überbewerten sollte. Der Abstand von immerhin schon sechs Punkten auf die Abstiegsränge kann allerdings die Verkrampfung vor dem heutigen Auswärtsauftritt in München lösen. Die Breitenreiter-Elf kann beim Doublesieger von 2014 ohne Druck antreten. Und wer weiß, vielleicht gelingt es ihnen ja tatsächlich auch dort ungeschlagen zu bleiben. Aber selbst wenn dies heute Abend gelingen sollte wäre das nur ein weiterer Bonuspunkt auf dem schweren Weg zum Klassenerhalt und nicht mehr. Auch wenn manch überschwängliche Medien sicher dann auch danach versuchen dürften uns mehr weiszumachen als die aktuelle Tabelle selbst den Paderborner Verantwortlichen bedeuten dürfte. Es sind derzeit ja erst gut 10% der Saison absolviert, und als Aufsteiger punktet man halt besser direkt am Anfang kräftig, wenn man die Klasse am Ende halten will. Fragen sie mal in Düsseldorf nach, wo die Fortuna nach einer wirklich tollen Vorrunde vor zwei Jahren am Ende trotzdem wieder abstieg, als ihnen die sprichwörtliche Puste gegen Ende mehr und mehr ausging…

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6 Kommentare

  1. #1 | WALTER Stach sagt am 23. September 2014 um 12:54 Uhr

    Robin,
    ich denke, daß die meisten Fußball-Fans sich über den „sensationellen“ Start des FC Paderborn freuen, so wie ich als BVBer.

    Daß die Paderborner trotz der Tabellenführung beim FC Bayern „krasser Außenseiter“ sind, ist für mich und verrmutlch auch für die meisten Fußball-Fans ebenso klar.

    Daß die meisten Fußball-Fans dem krassen Außenseiter eine positive Überraschung, also zumindest ein Unentschieden wünschen, scheint mir ebenfalls klar. Daß wir BVBer dies besonders nachdrücklich wünschen, muß nicht betont werden.

    Mich beschäftigt aber derzeit nicht so sehr der FC Paderborn (und der FC Bayern), sondern primär die Frage, mit welchem Ergebnis der BVB jeweils die Spiele gegen Stuttgart und S04 beenden wird!

  2. #2 | Robin Patzwaldt sagt am 23. September 2014 um 13:00 Uhr

    @Walter: Ich habe, ehrlich gesagt, vor den nächsten Spielen des BVB kein gutes Gefühl. Der Druck ist nach der unnötigen Niederlage in Mainz schon wieder recht groß. Und die Personalsituation arg angespannt.
    Zur Lage in Paderborn noch kurz: Schon bemerkenswert wie sehr manche Medienvertreter schon nach so wenigen Spieltagen auf die Tabelle schielen. Mir hat man früher mal gesagt, dass die Tabelle erst nach ca. 10 Spieltagen etwas an Aussagekraft gewinnt. Offenbar ist soviel Geduld heutzutage aber nicht mehr gefragt. Da wird schon nach dem Eröffnungsspiel der Bayern gegen Woilfsburg erwähnt, dass die Bayern damit Tabellenführer sind. Dabei hatten da 16 der 18 Mannschaften noch gar nicht gespielt. Verrückt!

  3. #3 | jovan sagt am 24. September 2014 um 12:50 Uhr

    1. es heißt SC paderborn. grade bei namen von fußballvereinen darf eine gewisse aufmersamkeit verlangt werden. sagt ja auch niemand sv borussia dortmund.
    und nein! es gibt auch fußballbesessene, die NICHT immer gegen die bayern sind und auch nicht immer „die kleinen“ sympathisch finden.
    es steht außer frage, dass der scp zurecht in der 1.liga spielt. aber als anhänger eines clubs (in meinem fall der meidericher spielverein) und interessierter an fankultur erscheint mir dieser fusionsquatsch ohne anhänger und bewohner eines baumarktähnlichen veranstaltungsortes als durchaus nicht notwendig.
    ungerecht, durchaus. aber gegen stereotype sind zuweilen nur solche anwendbar. und ich möchte schlicht nicht mehr ständig „ins boot geholt“ werden.
    aber die fußballerische realität hat die sache ja bereits aufgearbeitet.

  4. #4 | WALTER Stach sagt am 24. September 2014 um 14:52 Uhr

    Robin,
    auch im Fußball gibt es ja ‚mal Überraschungen, aber eben nicht immer : 4:0 für die Bayern gegen Paderborn -Normalität-!

  5. #5 | Robin Patzwaldt sagt am 24. September 2014 um 15:08 Uhr

    Walter, kurzes Beispiel für diesen ‚Tabellenwahnsinn‘: Vor dem letzten Spiel hiess es noch, der BVB will mit einem Sieg in Mainz Tabellenführer werden. Heute heisst es, der BVB will unbedingt wieder in die erste Tabellenhälfte! Noch Fragen? 😉

  6. #6 | WALTER Stach sagt am 24. September 2014 um 16:00 Uhr

    Robin,
    die Medien brauchen „Fußball-Futter“, möglichst im Stundentakt Neuigkeiten im Stundentakt -Fakten, Spekulationen, eine bunte Mischung von alldem.
    Und wir Fans stürzen uns auf alles und jedes, was mit der Bundesliga, was speziell mit unserem Verein zu tun hat. Dazu gehört der tägliche Blick auf die Tabelle und das spekulieren nach dem Motto: „Was wäre, wenn….. -der BVB z.B. gegen Leverkusen und in Mainz gewonnen hätte- und was wird sein, wenn……-der BVB gegen Stuttgart und bei S04 verliert? Über Letzteres will ich aber nicht weiter nachdenken!!!!!

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