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Update: Der Jamiri-Plagiator Andreas Heinze aus Oberhausen wagt eine Ausstellung

In Ruhrgebiet | Am 29 Juni 2012 | Von Georg Kontekakis

"DAS ist nicht Jan auf einer heimlich eröffneten Ausstellung mit neuen Werken, DAS ist Jan vor dem dreistesten Plagiat, das ich je sah. Ein Andreas Heinze, der sich selbst vorahnend "flauteboy" nennt, besitzt nicht nur die Frechheit, haargenau Jans Strich, Typo, Aufbau und - Gott sei Dank ohne Erfolg - auch seinen Humor zu kopieren, er hat auch noch die Chuzpe, seine 'Werke' auszustellen." Bild und Text via Facebook

"DAS ist nicht Jan auf einer heimlich eröffneten Ausstellung mit neuen Werken, DAS ist Jan vor dem dreistesten Plagiat, das ich je sah. Ein Andreas Heinze, der sich selbst vorahnend "flauteboy" nennt, besitzt nicht nur die Frechheit, haargenau Jans Strich, Typo, Aufbau und - Gott sei Dank ohne Erfolg - auch seinen Humor zu kopieren, er hat auch noch die Chuzpe, seine 'Werke' auszustellen." Bild und Text via Facebook

Peinlicher geht es nicht. Andreas Heinze aus Oberhausen macht nach, zeichnet ab und nennt sich Comic-Künstler. Er plagiiert Jamiri. Und macht mit den Plagiaten eine Ausstellung in Oberhausen in der VHS. Und diese lächerliche Internetseite labkultur.tv, die sich Kulturseite nennt, merkt das nicht und schreibt einen Jubel-PR-Artikel über die Ausstellung der Plagiate. XX Update ganz unten: Perik Hillenbach von labkultur.tv hat auf Vorwürfe reagiertXX

Ich schäme mich fremd. Andreas Heinze ist eigentlich kein schlechter. Er bemüht sich in Oberhausen um so was wie Comickultur. Das ist schwer. Sicher. Und das ist lobens- und unterstützenswert.

Aber deswegen darf man nicht abmalen. Das geht einfach nicht. Andreas Heinze plagiiert bis ins Detail. Die Figuren: Vom Hund über den Freund bis zur Freundin – identisch, bis auf kleinste Änderungen. Seine Bartstoppeln sind blond. Selbst die Schriften, die Überschriften, die Bildaufteilung, die Farben. Alles abgekupfert.

Dass eine VHS das nicht merkt, kann ich mir ja noch vorstellen. Da sitzen halt Leute, die keine Ahnung haben. Die fallen auf die Plagiate rein, weil der Plagiator Andreas Heinze ein netter ist. Die VHSler lassen sich so eine Ausstellung mit peinlichen Plagiaten aufschwatzen.

Aber ich hätte nicht gedacht, dass eine Seite, die sich Kulturseite nennt, wie labkultur.tv, die Plagiate nicht bemerkt. Natürlich wusste ich, dass labkultur.tv nur Staatskohle abziehen will. Aber eine Art Mindestqualifikation hätte ich zumindest für mein Steuergeld erwartet.

Die Autorin Sandra Anni Lang schreibt für labkultur.tv blind wie eine Schleiche über die Ausstellung des Plagiators Andreas Heinze. Sie schreibt schleimige Public Relations, und merkt das nicht mal. Sie schreibt:

Die fotorealistischen Hintergründe seiner Arbeiten ähneln denen des Essener Zeichners Jamiri: „Unsere Bilder gleichen sich an einigen Stellen. Aber während Jamiri Geschichten für Intellektuelle schreibt, mache ich eher profanes Zeug“, schmunzelt Andreas Heinze.

Sandra Anni Lang, hättest Du hingesehen, hätte Dir auffallen müssen, dass die Bilder sich nicht ähneln oder sich an einigen Stellen gleichen, sondern dass der Plagiator Andreas Heinze plump abkupfert, klaut, stiehlt. Profanes Zeug? Scheißzeug!

Aber Sandra Anni Lang reicht diese Dummheit nicht. Sie lässt sich vom Plagiator nicht nur einreden, dass der Plagiator sich von ganz vielen anderen Spitzenzeichnern habe inspirieren lassen, sondern sie nimmt ihm auch noch ab, dass sein Tier ihm wichtig sei.

