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ZPS: Soko-Chemnitz und stumpfe Selbstinszenierung

Screenshot mit freundlicher Genehmigung JFDA

In seiner neuen Aktion „SOKO-Chemnitz“ ruft das Zentrum für politische Schönheit dazu auf, die Teilnehmer der Ausschreitungen von Chemnitz zu identifizieren und auch beim Arbeitgeber zu melden. Und wie so oft ist diese Aktion nicht frei von (durchaus berechtigter) Kritik.

Das Zentrum für politische Schönheit fällt immer wieder durch besonders kontroverse Aktionen auf, die teils auf Bewunderung, teils auf Kritik stoßen. So wurden in der Vergangenheit vor dem Bundestag Gräber ausgehoben, um auf die ertrunkenen Flüchtlinge im Mittelmeer hinzuweisen, und eine Kopie des Holocaustmahnmals in Sichtweite zu Höckes Vorgarten gebaut. Gerade letzteres ist meiner Ansicht nach eine Instrumentalisierung des Gedenkens an die Shoa und damit auch der Shoa selbst, mit dem bloßen Zwecke des Spektakels, und dem einzigen Ziel, den AfD-Politiker zu demütigen.

Dass die Inszenierung wichtiger als eine tatsächliche politische Handlung ist, beweist das Zentrum mal wieder mit seiner neuen Aktion „SOKO-Chemnitz“, mit der zur Denunziation der Teilnehmer der Ausschreitungen von Chemnitz aufgerufen wird. In gekonnter Selbstüberschätzung wird sowohl mit offensichtlich erfunden Zahlen wie den 3 Mio. Fotos von 7000 Verdächtigen hantiert, als auch tatsächliche journalistische und antifaschistische Arbeit erschwert und behindert. Veröffentlicht werden dürfen die gewonnenen Erkenntnisse aus Datenschutzgründen ebenso wenig wie die Verwendung von Nazi-Jargon wie „Drückeberger“, „AfD-Ratte“, etc sinnvoll erscheint.  Des Weiteren wurden auch Fotos des Jüdischen Forums für Demokratie und gegen Antisemitismus gegen den ausdrücklichen Willen des Forums verwendet. Deren Sprecher Levi Salomon äußert sich auf Facebook dazu wie folgt:

„Durch die unerlaubte Verwendung von urheberrechtlich geschütztem Material entsteht der Eindruck, dass wir der Verwendung unserer Bilder zugestimmt hätten, um die Aktion des Zentrums für politische Schönheit zu unterstützen. Das Gegenteil ist der Fall. Mit seiner Aktion diskreditiert das ZpS nicht nur unsere journalistische Glaubwürdigkeit, es erschwert und gefährdet auch unsere künftige Arbeit im Feld. Ein Fahndungs- und Denunziationsportal, in dem Teilnehmer der rechtsextremen Demonstrationen als ‚AfD-Ratten‘ bezeichnet werden, unterminiert eine sachliche und fundierte Auseinandersetzung mit den Gefahren, die von rechtsextremen und rassistischen Mobilisierungen ausgehen.“

Diesem Zitat ist eigentlich nichts mehr hinzuzufügen.

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4 Kommentare zu “ZPS: Soko-Chemnitz und stumpfe Selbstinszenierung

  • #1
    Thommy

    Reichlich kleingeistige Auffassung.

    Haben Sie sich die Seite www.soko-chemnitz.de überhaupt mal angesehen?

    Ich finde die Aktion super. Sie ist sehr gut vorbereitet, mit zahlreichen Informationen choreografiert, sorgt in der Tat für Aufsehen und bringt verschiedenste Themen zusammen.

    Und-sie zeigt denen, die – neben den neofaschistischen Promis – meinen, in der Anonymität des Massenauflaufs Hitler huldigen und Ausländer hetzen zu können, dass Sie eben eines nicht sind – anonym und unerkannt.

    Klagen denn nicht alle seit Jahrzehnten über die vielen anonymen Mitläufer des Dritten Reiches? Haben diese nicht die Diktatur stabilisiert?

    Haben diese nicht durch Denunziationen Menschen verraten und so in den Tod geschickt?.

    Ja, haben sie – und nun kommt das ZpS und sagt, so, Leute, ab sofort wird nicht mehr anonym Rechtsradikales skandiert.

    Und das JFDA jammert rum, weil seine Photos verwendet wurden? Ja, wozu haben die diese Photos gemacht? Für die Schublade?

    Und der Autor beklagt stumpfe Selbstinszenierung?

    Sorry, aber dann hat der Autor nicht verstanden,worum es geht – zum Beidpiel auch darum,dass der Stast dem rechten Mob die Stadt pberlassen hstte und bis heute nichts tut,diesen rechten Spuk aufzuklären.

    Aber, wenn Ihnen das lieber ist und Sie meinen,Beine hoch durchdachte Aktion mit ein paar dahingeklatschten Zeilen denunzieren zu können, bitte schön- sie können ja "Händchen halten gegen Rechts"

  • #2
    Ricardo

    "Dass die Inszenierung wichtiger als eine tatsächliche politische Handlung ist, beweist das Zentrum mal wieder mit seiner neuen Aktion …"

    Aeh, Hallo Kunst? Der Autor betreibt "Analyse" ohne Kunstbegriff und wendet Kriterien an, als ob das ZPS eine politische Partei wäre.

    Also: ist das Journalismus, oder kann das weg?

  • #3
    Ines C.

    #2: Das ZPS betreibt Pranger-Politik ohne Kunstbegriff und Ästhetik-Konzept. Wie man in den Wald reinbrüllt so schallts heraus.
    Der künstlerische Kommunikationsflop wird im Vergleich zu den Yes-Men Aktionen sehr schnell plausibel.

  • #4
    Alex P.

    Wer sich unter zeitgemäßen Antifa-Aktionen nicht viel vorstellen kann (es scheint ja unter den Autoren und Lesern der RB einige davon zu geben), sei "honeypot" bei soko-chemnitz.de empfohlen.

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