Mein Hund ist oft genug Aufhänger meiner Geschichten, immer bei meinen Streifzügen durch Oberhausen dabei und begleitet mich schon seit vielen Jahren. Das Tier ist mir wichtig.“

Ich denke, tausende Leser kennen Jamiris Hunde-Stories.

Wir sind aber immer noch nicht am Ende. Der Plagiator Andreas Heinze wird natürlich nicht nur von mir attackiert, sondern von jedem, dem Originalität was bedeutet.

Daraufhin meldet sich die PR-Schreiberin Sandra Anni Lang erneut zu Wort. Sie schreibt in Facebook.

Ich hatte es als Autorin des Beitrags über die Ausstellung bei LABKULTUR bereits gepostet: Hat jeder, der in diesem Thread über den Künstler richtet, die Ausstellung besucht? Und hat jeder zudem die Genese des künstlerischen Schaffens beider Künstler verfolgt und kann daher gewiss sein, wer wessen Werk beeinflusst hat?“

Wer wessen Werk beeinflusst hat? Junge Frau, da hätte ihnen ein wenig Recherche sehr gut getan, bevor sie in die Tasten greifen. Jamiri ist ein Künstler. Der Plagiator Andreas Heinze ist keiner. Jamiri macht seine Sachen seit – was weiß ich, 20 Jahren – er hat etliche Bücher rausgebracht – in seinem Stil, den er erfunden hat. Der Plagiator macht seine Scheiße mit den Plagiaten seit Kurzem. Jamiri ist seit Jahren bekannt, veröffentlicht überall. Der Plagiator hat seinen Scheiß noch nirgendwo an einer nennenswerten Stelle veröffentlicht – bis jetzt. Wie soll jemand den Stil eines anderen in der Vergangenheit beeinflussen? Per Flux Kompensator?

Frau Sandra Anni Lang: Sie merken ich bin echt wütend. Das bin ich, weil ich mich ärgere, wenn so dreist geklaut wird und das geklaute dann von ahnungslosen PR-Schreibern bejubelt wird. Wer sich in die Öffentlichkeit begibt, muss damit rechnen kritisiert zu werden.

Sie haben offensichtlich nicht den Unterschied verstanden zwischen Kunst und Plagiat. Nicht der Umstand, dass der Plagiator Andreas Heinze die Technik benutzt, die Jamiri benutzt, ist verwerflich – er kann das Wacom prima für eigene Sachen nutzen und mit Cintiq auf Fotos rumzeichnen. Da hat niemand was dagegen. Jeder der einen Bleistift von Faber halten kann, kann zeichnen.

Das Problem ist: Der Plagiator Andreas Heinze klaut die stilistischen und erzählerischen Ideen, die mit der Technik umgesetzt werden, die Figuren, ja er will sogar Jamiris Humor klauen – was ihm aber zum Glück nicht gelingt.

Wer keine eigenen Ideen für Comics hat, sollte halt Schreiner werden.

Und wer keine Ahnung hat, sollte nicht schreiben – nicht mal PR.

Die VHS Oberhausen sollte die Ausstellung des Plagiator Andreas Heinze abbrechen, die Bilder abhängen und sich bei Jamiri entschuldigen.

Das labkultur.tv sollte den peinlichen Artikel von Sandra Anni Lang löschen oder durch eine echte Kritik der Ausstellung des Plagiators Andreas Heinze ersetzen.

Das labkultur.tv mit Staatskohle Public Relations für geistigen Diebstahl macht, hätte ich nie erwartet. Ich hätte gedacht, dass zumindest diese Schwelle nicht unterschritten wird. Schließlich will Dieter Gorny, der Kopf hinter labkultur.tv, doch das geistige Eigentum schützen. Aber so kann man sich vertun.

Zum Glück gibt es noch andere Leute, die sich für die Recht der Urheber in Deutschland einsetzen.

XX Update XX

Auf labkultur.tv hat Perik Hillenbach reagiert. Er sagt, ich sei Stefan. Das stimmt nicht. Ich bin ich: Georg Kontekakis. Aber davon ab, Perik:

Das war ganz schwach von Dir. Jamiri erklärt Dir da im Text ganz deutlich, dass er plagiiert worden ist und was das bedeutet. Aber anstatt dass Du dann auch mal einsiehst, dass Deine PR-Autorin Mist gemacht hat, und dass Du einfach den Blödsinn Deiner PR-Frau offline stellst, setzt Du noch einen drauf. Jetzt willst Du noch den Plagiator seine Sicht der Dinge verbreiten lassen. Und hältst dazu auch noch seine unsägliche Ankündigung zu seiner Plagiatsausstellung Online.

Gerade wäre es gewesen, wenn Du das PR-Gesülze abgeschaltet und Dich stattdessen bei Jamiri entschuldigt hättest. Danach hättest Du auch einen Artikel machen können, in dem Du erklärst, warum Jamiri das Plagiiert-werden weh tut. Meinetwegen hättest Du auch in einem solchen Artikel den Plagiator konfrontieren können, damit er sich verteidigt. Dass hätte ich von Dir erwartet. Das wäre der Perik gewesen, den ich kenne. Stattdessen konfrontierst Du Jamiri mit den Vorwürfen der Plagiatoren. Verkehrte Welt. PR-Welt. Tut mir leid Perik. Sorry ey.

Oder hast Dich nicht gegen irgendwelche Fasel-Chefs bei Dir im labkultur.tv nicht durchsetzen können, den Schrott offline zu nehmen? Solltest Du aber tatsächlich hinter der Entscheidung stehen, den PR-Quatsch online stehen zu lassen, wärst Du in meinen Augen echt abgestiegen. Das will ich mir eigentich gar nicht vorstellen.

Davon ab: Ihr feiert bei euch Stephan Schambach von Intershop Communications als visionären Internet-Vogel ab. Zur Erinnerung: Schambach war einer der Auslöser der Dotcom-Blase. Seine Firma hat Menschen ruiniert. Wie kann man den Mann unkritisch als Visionär einer Creativen Industrie feiern. Zumindest muss man doch sagen, was der getan hat. Ach ich vergaß: Creative Innovation Summit. Englische Worthülsen. Euer Kerngeschäft. PR-Laberei im laberkultur.tv


106 Kommentare zu »Update: Der Jamiri-Plagiator Andreas Heinze aus Oberhausen wagt eine Ausstellung«

  1. #101 | DH sagt am 3. Juli 2012 um 15:06

    @#100, Arnold, mit (1) und (3) hast Du recht, aber es geht mir gar nicht so sehr um Inschutznahme des geprügelten Lab. Ich will lediglich, dass generell die Argumente im und ums Ruhrgebiet besser werden, und da sind die Belanglosigkeiten des Lab genau so hinderlich wie Eure passiv-aggressiven Schlichtheiten, die eben nicht nur Stilfragen sind.

    Ich freue mich, wenn Du den Verein in Marxloh schätzt; mit dem Lab vergleichen lässt sich unsere Arbeit dort aber nicht. Duisburg ist grad’ ein äußerst dankbares Pflaster, weil hier nahezu alle spannenden räumlichen Konflikte aufgebrochen sind, die man in unseren Breiten so debattieren kann. Umso schlechter, weil schlichter (s.o) ist es, wenn auch ihr das wieder nur unter dem blöden wie falschen Terminus „sterbende Stadt“ verhandelt.

  2. #102 | Stefan Laurin sagt am 3. Juli 2012 um 15:15

    @DH: Die aggressive Schlichtheit ist sicher nicht optimal. Aber sie hat ihren Grund: Wenn kein Argument jemals aufgenommen wird, jeder Dialog immer nur dazu dient die bestehenden Strukturen zu legitimieren dann dürfen die Protagonisten und Profiteure dieser Strukturen mit nichts anderem mehr rechnen als das wir die Dinge auf den Punkt bringen und sie deutlich bennen. Das ist dann schlicht, das ist dann aggressiv – aber auch nicht anders verdient.

  3. #103 | Helmut Junge sagt am 3. Juli 2012 um 16:09

    Stefan, “Die aggressive Schlichtheit ist sicher nicht optimal”
    Die Leser leiden mehr als das Lab.

    Dirk, “weil hier nahezu alle spannenden räumlichen Konflikte aufgebrochen sind, die man in unseren Breiten so debattieren kann”
    Dass dieser Gedanke jemals ausgesprochen werden könnte, war für mich vor 40 Jahren. als ich, etwa 500 Meter von eurem Tagungsort entfernt, geheiratet habe,
    absolut unvorstellbar.

  4. #104 | David sagt am 4. Juli 2012 um 09:49

    Geil, hier geht wieder einiges!!

  5. #105 | so_it_goes sagt am 4. Juli 2012 um 10:51

    Von diesen Lab vs. Ruhrbarone-Vorgeschichten weiß ich nichts, ich kommentiere als “Exterritorialer”. Die zentralen, gegen den Artikel gebrachten Argumente lauten wohl:

    -Es gibt ein Recht auf künstlerische Freiheit, dieses dürfe sich Heinze für seine Werke/Ausstellung gefälligst herausnehmen
    -Er hätte an keiner Stelle seiner Produktion irgendwelche geschriebenen Regeln verletzt
    -Er hätte genügend Bilder produziert, die nicht so frappant an Jamiri erinnern, man solle sich die Arbeiten doch mal alle ansehen

    Zunächst einmal verrät es generell eine zynische Haltung, wenn man öffentlich ein anstößiges Verhalten an den Tag legt und dann scheinheilig fragt “habe ich
    irgendwelche geschriebenen Gesetze verletzt? Nein? Was wollt ihr dann, könnt ihr mir was?” Es sollte klar sein, dass es im gesellschaftlichen Leben nicht nur auf geschriebene, sondern auch auf ungeschriebene Gesetze ankommt. Gesunde Anstandsregeln bedürfen keiner juristischen Fixierung (eine Gesellschaft, die derartige “Vollregulation” nötig hätte, wäre moralisch nämlich bereits am Ende).

    Soviel zu den ersten beiden Argumenten – und was das dritte betrifft, so lässt sich aus diesem das moralische Versagen von Heinze (und seinen Verteidigern) direkt ableiten. Denn wenn es doch so viele eigenständige Sachen von Heinze gibt, dann hätten diese, und prinzipiell NUR diese, etwas in einer Ausstellung unter seinem Namen zu suchen. Mit seinen Jamiri-Abkupfereien hätte er von Anfang an anders umgehen müssen: Entweder sie aus der Ausstellung ganz herauslassen (dann hätte er jetzt den Ärger nicht) oder, wenn er sie schon reinnehmen muss, in irgendeiner Form auf das Vorbild verweisen (so etwas kann man entweder im Comic selbst tun, oder in begleitenden Kommentaren des Künstlers zu seiner Ausstellung: “Die Arbeiten xyz sind meine persönliche Hommage an Jamiri, der meine Arbeitsweise sehr beeinflusst hat”). Es geht um einfache moralische Regeln, die eigentlich jeder, der guten Willens ist, nachvollziehen kann.

    Das alles demonstrativ nicht für nötig zu halten verrät eine “ich erlaube mir mal, euch alle zu verarschen”-Haltung – in diesem Fall getarnt hinter einer betont naiven “Wie? Jamiri? Ach ja, klar, kenn ich”-Pose. Darüber darf man sich durchaus aufregen, und die sprachlich scharfe Reaktion der Autoren auf diese schlechte Show sind absolut berechtigt. Zwischen Plagiat i.e.S. und Nachäfferei mag es Unterschiede geben, aber das zum Narren gehaltene Publikum ist in jedem Fall berechtigt, einem Guttenberg und einem Bushido ebenso wie einem Heinze in klarer Form mitzuteilen, dass sie für ihren Scheiß (yep!) nicht die Bewunderung verdienen, die sie sich im stillen Kämmerlein erträumt haben.

  6. #106 | Zap sagt am 5. Juli 2012 um 07:36

    Der Plagiat-Vorwurf ist meiner Meinung nach nicht gerechtfertigt. Man muss trennen zwischen “Technik/Stil” und “Inhalt”. Es steht wohl außer Frage, dass die Inhalte von Flauteboys Comics eigenständig und nebenbei bemerkt sehenswert sind. Darauf kommt es letztendlich an. Der Stil gleicht dem von Jamiri. Na und? Man stelle sich diese Diskussion mal im Bereich der anderen Künste vor: Musik, Malerei, Belletristik… Solange jemand z.B. eigene Songs schreibt ist es völlig egal in welchem Stil er sie aufnimmt und veröffentlicht. Es gilt als eigenständig. Andernfalls müsste man ca. 98% aller Tonträger in die Tonne kloppen. Es mag Jamiri nicht gefallen, dass Flauteboy in ähnlichem Stil etwas macht aber ein Plagiator ist er deswegen noch lange nicht.

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